Parfüm – Kopf, Herz & Basis

Wer sich ein Parfüm selber mischt, der muß darauf achten, daß die charakteristischen Duftbestandteile nicht nur gut miteinander harmonieren, sondern sich zugleich von einander abheben. Nur so entsteht jene interessante Entwicklung, welche in Verbindung mit unserer Haut ein Parfüm unverwechselbar erscheinen läßt. Die Kopfnote, oft nur eine flüchtige Begrüßung, weckt Neugier und Begehrlichkeiten, ist immer leicht, gar oberflächlich und besteht zumeist aus den einfacheren Riechstoffen. Agrumenöle oder leichte Kräuter, zarte Blumen und häufig auch Süssigkeiten – beim Anriechen der Kopfnote entscheiden wir oft spontan über Wohlgefallen oder Abneigung. Dabei sind die Kopfnoten für den Parfümeur immer der Abschluß eines langen Weges. Sie leiten das Ende des Herstellungsprozesses ein und markieren zugleich einen Beginn; den des Rieches.

Das Herz des Duftes umschmeichelt unsere Haut schon länger und es ist der Teil des Parfüms, den wir oft am deutlichsten beschreiben können. Es scheint, als hätte uns die Kopfnote direkt zu ihm geführt, damit wir länger verweilen und Zeit finden, uns zu entscheiden. Oft finden sich blumige Nuancen, Rose und Jasmin, Duftstoffe, die von Leidenschaft und Sinnlichkeit zeugen. Das diese blumigen Herznoten oft einen berauschenden Unterton haben liegt am Indol. Ein Hauptbestandteil von Jasmin, Tuberose, Flieder und vielen anderen Blütenaromen, der die zarten Gewächse mit einer betäubenden Aura umgibt. Der Stoff führt uns auf jenen schmalen Grat zwischen Erregung und Ekel, dorthin, wo Leidenschaft und Erotik zu finden sind. Ebenfalls floraler Herkunft sind die Kräuter- und Gewürzaromen, die in der Mischung mit der Blütenpracht den Reichtum eines ganzen Gartens ergeben. Muskatellersalbei, das zitronige Eisenkraut, die Gewürznelke und Zimtrinde, Basilikum und Tomatenblatt. Kostbarkeiten, die ihre Eigenschaften erst im verbund mit anderen Aromen ganz entfalten und die Herznote eines Parfüms zu einem Erlebnis werden lassen können.

Was bleibt ist die Basis. Dies unbeschreibliche Mischung aus tiefen und geheimnisvollen Tönen, die ein Parfüm zugleich fixieren und ihm dennoch einen ganz bestimmten Charakter geben. Basisaromen sind am wenigsten flüchtig und nur sie verbinden sich so intensiv mit unserer Haut. Wer mit ihnen arbeitet und diese langen Entwicklungswege nicht scheut, der arbeitet buchstäblich mit Geschichte. Mit einer Geschichte, die Harze, Balsame und seltene Hölzer aus fernen Ländern nach Europa brachte. Tolu- und Perubalsam, Benzoe und Vanille, Vetyver und Sandelholz. Aromen, die oft einen sehr würzigen und erdigen Geruch verströmen und die wir nur in einem Parfüm verarbeiten können, wenn wir sie uns gefügig machen. Die Arbeit erfordert viel Phantasie und Geduld, holt man doch aus den tiefsten Tiefen die Essenzen hervor, die uns angenehm und vertraut sind. Doch hier, wo die Verwandlung der Rohstoffe besonders deutlich wird, erwarten den Parfümeur die größten Überraschungen.

KOPFNOTEN
Alle Zitrusessenzen, die Agrumenöle, zu denen Bergamotte, Limette, Zitronen, Grapefruit, Orange, Mandarine und Petigrain gehören. Die höchste Qualität haben dabei die kaltgepressten Öle. Blumige Kopfnoten, zu denen auch das Rosenholz gehört, stammen natürlich aus Blumen und dazu gehören Lavendel, Mimose und Davana. Würzige Kopfnoten sind die Pfefferaromen, Muskatnuß, Wacholderbeere, Ingwer, Kardamom und Koriander. Und dann gibt es noch grüne Kopfnoten, die man z.B. aus Minze, Fichtennadel, Galbanum und Wintergrün gewinnt. Das Zedernholz nimmt unter den Hölzern eine Aussnahmestellung ein, weil es sich hervorragend für Kopfnoten eignet und sich ausgesprochen leicht und zart in Kopfnoten einfügt.

HERZNOTEN
Luftige und leichte Herznoten sind z.B. Neroli und Magnolie und auch die Lindenblüte kann zu diesen lebhafteren Herznoten gerechnet werden. Würziger und deutlich schärfer, treten die Aromen von Piment, Zimt, Ingwer-Absolue und Gewürznelken-Absolue hervor. Zu den grünen Bestandteilen zählen wir neben Muskatellersalbei und Liebstöckel das Lavendel-Absolue. Jene narkotischen und indolhaltigen Aromen sind Jasmin, Tuberose, Ylan-Ylang, Jasmin-Absolue und Jasmin-Concrète. Von denen sich die fruchtigen Herzaromen Verbene, Litsea cubeba, Tagetes, Römische Kamille und ein kostbares Orangenblüten-Absolue deutlich abgrenzen. Nicht zu vergessen die Rose. Die Blume der Leidenschaft ist wahrscheinlich das wichtigste Herzaroma.

BASISNOTEN
Benzoe-Resinoid, Somalischer Weihrauch, Labdanum, Styrax, Elemi, Perubalsam, Tolubalsam, Vanille-Absolue, Eichenmoos-Absolue, Ambrettkörner, Kostus, Mastix, Tonka, Patchouli, Vetyver, Sandelholz und Zibet-Absolue.

Immer der Nase nach.

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