Parfüm – Geschichte II – Ägypten

Wasche dein Gesicht in Glück und Gesundheit, indem du die Freude genießt„. (ägyp. Inschrift auf einem goldenen Gefäß aus dem Grab der Königin Hetepheres)

Strahlend erscheint das Gesicht. Der Teint ist hell, glatt und ohne Makel, ein Ideal und Abglanz jugendlicher Göttlichkeit. Sehnsucht und immerwährende Suche eines gesellschaftlichen Rituals, welches sich über die Jahrtausende erhalten hat. Schönheit, die es zu erlangen gilt.

Schönheit ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt„. (I. Kant, Kritik d. Urteilskraft)

Und dabei ist der Begriff mehr als schwer zu fassen. Läßt sich nicht festlegen zwischen Religion, Philosophie, Literatur und Kunstgeschichte, hat keinen Ort und ist scheinbar universell. Denen, die sich damit befassen, oft ein Geheimnis, mit dessen Hilfe die Brücke zwischen Diesseits und Jenseits gesucht wurde. Überdauerten doch die Zeugnisse früher Kulturen die Zeit, künden Skulpturen von unvergänglicher Schönheit. Nofretete. Ihr edles Profil, das markante und zugleich anmutige Gesicht, die großen Augen mit den geschwungenen Brauen. Zeitlos schön.

Diesem Ideal strebten bereits die alten Ägypter nach und dabei gab es keine Schranke zwischen Leben und Tod. Schönerhaltung als Inbegriff des Seins für alle Ewigkeit. Und der Wohlgeruch, der parfümierte gesalbte Körper, als Medium der Transzendenz zwischen Gott und den Menschen. Was den toten Körper vor der Fäulnis schützte, das mußte wenigstens die Spuren des Alters verbergen können. Ein kosmetischer Mythos, dessen Wurzeln weit in die Kulturgeschichte zurückreichen. Wohlgeruch, Parfüm und aromatische Substanzen galten den Ägyptern dabei als der Atem Gottes. Flüchtig, aufsteigend und Mittler zwischen oben und unten. Durch Rauch, per fumum, wird die Botschaft übermittelt.

Zahlreich waren die Rohstoffe, welche Priester und Ärzte einsetzen konnten und erfinderisch waren die Kundinnen und Kunden. Die Salben, Parfüms auf Ölbasis, Räucherwerk und Balsame erwarben. Da gab es Augenschminke, Mittel zur Mund- und Zahnhygiene, aromatische Geheimnisse für die intimsten Orte des Körpers. Verführung und Sinnlichkeit in Form vieler medizinisch-dermatologischer Präperate. Gesundheit und Schönheit aus einer Hand, als Quell von Jugend und Stärke.

Frühe Parfüms waren auf Öl- und Fettbasis hergestellte Pasten und Salben. Flüssigkeiten, die auf Haut, Haare und Kleidung aufgetragen wurden. Dazu zahlreiche aromatische Substanzen für den Wohlgeruch im Raum.
Im Goldenen Zeitalter Ägyptens galt die Aufmerksamkeit, die man dem Parfüm entgegenbrachte, gleichermaßen den Ritualen und dem Alltag, dem Tod und auch dem Leben.

Immer der Nase nach.

Die Kommentarfunktion ist derzeit geschlossen.