Parfüm – Geschichte I – Ägypten

Himmel und Erde sollen überfließen von Weihrauch und der Duft soll im Fürstenhaus sein. Rein und makellos sollst Du sie mir darbringen, damit Salbe für die göttlichen Glieder daraus ausgepreßt wird (…)“ (An Königin Hatschepsut 1490-1468 v. Chr.)

Weihrauch und noch mehr Weihrauch, dazu Styrax, Zimtrinde und Opoponax, Myrrhe, Kalmus und Galgant, Benzoeharz, Oud, Sandelholz und Rosenblätter, gemischt mit fetten Ölen, Wein und importiertem Eichenmoos, verfeinert mit Kardamom, Lemongrass und Rosinen, das alles im Mörser fein gemahlen und vermengt – Kyphi.

Eine Botschaft an die Götter im Himmel – als Räucherwerk und Parfüm für den Körper. Zubereitet von Priestern, die ihre aromatischen Mixturen an eine zahlungskräftige Oberschicht verkauften. Duftende Salben, Öle und parfümierte Fette, die nicht nur die Toten auf ihren letzten Reisen begleiten sollten, sondern mit denen man sich auch zu Lebzeiten gern umgab. Parfüm ist eine alte Leidenschaft.

Folge deinem Wunsch, weil du lebst. Schmücke dein Haar mit Myrrhe, kleide dich mit Leinen, welches getränkt ist mit köstlichen Wohlgerüchen, den echten Dingen der Götter.“ (Lied d. Harfners um 2000 v. Chr.)

Diese klassischen Parfüms sind zwar nicht mit den heutigen alkoholischen Flüssigkeiten vergleichbar, doch in ihrer Wirkung standen sie unseren heutigen Düften vermutlich in nichts nach.

Das Weihrauch in dieser Form und in dieser Fülle in Ägypten eingesetzt wurde, ist vermutlich der Pharaonin Hatschepsut zu verdanken – jene Königin, die sich mit ihrem mächtigen Kopfschmuck wie ein König darstellen ließ. Auf ihre Befehle hin wurde in unmittelbarer Nachbarschaft ihres Tempels ein großer botanischer Garten angelegt, wo Weihrauch- und Myrrhebäume aus Nordafrika wuchsen. Balsamgewächse, aus denen man Rohstoffe gewinnen konnte, die in dieser Form und Qualität bis dahin unbekannt waren. Der Weihrauch wurde in großen Mengen verräuchert und aus der Myrrhe fertigte man eine parfümierte Paste, mit der in einem morgentlichen Ritual die Statuen der Götter gesalbt wurden. Eine Zeremonie, die man als Öffnen der Augen und des Mundes bezeichnete.

Viele weitere Aromatika waren hilfreich im Dienste für die Götter, denn sie unterstützten die Wirkung der Mumifizierung. Doch im Ägypten des Goldenen Zeitalters unter Pharaonin Hatschepsut entdeckte man das Parfüm für den lebenden Körper, den man salbte und mit aromatischen Substanzen einrieb – die Kunst der Verführung, der Liebe und der Zauberei. Man bestrich den Körper mit aromatischen Ölen um besser die Haare rasieren zu können, denn nur der glatte Körper galt als schick und gepflegt. Die häufig zitierten auf die Haare aufgesetzten, im Sonnenlicht schmelzenden Salbkügelchen würde ich allerdings stark bezweifeln. Für den Mund benutzte man Mastix, Calmus, Wacholderbeeren und Rosinen. Wenn die Angaben zu den verwendeten Rohstoffen stimmen (bei Mastix z.B. hätte ich grpße Zweifel), dann wäre dies auch ein Hinweis auf ein weitverzweigtes Handelsnetz zur damilgen Zeit.

Das waren die Parfüms im alten Ägypten. Harze, Balsame, Früchte, Blumen und Hölzer. Rohstoffe, die oft über weite Entfernungen hinweg importiert werden mußten. Und alles nur, weil die Leidenschaft für die aromatischen Stoffe, die Salben und Öle, die Parfüms von damals, so mächtig war. Ägypten kann als ein Ursprungsland des parfumierten, lebendigen Körpers betrachtet werden und von hier aus brachten die Juden diese Kunst mit zurück.

Immer der Nase nach.

2 Kommentare zu “Parfüm – Geschichte I – Ägypten”

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