Steampunk aero und etwas Drumherum

Im Moment weiß ich gar nicht so recht, wie ich die Idee zum Steampunk aero beschreiben kann. Große Geschichten gibt es bei mir ja nicht und inzwischen bin ich vorsichtig geworden, weil bestimmt wieder jemand kommt und mir erklärt, die Idee wäre kein Parfum wert. Oder so ähnlich. Um ehrlich zu sein, hatte ich zuerst gar keine Duftvorstellung, sondern nur das Bestreben einen Duft zu machen, der mich an gutes Wetter, Wolken, Wind, Segelfliegen, Windsurfen und die Gelassenheit einer kühlen Briese erinnert. Besonders das Segelfliegen, das hab ich auch gern gemacht, gab hier wohl den Ausschlag. Dazu hatte ich „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ vor Augen: „Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann“. Und hoch und pieks mit der Pickelhaube in den Ballon, Luft raus und Absturz, Landung im Irgendwo und Irgendwann. Etwas Schwefel liegt in der Luft, die Sonne brennt heiß und der mutige Ballonfahrer (unser kleiner Steampunker) sucht ein Schattenplätzchen und eine kühle Erfrischung. Pling, da war die Duftidee, jetzt ein Glas selbstgemachten Holunderblütensirup. Lecker fruchtig, spritzig, süß und erfrischend. Bingo, gekauft, fertig, Board und Segel geschnappt, rauf aufˋs Wasser, der Rest fällt mir schon noch ein. Auf jeden Fall Labienoxime und massenhaft Hedion. Speichern im Langzeitgedächtnis nicht vergessen! Manchmal habe ich so viele Ideen gleichzeitig, da komme ich durcheinander. Das Tenorsaxophon muß zu Hanno Braun und wo verflucht ist die Seegrasfinne?

Das ist schon alles. Mehr gibt es gar nicht zu schreiben. Aber ich will mal versuchen, drei verschiedene Infoblöcke zu stricken.

1. Hobbymischer und Hobbyparfumeure
Man nehme auf jeden Fall Bergamottöl und dazu unbedingt Ethyllinaool. Ethyllinalool rundet die Sache ab. Geniales Zeug. Mandarine! Ein gutes, süßes Mandarinenöl. Und jetzt auf keinen Fall was Würziges vergessen! Ich hab mich nach einigen Versuchen für Koriander entschieden. Ich liebe Korianderöl. Ingwer hat es nicht so gebracht, ginge aber auch. Und weil die Mischung aus Frucht und Zitrus so wichtig für die Kopfnote ist, habe ich Magnolan gewählt. Magnolan ist fruchtig, leicht blumig, erinnert mich immer sehr an Lychees, hat eine prima Grapefruitnote (durchaus leicht rosig) und wirkt etwas wässrig. Das alles wollte ich haben! Keine Hemmungen, rein damit. Dazu Hedione. Geht immer. Jetzt Achtung und Vorsicht: Hexenol cis-3. Damit kann man sich alles versaun. Aber es verlängert Grünnoten ganz wunderbar. Rantasten!
So. An diesem Punkte angekommen, war das Grundgerüst der Idee fertig. Jetzt noch Labienoxime und die Sache sollte nach Holunderblütensirup duften und zugelich eine zarte Schwefelnote machen (das gibt sich aber schnell). Aber ohne Schwefel kein Steampunk – find ich total logisch. Einmal schütteln, schnuppern, Hammer, ich werd verrückt. Ein Spritzer mehr Bergamotte und man könnte sich einigen. Für die Mitte und untenrum viel Moschus, alles was es gibt und greifbar war. Ethylenbrassilat, Galaxolide und Muscenone. Fehlte nur noch was Holziges und da denke ich natürlich zuerst immer gleich an Javanol. Kurz überlegt, ob ich den Rest weglasse und nur Javanol nehme, aber nein, ich darf nicht nur an mich denken. Also ein Tröpfchen Javanol, Polysantol, Vetiverylacetat und Timbersilk.

