Parfum und Politik – ein kleiner Vorgeschmack

Wußten sie schon, daß Zitrusfrüchte nur sehr unzureichend gekennzeichnet sind? Wußten sie, wie gefährlich es für Leib und Leben sein kann, wenn man Zitrusfrüchte schält? Es ist überhaupt gar nicht zu verantworten, hier ohne Warnhinweise und strenge Regulierungen den Bürger/ die Bürgerin weiterhin im Glauben zu belassen, es wäre der Gesundheit zuträglich Zitrusfrüchte zu kaufen und zu schälen. Und weil die Politik das Gefahrpotential, welches in Zitrusfrüchten steckt, noch rechtzeitig vor der anstehenden Europawahl erkannt hat, gibt es ab sofort strenge Vorschriften für den Verkauf und den Erwerb von Zitrusfrüchten. Der private Anbau von Zitruspflanzen wird ebenfalls verboten, in Zukunft nur mittels Ausnahmegenehmigung gestattet sein und wer die Früchte in Verkehr bringen möchte, benötigt dafür eine Sicherheitsbewertung, ausgestellt von einem zertifizierten Sicherheitsbewerter. Das alles natürlich nur zu ihrer Sicherheit. Die aktuelle Kennzeichnungspflicht gilt schon ab der kommenden Woche. Kaufen sie bitte nur noch Zitrusfrüchte die ordentlich deklariert sind.

Hier ein Bsp. für eine vorbildliche Kennzeichnung der Ware. Achten sie außerdem auf das Mindesthaltbarkeitsdatum!

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Das Problem sind die in den Schalen enthaltenen Allergene und weil Allergene besonders schlimm für die Gesundheit sind werden Allergene verboten, bzw. es wird davor gewarnt. Flure, Wiesen und Wälder werden demnächst europaweit und einheitlich mit Warntafeln ausgestattet: VORSICHT Bet V 1 warnt z.B. vor anfliegenden Birkenpollen, einem kreuzgefährlichen Protein.

Der Hintergrund all dieser Vorsichtsmaßnehmen ist die Sorge der Politik gegenüber dem bürgerlichen Wohlbefinden. Nicht unbedingt gegenüber einer bürgerlichen Selbständigkeit und Mündigkeit … wo kämen wir denn da hin. Nein, das Leben innerhalb der EU soll nach gleichen Regeln und Gesetzen und Standards geregelt werden. Wohin man auch kommt, es soll überall möglichst gleich sein und sicher.

Natürlich nur zu ihrer Sicherheit und nur aus diesem Grund warnt das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) vor allen schädlichen Einflüssen. Fencheltee z.B. ist auch gar nicht gut und wer Frankfurter Grüne Soße liebt, kann sich eigentlich gleich erschießen. Wohin man auch schaut, selbst die natürlichsten Kräutermischungen sind geradzu tödlich, überall lauern das böse Estragol und Methyleugenol, finden sich Pyrrolizidinalkaloide (Alkaloide, die besonders gern in Hülsenfrüchten vorkommen) und Thymianöl schädigt die Leber. Nehmen sie ja kein Thymianöl. Jedenfalls nicht, wenn ihre Leber die eine oder andere trinkfeste Aufgabe noch zu bestehen hat. Es ist nämlich für die Politik gar kein Problem, wenn sich Hinz und Kunz täglich vollaufen lassen und auch eine Biermeile auf 4 km Länge hebt die Stimmung und den Umsatz – davor wird nicht gewarnt – so lange sie mit Thymianöl vorsichtig sind.

Auffällig ist nur, daß vor den Folgen von Altersarmut und steigenden Krankenkassenbeiträgen kaum oder nur recht zögerlich gewarnt wird und noch kein EU-Politiker auf die Idee kam, die benzolgetränkten Tankstellenbrötchen mal genauer zu untersuchen.

Ach, bevor ich es vergesse: Geraniol ist auch ein Allergen und zudem in vielen Schnittblumen enthalten. Da sollten sie unbedingt aufpassen und bei Parfums mit Geraniol sollten sie besonders vorsichtig sein. Denken sie an die Zitrusfrüchte und schälen sie die nächste Apfelsine nur mit Gummihandschuhen, Schutzbrille und Mundschutz.

