Parfum und Politik – Die Nase voll

Die Nase voll – eine Petition für Duft
Eine deutsche Internetseite mobilisiert europaweiten Widerspruch zur EU-Gesetzesänderung zu Parfum

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HIER GEHTS ZUR PETITION!

Engagierte Verbraucher melden sich zur geplanten Änderung der Kosmetikverordnung zu Wort: in Brüssel ist am 11.04.2014 ein Dokument eingegangen, das einige EU-Kommissionsmitglieder überraschen dürfte. „Ärzte, Gutachter, die großen Parfumhäuser und Parfumeure – alle sind schon gehört worden. Jetzt bekommen endlich die Verbraucher eine Stimme“, sagt Christoph Polatzky, Betreiber von Parfumo, Deutschlands größter Parfum-Community und Onlineplattform, auf der sich täglich Tausende zu ihren Lieblingsdüften austauschen. Zeitgleich mit der Einreichung an die Kommission in Brüssel hat die Community eine Unterschriftenaktion gestartet, die in den nächsten Monaten offen steht. Bereits im Vorfeld hatte die Petition viel Unterstützung von internationalen Web-Communities, Bloggern und Facebook-Usern: Alle machen mit.

Verbote und Grenzwerte für Parfumkomposition sollen per EU-Dekret verschärft werden, um der Möglichkeit von Allergien zu begegnen. Bei einigen Stoffen ist ein geringes Risiko leichter Irritation im Test nachgewiesen. 1 bis 3 % der Bürger könnten betroffen sein. In den Augen der informierten Verbraucher schießt diese Form des Verbraucherschutzes weit über das Ziel hinaus. Angelika Förster, eine Mitverfasserin der Petition und des Textes für Brüssel, erklärt warum: Wenn diese Stoffe auf der Verpackung deklariert werden, reicht das. Wir sagen ja zu Information und Transparenz – nein zu Bevormundung. Eine Überreaktion würde ein altes und wunderbares europäisches Kunsthandwerk so sehr beschränken, dass es daran kaputt gehen könnte.“

Die Sorge um das Kulturgut Parfum ist berechtigt: Viele, seit Jahrhunderten erprobte Duftstoffe wären nach der Gesetzesänderung nur noch beschränkt oder gar nicht mehr einsetzbar. Klassiker und von vielen Menschen geliebte Düfte wie Chanel No 5, Cool Water oder CK One gälten dann als gesundheitsschädlich. „Viele bekannte Parfums müssten umformuliert werden, so dass man sie kaum wiedererkennen könnte oder sie würden ganz vom Markt genommen werden. Und neue Parfumkompositionen würden behindert. Man muss sich die Parfumkunst ohne den Duft der Rose vorstellen, ohne Moos, ohne Zitrone oder Pfeffer. Wie ein Gemälde ohne Farbe!“ sagt Polatzky. Förster ergänzt: „Wir setzen darauf, dass die EU einen Weg findet, der das Kulturgut Parfum erhält und freuen uns über weitere Unterstützung, die dazu beiträgt.“

Tatsächlich scheint sich Angelika Försters Wunsch nach breiter öffentlicher Unterstützung zu erfüllen: Während das Konsultationspapier an die in Brüssel Verantwortlichen geleitet wird, sammeln sich die Unterschriften. Bereits wenige Minuten nach Beginn der Aktion auf Parfumo hatten hunderte die Petition unterschrieben.

UND HIER GEHT ES NOCH EINMAL ZUR PETITION!

Parfum und Politik – SOS für Parfum

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Die EU-Kommission ist in den letzten Schritten einer Gesetzesänderung, die Parfum essentiell betrifft: Noch bis Mitte Mai findet die öffentliche Konsultation dazu statt, die letzte Vorinstanz, bevor die Änderungsbeschlussvorlage an EU-Parlament und EU-Rat geht, wo sie nicht mehr inhaltlich diskutiert wird (denn das Gesetz existiert bereits, für eine Änderung der Anhänge, die dem Sinn der grundsätzlichen Regelung entspricht, ist nur eine formelle Befassung nötig). Es ist die Änderung der Anhänge II und III der bestehenden EU-Kosmetikverordnung, in denen aufgezählt wird, welche Kosmetikinhaltsstoffe in Europa verboten sind oder einer Deklarationspflicht unterliegen. Es sollen drei Stoffe (Lyral® und [Chlor-]Atranol, damit de facto Eichen- und Baummoos) in die Verbotsliste und viele weitere in die Restriktionsliste aufgenommen werden.
Diese Inhaltsstoffe sind wichtige Komponenten der Parfumkomposition.
Die Auswirkungen auf die europäische Parfumerie wären enorm.