2. Menschen, die sich einfach so für Parfum begeistern können.

Vergessen Sie den ganzen Kram der Inhaltsstoffe. Sprühen Sie sich einfach einen Sommertag aufs Handgelenk, mischen Sie sich aus Zitrone, Zucker, Wasser und Holunderblüten eine Erfrischung, klemmen Sie sich eine Katze unter den Arm, nehmen Sie ein gutes Buch und packen Sie etwas Obst (läßt sich durch Eis und oder Schokolade ersetzen, bzw. abrunden) auf einen Teller und legen Sie sich in die Hollywoodschaukel. Blickrichtung himmelwärts und wenn der Wind aus den Wolkenschafen mal Luftschiffe oder Ballons geformt hat, und sie den Tag gut rumgebracht haben, dann wissen Sie was gemeint war – Steampunk aero.

3. Kenner und große Kritiker

Ja liebe Kenner und Kritiker, ich habe mal wieder Chemicals eingesetzt. Natur alleine fand ich zu langweilig. Z.B. das Ethyllinalool finde ich ganz entzückend und es paßt so gut in eine Zitruskopfnote. Da konnte ich nicht wiederstehen. Klar, Sie kennen die Stoffe alle, sonst hätten Sie sich mal vorgestellt und das Angebot genutzt, sich von mir die vielen Riechstoffe, mit denen ich arbeite, zeigen zu lassen. Etwa 250 hab ich da. Mir hat das immer Spaß gemacht, wenn Leute so neugierig waren. Interessierte Menschen erkennt man daran, wie leicht sie zu überraschen und zu begeistern sind. Der echte Kenner ist nicht zu überraschen – der kennt das ja alles. Viele Menschen haben diese Möglichkeit schon genutzt! Wer weiß denn schon, wie Atlaszeder duftet und worin der Unterschied zu Virginia-Zeder besteht? Na egal. Bitte glauben Sie mir, ich habe die Riechstoffe nicht nur so zusammengekippt. Sollte Sie die Menge an Bergamotte stören oder sollte Ihnen der Koriander in der Nase stechen, dann tut mir das sehr leid. Mir gefällt es so. Das Sandelholz ist auch so eine Sache. Echtes Sandelholz mag ich nicht. Ich bitte das zu berücksichtigen. Mir ist Javanol lieber. Sollten Sie den Vergleich mit Westindischen Sandelholzöl aus den Ökoladen bemühen und dann schreiben, um wie viel reichhaltiger natürliches Sandelholzöl riecht, dann können Sie das gerne tun. Ich kenne natürlich auch das Westindische Sandelholzöl und ich würde dann nur vorsichtig anmerken wollen, daß das kein Sandelholzöl ist – es heißt nur so. Tut mir leid. Ich hoffe, Sie nicht all zu sehr enttäuscht zu haben. Ein blindes Huhn trifft ja auch mal ein Korn oder so ähnlich. Und wenn Ihnen der Duft wieder nicht gefällt, die Idee nichts sagt und Sie Kormann-Parfums ohnehin nicht schätzen, dann ist mir das total schnurz. Und sollten Sie sich wundern, daß Sie bei meinen Parfums so gut die einzelnen Bestandteile herausriechen können, dann könnte das daran liegen, daß ich ganz bewußt meine Parfumkompositionen nicht überfrachte. Logisch, darunter leidet die Komplexität … aber irgendwas ist ja immer.

Und das Wichtigste zum Schluß! Ich fände nichts schlimmer, als allgemeine Zustimmung. Deshalb mache ich doch keine Parfums. Kritik gehört auf jeden Fall dazu.

Es geht weiter – Steampunk aero

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Lange habe ich überlegt, ob und wie ich diese Duftidee umsetzen könnte. Da war natürlich die Vorstellung von Hollunderblühte, diese leichte Ahnung von Schwefel, Citrusfrüchten und Muskatnuß, massenhaft Hedione und Moschus, einer unbestimmten Süße und verschiedenen Holznoten, die miteinander harmonieren – auf mein geliebtes Javanol konnte ich allerdings nicht verzichte. Es brauchte Koriander, Magnolan und Vetiverylacetat und natürlich und unbedingt Labienoxime. Jenen Stoff, ohne den es meiner Meinung nach keine richtige Holunderblütensirupnote (schönes, langes Wort) geben kann.

