Parfum & Riechstoffe richtig riechen

Man kann seine Sinne schärfen. Mit spitzen Ohren dem Klavierkonzert lauschen, die Noten auf den Knien, jeden Ton kritisch verfolgen und im Rhythmus die Finger mitspielen lassen. Schokolade, Wein und den Geschmack unserer Speisen auskosten und genüsslich auf der Zunge zergehen lassen, prüfen, ob man die Feinheiten und Unterschiede der Aromen herausschmeckt. All dies läßt sich trainieren und üben und selbstverständlich können wir auch unsere Fähigkeit Gerüche wahrzunehmen in Schwung bringen. Und genau so, wie wir bei Musik oder guter Schokolade die Augen schließen, damit uns ja nichts ablenkt, müssen wir versuchen, uns beim Riechen zu konzentrieren. Für mich gehören Ruhe und ein möglichst gut durchlüfteter Raum dazu. Wenn ich einen neuen Riechstoff erhalten habe, nehme ich mir immer eine kleine Probe mit nach Hause, wo ich mich ins Arbeitszimmer setze, einen Riechstreifen eintauche und mich entspannt dem Duft zuwende. Nebenbei mache ich mir Notizen und schreibe meine Eindrücke auf. Oft ziehe ich mich vorher um, damit die duftgeschwängerte Kleidung, mit der ich tagsüber im Geschäft stand, mich nicht irritiert.

Meine Riechstreifen, mit denen ich ätherische Öle und synthetische Riechstoffe kennenlerne und teste, sind recht schmal, damit sie in enge Flaschen eingetaucht werden können. Ihre Oberfläche ist saugfähig und doch viel glatter als die jener saugfähigen Papierstreifen, die man in Parfumerien angeboten bekommt. Während die saugfähigeren Streifen den Geruch besser halten, ermöglichen die glatteren Papiere ein deutlicheres Erkennen der einzelnen Geruchsphasen, weil flüchtigere Aromen weniger zurückgehalten werden. In einer Parfumerie wären diese schmalen, glatten Riechstreifen völlig ungeeignet.

Als erstes beschrifte ich den Riechstreifen (Achtung! Nur mit sauberen Händen. Creme und andere kosmetische Produkte verfälschen Eindrücke oft unbemerkt), dann lege ich mir im Computer ein Dokument an und dann tauche ich den Riechstreifen 1 bis 2 cm tief ein. Wenn ich nun feststelle, daß der Riechstoff für eine Beurteilung viel zu konzentriert ist und ich viel zu rasch einen Übersättigungszustand an mir bemerke, lege ich den Riechstreifen beiseite und fertige mir eine stark verdünnte 2%ige Lösung an. Der rasch verdunstende Alkohol läßt mich den Stoff viel besser wahrnehmen, wobei ich darauf achte, daß ich nicht zu dicht am Papierstreifen rieche.

Für diese Zwecke verwende ich am liebsten die Papierstreifen von Orlandi (Professonal Brand Perfume Testing Papers Measure Line 27995).

Wenn ich in eine Parfumerie gehe, weil ich mich für einen neuen Duft interessiere, dann nehme ich mir immer einen der dort angebotenen Riechstreifen. Keinesfalls sprühe ich mich gleich ein, nur weil mir der Geruch eines Parfums schon an der Flasche gefiel. Als nächstes nehme ich mir den Tester und drehe mich vom Regal komplett weg. Niemals sollte man in Richtung der Regale sprühen. Das ist die größte Unsitte und schon an dieser einfachen Regel erkenne ich, ob eine Kundin/ ein Kunde Erfahrung im Parfumkauf mitbringt oder nicht. Aus etwa 10 cm Entfernung sprühe ich den Riechstreifen ein, warte einige Sekunden und konzentriere ich mich auf den Duft. Ob ich das Interesse verliere oder meine Neugier sich steigert, mache ich von diesem ersten Eindruck jedoch nicht abhängig. Zu oft folgt auf schnelle Entscheidungen eine böse Überraschung oder man bringt sich um wunderbare Erfahrungen. Meistens beschrifte ich den Streifen, lege ihn vorsichtig in die Brieftasche oder in ein Buch und wenn ich etwas stärker angefixt bin, sprühe ich mir das Parfum auf den Unterarm und gern auf die Kleidung. An der frischen Luft riecht es oft ganz anders.

Für mich ist immer wichtig, wie ein Riechstoff oder ein Parfum auf einem neutralen Medium riecht. Deshalb benutze ich so gern die Papierstreifen. Natürlich muß man, bevor ein Parfüm gekauft wird, dieses auf der eigenen Haut, der eigenen Kleidung getestet haben. Doch für eine Bewertung ist ein neutrales Medium unerläßlich.

Immer der Nase nach

2 Kommentare zu “Parfum & Riechstoffe richtig riechen”

  1. Claudia (traumschaumseife)

    Tolles Blog!

    Leider habe ich nach drei bis vier Riechproben immer „die Nase voll“ 🙁

    Liebe Grüße aus Göttingen
    Claudia

  2. Klaus Doblmann

    Sehr schöne Anleitung, die ich mir merken werde, wenn ich mal Parfum-Riechen gehe. In der Nähe gibt’s nämlich keine richtigen Parfumerien und bei Douglas & Co hält sich meine Neugierde, was auszutesten, in Grenzen. Liegt wohl daran, dass ich alles, das nach Sportlern, Musikern und anderen Möchtegern-Persönlichkeiten benannt ist, sowieso links liegen lasse.