SÜSKIND.CH – Erik goes Switzerland

Wenn ich mir für meine Parfums wirklich etwas gewünscht habe, dann das! In Kürze wird es meine Düfte bei SÜSKIND in der Schweiz geben. Das Paket ist gepackt und am Montag geht die Post ab.

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Und so werden in Kürze mein STEAMPUNK viola, der JULI, der SEPTEMBER, der DEZEMBER und mein EAU DE FROEHLICHE No. 3 hoffentlich die eine oder andere Schweizer Nase erfreuen.

Immer der Nase nach – Here`s something for the tip of your nose! (Hier gibt`s was auf die Nase)

Zitronenmyrte CO2 Extrakt von Flavex

Der nächste Duftstoff den ich heute vorstellen möchte, ist das CO2-se Extrakt Lemon Myrtle (Zitronen Myrte) von Flavex. Ein wunderbarer Riechstoff, den ich bestimmt demnächst zum Einsatz bringen werde. Ich weiß zwar noch nicht wo und wie, doch das wundervoll frisch-zitronig duftende Extrakt muß ich einfach vorstellen.

Die erste Frage wäre, warum die Zitronenmyrte Zitronenmyrte heißt und was die Myrte mit einer Zitrone zu tun hat. Kurze und knappe Antwort: NICHTS. Aber ich hab trotzdem ein hübsche Foto gemacht – mit Zitrone, weil es so schön ausschaut – und jetzt klären wir erstmal die Botanik.

Lemon-Myrtle_Flavex

Zitronenmyrte ist nämlich nicht gleich Zitronenmyrte. Denn egal, ob man nun den deutschen Trivialnamen oder die engl. Bezeichnung Lemon Myrtle nimmt, man hat immer die Wahl zwischen Leptospermum petersonii und Backhousia citriodora. Die duften beide ganz prima zitronig, doch wir wollen es genauer wissen und deshalb muß man hier sauber trennen, und zwar erst beim Gattungsbegriff, denn beide Pflanzen gehören zur Ordnung Myrtenartge/ Myrtales, sie gehören zur selben Familie Myrtengewächse/ Myrtaceae und erst bei der Gattung wird zwischen Leptospermum und Backhousia unterschieden.

Systematik auf einen Blick.
Leptospermum petersonii

ORDNUNG: Myrtenartige/ Myrtales
FAMILIE: Myrtengewächse/ Myrtaceae
GATTUNG: Leptospermum
ART: Zitronenmyrte
WISS. NAME: Leptospermum petersonii F.M. Bailey (Nach Frederick Manson Bailey, 1827-1915, australischer Botaniker)

Die Pflanze wächst als Strauch oder kleiner Baum und wegen des aromatisch-zitronigen Duftes (und Geschmacks) der Blätter hört man auch häufig den Namen Zitronenteebaum oder ähnliche Umschreibungen.

Systematik auf einen Blick.
Backhousia citriodora

ORDNUNG: Myrtenartige/ Myrtales
FAMILIE: Myrtengewächse/ Myrtaceae
GATTUNG: Backhousia
ART: B. citriodora
WISS. Name: Backhousia citriodora F. Muell (Nach Ferdinand Mueller, Baron Sir Ferdinand Jacob Heinrich von Mueller, 1825-1896, dt.-australischer Arzt, Geograph und Botaniker)

Und weil es sich bei dem Lemon Myrtle CO2-se Extrakt von FLAVEX um Backhousia handelt, geht es hier mit der genauen Kennzeichnung weiter: INCI-Name (CTFA): Backhousia Citriodora (Lemon Myrtle) Leaf Extract, CAS-No. 84775-80-4, EINECS-No. 283-909-7

Und auch hier verströmen die zerkleinerten Blätter einen intensiven Zitronenduft – womit die Frage nach der Gemeinsamkeit zur Zitrone geklärt wäre – und weil die Lebensmittelindustrie immer nach schlagkräftigen Beschreibungen sucht, wurde im Laufe der Zeit aus der Zitronen duftenden Myrte die Lemon Myrtle. Der schon recht große Baum kommt in den subtropischen Regenwäldern Australiens vor (z.B. Queensland) und es gibt keine andere Pflanze auf der Welt, auch nicht die Zitrone, deren Früchte oder Blätter mehr CITRAL enthalten als die Blätter von Backhousia citriodora. Ich will jetzt nicht mit Zahlen um mich schmeißen, aber ich fand Angaben von über 90% Citralgehalt. Verwendung findet der Stoff als Aroma in Lebensmitteln und als Riechstoff in der Parfumerie.