Dass Parfuminhaltsstoffe ein Thema der gesetzlichen Regelung sind, ist begründet durch ihre teils allergene Wirkung: 1-3% der Menschen können auf bestimmte Parfuminhaltsstoffe allergisch reagieren, was sich in einer Hautirritation zeigt, die wieder aufhört, sobald der direkte Kontakt mit dem auslösenden Stoff unterbrochen wird. Welche Stoffe als Allergen gelten, geht zurück auf Forschung mit dem sogenannten Patchtest, wo die Substanzen in hoher Konzentration mit Vaseline als Trägersubstanz für 48 Stunden mit einem Pflaster, ohne Luftkontakt, aufgebracht werden. Dieser Test ist logischerweise ungeeignet für Riechstoffe in Parfum, denn bei Parfumbenutzung geht es um deren Verhalten in sehr viel geringerer Konzentration im ständigen Luftaustausch, denn Sinn ist ja gerade, dass die flüchtigen Stoffe auf der Haut verdampfen und sich in nur wenigen Stunden wortwörtlich in Luft auflösen. Die Patchtest-Ergebnisse sind jedoch die Grundlage gesetzlicher Regelung, unabhängig davon, ob es sich um Hautcreme, Duschgel oder Eau de Toilette handelt. Erfahrungsgemäß gibt es allergische Reaktion auf Parfuminhaltsstoffe – aber auf welche Substanzen in welcher Konzentration wie genau reagiert wird, ist tatsächlich nur anhand der bislang auf Parfum unzutreffenden Daten zu schätzen. Trotzdem soll basierend darauf das Gesetz geändert werden.
Dagegen wendet sich die Petition, die derzeit auf Parfumo.de veröffentlicht ist. Sie ist gekoppelt mit einem Beitrag zur öffentlichen Konsultation. Die Argumentation dieses Beitrags und der Petition verweist nachdrücklich auf den Stellenwert der Parfumerie als Kulturgut. Wenn etwas ein so klares Beispiel für immaterielles Weltkulturerbe ist, so die Verfasser/innen, dann darf man auf keinen Fall Gesetze erlassen, die nicht fundiert sind und so dem kulturellen Wert schaden, ihn vielleicht sogar zunichte machen – denn die Restriktionen, die mit dieser Gesetzesänderung gelten würden, wären scharfe Einschnitte, die das europäische Parfum grundlegend behindern würden. Olfaktorische Kunst ist ebenso ernst zu nehmen wie Malerei, Musik oder andere Kunstformen und ebenso vor Einschränkung zu schützen, die eingreift in die Ausdrucksfreiheit und die Potenz der Komposition. Wenn man die Klaviatur eines Klaviers links und rechts um 60 cm kürzen würde oder eine Ölfarbenpalette um ein Dutzen Farben berauben würde, wäre es absurd zu sagen: Mit den restlichen Tasten kann ein talentierter Komponist doch immer noch schöne Musik machen oder eine gute Malerin kann sehenswerte Gemälde malen, in denen nun mal einige Farben nicht vorkommen. Aber genau diese Argumentation wird gerade bemüht für die Beschneidung der Parfumpalette: Wenn einige Stoffe gebannt sind, können die Parfumeur/innen doch den Rest benutzen.

Eine solche achselzuckende Verkennung der Materie ist einem falschen Betrachtungswinkel geschuldet: Parfumerie ist hier ein bloßes Konsumprodukt, das Regeln des Marktes und des Verbraucherschutzes unterworfen ist, genau wie Antischuppenshampoo. Ein zweiter, genauerer Blick, der der Stellung eines Kulturgutes oder gar einer erhaltenswerten Kunstform entspricht, wird nicht investiert. Genau das fordert aber der Parfumo-Beitrag zur öffentlichen Konsultation mit der gekoppelten Petition: dass hingeschaut wird, mit was man es da eigentlich zu tun hat.