Um ehrlich zu sein, ist die Idee die ursprüngliche Steampunk-Idee. Doch ich mußte erst einige andere Dinge erledigen. Zum Bsp. mußte ich unbedingt ganz alleine, nur in Begleitung/ der Gesellschaft eines Esels, 230 km durch Südfrankreich wandern. Ich mußte erst wieder anfangen Musik zu machen und in einer Bigband Saxophon spielen. Ein neues Klavier war mir wichtiger als ein neuer Duft und die letzten Sturmtage haben mir klargemacht, wie gern ich Windsurfer bin.

Lauter schöne Sachen, in die mir niemand reinredet. Für die ich keine Zertifikate und Bescheinigungen, keine Gefahrgutachter und Sicherheitsbewerter brauche. Ich allein bestimme den Weg und die Richtung, bin Herr über laut und leise, langsam und kurz. Ohne fremde Hilfe, ohne Abhängigkeit und das blöde Gefühl, am Ende noch pber den Tisch gezogen zu werden. Ich will gar nicht wissen, was ein handelsüblicher Preis, für 1 kg richtig geiles Iso e Super ist. 8 Euro, 10 Euro? Warum kostet es mich ca. 100? Was kostet Galaxolide? 4 Euro das kg? Ich hab für die letzte Pulle 125 bezahlt. DPG hat im Prinzip keinen Preis, weil es als Lösungsmittel in solch sinnlosen Mengen hergestellt wird, daß alles über 1 Euro per kg vermutlich Wucher ist und warum knöpft man mir für ein fertiges Parfumöl 300 bis 600 Euro ab, wenn der reine Materialpreis (per kg) vielleicht 50 Euro betrügt? Einige Riechstoffe bekomme ich nicht zu kaufen, von anderen bietet man mir nur mittelmäßige Qualitäten an, dann muß ich aus Verzweiflung meine Freundschaften zur Materialbeschaffung mißbrauchen und am Ende kommt ein Kenner und bescheinigt mir huldvoll ein gewisses Talent.

In diesem Moment muß ich an Max Liebermann denken, der den berühmten Zusammenhang aus Fress- und Kotzmenge herstellte.

Für heute erstmal genug.

Frühlingserwachen auf zarten Flügeln

Ich weiß nicht, ob meine Leser jetzt enttäuscht sind und nach so langer Pause vielleicht etwas anderes erhofft hatten. Doch für mich machen gerade solche Themen den Reiz an der Beschäftigung mit Duftstoffen aus. Also folgen Sie mir nach draußen, kommen Sie mit in den Frühling, atmen Sie tief durch und schauen Sie, ob Sie nicht irgendwo einen ersten Schmetterling entdecken können. Vielleicht einen hellgelben Zitronenfalter oder einen Kleinen Fuchs, die von den ersten Sonnenstrahlen erwärmt plötzlich herumflattern, nachdem sie versteckt vor der Kälte überwintert haben. Denn nicht alle Schmetterlinge tun dies in verpuppter Form und so haben wir das Glück, neben den pflanzlichen Frühlingsboten auch erste Schmetterlinge begrüßen zu können.

Die Idee zu diesem Artikel verdanke ich meinem Vater, auf dessen herrlichem Eßtisch sich immer wieder Fotos, Postkarten, Briefe und Bücher stapeln und genau hier entdeckte ich ein altes Kinderbuch über Schmetterlinge.

