Amberbaum & Moby Dick

Wer würde wohl denken, daß die feinsten Damen und Herren sich an einem Wohlgeruch laben, den man aus den ruhmlosen Gedärmen eines kranken Pottwals holt! Und doch ist es so. Der graue Amber wird von manchen für die Ursache, von anderen für die Folge mangelhafter Verdauung gehalten, an der Wale mitunter leiden. Wie eine solche Dyspepsie zu kurieren wäre, läßt sich schwer sagen; es sei denn, man gibt dem Patienten drei, vier Bootsladungen Rhabarberpillen ein und verzieht sich dann schleunigst aus der Schußlinie (…).

Ich behaupte: wenn der Pottwal seine Schwanzflosse hochschleudert, verströmt er ebensoviel Wohlgeruch wie eine moschusparfümierte Dame, die in einem warmen Salon ihre Röcke rascheln läßt.“ (Herman Melville, „Moby Dick – oder Der Wal“)

Um wenig Begriffe, die mit Düften und der Herstellung von Parfüm zu tun haben, ranken sich derart zahlreiche Legenden. Den einen gilt Amber als eine Art Bernstein, andere akzeptieren ihn nur, wenn er vom Wal kommt und dann muß es auch noch so einen Baum geben, dessen Harz angeblich gut riecht. Und um gleich ganz ehrlich zu sein, ich weiß es selbst nicht viel besser. Ich weiß nur, daß man mit Produkten von Walen nicht handeln darf – darüber freue ich mich sehr -, als Bernstein habe ich Amber noch nicht gesehen und wenn es darum geht, der Basismischung eines Parfüms eine Ambernote zu verleihen, dann kenne ich nur diese zähflüssige, honigfarbene Substanz, die das Harz des Liquidambar orientalis ist. Ein etwa 10 m hoher Laubbaum aus der Familie Hamamelidaceae. Die Synonyme für das Harz (Oel) sind Styrax, Amber, Styrax-Balsam, Flüssiger Amber und Storax.

Hauptbestandteile sind Styren mit Vanilin, Phenylpropylalkohol, Zimtalkohol, Benzylalkohol, Äthylalkohol u.a.

Als ätherisches Öl, als Resinoid und Absolue, läßt sich der Stoff leicht bei der Herstellung eines Parfüms verwenden und in Verbindung mit Jasmin, Veilchen, Rose, Lavendel, Gewürznelke, Ylan-Ylang, Elemi und Sandelholz, verwandelt sich der leicht lösungsmittelartige Geruch des Gummi in etwas Wunderbares.

In Amber, in Styrax, in eine Welt voller Aromen, in Parfüm. Immer der Nase nach.

Ein Kommentar zu “Amberbaum & Moby Dick”

  1. Roland Fischer

    Hallo Zusammen
    habe diesen Urlaub Amber-Balsam kennengelernt. Natürlich kannten die Aegypter dies schon früher und brauchten diesen hauptsaechlich zum Einbalsamieren. Spass beiseite, kann diesen aus der Türkei Tonnenweise liefern (bei Bedarf), oder auch weniger. Vor dem 1. Weltkrieg exportierte die Türkei dieses Produckt zu hunterten von Tonnen. Heute wissen wenige wie Exklusiv dieses Produkt ist. Ausser die Ortodoxische-Kirche, dieses verwenden die Rinde des Baumes für Weihrauch.
    Stehe gerne für ernsthafte Anfragen zur Verfügung.
    MÄt lieben Grüssen
    RF