Parfüm im Haus – der Raumduft

Raumdüfte sind sehr in Mode gekommen. Wohin man auch schaut, Duftkerzen, Holzstäbchen und Potpourris, Aromalampen und Räucherstäbchen. Vanille, Kokos und tropische Früchte bilden in Drogeriemärkten, Einrichtungsgeschäften und Kaufhäusern einen undefinierbaren Duftschleier, der die Sinne ablenkt und den Verstand in Bedrängnis bringt. Was dem einen gefällt ist dem anderen sein Leid. Kaum noch die Möglichkeit, sich auf sich selber zu konzentrieren, es ist wie mit der Musik in Fahrstühlen und Warteschleifen, man kann dem nicht entkommen und fügt sich am Ende einfach nur in sein Schicksal.

Doch eigentlich ist ein aromatisches Heim – ein angenehmer Geruch in der Wohnung – eine schöne und wohlige Sache. Wenn die eigenen vier Wände das Gefühl von Geborgenheit und Ruhe atmen, Stimmungen und Farben, Lieblingsdüfte und Stil aufeinandertreffen, dann gelingt es uns leichter zu entspannen und wir können uns besser konzentrieren, auf uns selbst und die Familie. Dazu gehören wohltuende, dezente Duftnoten, Aromen, die nicht den Raum beherrschen, ihn nicht ausfüllen und die sich nicht in den Vordergrund drängen. Ein Raumduft sollte leise sein, fein und von stiller Eleganz. Er muß gut funktionieren, sollte nachfüllbar sein oder sich auffrischen lassen und dem Raum ein dekoratives Accessoir sein.

Wer einfach nicht das passende findet und wem die angebotenen Düfte und Aromen partout nicht gefallen, der kann versuchen, sich einen eigenen Raumduft anzufertigen. Man braucht nicht viel dazu und es macht viel Spaß. Zuerst benötigt man einen Speicher, einen Duftträger, auf dem sich die Aromen lange halten und der genügend saugfähig ist, um eine größere Menge Duftkonzentrat aufzunehmen. Meiner Meinung nach ist unglasierter Ton bestens geeignet. Er ist aufnahmefähig und er speichert die Düfte viel länger als Holz und andere eher leicht durchlässige Materialien. In einem Baumarkt habe ich vor einigen Monaten diese Tonkügelchen entdeckt. Ein ganzer Beutel davon kostet nur wenige Euro und ich finde die Form und die Farben ausgesprochen harmonisch. Irgendwie erinnert es mich ein wenig an Marzipankartoffeln. Auf einer einfachen Schale ausgebreitet, getränkt mit einem eigenen Parfüm, geben sie seit Wochen schon ihren Duft langsam ab.

Das Parfüm, welches ich für diesen Zweck selber angefertigt habe, heißt bei mir Quendolin, weil ich einen Hauch von Quendel in die Mischung gegeben habe. Quendel ist der Feldthymian (Thymus pulegioides) und ich liebe sein frisches und kühles Aroma. Ich habe es für den Raumduft mit einem Elemi concrete, etwas Guajak concrete (diese beiden Riechstoffe sind hervorragende Fixateure), Bergamotte, Petit Grain und Palmarosa kombiniert. Es ist ein frischer, aufmunternder Duft, der leicht kühl eine holzige Note ausstrahlt und seine fruchtigen Anteile lange hält.

Immer der Nase nach.

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