Gibt man die gelblich, ölige Flüssigkeit des Extrakts auf einen Riechstreifen, vernimmt man sofort den intensiven, zitronigen Geruch, der zudem eine deutlich bessere Haftung hat, als man von Zitrusölen oft erwartet. Nach 14h noch deutlich wahrnehmbar.

Sehr zu empfehlen!

Und gerade weil die Trivialbezeichnungen häufig nicht so eindeutig sind, lohnt es sich immer genau zu klären, aus welchen Pflanzen/ Pflanzenteilen der Riechstoff kommt, mit dem man gerade arbeiten möchte. Backhousia wird nämlich gern als Zitronenverbene oder als Süßes Eisenkraut bezeichnet und natürlich gibt es auch Öle von Leptospermum petersonii.

Immer der Nase nach – Here`s something for the tip of your nose!

Parfum mit Espresso-Duft

Frühjahrsmüdigkeit ist nicht. Dank FLAVEX bastel ich an einer schönen Kaffeenote und die ist zudem noch gänzlichst echt. Kaffeeduft rein natürlich und ausgesprochen perfekt. So einen Espresso könnte ich jetzt gut gebrauchen und wenn der Coffeeshop derart herrlich duften würde wär ich absolut verloren. Darf ich vorstellen, das Coffee CO2-Extrakt/to in BIO-Qualität von FLAVEX. Was Besseres hab ich diesbezüglich noch nicht unter der Nase gehabt.

Kaffee_CO2_Flavex

TO steht dabei für TOTAL EXTRAKT, was in etwa einem OleoResin entspricht, nur das hier z.B. kein Hexan als Lösungsmittel zum Einsatz kam, sondern wieder nur CO2 was sich von alleine rückstandslos verflüchtigt. Das Öl hat eine wunderbare Espresso-Note und mit 1-2% auf 1000 erhält man schon tolle Ergebnisse.

In Kombination mit der von mir geplanten Veilchennote ergeben sich richtig interessante Möglichkeiten. Doch das verrate ich später. Unbedingt ausprobieren!
Von der Sache her ist das Kaffee-CO2-Extrakt eine schöne Kopfnote. Hat sicherlich etwas mehr Haftung als Limmee, Kardamom und Co. doch kopflastig auf jeden Fall.

FLAVEX – wundervolle Riechstoffe

und schonend hergestellte CO2-Extrakte. Kohlendioxid (CO2) umgangssprachlich gern als Kohlensäure bezeichnet, ist ein Gas – bestehend aus Kohlenstoff und Sauerstoff – und wird bei 500 bar Druck über die Rohstoffe geleitet. Bei diesem Druck wird Kohlendioxid nämlich fluid und wenn man die Temperatur über 31 Grad und unter 50 Grad Celsius hält, hat man Überkritisches Kohlenstoffdioxid. Das perfekteste Lösungsmittel überhaupt, weil es keinen störenden Eigengeruch hat und zudem die Temperatur den Rohstoff schont. Außerdem entweicht es rückstandsfrei aus dem Produkt, weil es ein Gas ist. Und ganz viele von diesen wunderbaren Rohstoffen stellt die Firma FLAVEX her.

Flavex

Und so nach und nach werde ich einige der Rohstoffe hier vorstellen.
Bitte die Mindestbestellmengen beachten und Endverbraucher sollten sich dann vorher zusammentun, damit so eine Bestellung sich lohnt.

