Parfüm, die Arbeit beginnt

Zuerst ist es nur eine Idee. Ein flüchtiger Gedanke an einen neu entdeckten Riechstoff, der mich über Tage hinweg nicht mehr losläßt und ganz plötzlich kommt ein anderes Aroma hinzu und im Kopf gehe ich mögliche Kombinationen schnell durch. Manche Dinge muß ich nicht mehr riechen, weil ich inzwischen weiß, wie sie zueinander passen. Doch wenn der Gedanke stärker wird und mich eine fixe Idee immer wieder packt, dann ist es Zeit, die Riechstreifen aus Papier herauszuholen und die Arbeit beginnt.

Wenn man ein Parfüm selber mischen möchte, dann sollte man wissen, wie sich jeder einzelne Bestandteil verhält und wie er in Kombination mit anderen Stoffen riecht. Man muß wissen, wie flüchtig ein Riechstoff ist und vor allen Dingen, wie er sich selbst verändert. Schließlich verfügen auch die einzelnen Aromen über so etwas wie Kopf-, Herz- und Basisnoten. Um das herauszufinden benötigt man Papierstreifen aus festem Karton, man kann auch in einer Parfümerie fragen, ob man vielleicht 10 Streifen einstecken darf. Fragen! Und diese Papierstreifen taucht man in die Flaschen mit den Einzelnen Düften. Ich stecke zuerst alle Streifen gleich tief in die Flaschen hinein und notiere mir das Datum und die Uhrzeit. Was dann kommt ist unheimlich aufregend und schön. Da ist mein neues synthetisches Sandelholzaroma, das zuerst so wunderbar cremig und mild ist. Später meine ich eine Linalool-Note herauszuriechen und nach vier Tagen kam der Duft von Geranien hinzu. Jetzt, nach drei Wochen, riecht es noch immer und ich weiß, daß ich bei diesem Riechstoff sehr aufpassen muß, damit er mir nicht alle anderen Düfte dominiert. Dazu mache ich mir Notizen und wenn es mir wichtig erscheint, notiere ich auch die persönlichen Empfindungen und Eindrücke.

Mit dieser Arbeit verbringe ich die ersten Wochen. So finde ich heraus, ob in der Praxis zusammengeht, was ich mir im Kopf bereits riechen konnte.
Später dann tauche ich die Streifen unterschiedlich tief in die Flaschen und beobachte erneut über mehrere Wochen hinweg. Bis ich dann mit den Papierstreifen die Mischung andeute. Aber das erkläre ich heute noch nicht.

Immer der Nase nach.

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