Ein ähnliches Beispiel gibt es bereits in der EU: Rohmilchkäse. Während traditionelle Käserei ganz sicher keine Kunstform ist, ist der Stellenwert als Kulturgut aber unumstritten. Artisanal und regional gefertigten Käse den gleichen gesetzlichen Bedingungen zu unterwerfen wie industriell hergestellten Käse, würde bedeuten, ihn unmöglich zu machen. Und der Gesundheitsschutz wäre hier noch viel mehr ein Argument, es zu tun, würde man pauschal und für den kulturellen Wert blind an die Sache gehen, denn Rohmilchkäse schadet z.B. ungeborenem menschlichen Leben – und das enorm. Aber für den Rohmilchkäse Europas wurde eine gesetzliche Sonderregelung gefunden. Mit Deklarierung darf er weiterhin hergestellt und gehandelt werden. Es gibt nach wie vor Roquefort, Manchego und Appenzeller. Ein Glück!
Warum gibt es keine vergleichbare Regelung für Parfum?

Warum müssen Verbraucher/innen auf die Barrikaden gehen und das vom Gesetzgeber einfordern? Könnte es sein, dass die Lobby der Milchbauern und Molkereien besser organisiert und vernetzt ist als die der Parfumindustrie? Oder dass die letztere eine eigene Agenda vertritt, die vereinbar ist mit einer Politik, die den kleinen und mittleren Wettbewerbern das Wasser abgräbt? Was fehlt der EU-Kommission an Argumenten? Eine gute, schlüssige und bei aller wissenschaftlichen Sorgfalt leicht zu verstehende Argumentation findet sie in dem Konsultationsbeitrag und der Petition auf Parfumo.de. Wie viele Unterschriften von mündigen, interessierten Bürgerinnen und Bürgern sind nötig, damit das wahrgenommnen wird? Viele offenbar. Jede Unterschrift leistet einen Beitrag, zu unterstreichen, wie wichtig es ist
- Gesetze nicht aus der hohlen Hand aufgrund unfundierter, ungefährer Forschung zu machen,
- Kunst und Kultur in Europa blühen zu lassen und nicht zu behindern oder gar zu vernichten,
- Und Verbrauchende zu informieren und ihnen die Wahl zu lassen, statt sie zu bevormunden.
Jede Unterschrift bedeutet, den Verantwortlichen ihre Verantwortung deutlich zu machen. Für Duft und Duftkunst wird hier ein SOS formuliert, das die Chance auf Rettung erhöht, besser als Gebet, Hoffnung und Vertrauen in die Politik das tun können.

Parfum und Politik – ein kleiner Vorgeschmack

Wußten sie schon, daß Zitrusfrüchte nur sehr unzureichend gekennzeichnet sind? Wußten sie, wie gefährlich es für Leib und Leben sein kann, wenn man Zitrusfrüchte schält? Es ist überhaupt gar nicht zu verantworten, hier ohne Warnhinweise und strenge Regulierungen den Bürger/ die Bürgerin weiterhin im Glauben zu belassen, es wäre der Gesundheit zuträglich Zitrusfrüchte zu kaufen und zu schälen. Und weil die Politik das Gefahrpotential, welches in Zitrusfrüchten steckt, noch rechtzeitig vor der anstehenden Europawahl erkannt hat, gibt es ab sofort strenge Vorschriften für den Verkauf und den Erwerb von Zitrusfrüchten. Der private Anbau von Zitruspflanzen wird ebenfalls verboten, in Zukunft nur mittels Ausnahmegenehmigung gestattet sein und wer die Früchte in Verkehr bringen möchte, benötigt dafür eine Sicherheitsbewertung, ausgestellt von einem zertifizierten Sicherheitsbewerter. Das alles natürlich nur zu ihrer Sicherheit. Die aktuelle Kennzeichnungspflicht gilt schon ab der kommenden Woche. Kaufen sie bitte nur noch Zitrusfrüchte die ordentlich deklariert sind.

Hier ein Bsp. für eine vorbildliche Kennzeichnung der Ware. Achten sie außerdem auf das Mindesthaltbarkeitsdatum!

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Das Problem sind die in den Schalen enthaltenen Allergene und weil Allergene besonders schlimm für die Gesundheit sind werden Allergene verboten, bzw. es wird davor gewarnt. Flure, Wiesen und Wälder werden demnächst europaweit und einheitlich mit Warntafeln ausgestattet: VORSICHT Bet V 1 warnt z.B. vor anfliegenden Birkenpollen, einem kreuzgefährlichen Protein.