Parfum und Glück Teil 2

Oft wurde und werde ich gefragt, wie ich meine Parfum herstelle. Welche Arbeitsschritte führen bis zum Endprodukt? Wo kaufe ich die Rohstoffe, wie entwickle ich die Rezepte und was muß ich tun, damit ich die Düfte überhaupt verkaufen darf? Wenn ich mir die ganzen Fragen dann so anhöre, wundere ich mich manchmal selber, wie das alles so funktioniert und weil ich aus der Arbeit nie ein großes Geheimnis gemacht habe, möchte ich heute noch einmal genauer darauf eingehen und die neusten Entwicklungen (wenn es die nicht gegeben hätte, wäre es so auch nicht weitergegangen) erläutern. Ganz ohne Hilfe geht es nämlich wirklich nicht. Jedenfalls nicht, wenn man kein Profi ist und versucht alles alleine zu machen. Ohne Edith Schwarz, Herrn Bernhardt, Geza, Marc und Sebastian hätte ich es nie bis hierhin gebracht. Ein Rezept zu entwickeln ist nämlich nicht ganz so einfach.

Das dauert seine Zeit und ich benötige von der Idee, von der reinen Duftvorstellung in meinem Kopf, bis zur letzten endgültigen Mischung fast ein ganzes Jahr. Doch schon bei der Auswahl und Anschaffung der Rohstoffe muß ich darauf achten, zu jedem Rohstoff, egal ob natürlich oder synthetisch, die vorgeschriebenen Datenblätter (MSDS-Paper) zu bekommen. Anschließend schaue ich mir die Riechstoffe an und entscheide, wie ich welchen Stoff einsetze. Muß ich mir davon eine Lösung ansetzen, welches Lösungsmittel etc. Gäbe es die Freunde nicht, wäre es schon vom Start weg eine unbezahlbare Materialschlacht, weil meistens nicht klar ist, welches Lösungsmittel (vielleicht auch bei welcher Temperatur) geeignet ist. Was bei Ethylmaltol prima funktioniert, geht bei Maltol total in die Hose und zugleich ins Geld. Könnte ich mir gar nicht leisten. In Kleinstmengen taste ich mich an meine Duftidee heran, wobei alles schön dokumentiert wird, und ganz zum Schluß setze ich mir eine Minimenge als Eau de Toilette an. Man muß ja schließlich ausprobieren, ob es den Freunden gefällt.

Erst nach all diesen Arbeiten kann ich entscheiden, ob der Duft funktioniert oder nicht. Erst jetzt denke ich mir einen Namen aus, oder ordne den Duft einer Serie zu. Jetzt bestelle ich die Rohstoffe in der notwendigen Menge und mische 1 kg vom Rezept aus. Nun ist es Zeit Jo anzurufen und ein Bild für den Druck zu ordern. Flaschen und Zerstäuber bei Rosa Heinz bestellen, Ethanol bei Brüggemann bestellen und die Druckerei nicht vergessen. Duftöl, Ethanol und Wasser, Eiskasten für 14 Tage, dekantieren, filtern, abfüllen, säubern, verpacken. Papiere zum Gutachter. Geklärt, ob der Duft in dieser Form ok ist, hatte ich bereits Wochen vorher. Jetzt, nach einem Jahr Arbeit, halte ich meine 77 Flaschen in den Händen und kann nur hoffen, daß sich der Duft verkauft. Nur wer kauft ein Parfum, hinter dem keine bekannte Marke steht? Wer interessiert sich für eine Mischung, die nicht nur natürlich klingt, sondern es zu Großteilen auch ist? Wer ist wirklich so unvoreingenommen und neugierig, sich für Parfum zu interessieren, wofür es im Prinzip keine Werbung gibt? Hier muß man sich auf seine eigene Nase, die eigene Sachkenntnis und den eigenen Geschmack verlassen.

Doch an dieser Stelle kam vor einiger Zeit Georg Wuchsa mit seinem Onlineshop AUS LIEBE ZUM DUFT ins Spiel. Das meine Düfte gut und überlegt komponiert, handwerklich sauber gefertigt und wenn auch nicht Mainstream, so doch gut und leicht tragbar waren, hatte nie jemanden interessiert. Wo immer ich auch damit ankam um nach Vertriebswegen zu suchen, schlugen mir Hochmut und Dünkel entgegen. Nicht so bei Georg und Aus Liebe zum Duft und ganz plötzlich wurde es nötig, die ersten Rezepte erneut auszumischen und nachzuproduzieren. Eine Aufgabe, mit der ich gar nicht gerechnet hatte und die auch recht aufwendig ist. Produziere ich nun Neues oder kümmere ich mich um die Pflege der vorhandenen Parfums? Um ehrlich zu sein, ich habe schon mehrfach darüber nachgedacht, die ganze Sache wieder hinzuschmeißen und es einfach zu lassen. Wie soll ich einen Duft erneut produzieren, wenn der wichtigste Rohstoff nach einem Jahr nicht mehr zu bestellen ist? Warum sollte ich einen Duft neu ausmischen, wenn selbsternannte Nasen und Kritiker in Onlineforen Äpfel mit Birnen vergleichen und mir ohne den geringsten Sachverstand nahelegen, es mal mit echtem Sandelholz zu versuchen, weil das viel besser wäre als mein geliebtes Javanol.

