Das Parfum

Das Parfüm – Die Geschichte eines Mörders

Über Patrick Süskinds Roman Das Parfum, die Geschichte eines Mörders, wurde schon viel geschrieben und deshalb hat das aromatische-blog lange darüber nachgedacht, ob es überhaupt nötig wäre, einen kleinen Text dazu anzufertigen. Doch nach langem Zögern und Zaudern hat sich das aromatische-blog nun entschlossen, dieses Buch mit in der Liste der Empfehlungen aufzunehmen. Schließlich ist es ein spannendes und unterhaltsames Buch, welches sich den Themen Parfüm, Duft & Parfümherstellung auf beeindruckende Weise nähert. Und besonders die ersten Seiten sollen hier kurz erwähnt werden. Weil sie eine gelungene Beschreibung der Lebensumstände im Paris des achtzehnten Jahrhunderts darstellen. Ein Buch über Parfüm – über das Thema Wohlgeruch schlechthin – beginnt mit einer grandiosen Beschreibung von Gestank und Ekel.
Es gibt so viele märchenhafte Be- und Umschreibungen für Parfüm und Düfte. So viele Geschichten, Mythen und Fantasien ranken sich um große Namen, berühmte Parfumeure und bedeutende Marken. Doch die Worte, mit denen Patrick Süskind in den Text einleitet sind ebenso abwechslungsreich wie vielschichtig.

Er schreibt, daß ein kaum vorstellbarer Gestank herrschen würde. Die Straßen stanken nach Mist, die Hinterhöfe nach Urin, die Treppenhäuser nach fauligem Holz und Rattendreck, die Küchen nach verdorbenem Kohl und Hammelfett, die ungelüfteten Stuben nach muffigem Staub und die Schlafzimmer nach fettigen Laken und feuchten Federbetten und dem stechend süßen Duft der Nachttöpfe. (Seite 5)

Aus den Kaminen stank es nach Schwefel, die Gerbereien verpesteten die Luft mit ihren ätzenden Dämpfen, aus den Schlachthöfen roch es nach geronnenem Blut. Die Menschen stanken nach Schweiß und ungewaschenen Kleidern. Sie stanken aus dem Mund, aus dem Magen nach Zwiebelsaft und nach altem Käse und saurer Milch. Es stanken Flüsse und Plätze, es stank in den Kirchen, unter Brücken und in den Palästen. Der Bauer stank wie der Priester auch. Sogar der König stank wie ein Raubtier und seine Frau wie eine alte Ziege. (Seite 6)

Ein Ort allerdings muß besonders gestunken haben. Paris. Die größte Stadt und dazu mitten im Zentrum einen großen Friedhof, auf dessen Boden ein Marktplatz errichtet worden war, nachdem man die ganzen Knochen und Kadaver endlich in den Katakomben versenkt hatte. Und hier, in Mitten der sommerlichen Hitze, der Duftmischung aus fauligen Melonen, verbranntem Horn und den sogar Leichengruch überdeckendem Fischgestank, wurde der Hauptheld des Buches Jean-Baptiste Grenouille geboren.

Zählen sie mal nach, was alles als stinkend beschrieben wurde. Es ist eine beeindruckende Aufzählung, und das auf den ersten drei Textseiten des Buches.

Patrick Süskind, Das Parfum, Die Geschichte eines Mörders, Verlag Volk und Welt, Berlin, 3. Auflage, 1990, 265 Seiten

Immer der Nase nach

Ein Kommentar zu “Das Parfum”

  1. simone

    Dear Erik, I read the book ages ago and I remember that these descriptions got me really sick because I was so much into the book, nose stucked between the pages, that I could actually smell it.
    Later, once i was in Akko, after the fish market was almost closing and I could smell the fish juices and the blood of other animals, such as goats and the fruits and the nargilas, and the knafe and arabs stincking from a hard day working under the sun, and cardamom and tea and chip perfumes, and falafel, and the sea breeze, etc… made me remember that book.
    When I read at basenotes that actually they make scented sessions of this movie, I wonder why?
    One doesn´t need it! if you have a nose and a bag full of olfactory experiences, you actually can smell stench!
    The book is really great. One of my favorites.
    I wonder how Germany smells like…

    Brazil is too big, so every place has a different smell.
    Sao Paulo smells like polution, sometimes the smell of freshness after a hard rain…frangipanni, orchids, piss…
    Bahia smells like dende oil, cloves, cacau, sweat…poverty
    Rio smells like pot, sperm, lemmon, fish…cheap perfume
    Israel smells wonderful! Rosemarine, sea breeze, grapefruit, oranges, cardamom, tabacco, wild flowers, olibanum, pine, coffee…

    tell me about Germany and your town…