Der Hintergrund all dieser Vorsichtsmaßnehmen ist die Sorge der Politik gegenüber dem bürgerlichen Wohlbefinden. Nicht unbedingt gegenüber einer bürgerlichen Selbständigkeit und Mündigkeit … wo kämen wir denn da hin. Nein, das Leben innerhalb der EU soll nach gleichen Regeln und Gesetzen und Standards geregelt werden. Wohin man auch kommt, es soll überall möglichst gleich sein und sicher.

Natürlich nur zu ihrer Sicherheit und nur aus diesem Grund warnt das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) vor allen schädlichen Einflüssen. Fencheltee z.B. ist auch gar nicht gut und wer Frankfurter Grüne Soße liebt, kann sich eigentlich gleich erschießen. Wohin man auch schaut, selbst die natürlichsten Kräutermischungen sind geradzu tödlich, überall lauern das böse Estragol und Methyleugenol, finden sich Pyrrolizidinalkaloide (Alkaloide, die besonders gern in Hülsenfrüchten vorkommen) und Thymianöl schädigt die Leber. Nehmen sie ja kein Thymianöl. Jedenfalls nicht, wenn ihre Leber die eine oder andere trinkfeste Aufgabe noch zu bestehen hat. Es ist nämlich für die Politik gar kein Problem, wenn sich Hinz und Kunz täglich vollaufen lassen und auch eine Biermeile auf 4 km Länge hebt die Stimmung und den Umsatz – davor wird nicht gewarnt – so lange sie mit Thymianöl vorsichtig sind.

Auffällig ist nur, daß vor den Folgen von Altersarmut und steigenden Krankenkassenbeiträgen kaum oder nur recht zögerlich gewarnt wird und noch kein EU-Politiker auf die Idee kam, die benzolgetränkten Tankstellenbrötchen mal genauer zu untersuchen.

Ach, bevor ich es vergesse: Geraniol ist auch ein Allergen und zudem in vielen Schnittblumen enthalten. Da sollten sie unbedingt aufpassen und bei Parfums mit Geraniol sollten sie besonders vorsichtig sein. Denken sie an die Zitrusfrüchte und schälen sie die nächste Apfelsine nur mit Gummihandschuhen, Schutzbrille und Mundschutz.

SÜSKIND.CH – Erik goes Switzerland

Wenn ich mir für meine Parfums wirklich etwas gewünscht habe, dann das! In Kürze wird es meine Düfte bei SÜSKIND in der Schweiz geben. Das Paket ist gepackt und am Montag geht die Post ab.

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Und so werden in Kürze mein STEAMPUNK viola, der JULI, der SEPTEMBER, der DEZEMBER und mein EAU DE FROEHLICHE No. 3 hoffentlich die eine oder andere Schweizer Nase erfreuen.

Immer der Nase nach – Here`s something for the tip of your nose! (Hier gibt`s was auf die Nase)

Zitronenmyrte CO2 Extrakt von Flavex

Der nächste Duftstoff den ich heute vorstellen möchte, ist das CO2-se Extrakt Lemon Myrtle (Zitronen Myrte) von Flavex. Ein wunderbarer Riechstoff, den ich bestimmt demnächst zum Einsatz bringen werde. Ich weiß zwar noch nicht wo und wie, doch das wundervoll frisch-zitronig duftende Extrakt muß ich einfach vorstellen.

Die erste Frage wäre, warum die Zitronenmyrte Zitronenmyrte heißt und was die Myrte mit einer Zitrone zu tun hat. Kurze und knappe Antwort: NICHTS. Aber ich hab trotzdem ein hübsche Foto gemacht – mit Zitrone, weil es so schön ausschaut – und jetzt klären wir erstmal die Botanik.

Lemon-Myrtle_Flavex

Zitronenmyrte ist nämlich nicht gleich Zitronenmyrte. Denn egal, ob man nun den deutschen Trivialnamen oder die engl. Bezeichnung Lemon Myrtle nimmt, man hat immer die Wahl zwischen Leptospermum petersonii und Backhousia citriodora. Die duften beide ganz prima zitronig, doch wir wollen es genauer wissen und deshalb muß man hier sauber trennen, und zwar erst beim Gattungsbegriff, denn beide Pflanzen gehören zur Ordnung Myrtenartge/ Myrtales, sie gehören zur selben Familie Myrtengewächse/ Myrtaceae und erst bei der Gattung wird zwischen Leptospermum und Backhousia unterschieden.

