Aromatisches in den Zeiten der Aufklärung

Wie klingt es, wenn Immanuel Kant (1724-1804) VON DEN SINNEN DES GESCHMACKS UND DES RIECHENS spricht?

Er hat beide Fähigkeiten in seiner Vorlesung ANTHROPOLOGIE IN PRAGMATISCHER HINSICHT, geschrieben für seine Studenten in Königsberg,
als subjektive Sinne eingestuft, die den objektiven Sinnen DIE BETASTUNG, DAS GESICHT, DAS GEHÖR unterlegen sind.

„18. Die Sinne des Geschmacks und des Geruchs sind beide mehr subjektiv als objektiv; der erstere in der Berührung des Organs der Zunge, des Schlundes und der Gaumen durch den äußeren Gegenstand, der zweite durch Einziehung der mit der Luft vermischten fremden Ausdünstungen, wobei der Körper, der sie ausströmt, selbst vom Organ entfernt sein kann. Beide sind einander nahe verwandt, und wem der Geruch mangelt, der hat jederzeit nur einen stumpfen Geschmack. – Man kann sagen, daß beide durch Salze (fixe und flüchtige), deren die eine durch die Flüssigkeit im Munde, die andere durch die Luft aufgelöst sein müssen, affiziert werden, welche in das Organ eindringen müssen, um diesem ihre spezifische Empfindung zukommen zu lassen.“

Der wichtigste der äußeren Sinne – Kant unterscheidet die Fähigkeiten des sehens, hörens, tastens, schmeckens und riechens grundsätzlich von dem inneren Sinn – ist der Tastsinn, weil er der einzige ist, der dem Menschen eine unmittelbare äußere Wahrnehmung ermöglicht. Mittelbare Sinne sind demnach das Gehör und der Gesichtssinn und von geringster Wichtigkeit sind die Sinne des Geruchs und des Geschmacks.

Diesen fünf äußeren Sinnen, die Kant in „die des mechanischen und chemischen Einflusses“ unterteilt, steht nur ein einziger innerer Sinn gegenüber. Ein Sinn,
der viel mehr ist als das reine bewußte Erfassen, die Apperzeption, – dies wäre im Sinne Kants das Denkvermögen -, sondern die Fähigkeit der Veränderung
(affiziert zu werden) durch das eigene Spiel der Gedanken.

Und selbstverständlich räumt der Philosoph dem Verstand mehr Achtung ein,
wie sonst sollte man die Bezeichnung des „oberen Erkenntnisvermögens“ denn anders interpretieren? Doch zugleich streitet er achtbar für die Sinnlichkeit des Menschen und räumt mit den Vorurteilen (die Sinne verwirren, die Sinne beherrschen den Verstand und die Sinne betrügen) gründlich auf.
Erstens: Die Sinne können überhaupt nicht verwirren, denn die Wahrnehmung der Sinne ist nur die innere Erscheinung. Es obliegt dem Verstand, sie einer Ordnung des Denkens zu unterziehen und so ist die Verwirrung vielmehr an den Verstand geknüpft. Zweitens: Die Sinne beherrschen nicht, sie bieten sich und ihre Fähigkeiten dem Verstand an und zum Schluß muß einmal gesagt werden,
daß die Sinne gar nicht betrügen können, weil sie nicht urteilen.
Ein falsches Urteil ist daher immer dem Verstand zuzuschieben.

Wer sagt es denn? Vertrauen sie ihrer Nase. Ihr nach!

Immanuel Kant, „Schriften zur Anthropologie, Geschichtsphilosophie, Politik und Pädagogik“, Zweiter Teil, WBG Darmstadt, Sonderausgabe 1981, S. 450-451.

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