Papas Eßtisch 1

Papas Eßtisch 2

Also gab es Tee und Kekse, Fotos und jede Menge Ideen und Information für mich. Ist doch die scheinbare Unordnung, die er immer wieder beklagt, für mich eine schier unerschöpfliche Quelle biologischer und botanischer Informationen. Und so ganz langsam dringe ich zum eigentlichen Grund dieses Blogeintrags vor. Nur noch ein ganz kleiner Umweg, ein Ausstellungsbesuch im Kuperstichkabinett in Berlin (10785 Berlin, Matthäikirchplatz, am Kulturforum), wo man zur Zeit eine kleine, wunderbare Ausstellung über Maria Sibylla Merian (1647-1717) anschauen kann, welche die Tradition der Blumenmalerei/ des Blumenbildes mitbegründet hat.

Ausstellung S.Merian 1

Die kleine Schau spannt einen interessanten Bogen von der floralen Buchmalerei und Ornamentik hin zu realistischen und wissenschaftlichen Naturstudien.

Blumenbild 1

Die Pflanzenbilder wurden schnell mit Käfern und Schmetterlingen ergänzt, aus der Malerin wurde zugleich eine Forscherin und Entdeckerin und mit etwas Phantasie kann man sich vielleicht vorstellen, was es im Jahre 1699 bedeutete, wenn man eine weite Reise mit dem Segelschiff bis nach Surinam antrat. Maria Sibylla Merian erlebte ein unvergleichliches Abenteuer – „Tropenland ist Wunderland. Nichts von dem, was der Blick erschaut, erinnert an die Bilder der Heimat. Nicht der Tag, nicht die Nacht“. Und nun sitze ich hier, blättere in dem kleinen Büchlein der Tropenwunder, was selbst mich gut 300 Jahre später noch fasziniert (welchen Zauber übten die Bilder wohl auf den Betrachter von damals aus?) und irgendwie ist es, als könnte man selbst auf diesem Wege in die Ferne reisen.

Buch, Merian

So hat Papas Eßtisch wieder jede Menge Anregung beschert – alles hat seinen Sinn und seinen Reiz und dies hoffentlich noch lange Zeit – und ich muß jetzt nur noch die Kurve zu den Duftstoffen kriegen. Jenen Lock- und Botenstoffen, den Insektenpheromonen, mit welchen sich auch Schmetterlinge chemisch unterhalten. Insekten produzieren nämlich in bestimmten Drüsen verschiedene Pheromone, die sie an die Umgebung abgeben und die lösen selbst in geringsten Konzentrationen bei den Empfängern einen Nervenreiz aus, der natürlich umgehend beantwortet wird. Auf diese Art finden die Tiere einen Geschlechtspartner, organisieren sich in Kolonien und sorgen gar für Harmonie untereinander – man muß den anderen gut riechen können -, markieren Territorien und finden Nahrungsquellen. Es war Ende der fünfziger Jahre, als ein deutscher Chemiker als Erster den Lockstoff/ ein Pheromon eines weibl. Falters erkannte und synthetisierte. Bombykol, der Sexuallockstoff einiger Schmetterlingsarten (entdeckt beim weibl. Seidenspinner) wird in den Abdominaldrüsen der Weibchen produziert um die Männchen anzulocken. Erkannt werden die Pheromone bei den Männchen mit den Antennen, also den kleinen Härchen – den Sensillen – die sich daran befinden und man hat herusgefunden, daß die Tiere den Botenstoff sogar dann erkennen, wenn nur ein einziges Molekül vorhanden ist. Wahnsinn, ein einziges Molekühl reicht beim Schmetterling aus und wir hingegen sprühen uns von oben bis unten mit Deo und Parfum ein.

Abrakabarber die Duftpyramide

Was riecht nach Gin und was nach Leder, was ist süß und was wohl blumig, wonach riechen Hedione und Iso e Super, wie kommt der Weihrauch in die Kopfnote und wie in die Basis, was wohl ist ein CO2-Extrakt und und und Rosa Pfeffer?

MÜHLE RASURKULTUR und Abrakabarber. Foto: Jo Zarth.

MÜHLE RASURKULTUR und Abrakabarber. Foto: Jo Zarth.