Systematik auf einen Blick.
Leptospermum petersonii

ORDNUNG: Myrtenartige/ Myrtales
FAMILIE: Myrtengewächse/ Myrtaceae
GATTUNG: Leptospermum
ART: Zitronenmyrte
WISS. NAME: Leptospermum petersonii F.M. Bailey (Nach Frederick Manson Bailey, 1827-1915, australischer Botaniker)

Die Pflanze wächst als Strauch oder kleiner Baum und wegen des aromatisch-zitronigen Duftes (und Geschmacks) der Blätter hört man auch häufig den Namen Zitronenteebaum oder ähnliche Umschreibungen.

Systematik auf einen Blick.
Backhousia citriodora

ORDNUNG: Myrtenartige/ Myrtales
FAMILIE: Myrtengewächse/ Myrtaceae
GATTUNG: Backhousia
ART: B. citriodora
WISS. Name: Backhousia citriodora F. Muell (Nach Ferdinand Mueller, Baron Sir Ferdinand Jacob Heinrich von Mueller, 1825-1896, dt.-australischer Arzt, Geograph und Botaniker)

Und weil es sich bei dem Lemon Myrtle CO2-se Extrakt von FLAVEX um Backhousia handelt, geht es hier mit der genauen Kennzeichnung weiter: INCI-Name (CTFA): Backhousia Citriodora (Lemon Myrtle) Leaf Extract, CAS-No. 84775-80-4, EINECS-No. 283-909-7

Und auch hier verströmen die zerkleinerten Blätter einen intensiven Zitronenduft – womit die Frage nach der Gemeinsamkeit zur Zitrone geklärt wäre – und weil die Lebensmittelindustrie immer nach schlagkräftigen Beschreibungen sucht, wurde im Laufe der Zeit aus der Zitronen duftenden Myrte die Lemon Myrtle. Der schon recht große Baum kommt in den subtropischen Regenwäldern Australiens vor (z.B. Queensland) und es gibt keine andere Pflanze auf der Welt, auch nicht die Zitrone, deren Früchte oder Blätter mehr CITRAL enthalten als die Blätter von Backhousia citriodora. Ich will jetzt nicht mit Zahlen um mich schmeißen, aber ich fand Angaben von über 90% Citralgehalt. Verwendung findet der Stoff als Aroma in Lebensmitteln und als Riechstoff in der Parfumerie.

Gibt man die gelblich, ölige Flüssigkeit des Extrakts auf einen Riechstreifen, vernimmt man sofort den intensiven, zitronigen Geruch, der zudem eine deutlich bessere Haftung hat, als man von Zitrusölen oft erwartet. Nach 14h noch deutlich wahrnehmbar.

Sehr zu empfehlen!

Und gerade weil die Trivialbezeichnungen häufig nicht so eindeutig sind, lohnt es sich immer genau zu klären, aus welchen Pflanzen/ Pflanzenteilen der Riechstoff kommt, mit dem man gerade arbeiten möchte. Backhousia wird nämlich gern als Zitronenverbene oder als Süßes Eisenkraut bezeichnet und natürlich gibt es auch Öle von Leptospermum petersonii.

Immer der Nase nach – Here`s something for the tip of your nose!

Parfum mit Espresso-Duft

Frühjahrsmüdigkeit ist nicht. Dank FLAVEX bastel ich an einer schönen Kaffeenote und die ist zudem noch gänzlichst echt. Kaffeeduft rein natürlich und ausgesprochen perfekt. So einen Espresso könnte ich jetzt gut gebrauchen und wenn der Coffeeshop derart herrlich duften würde wär ich absolut verloren. Darf ich vorstellen, das Coffee CO2-Extrakt/to in BIO-Qualität von FLAVEX. Was Besseres hab ich diesbezüglich noch nicht unter der Nase gehabt.

Kaffee_CO2_Flavex

TO steht dabei für TOTAL EXTRAKT, was in etwa einem OleoResin entspricht, nur das hier z.B. kein Hexan als Lösungsmittel zum Einsatz kam, sondern wieder nur CO2 was sich von alleine rückstandslos verflüchtigt. Das Öl hat eine wunderbare Espresso-Note und mit 1-2% auf 1000 erhält man schon tolle Ergebnisse.

In Kombination mit der von mir geplanten Veilchennote ergeben sich richtig interessante Möglichkeiten. Doch das verrate ich später. Unbedingt ausprobieren!
Von der Sache her ist das Kaffee-CO2-Extrakt eine schöne Kopfnote. Hat sicherlich etwas mehr Haftung als Limmee, Kardamom und Co. doch kopflastig auf jeden Fall.