Warum ich hier und jetzt von Parfum und Glück schreibe ist trotzdem leicht erklärt. Zum einen habe ich mit meinen Düften durchaus so etwas wie Erfolg und zum anderen hatte ich das große Glück Sebastian kennenzulernen. Dr. Sebastian Reuter, der als Parfumeur bei Bell Flavors & Fragrances arbeitet.

Sebastian

Es war und ist nämlich Sebastian, der sich bei BELL um die Zusammenarbeit mit mir kümmert, der meine Rezepte auf den Schreibtisch bekommt und dann erstmal schauen muß, wie man den einen oder anderen Rohstoff gegebenenfalls ersetzen, Konservierung und Lichtschutzfilter hinzufügen und meine ganze Idee so sorgfältig und sinnvoll wie möglich den Anforderungen an einen industrialisierten Herstellungsprozess anpassen kann. Leicht ist das nicht.

“Warum nimmst Du kein Peru sondern Tolu?” lautet die einfache Frage. “Na weil Peru doch verboten ist”, antworte ich etwas unsicher und 10 Sekunden später steht eine Flasche mit Perubalsm-Öl auf dem Tisch. “Verboten ist nur Perubalsam, das Öl ist gar kein Problem.” Noch nie hatte ich die Auswahl an so vielen schönen Moschusriechstoffen. Endlich kann ich ein richtig tolles Iso e Super einsetzen und mit sehr viel Feingefühl und Einfühlungsvermögen erläutert mir Sebastian, warum er die Veilchennote im Steampunk lieber ohne IONON beta machen würde. Mehrfach gehen jetzt Muster mit der Post hin und her und ich erlebe mit großer Freude, wie schön sich meine Ideen entwickeln. Der DEZEMBER wäre nicht der DEZEMBER wenn Sebastian mir nicht gezeigt hätte, wie man sich eine zarte Rosennote selber mischen kann (kann ich jetzt) und mir gesagt hätte, wo die Oberkannte für dieses geniale Rosa-Pfeffer-Öl ist. Diese Gemeinschaftsarbeit, in deren Ergebnis ich mich zu 100% wiedererkenne und die mir am Ende das sichere Gefühl läßt, Herr meiner eigenen Arbeit zu sein …

das ist Glück.

Parfum, Glück und Bell Flavors & Fragrances

Man muß auch mal Glück haben.
Diese einfache Erkenntnis setzte sich im vergangenem Sommer in meinem Kopf fest und während ich so überlegte, wie ich die Sache mit dem Glück etwas befördern könnte, entdeckte ich in der Umgebung von Leipzig die Firma Bell Flavors & Fragrances, Duft und Aroma GmbH. Was für ein Zufall, wo ich doch selbst in Leipzig geboren wurde, einige Freunde dort leben, ich auf dem Cospudener See regelmäßig zum Windsurfen bin und mein Herz noch immer an der Stadt hängt.