Hier ist die offizielle Duftpyramide. Viel Freude damit – um nichts anderes geht es doch …
Und weil ich ein großer Freund der Nassrasur bin und Barbershops rund um den Globus kenne, habe ich einen Duft gemischt, der meinen Vorstellungen des Themas entspricht.

Kopfnote:
Limette, Wacholder, Rosa Pfeffer, Olibanum CO2, Galbanum

Mittelnote:
Osmanthus, Hedione, Atlas Zeder, Iso e Super, Rauch,

Basis:
Olibanum, Vetiver, Patchouli, Ambranoten und Leder, Tonka, Vanille.

Abrakabarber

Abrakabarber, simsalabim, hokus pokus, dreimal schwarzer Kater und hex hex, hervorgezaubert nach vielen Monaten – herumprobiert und immer wieder neu überlegt, dieses rein und ene mene muh und … jenes raus. Das Thema Barbershop dabei immer im Kopf behalten. Jednfalls so, wie ich persönlich einen Barnershop empfinde/ kenne.

Abrakabarber

Und heute werden die ersten Flaschen abgefüllt, dazu einige Proben und ab der kommenden awoche geht es so ganz langsam los.

Aus Liebe zum Duft, Mühle Rasurkultur und die Heldenlounge bekommen die ersten Flaschen. In Serie geht der Duft dann im Januar. Im Moment, also für den Start, werden noch die bei mir üblichen 50ml Flaschen mit Vapo (silber) angeboten. Später erfolgt der Umstieg auf 30ml, was auch mit allen anderen Düften passieren wird, weil ich den bürokratischen Aufwand für die Gefahrguttransporte zu anstrengend finde. Will man auch nur 5 Flaschen zu 50 ml verschicken, braucht man einen Gefahrgutexperten der ein Gefahrgutgutachten erstellt (ca. 80 Euro), dazu spezielle Kartons und Aufkleber und dann kommt FedEx ins Spiel, weil kein anderes Transportunternehmen solche Gefahrgutpakete transportiert und vom Gewinn bleibt nichts mehr übrig. Aber 20 Flaschen mit 30ml zu verschicken … kein Problem. Noch Fragen? Deshalb in Zukunft nur noch 30ml.

Aber wie riecht es denn nun?

Zur Begrüßung gibt es Wacholder und Rosa Pfeffer. Eine Kopfnote, die mich an Gin erinnert, an die kleine Bar, die ich aus so vielen Barbershops kenne und an den Geruch der vielen Duftwässerchen und Rasierseifen, die oft einfach nur etwas grün-holzig duften. Sauberkeit. Eine Mischung der verschiedensten Haarwaschmittel und Pomaden liegt in der Luft. Mal fruchtig, mal blumig, irgendwie hat wohl doch einer geraucht und die schweren Ledersessel vermitteln eine Atmosphäre, die man wohl eher aus amerikanischen Filmen kennt. Osmanthus ist hierfür besonders wichtig. Eine Mittelnote, die sehr reich und vielfältig wirkt, die edel und etwas sophisticated wirkt. Holznoten (leicht grün) und Tonka zu Ausklang. Frisch rasiert oder mit gestutztem Bart geht es auf, wohin auch immer.

Abrakabarber (Parfum Erik Kormann/ Design Jo Zarth).

Weniger ist manchmal …

„Weniger ist mehr“, mag nicht immer richtig sein. Aber manchmal stimmt es schon.

Eine Lebensweisheit, die meiner Meinung nach nur bedingt tauglich ist. Jedenfalls trifft sie im Falle von Vanilleeis mit Schokoladensoße überhaupt nicht zu: mehr Eis ist einfach mehr Eis. Basta.

Doch es gibt Fälle wo es sich lohnt, die eingesetzten Mengen auf ihre Wirkung hin zu überprüfen und deshalb möchte ich hier kurz beschreiben, was ich bei der Entwicklung des Rezepts für den in Kürze erscheinenden Duft ABRAKABARBER mit dem Rohstoff Wacholderbeeröl für eine Erfahrung machen durfte.

