Guajakholzöl concrete für ein neues Parfüm

Wir waren gestern Nachmittag kurz in Potsdam, wo es neben Kaffee und Kuchen natürlich auch einen Besuch bei Edith im Bad & Balsam gab, wo ich mir mein Guajak abgeholt habe. Wir bestellen oft gemeinsam und tauschen uns dann mit Erfahrungen und Rohstoffen aus.

Guajak concrete? Was ist denn das?

Ich arbeite gern mit Concrètes, weil deren Extraction mit niedrigsiedenden Lösungsmitteln – meist wird Hexan eingesetzt – sehr schonend ist und viele ursprüngliche Bestandteile der Harze (oder auch der Blüten) erhalten bleiben. Concrètes sind oft etwas zäh, leicht fest und verströmen einen unglaublichen Duft. Für die Parfümerie weiterverarbeitet, würde das Concrète mit warmen Ethanol (ca. 40 Grad) behandelt werden. Der Ethanol wird anschließend abgetrennt und man erhält ein Absolue. Das ist gar nicht so aufwendig wie es klingt. Doch weil ich nicht destillieren kann, bleibt mir nichts weiter übrig, als die Concrètes direkt mit Ethanol zu versetzen. Zu diesem Zweck werde ich nun auf 100g Guajakholzöl concrete 300g Ethanol füllen und diesen Ansatz für wenigstens 8 Wochen stehenlassen. Dazu verwende ich Glasflaschen mit einer großen Öffnung, damit die zähe und klebrige Masse gut umzufüllen ist. Anschließend wird dekantiert, wobei ich in Plastikflaschen umfülle – ich habe für jeden Rohstoff extra Flaschen und Trichter, damit ich nicht mit viel Aufwand spülen muß -, und danach kommt der Ansatz in den Eiskasten. Nach 1-2 Wochen Kälteschlaf wird gefiltert, noch einmal eingefrostet und wieder gefiltert, wobei ich im Bedarfsfall Aktivkohle verwende.

Der Duft, den diese Ansätze verströmen, fasziniert mich und ich habe die Erfahrung gemacht, daß gerade die Basisaromen, wenn man die Arbeit mit diesen ursprünglichen Rohstoffen nicht scheut, sehr gut fixieren.

In einem Parfüm setze ich solche alkoholischen Auszüge gern für die Basismischungen ein. Wobei ich in dieser Form oft auf Weihrauch, Tolu- und Perubalsam, Benzoe, Styrax, Copaiba, Labdanum und Mastix zurückgreife. In der Mischung mit den ätherischen Ölen und synthetischen Riechstoffen erreicht man so eine gute Haftung und eine hohe aromatische Dichte. Man muß nur so lange verdünnen, bis nichts mehr klebt. Die Erfahrung der letzten Übungen hat gezeigt, daß Parfüms, die in der Basis zu einem Großteil aus solchen Rohstoffen gefertigt wurden, nicht besonders spannend sind. Die Aromen kleben zusammen und halten sich gegenseitig fest. Es bleibt ein Duftbrei, der sich nicht gut entfaltet. Deshalb setze ich diese Ansätze nur noch sehr gezielt und wohlüberlegt in kleinen Kombinationen ein. Weihrauch und Guajak zum Beispiel ergänzen sich gut. Benzoe und Perubalsam, oder Styrax und Labdanum. Dazu noch etwas Chemie und schon kommt Luft und Transparenz in die Angelegenheit. Manche Dinge muß man einfach auseinanderreißen.

Die aktuellen Ideen sind ein Parfüm mit einem Teearoma – da kommen dann also Linalool, Linalyl acetat, Damascenon und Bergamotte zum Einsatz. Natürlich auch Sandelholz, Beta Jonon, ISO und natürlich Guajak -, außerdem soll endlich in größeren Mengen ein Weihrauchduft her, dem ich eine so pudige Himbeere verpassen werde, das die Nase wackelt, und dazu ordentlich Hedion, Galaxolide und Javanol.

Und für Edith muß ich dann noch etwas ganz ohne Chemie machen.

EINECS NR. 289-632-8

Immer der Nase nach.

Ein Kommentar zu “Guajakholzöl concrete für ein neues Parfüm”

  1. Patricia

    Dein Blog ist einfach der wahnsinn würde dich und deine Gemahlin gerne persöhnlich kennen mehr als interessant :-))Patty