Der Grund für meine Suche nach dem Glück ist nämlich schnell erklärt und hoffentlich leicht nachvollziehbar. Die von mir in kompletter Handarbeit hergestellten Parfums JULI, AUGUST, SEPTEMBER, EAU DE FROEHLICHE 1, EAU DE FROEHLICHE 2 und der STEAMPUNK verkauften und verkaufen sich so gut, daß ich einfach nicht immer wieder genügend davon neu anmischen konnte, und ich die Zeit, die ich für die Herstellung benötige, doch viel lieber für die Entwicklung neuer Ideen und Rezepte nutzen würde. Nur was soll man tun, wenn man in Kleinstmengen produziert und eine sprunghafte Steigerung des Umsatzes nicht für sofort zu erwarten ist?
Die Arbeit mit Kleinstmengen ist umständlich und bringt nicht viel ein – so die bisherigen Erfahrungen. Doch letztes Jahr im September sollte sich das schlagartig ändern. Nach einer schönen Surf-Session auf dem Cospudener See faßte ich mir ein Herz, rief bei Bell Flavors & Fragrances in Leipzig/ Miltitz einfach an, ließ mich mit der Parfumerieabteilung verbinden und hatte sofort den Parfumeur Dr. Sebastian Reuter am Telefon. Es war ein sehr interessantes Gespräch mit zahlreichen Tips und Empfehlungen und auf die Frage, ob man vielleicht auch eine Kleinstmenge eines Rezepts ausmischen könnte, kam nicht sofort ein Nein, sondern die Gegenfrage, „warum denn nicht, da werde ich mich sofort erkundigen. Wir sollten uns mal treffen.“

Mein Glück hat also einen Namen, sieht aus wie eine Glocke mit Erdbeere und befindet sich in Leipzig/ Miltitz.

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Zwei Wochen später war es dann endlich so weit. Ich nutzte einen Vormittag mit reichlich Wind, um mich auf dem Wasser mal so richtig auszutoben, anschließend packte ich Segel, Board und den ganzen Rest vom Surfzeug ins Auto und fuhr nach Miltitz raus, wo ich am frühen Nachmittag endlich Dr. Sebastian Reuter treffen sollte.

Miltitz ist ein Ortsteil von Leipzig, der Ende der 90er Jahre eingemeindet wurde und in Sachen Parfumerie und Duftstoffherstellung blickt man hier auf eine lange, erfolgreiche Tradition zurück. Die bereits 1829 (im frühen 19. Jahrhundert) von dem Drogisten Ernst Ludwig Spahn und dem Apotheker Gottlob Eduard Büttner gegründete Firma Spahn & Büttner (später Schimmel & Co.) zog 1900 nach Miltitz um, weil eine Vergrößerung der Produktionskapazitäten notwendig geworden war.
Hier, vor den Toren der Stadt, wo man schon seit den 1880er Jahren bereits ölhaltige Pflanzen und sogar Rosen angebaut hatte, entstanden ein neues Werk und eine Wohnsiedlung für Arbeiter und Angestellte, und völlig zu Recht kann Miltitz auch als Wiege der Aroma- und Duftstoffindustrie bezeichnen werden. Bereits 1891 wurden eigene Destillationsanlagen in Betrieb genommen, 1895 erfand man hier das erste, künstliche Neroli und 1906 isolierte Heinrich Walbaum den Moschusriechstoff Muscon.

1948, nach dem 2. Weltkrieg wurde der Betrieb enteignet und als VEB Chemisches Werk Miltitz (Leipzig) bis zur politischen Wende in der DDR fortgeführt. 1993 übernahm Bell Flavors & Fragrances das Werk von der Treuhandanstalt und nachdem viel Geld und Know-how investiert und das alte Werk komplett modernisiert und der Standort deutlich vergrößert wurde, gehört die Fabrik heute zu den Großen der Branche in Europa und die Zahl der MitarbeiterInnen, und das ist wohl eine der wichtigsten Zahlen, stieg von 65 (1993) auf aktuell 250.

Und da war ich nun in Miltiz, wo man schon am Ortseingang hin und wieder auf das Markenzeichen – die Glocke mit der Erdbeere – von Bell aufmerksam gemacht wird. Rechts noch die alten Produktionsstätten aus rotem Backstein und dann das neue, moderne Werk. Ich darf mein mit Surfzeug voll beladenes Auto in Sichtweite des Pförtners parken, bekomme einen Passierschein und 5 Minuten später stehe ich Dr. Sebastian Reuter und Ines Senger (Sales Managerin Fragrances) gegenüber. „Hi, ich bin Sebastian, das Dr. kannste weglassen, und das ist meine Kollegin Ines, die sich mit dazusetzen wird.