Die Idee zu dem Duft war der Begriff Barbershop und ich verbinde damit durchaus auch einen guten Schnaps. Das mag bei dem einen Rum, bei einem anderen Whisky und sicher auch mal ein Kräuter sein; für mich auf jeden Fall Gin und deshalb sollte der Duft eine kräftige Gin-Note erhalten (es wäre automatisch die Kopfnote, weil Wacholderbeeröl keine gute Haftung hat). 10% Wacholderbeeröl ins Rezept, Augen zu und durch. Ich mische in Handarbeit Parfums, um genau solche Dinge machen zu können. Wer glatte und geleckte Düfte will (ohne jede Wertung), wer keine Überraschungen liebt und wer nicht neugierig auf Unbekanntes ist, der wird sicher nicht begeistert sein. Egal! Monate später Parfumöl fertig, rein in den Alkohol und ? alles wurde trüb. Mist. Gaaanz großer Mist. Ok, 10% Wacholderbeeröl war eine sportliche Idee, doch ein Parfum muß klar sein. Vielleicht nicht wie Wasser, aber trüb wie Müggelsee im Sommer geht nicht. Was tun? Rezept analysiert, die Profifreunde gefragt und schnell war klar, daß es nur eine Möglichkeit geben wird. Wacholderbeeröl raus oder wenigstens deutlich reduzieren. Ich entschied mich für Letzteres und machte einige Test mit 3-6% und siehe da, bei dieser Einsatzmänge (für Feinparfumerie immer nich sehr, sehr viel) hat es hin. Nur womit die fehlende Menge ersetzen? 6%weniger Wacholderbeeröl sind ein gewaltiger Unterschied und plötzlich bekam der Duft in der Kopfnote einen ganz anderen Charakter.

Schaut man sich jetzt an, welche Bestandteile für den Charakter des Wacholderbeeröls verantwortlich sind, gibt es eine ganze Feihe an Möglichkeiten, diesen Eindruck trotzdem zu verstärken. Ein Weihrauch CO2-Extrakt z.B. gehört auch in die Kopfnote und paßt perfekt, Myrtenöl würde passen und es enhält zudeme viel Limonen und Linalool, die ebenfalls zur Kopfnote gehören. Logisch wären, wenn man es nur so betrachtet, natürlich auch Koniferenöle. Doch diese Mischungen rochen mir immer zu sehr nach Badezusatz und Erkältungsmittel. Ich wollte den Gin verstärken – den ich ja wegen der Eintrübung reduzieren mußte – und dies ist mit Rosa Pfeffer gelungen.

Witzig dabei! Die Kopfnote riecht jetzt viel stärker nach Wacholderbeeröl/ Gin als vorher.

Neue Flaschen, neuer Duft

30ml

Wer immer mal wieder hier ins Blog schaute, für den ist es kein Geheimnis und heute ist ein guter Tag, um den nächsten Duft anzukündigen. ABRAKABARBER – Gin, fruchtige Noten und Leder, Rauchiges und reichlich Holz, Erfrischendes und Beschwingendes … Barbershop.

Ab jetzt wird es auch neue Flaschen in 30ml geben. Ich hab den bürokratischen- und finanziellen Aufwand mit den 50ml einfach satt. So nach und nach wird umgestellt und der neue Duft wird gleich im neuen Format starten. Die älteren Düfte werden sukzessive umgestellt. Jo Zarth als Designer soll und wird entscheiden, welche der beiden Flaschen zum Einsatz kommt und wenn jetzt alles nach Plan läuft, werden die ersten Flaschn pünktlich zu Weihnachten über AUS LIEBE ZUM DUFT, die HELDENLOUNGE und 1000&1 Seife erhältlich sein.

ABRAKABARBER.

