Theophrast De Odoribus – Über die Gerüche

Der griechische Naturforscher und Philosoph (Schüler des Aristoteles) wurde vermutlich 371 v. Chr. auf Lesbos geboren und starb 287 v. Chr. in Athen. Als weitere Namen werden Tyrtamos und Theophrastos zu Eresos genannt. Seine Verdienste um die Botanik kann man allein schon daran erkennen, daß ihm zu Ehren eine Pflanzengattung von Carl von Linné in Theophrasta umbenannt wurde. Gewächse, die zur Familie der Theophrastaceae (Schneckensamengewächse) gehören. Überliefert sind neben einigen anderen Schriften eine wunderbare und häufig zitierte Naturgeschichte der Gewächse, eine Metaphysik und De Odoribus (Über die Gerüche).

§1 „Die Gerüche entstehen im Ganzen aus Mischungen wie die Geschmäcke; denn alles, was ungemischt ist, hat keinen Geruch wie auch keinen Geschmack, deswegen auch die einfachen Substanzen keinen Geruch haben wie Wasser, Luft und Feuer. Allein die Erde besitzt meistens Geruch, weil sie meistens gemischt ist.“

Mit dieser allgemeinen Einschätzung beginnt Theophrast seine Schrift zum Thema Geruch. Einleitend spricht er von den Arten der Gerüche, den Geschmäckern und den Möglichkeiten trockene und feuchte Substanzen zu mischen – wobei es Theophrast im eigentlichen Sinne um die Wohlgerüche als auch den Geschmackssinn geht.

§3 „Wohlriechend also ist, um es einfach zu sagen, das Gekochte [Gereifte], Feine und am wenigsten Erdartige; denn Geruch entsteht beim Einatmen; (…)“

Und mit Beginn des Paragraphen 7 kommt Theophrast zum eigentlichen Anliegen seiner Schrift, zur Erörterung der hergestellten, produzierten Gerüche.

§7 „Wie auch bei den Geschmäcken muß man auch über alle diejenigen Gerüche zu sprechen versuchen, die mit Kunst und Vorsatz hergestellt werden. In beiden Fällen aber hatten wir immer schon die Wendung zum Besseren und Angenehmeren im Blick; denn jede Kunst hat dies zum Ziel.“

Interessant ist ferner die Erörterung des Ablösens von Geruch aus den verschiedensten Dingen. Geruch entströmt, es entweicht das Aroma und der Duft von Blüten liegt in der Luft. Doch warum werden die Dinge nicht weniger, wenn sich Geruchsteilchen von der Oberfläche der Pflanzen lösen und in der Luft herumfliegen, bis sie schließlich in unsere Nasen gelangen?

§13 „(…)bei den Wurzeln und allen festen Substanzen aber der Geruch in der Masse erzeugt wird (…)“

Es ist die Masse, das feste, klebrige und schwere Material, welches dem Geruch die Haftung verleiht – Öl. Vorzüglich natürlich die besonders fetten Öle, die als Salböle verarbeitet und parfümiert dazu geeignet sind ein angenehmes Gefühl und einen lang anhaltenden Geruch zu geben.

§17 „Für alle Salböle benützt man Aromen, teils, um das Öl einzudicken, teils, um aus diesen Aromen [dem Öl] den Geruch zu geben. Man verdickt nämlich jedes Öl, damit es besser den Geruch aufnehmen kann (…). Zur Verdickung verwendet man die schwächerriechenden Aromen, später dann gibt man die hinein, deren Geruch das Salböl annehmen soll; das letzte, das man hineingibt, dominiert nämlich immer, auch wenn es nur eine geringe Menge ist (…)“

Und wer jetzt neugierig geworden ist und mehr erfahren möchte, um die verschiedensten Pflanzen, wohlriechenden Harze und all die anderen Wohlgeruch verursachenden Dinge kennenzulernen, der muß in eine Bibliothek gehen.

Ulrich Eigler und Georg Wöhrle, „Theophrast De Odoribus“, Edition, Übersetzung, Kommentar, Mit einem botanischen Anhang von Bernhard Herzhoff, B.G. Teubner, Stuttgart 1993

(Standort für Berliner. Humboldt Universität, Unter den Linden 6, Bibliothek Raum 2096, FH 35013/ E34) Viel Spaß und immer der Nase nach.

3 Kommentare zu “Theophrast De Odoribus – Über die Gerüche”

  1. perfumeshrine

    It warms my heart to see Theophrastus here. Of course I have a much better understanding of the ancient Greek text than your own ~LOL, but 🙁 (because I am sure you have written an excellent essay)

    Will be adding you soon 😉

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