Naturparfum mischen ist schwer


Das Geißblatt

Hin und wieder kommen Leute zu mir, weil sie über ihre handgemachten Parfüms, ihre Düfte und Mischungen reden wollen. „Naturparfüms“, ätherische Ölmischungen und aromatisierte Öle, zu denen ich dann etwas sagen soll. „Hätten sie nicht einen Verbesserungsvorschlag“ oder „was würden sie daran verändern“ fragt man mich dann oft und sofort wird klar, wie schwierig es ist, sich rein aus ätherischen Ölen etwas gut riechendes zu mischen. Ein Naturparfüm? Mit diesem Begriff habe ich ganz große Schwierigkeiten. Über die Gründe werde ich später noch schreiben.

Aber nun mal der Reihe nach. Das Problem all dieser Mischungen, die man mir bisher unter die Nase hielt, ist der Einsatz von unzähligen Ölen, in der Hoffnung, die Masse würde es schon bringen. Da kommen in einem Ansatz Vanille und Jasmin, Rose und Bergamotte zum Einsatz, werden Vetyver, Elemi, Lavendel und Rosmarin, Petitgrain, Ceder, Patchouli, Labdanum, Benzoe, Zimt und Weihrauch, Orange, Grapefruit und Mandarine miteinander in eine Flasche getropft. Ja sogar mit echtem Sandelholz wird nicht geknausert. Eine Mischung, aus der man wenigstens drei verschiedene Düfte machen könnte (sollte). Und natürlich nehmen die Leute nur die teuersten Rohstoffe, sparen nicht am Material und sind am Ende trotzdem unsicher, ratlos und enttäuscht. „Da sind doch so viele schöne Sachen und drin und wissen sie, was die Vanille gekostet hat?“ Klar kenne ich die Preise und schon aus diesem Grund kippe ich nicht so viele Dinge in eine Mischung. Ätherische Öle, Concretes und Absolues wachsen regelrecht zusammen und bilden eine untrennbare Einheit. Es entstehen neue Verbindungen, die durchaus ganz wunderbar duften können, doch in vielen Fällen haben sie die unangenehme Eigenschaft, sich nicht mehr richtig voneinander zu lösen. Irgendwie fehlt mir da die Luft. Oft scheint es mir, als würden die einzelnen Aromen in solch überladenen Mischung ihren Charakter verlieren. Glauben sie mir, der massenhafte Einsatz teurer Rohstoffe hat noch nie automatisch zu einem guten Ergebnis geführt.

Wenn sie wirklich ganz auf Chemie verzichten wollen, dann konzentrieren sie sich auf wenige Rohstoffe. Nehmen sie Weihrauch und Elemi für eine Basis, geben sie ihrem Duft ein Herz aus zwei blumigen Komponenten und fügen sie eine einfache, spritzige Kopfnote hinzu. Wenn es ihnen gelingt, aus wenigen Bestandteilen einen wirklich ansprechenden Duft zu kreieren, haben sie ein echtes Erfolgserlebnis. Dann werden sie nämlich feststellen, wie schön sich die Dinge entwickeln, wie schnell die frische Kopfnote verfliegt, das Herz eine Weile bleibt und am Ende eine sanfte Basis der Nase schmeichelt. Bringen sie Luft in ihre Mischungen. Lassen sie nur zusammenwachsen, was wirklich zusammen gehört. Die Basis zum Beispiel sollte viel Zeit bekommen. Doch die anderen Aroman müssen sich deutlich voneinander abgrenzen. Sonst wird es langweilig und undeffinierbar.

Mit dem Begriff Naturparfüm tue ich mich aus einem anderen Grund etwas schwer. Ich finde es komisch, wie man Rohstoffe, die allesamt das Ergebnis von zum Teil recht aufwendigen chemischen Prozessen sind, in einem Endprodukt als rein natürlich beschreiben kann. Im Falle von ätherischen Ölen kann ich dies noch nachvollziehen, doch bei Concretes und Absolues verstehe ich es eigentlich nicht. Das die chemischen Bestandteile im Endprodukt nicht mehr nachweisbar sind, ist für mich kein gutes Argument. Der hohe Energieaufwand und der Einsatz von Chemikalien während der Herstellung sind für mich mit einem reinen Naturgedanken, in dem doch immer auch ökologische Aspekte mitschwingen, unvereinbar. Wenn ich etwas gegen Chemie habe, dann setze ich sie gar nicht erst ein. Denken sie jetzt nicht, ich hätte etwas gegen natürliche Rohstoffe – ganz im Gegenteil. Nur finde ich es etwas spitzfindig, wenn man bei den Wörtern chemisch und künstlich die Nase rümpft, aber zur Herstellung eines Naturprodukts Chemikalien, chemische Prozesse und reichlich Energie einsetzt, weil der natürliche Gedanke wohl jedes chemische Mittel heiligt.

Wenn es gelingt, aus rein natürlichen Zutaten ein Naturparfum zu mischen, dann ist das eine schöne Sache und selbstverständlich gibt es ganz wunderbare Naturparfums. Doch mir persönlich geht es mehr um einen gangbaren praktischen Weg, auf dem sich natürliche und synthetische Rohstoffe auf sinnvolle Weise verbinden lassen.

Immer der Nase nach.

2 Kommentare zu “Naturparfum mischen ist schwer”

  1. Andy

    oh ja: Man beachte alle Farben bunt gemischt gibt auch grau-braun… Und in der Tat: „natürliche Duftstoffe“ sind Menschenwerk. Von daher sind die ätherischen Öle und Absolue etc. auch immer ein (Kunst)handwerksprodukt.

  2. Alfredo Dupetit

    Synthese in Parfüms solte man nicht haben. Synthese kann in unseren Körper Gifte aufbauen die noch unbekannt sind. Sehr wenige der synthetischen Düfte und kommerzielle Duftcocktails wurden bisher danach untersucht.

    Nur Parfüms mit INCI: Perfume (100% natural) sind echt natürlich.
    Ich möchte keine synthetischen Stoffen auf meinen Körper sprühen oder reiben!
    Absloues müssen nicht alle mit Chemikalien gewonnen werden. es gibt auch welche die mit reinen Alkohol gewonnen werden, nach Enfleurage mit Kokosfett, zum Beispiel. Die Natur muss man schützen, aber uns selbst an aller erster Stelle! Am besten vermeidet man unbekannte synthetische Cocktails in Perfums i9n den man achtet , dass der Imverkehrbringer bei der INCI-Zutat Perfume unmittelbar danach (100% natural) schreibt.
    Alles andere ist Demagogisch und Irreführend!