Wann und wie es weitergeht

Oft wurde ich in den letzten Monaten gefragt, wann ein neues Parfum erscheinen wird, ob überhaupt, wann und wie es weitergeht und warum ich so wenig hier im Blog schreibe. Fragen, die ich mir natürlich auch selber mehrfach stellte und es gibt nicht nur eine Antwort. Zum einen sind es die bürokratischen Hürden, die Schwierigkeiten im Umgang mit den Kleinstmengen, der hohe finanzielle Aufwand und manchmal auch die Häme (von Menschen, die zumeist nicht wissen, wie z.B. Javanol riecht, mir aber gönnerhaft zu echtem Sandelholz raten – so als „kleiner Tip für die Zukunft“ – und mir damit ohne jede Hemmung ein eigenes Urteil und die Entscheidung, etwas so oder so zu mischen, absprechen), die mich verzweifeln lassen. Aber der Hauptgrund für die seltener werdenden Einträge ist die neue Arbeit, die mir natürlich ein regelmäßiges Einkommen, eine Krankenversicherung und in einer fernen Zukunft etwas Rente garantiert. Sicherheiten, die ich bisher überhaupt nicht kannte. Dazu kommen noch andere Dinge die mir wichtig sind und die mir viel Freude machen. Unternehmungen und Hobbys, die unbedingt mit dazugehören. Im Sommer erfüllte ich mir einen Lebenstraum und ich wanderte ganz alleine, nur in Begleitung eines Esels, ca. 230 km, auf den Spuren von Robert Louis Stephenson (1850-1894) durch Südfrankreich. Von Le Monastier-sur-Gazeille nach Saint-Jean-du-Gar, durch wunderbare Wälder, über Wiesen und Felder, durch Täler und über hohe Berge, still und schweigend, den braven Narcisse immer an meiner Seite.

Narcisse and me

Meine Swing- u. Charleston-Tanzpartnerin und ihr Freund richteten mir ein Blog dazu ein (wo sich auch der ganze Reisebericht findet) und wer sich für Esel interessiert – Tiere, die übrigens sehr gut riechen – der wird hier fündig: Eselbook

Und dann fand ich vor einiger Zeit mein wundervolles Saxophon im Keller wieder, wo es seit 20 Jahren unbenutzt im Koffer lag, und weil ich es mir jetzt leisten konnte, kam das Instrument in eine gute Werkstatt und wird jetzt viel gespielt – auch in einer Bigband der Musikschule. Musik hat mir immer viel Freude gemacht (16 Jahre Klavierunterricht und bis zum Grundstudium war ein Hauptfach die Musikwissenschaft) und inzwischen habe ich sogar wieder ein Klavier. Musizieren gehört einfach mit dazu. Genau wie der Wind im Segel des Surfboards oder die Ruhe auf der Spree, wenn ich ganz früh am Morgen hoch zum Müggelsee paddle (SUP/Stand up Paddling). Das alles muß einfach sein und ohne Bücher, Katzen und die Finger im Garten würde ich gar keine Parfums mischen können.

Doch auch hier wird es weitergehen und ein neuer Duft steht in den Startlöchern. Mehr dazu wird aber noch nicht verraten. Diesmal bleibt es eine Überraschung. Nur die Idee zum neuen Steampunk Aero reift so langsam heran und damit interessierte Leute auf ihre Kosten kommen, habe ich die erste Rezeptidee einmal so aufgeschrieben, daß man etwas Ähnliches vielleicht nachmischen kann. Klar will ich nicht das ganze Rezept verraten und ich weiß, daß es schwierig ist, sich jeden der Rohstoffe zu besorgen. Doch damit die Hauptrichtung stimmt, schreibe ich an wichtige Dinge mal die Mengen dran. Aber nicht an alle!

Labienoxim 10%
Koriander 3
Ethyllinalool
Cis-3-Hexenol
Bergamotteöl 10
Mandarinenöl 10

Verbenone
Triplal
Floral 5
Macisöl
Magnolan 60
Paradisamide 2
Hedione 300

Ethylenbrassilat 80
Dimethylbrassilat
Habanolid
Globanon
Muscenone 9

Vetiverylacetat 30
Javanol 10% 5
Iso e Super 180
Bacdanol 30
Ambermax 1% 8