FLAVEX – wundervolle Riechstoffe

und schonend hergestellte CO2-Extrakte. Kohlendioxid (CO2) umgangssprachlich gern als Kohlensäure bezeichnet, ist ein Gas – bestehend aus Kohlenstoff und Sauerstoff – und wird bei 500 bar Druck über die Rohstoffe geleitet. Bei diesem Druck wird Kohlendioxid nämlich fluid und wenn man die Temperatur über 31 Grad und unter 50 Grad Celsius hält, hat man Überkritisches Kohlenstoffdioxid. Das perfekteste Lösungsmittel überhaupt, weil es keinen störenden Eigengeruch hat und zudem die Temperatur den Rohstoff schont. Außerdem entweicht es rückstandsfrei aus dem Produkt, weil es ein Gas ist. Und ganz viele von diesen wunderbaren Rohstoffen stellt die Firma FLAVEX her.

Flavex

Und so nach und nach werde ich einige der Rohstoffe hier vorstellen.
Bitte die Mindestbestellmengen beachten und Endverbraucher sollten sich dann vorher zusammentun, damit so eine Bestellung sich lohnt.

Parfum und Glück Teil 2

Oft wurde und werde ich gefragt, wie ich meine Parfum herstelle. Welche Arbeitsschritte führen bis zum Endprodukt? Wo kaufe ich die Rohstoffe, wie entwickle ich die Rezepte und was muß ich tun, damit ich die Düfte überhaupt verkaufen darf? Wenn ich mir die ganzen Fragen dann so anhöre, wundere ich mich manchmal selber, wie das alles so funktioniert und weil ich aus der Arbeit nie ein großes Geheimnis gemacht habe, möchte ich heute noch einmal genauer darauf eingehen und die neusten Entwicklungen (wenn es die nicht gegeben hätte, wäre es so auch nicht weitergegangen) erläutern. Ganz ohne Hilfe geht es nämlich wirklich nicht. Jedenfalls nicht, wenn man kein Profi ist und versucht alles alleine zu machen. Ohne Edith Schwarz, Herrn Bernhardt, Geza, Marc und Sebastian hätte ich es nie bis hierhin gebracht. Ein Rezept zu entwickeln ist nämlich nicht ganz so einfach.

Das dauert seine Zeit und ich benötige von der Idee, von der reinen Duftvorstellung in meinem Kopf, bis zur letzten endgültigen Mischung fast ein ganzes Jahr. Doch schon bei der Auswahl und Anschaffung der Rohstoffe muß ich darauf achten, zu jedem Rohstoff, egal ob natürlich oder synthetisch, die vorgeschriebenen Datenblätter (MSDS-Paper) zu bekommen. Anschließend schaue ich mir die Riechstoffe an und entscheide, wie ich welchen Stoff einsetze. Muß ich mir davon eine Lösung ansetzen, welches Lösungsmittel etc. Gäbe es die Freunde nicht, wäre es schon vom Start weg eine unbezahlbare Materialschlacht, weil meistens nicht klar ist, welches Lösungsmittel (vielleicht auch bei welcher Temperatur) geeignet ist. Was bei Ethylmaltol prima funktioniert, geht bei Maltol total in die Hose und zugleich ins Geld. Könnte ich mir gar nicht leisten. In Kleinstmengen taste ich mich an meine Duftidee heran, wobei alles schön dokumentiert wird, und ganz zum Schluß setze ich mir eine Minimenge als Eau de Toilette an. Man muß ja schließlich ausprobieren, ob es den Freunden gefällt.

Erst nach all diesen Arbeiten kann ich entscheiden, ob der Duft funktioniert oder nicht. Erst jetzt denke ich mir einen Namen aus, oder ordne den Duft einer Serie zu. Jetzt bestelle ich die Rohstoffe in der notwendigen Menge und mische 1 kg vom Rezept aus. Nun ist es Zeit Jo anzurufen und ein Bild für den Druck zu ordern. Flaschen und Zerstäuber bei Rosa Heinz bestellen, Ethanol bei Brüggemann bestellen und die Druckerei nicht vergessen. Duftöl, Ethanol und Wasser, Eiskasten für 14 Tage, dekantieren, filtern, abfüllen, säubern, verpacken. Papiere zum Gutachter. Geklärt, ob der Duft in dieser Form ok ist, hatte ich bereits Wochen vorher. Jetzt, nach einem Jahr Arbeit, halte ich meine 77 Flaschen in den Händen und kann nur hoffen, daß sich der Duft verkauft. Nur wer kauft ein Parfum, hinter dem keine bekannte Marke steht? Wer interessiert sich für eine Mischung, die nicht nur natürlich klingt, sondern es zu Großteilen auch ist? Wer ist wirklich so unvoreingenommen und neugierig, sich für Parfum zu interessieren, wofür es im Prinzip keine Werbung gibt? Hier muß man sich auf seine eigene Nase, die eigene Sachkenntnis und den eigenen Geschmack verlassen.

