Dorian Gray

Weil der kleine digitale Fotoapparat noch immer keine Bilder machen kann, muß der heutige Eintrag ohne Foto oder Illustration auskommen; was in Anbetracht des Themas und der Form allerdings kein Problem sein sollte.

Denn Texte zum Thema gibt es viele, von Platon und Aristoteles, bis Kant und Hegel, über Charles Baudelaire, Marcel Proust und Oscar Wilde. Die Reihenfolge der Zitate erfolgt willkürlich und folgt keiner Ordnung. Allein die momentane Stimmung zählt.

Oscar Wilde (1854-1900), „Das Bildnis des Dorian Gray„, Taschenbibliothek der Weltliteratur, Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar, 1984

1. „Lord Henry ging hinaus in den Garten und entdeckte Dorian Gray, wie er sein Gesicht in den großen kühlen Fliederdolden vergrub und fieberhaft ihren Duft trank, als wäre er Wein. Er ging zu ihm und legte ihm die Hand auf die Schulter. Sie haben völlig recht, murmelte er. Nur die Sinne können die Seele heilen, so wie nur die Seele die Sinne heilen kann.“ (S. 26/27)

2. „Und so pflegte er nun Parfüms zu studieren und die Geheimnisse ihrer Herstellung, indem er stark duftende Öle destillierte und wohlriechende orientalische Gummiharze verbrannte. Er erkannte, daß es keine Geistesstimmung gab, die nicht ihr Gegenstück im Sinnesleben hatte, und verlegte sich darauf, ihre wahren Beziehungen zu entdecken, weil er wissen wollte, was im Weihrauch enthalten war, daß er mystisch machte, und in der Ambra, daß sie die Leidenschaft erregte, warum Veilchenduft die Erinnerung an gestorbene Liebesromane erweckte, Moschusgeruch das Gehirn verwirrte und der Geruch der Champacblüte die Phantasie befleckte. Oft versuchte er, geradzu eine Psychologie der Parfüms auszuarbeiten und die verschiedenen Wirkungen süß duftender Wurzeln und wohlriechender, pollenträchtiger Blüten oder aromatischer Balsame und dunkler, würziger Hölzer zu berechnen, des Nardenöls, das Übelkeit erregt, der Hovenia, die Menschen wahnsinnig macht, und des Aloesaftes, von dem es heißt, er könne die Schwermut aus der Seele vertreiben.“ (S. 142)

3. „Der Geruch der sengenden Kleider und des brennenden Leders war gräßlich. Es dauerte eine Dreiviertelstunde, bis alles vernichtet war. Danach fühlte er sich schwach und krank, und nachdem er in einer durchbrochenen Kupferpfanne ein paar algerische Räucherkerzen angezündet hatte, badete er Hände und Stirn in einem kühlen, nach Moschus duftenden Essig.“ (S. 192)

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