Räuchern, himmlische Düfte

Ich bin kein besonders spiritueller Mensch. Mit Sternzeichen kann ich nichts anfangen, in die Kirche gehe ich auch nicht und mit Göttern, Götzen und Heiligen fremder Kulturen habe ich ebenfalls nichts am Hut. Trotzdem mag ich Rituale, suche in all der täglichen Unruhe nach Momenten der Entspannung und Kontemplation, versuche abzuschalten, um Gesagtes und Erlebtes im Kopf noch einmal Revue passieren lassen zu können. Wenn ich dabei die Hände bewegen kann ist es doppelt schön; manchmal fehlt das Klavier und die damit verbundene Musik. Das Räuchern ist für mich eine Möglichkeit, die Gedanken schweifen zu lassen und den Fingern etwas Bewegung zu geben. Es ist ein angenehmes und ruhiges Spiel, ohne das ich den Anspruch erhebe, eine bestimmte Botschaft an den Himmel zu richten, oder gar erhoffe, die verbrennenden Kräuter würden mich erden, reinigen oder die Fähigkeit des Loslassens mit sich bringen. Mit solchen Dingen kenne ich mich nicht aus und deshalb möchte ich nicht davon schreiben. Wer so etwas sucht, der wird in Büchern und im Internet schnell fündig. Mir geht es ausschließlich um das Räuchern, den Duft und die Aromen, den Moment der Ruhe und jene kurze Zeit des glücklichen Nichts-Tuns. Dabei habe ich ein für mich durchführbares kleines Ritual entwickelt, von dem ich nicht erwarte, daß es den hohen kultischen Anforderungen klassischer Zeremonien genügt. Höchste Kultur, reinste Zeremonie und strengste Form der Ausführung ist sicherlich das japanische KOH-DO, der Weg des Duftes, dem man lauschen muß. Dies ist ein anderes Kapitel und ich werde es zu einem späteren Zeitpunkt hier vorstellen. Räuchern macht einfach Spaß und außerdem ist es die vermutlich älteste Form der Parfumherstellung – per fumum heißt durch Rauch.

Räuchern auf einem Sieb
Wer gerne einmal selber räuchern möchte und dazu nicht nur ein Räucherstäbchen anzünden will, der braucht einen Siebträger, ein Teelicht und einige Dinge, die man in Rauch auflösen kann. Das können getrocknete Kräuter, Hölzer und Harze sein. Wobei ich die Erfahrung machte, daß die Harze schnell die Siebe verkleben und aus diesem Grund nutze ich für solche Räucherungen dann doch lieber eine Kohle. Doch bleiben wir noch kurz bei den Sieben.

Sie sehen auf dem Foto, wie klein die Menge des Materials ist, welches gerade verräuchert wird. Sie können natürlich mehr nehmen, doch das macht es nicht unbedingt besser. Das Räuchern über dem Sieb ist zart und sanft, die Hitze ist längst nicht so groß wie auf einer glühenden Kohle und ich finde es eigentlich wunderbar, wenn man, nachdem alle Hölzchen und Kräuterchen verbrannt sind, kurz zum Fenster geht, lüftet und nur einige Sekunden später spürt, wie sich ein feines Aroma im Raum verteilt hat. Sie können natürlich auf fertige Räuchermischungen zurückgreifen und mit etwas Glück werden sie eine gute Auswahl erhalten. Doch wenn sie die Möglichkeit haben und die Dinge einzeln kaufen können, dann würde ich mir etwas Sandelholz, Rhododendron und Weißen Salbei kaufen. Getrockneter Rosmarin und eine Gewürznelke, vielleicht auch etwas Zimt, Lemongras und Lavendel, Lorbeer und Kardamom funktionieren auch sehr gut. Versuchen sie es einfach und arbeiten sie an einer eigenen Mischung. Mir persönlich reichen einige Krümelchen Sandelholz, Lemongras und Wacholder völlig aus.

Räuchern auf Kohle
Geradezu archaisch mutet dagegen die Räucherung auf einer Kohle an. Wenn sie das ausprobieren wollen, benötigen sie eine feuerfeste mit Sand gefüllte Schale. Da können sie ganz kreativ sein und Sand vom letzten Strandurlaub mit Muscheln drin einsetzen, oder sie nehmen sauberen Vogelsand aus dem Zooladen. Ganz egal, hauptsache Sand. Dann brauchen sie eine Zange, mit der sie die Aktivkohle halten können und ein Löffelchen, mit dem sie im Bedarfsfalle die Räucherware von der glühenden Kohle schaben können.

Als erstes halten sie die Kohle mit der Zange fest und bringen die Kohle anschließend mit einem Streichholz oder besser einem Feuerzeug zum glühen. Das sieht oft sehr schön aus, weil die Kohle so hübsche kleine rote Funken schlägt. Pusten sie etwas auf die Kohle bis diese richtig rotglühend ist und legen sie dann die Kohle auf dem Sand in der Schale ab. Jetzt streuen sie ihre Räuchermaterialien darauf und erfreuen sich einfach an den Aromen. Ein Krümelchen Weihrauch, etwas Benzoe, Rhododendron und Sandelholz. Ich will ihnen keine Rezepte vorschreiben und ich kann ihnen wirklich nicht versprechen, daß die häufig vorhergesagten Wirkungen eintreten. Mir geht es um den Duft, die sinnliche Beschäftigung mit den Händen und den Dingen, die Minuten der Ruhe.

Buchtipp
Eines der schönsten Bücher zum Thema habe ich hier im Blog bereits vorgestellt: Susanne Fischer-Rizzi, Botschaft an den Himmel.

Und wer in der Nähe von Berlin wohnt, der kann ja nach Potsdam fahren und zu Edith ins Bad & Balsam gehen, wo sich in runden Blechdosen die schönsten Räucherwaren verbergen die ich kenne. Und natürlich gibt es auch das ganze Zubehör und unheimlich viel Fachwissen und Leidenschaft dazu.

Ein Kommentar zu “Räuchern, himmlische Düfte”

  1. edith

    lieber erik,
    das hast du, wie immer, schön gesagt.und ich habe noch nie ein so schönes foto von einer glühenden kohle gesehen.für mich ist räuchern unter anderem auch die genialste art mein lebenslängliches fernweh zu stillen. mal ist man in japan, mal in afrika oder schnell mal im himalaya oder bei den amerikanischen indianern-schamanen.und nach vielen räucherjahren bin ich doch jedesmal grührt von der fähigkeit der düfte als freundliche kulturbotschafter.lieben gruss, edith