Arbeit mit kristallinen Rohstoffen

Wer sich Parfüm selber herstellt und dabei nicht nur ätherische Öle oder synthetische Parfümöle verwendet, der wird hin und wieder vor dem Problem stehen, daß manche Rohstoffe nicht in gelößter Form (flüssig) erhältlich sind. Cumarin, Vanillin und Himbeerkörper, um nur einige zu nennen, werden in kristalliner Form angeboten und nun muß der Parfumeur die Stoffe selber lösen.

Das Lösungsmittel der Wahl ist für uns dabei Dipropylenglycol. Ein farbloser, fast geruchloser, leicht öliger Stoff, der einen neutralen pH-Wert hat und nur sehr geringe Reizwirkung besitzt.

Geben sie 10g ihres kristallienen Riechstoffes in ein Glasgefäß und füllen sie 140g Dipropylenglycol dazu. Versuchen sie es nicht mit weniger DPG, denn selbst bei einem Verhältnis von 1 zu 9 wird sich z.B. Cumarin zwar auflösen, doch schon nach wenigen Stunden kristallisiert es wieder aus.

Anschließen müssen sie ihren Ansatz vorsichtig erhitzen. Das geht über der Gasflamme oder einem Bunsenbrenner. Ich persönlich finde ein Wasserbad schonender und leichter zu handhaben.

Bei 40 Grad fangen die Kristalle an sich rasch aufzulösen und wenn man das Gefäß immer wieder vorsichtig durchschwenkt und für kurze Momente ins Wasserbad zurückstellt, hat man in wenigen Minuten seinen flüssigen und in einem Parfüm leicht einsetzbaren Riechstoff erhalten. Zu beachten ist, daß es nicht viel wärmer als 40 Grad werden sollte.

Ab jetzt bleibt ihr Riechstoff klar und flüssig.

Versuchen sie nicht – in der Hoffnung auf eine stärkere Konzentration -, die Menge von 10g Festkörper in deutlich weniger als 140g Dipropylenglycol zu lösen. Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, daß höhere Konzentrationen automatisch stärker riechen. Das Gegenteil ist häufig der Fall und gerade viele synthetische Riechstoffe brauchen genügend Platz, um sich entfalten zu können. Besser wäre es sogar, wenn sie 10g Festkörper auf 190g Dipropylenglycol lösen. Von dieser Stammlösung benötigen sie in einem Parfüm höchstens 0,5%. Höchstens.

Eine andere Möglichkeit für die Arbeit mit kristallinen Rohstoffen ist, diese in der fertigen Mischung zu lösen. Geben sie auf 99,9g Parfüm 0,1g Coumarin und erwärmen sie die Duftmischung vorsichtig auf 40 Grad. Diese Temperatur sollte keiner Mischung Schaden zufügen und in diesem Verhälrnis wird sich der Festkörper immer sehr gut lösen.

Parfüm herzustellen ist die feine Kunst, viele der einzelnen Bestandteile zu verstecken und eine Nuance leicht überspitzt herauszuarbeiten. Der Reiz liegt in der Übertreibung. Harmonie ist Schnee von gestern.

Immer der Nase nach – auf dem Weg zu einem eigenen Parfüm

Ein Kommentar zu “Arbeit mit kristallinen Rohstoffen”

  1. Anna

    Hallo, was um alles in der Welt ist denn Himbeerkörper als Parfumgrundstoff? Ansonsten großes Kompliment für diesen schönen und interessanten Blog!