Ich erzähle von meinen Parfums, den Plänen für die Zukunft und schildere die Probleme, wenn man so wie ich in Kleinstengen produziert. Teure Rohstoffe, viele Riechstoffe sind gar nicht zu beschaffen (oder man bekommt keine MSDS-Papiere dazu) und die kontinuierliche Fertigung in Serie ist so gut wie nicht möglich. Ständig holt Sebastian neue Riechstoffe mit dazu und gemeinsam einigen wir uns auf ein erstes Projekt, bestehend aus drei Düften: STEAMPUNK, JULI (No. 7) und DEZEMBER (No. 12). Und auf meine vorsichtige Frage hin, was die Geschäftsleitung dazu sagen und ob das Projekt wohl genehmigt werden wird, erläutert Ines mit einem einzigen Satz, warum auch solche Vorhaben hier in Miltitz möglich werden: Exzellenter Service, der einfach viel möglich macht, gehört zu Bells Philosophie. Stimmt.

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Ende Teil 1

Stimmen aus dem WWW

1. STEAMPUNK auf NOW SMELL THIS

2. STEAMPUNK auf CA FLEURE BON

3. STEAMPUNK im DUFT-TAGEBUCH

Schinus molle – Peruanischer Pfefferbaum

Als kleinen Nachtrag zu einigen vorangegangenen Texten (12 Duftstoffe für den 12. Monat im Jahr und Parfum mit Rosa Pfeffer) möchte ich gern einige Ergänzugen anfügen.

Denn der neue, in Kürze erscheinende Duft DEZEMBER wird seine Rosa-Pfeffer-Note nämlich dem Öl von Schinus molle (Peruanischer Pfefferbaum) verdanken. Ich selber hatte, als ich die Rezeptur entwickelte, mit einem CO2-Extrakt von Schinus terebinthifolius (Brasilianischer Pfefferbaum/ CAS.: Nr. 949495-68-5) gearbeitet und da man bei Bell Flavors & Fragrances, wo das Duftöl nun endgültig ausgemischt wurde, mit Schinus molle arbeitet, soll dies natürlich auch erwähnt werden. Um ehrlich zu sein, ich war gar nicht auf Schinus molle gekommen und deshalb möchte ich heute, hier und jetzt auch den Peruanischen Pfefferbaum vorstellen.

Die Systematik ist der von Schinus terebinthifolius sehr ähnlich.

Ordnung: Seifenbaumartige (Sapindales)
Familie: Sumachgewächse (Anacardiaceae)
Gattung: Pfefferbäume (Schinus)
Art: Peruanischer Pfefferbaum
Wiss. Name: Schinus molle L. (Carl von Linné, Erstbeschreibung 1753)
Synonym: Peru Mastix

Es handelt sich dabei um einen immergrünen, ca. 10-15 Meter hoch wachsenden Tropenbaum, dessen Äste teils weit herabhängen. Die Blätter sind gefiedert, die gelben Blüten sollen schön duften (da hab ich leider keine eigenen Erfahrungen vorzuweisen) und die rosafarbenen Früchte schmecken pfefferähnlich. An dieser Stelle sei aber noch einmal erwähnt, daß die bei uns handelsüblichen Beeren, die als Roter/ Rosa Pfeffer in den Gewürzregalen der Supermärkte angeboten werden, von Schinus terebinthifolius stammen. Ursprünglich in Mittelamerika beheimatet, wurde er inzwischen auch in Nordamerika eingebürgert und ist selbst im Mittelmeerraum weit verbreitet. Und da sich das Harz von S. molle auch kauen läßt, ganz ähnlich des Harzes von Pistacia lentiscus/ Mastixbaum, bietet sich hier vielleicht auch eine Erklärung des Namens/ des Synonyms.

Das Öl wird mittels Wasserdampfdest. oder neuerdings per CO2-Extraktion aus den Früchten gewonnen. Bei Dr. J. Lawless findet sich auch ein Hinweis auf auf die Blätter. Man kann daraus wohl auch ein berauschendes Getränk herstellen und als nach dem 2. Weltkrieg Schwarzer Pfeffer Mangelware war, kam Schinus molle auch verstärkt in der Küche zum Einsatz.

In der Aromatherapie wird das Öl auch sehr gerne eingesetzt. Schaut man sich an, was das Öl von Schinus molle alles kann, fragt man sich glatt, wo man ein Fläschelchen für den sofortigen Gebrauch herbekommen könnte und sollte der Winter doch noch hart werden: Es hilft sogar bei Frostbeulen und soll ein gute Grippemittel sein.