Doch an dieser Stelle kam vor einiger Zeit Georg Wuchsa mit seinem Onlineshop AUS LIEBE ZUM DUFT ins Spiel. Das meine Düfte gut und überlegt komponiert, handwerklich sauber gefertigt und wenn auch nicht Mainstream, so doch gut und leicht tragbar waren, hatte nie jemanden interessiert. Wo immer ich auch damit ankam um nach Vertriebswegen zu suchen, schlugen mir Hochmut und Dünkel entgegen. Nicht so bei Georg und Aus Liebe zum Duft und ganz plötzlich wurde es nötig, die ersten Rezepte erneut auszumischen und nachzuproduzieren. Eine Aufgabe, mit der ich gar nicht gerechnet hatte und die auch recht aufwendig ist. Produziere ich nun Neues oder kümmere ich mich um die Pflege der vorhandenen Parfums? Um ehrlich zu sein, ich habe schon mehrfach darüber nachgedacht, die ganze Sache wieder hinzuschmeißen und es einfach zu lassen. Wie soll ich einen Duft erneut produzieren, wenn der wichtigste Rohstoff nach einem Jahr nicht mehr zu bestellen ist? Warum sollte ich einen Duft neu ausmischen, wenn selbsternannte Nasen und Kritiker in Onlineforen Äpfel mit Birnen vergleichen und mir ohne den geringsten Sachverstand nahelegen, es mal mit echtem Sandelholz zu versuchen, weil das viel besser wäre als mein geliebtes Javanol.

Warum ich hier und jetzt von Parfum und Glück schreibe ist trotzdem leicht erklärt. Zum einen habe ich mit meinen Düften durchaus so etwas wie Erfolg und zum anderen hatte ich das große Glück Sebastian kennenzulernen. Dr. Sebastian Reuter, der als Parfumeur bei Bell Flavors & Fragrances arbeitet.

Sebastian

Es war und ist nämlich Sebastian, der sich bei BELL um die Zusammenarbeit mit mir kümmert, der meine Rezepte auf den Schreibtisch bekommt und dann erstmal schauen muß, wie man den einen oder anderen Rohstoff gegebenenfalls ersetzen, Konservierung und Lichtschutzfilter hinzufügen und meine ganze Idee so sorgfältig und sinnvoll wie möglich den Anforderungen an einen industrialisierten Herstellungsprozess anpassen kann. Leicht ist das nicht.

“Warum nimmst Du kein Peru sondern Tolu?” lautet die einfache Frage. “Na weil Peru doch verboten ist”, antworte ich etwas unsicher und 10 Sekunden später steht eine Flasche mit Perubalsm-Öl auf dem Tisch. “Verboten ist nur Perubalsam, das Öl ist gar kein Problem.” Noch nie hatte ich die Auswahl an so vielen schönen Moschusriechstoffen. Endlich kann ich ein richtig tolles Iso e Super einsetzen und mit sehr viel Feingefühl und Einfühlungsvermögen erläutert mir Sebastian, warum er die Veilchennote im Steampunk lieber ohne IONON beta machen würde. Mehrfach gehen jetzt Muster mit der Post hin und her und ich erlebe mit großer Freude, wie schön sich meine Ideen entwickeln. Der DEZEMBER wäre nicht der DEZEMBER wenn Sebastian mir nicht gezeigt hätte, wie man sich eine zarte Rosennote selber mischen kann (kann ich jetzt) und mir gesagt hätte, wo die Oberkannte für dieses geniale Rosa-Pfeffer-Öl ist. Diese Gemeinschaftsarbeit, in deren Ergebnis ich mich zu 100% wiedererkenne und die mir am Ende das sichere Gefühl läßt, Herr meiner eigenen Arbeit zu sein …

das ist Glück.