Parfum – Geschichte VII – Indien

Man kann Indien durchaus als das Mutterland des Parfums betrachten.

Obwohl es das aromatische-blog privat nicht unbedingt nach Badami (Südindien) zu Ochsenkarren und Thali (Reis mit verschiedenen Saucen) zieht, gibt es im Privaten einige indisch inspirierte Momente, die nicht mehr wegzudenken sind. Nachdem die Liebste mehrere Jahre dort lebte und arbeitete, gehören Reis und Curry, der Ganesh und bunte Stoffe, zum Leben unbedingt dazu. Indien ist überall – in seinen Rohstoffen, den Gerüchen und Aromen, Kräutern und Gewürzen.

Ein kurzer Blick ins Fotoalbum und schon tauchen Szenen des täglichen Lebens vor mir auf, die ich nur durch Hörensagen kenne und trotzdem inzwischen als ein fast eigenes Erleben betrachte. Der Topfhändler aus Tamil Nadu radelt an mir vorbei – Indien ist in Bildern und Geschichten, zahlreichen Rohstoffen meines Hobbys, der Herstellung von Parfüm und Düften. Es scheint, als wäre Indien so aromatisch wie die Idee zu diesem Internettagebuch.

Ein Garten Eden der Duftpflanzen und Parfumrohstoffe. Von den höchsten Bergen, dem Himalaya im Norden, bis hin zum Indischen Ozean im Süden, geprägt durch ein tropisches Wechselklima, welches von Trockenheit und Dürre, Kälte und tropischer Hitze, Regen und Monsoon so ziemlich alles zu bieten hat, was man nicht unbedingt aus dem Wetterbericht für Berlin und Brandenburg zu hören wünscht und was dennoch einen Artenreichtum ermöglichte, der seinesgleichen sucht. Sandelholz, Benzoe, und Zimt aus Ceylon, Patchouli und Vetyver, Kardamom, Pfeffer, Gewürznelken und Koriander, Guggul, Galgant, Dammar Harz und Elemi, Alant, Muskat und Moschuskörner, Kalmus, Adlerholz, Narde und Tulsi, Lemongras und Ingwer, Drachenblut und Safran. Blumen schmücken die Haare und dienen als duftende Basis für Öle und Pomaden, Blütendestillate für die Erfrischung des Körpers. Tuberose, Jasmin, Champaka (eine Magnolienart). Endlos ließe sich die Liste der Duftpflanzen und ihrer Verwendung im Alltag der indischen Kultur weiterschreiben.

Eine Flora, welche seit Jahrtausenden zu religiösen und medizinischen Zwecken genutzt wurde. Düfte beflügeln den Geist und schaffen eine Verbindung zu den Göttern, helfen heilen und tragen zur Entspannung bei, sind wichtiger Bestandteil eines erfüllten Liebeslebens, was die Ausgeglichenheit des Menschen befördert. Dabei wird der kunstfertige Umgang mit den Düften im Kamasutra empfohlen, ein Wissen, welches sich alle gebildeten Menschen zu eigen machen sollten. Am Morgen ist der Körper mit duftenden Cremes zu pflegen, Wachs kommt auf die Lippen und die Zähne sind gründlich zu putzen. Dazu eine Blume ins Haar oder an die Kleider. Das Ritual der Verführung ist ein Spiel mit Düften und Aromen. Sandelholzöl auf den Brüsten, in den Haaren Jasmin und ein mit Rosenwasser gereinigter Körper ist gut für den Übergang von einem Leben ins andere und erhöht die Wirkungen der sinnlichen erfahrbaren Liebe.

Die Rohstoffe für Räucherungen, duftende Öle, Cremes und Parfums werden ganz selbstverständlich in Mitten der ganzen anderen zum Leben notwendigen Dinge angeboten.

Immer der Nase nach.

3 Kommentare zu “Parfum – Geschichte VII – Indien”

  1. Sascha

    Wieder einmal ein besonders schöner Beitrag zum Thema Rohstoffe und Geschichte(n) mit interessanten fotografischen Eindrücken. Es scheint, als sei Indien mit all seinen Aromen, Gerüchen und Farben der unterschiedlichsten Rohstoffe ein sehr – im wahrsten Sinne des Wortes – sinnliches Land.

  2. erik

    Lieber Sascha,

    mit einem Stückchen Aktivkohle, einigen Spänen Sandelholz, Benzoe und etwas Rosenholz (das enthält viel Linalool und duftet wunderbar fruchtig frisch) kann man leicht nach Indien reisen. In Gedanken, getragen vom Rauch. Und in dieser Form fliege ich gern über den Himalaya und blättere die Fotos der Freundin durch.
    Ich werde Dir eine Aktivkohle und all die anderen Dinge mit ins Päckchen schmuggeln und die Gebrauchsanweisung für die Reise findest Du im Blog. Räuchern ist nicht schwer und man kann daraus auch ein geselliges Spiel machen.

    Gruß Erik

  3. Jinaika Jakuszeit

    Hallo Erik!
    Vielen Dank für die schöne Geschichte über meine Heimat. Habe selber einige Jahre dort gelebt und du hast recht, geruchstechnisch ist Indien das Paradis auf Erden 🙂 Ich bekomme gleich Heimweh, wenn ich nur dran denke.
    LG Sannyas