Italien 2008, Erinnerungen & Tipps

Es war ein herrlicher Urlaub. Tolles Wetter, ein erfrischender Gardasee, Stracchino, Semifreddo, Rotwein, die Gardasee-Grundel und dazu mein unkomplizierter Herr Papa. Und bevor es nun in den kommenden Tagen und Wochen thematisch langsam weitergeht, gibt es hier für alle freundlichen Leser einen kleinen Urlaubsrückblick, der vielleicht einige Tipps enthält.

Zuerst kommt Stracchino.

Stracchino

Ohne Stracchino wäre Italien nicht Italien. Tomate und Mozarella gibts auch in Berlin. Doch Tomaten und Stracchino kann ich leider nur in Italien haben. Es ist ein zarter, streichfähiger Weichkäse, der sehr mild ist und damit genau so schmeckt, wie ich es von Käse erwarte. Stracchino gibt es in jedem Supermarkt, doch meine Lieblings-Stracchino kaufe ich in Negrar. Ein kleiner Ort kurz vor Verona, wo am Montag immer ein Wochenmarkt für die Landbevölkerung stattfindet, wenig Touristen rumlaufen und ich die ganze Stracchino für mich alleine haben kann. Um nach Negrar zu gelangen fahren sie vom Gardasee aus kommend in Affi in Richtung San Ambrogio/ S. Pietro in Cariano und weiter nach Negrar. Auf dem Markt finden sie neben viel Gemüse, Bekleidung, Fisch und Fleisch fast immer drei Käsestände, die alle Stracchino anbieten. Ich gehe seit Jahren zu FRATELLI TURCATO dal 1921 SPECIALITA FORMAGGI aus Villafranca. Sie erkennen die beiden freundlichen Herren an ihren roten Basecaps. Dazu sollte man unbedingt noch etwas Vittorio Veneto kaufen. Für mich der beste Hartkäse überhaupt.

Die Reise geht weiter nach Verona, weil es dort ein wunderbares Semifreddo gibt.
Ein Halbgefrorenes, welches einfach nur köstlich schmeckt und Verona ist auch ganz hübsch. Alle anderen Eissorten gibts in Berlin und natürlich vom Italiener. Gehen sie einfach direkt auf den Platz zur Arena di Verona, wo sie auf der linken Seite eine Häuserzeile mit vielen Cafes und Restaurants entdecken werden. Dort finden sie die Gelateria & Snack Bar EMANUEL. Die Kasse ist rechts, wo man zuerst bezahlt und dann mit der Quittung sein Semifreddo abholt. Mit dem Semifreddo in der Hand schlendern sie einfach in Richtung Piazza Erbe, in dessen unmittelbarer Nähe der wohl berühmteste Balkon Italiens zu finden ist. Sie erkennen den Ort der tragischen Liebe an den vielen Menschen. Für den nächsten Tipp sollten sie sich unbedingt vorher so einen kleinen Faltplan holen, damit sie die BAR AL PONTE in der Via ponte Pietra 26 finden. Eine kleine Espresso-Bar, von wo aus sie, wenn sie auf die Terasse gehen, das Wasser an der Ponte Pietra rauschen hören und sich zugleich ein schönes Panorama bietet. Wichtig ist nur, daß sie sich nicht nach unten auf die Terasse setzen, sondern gleich links hinter der Tür einen der beiden erhöhten Barhocker besetzen. Es sieht dann etwa so aus.

Zurück am Gardasee würde ich mich in San Vigilio etwas ausruhen.

San Vigilio

Besonders in den frühen Morgenstunden strahlt San Vigilio viel Romatik und Ruhe aus und wenn man sich etwas unauffällig bewegt, auf Campingstühle und Sonnenschirme verzichtet, dann kann man vor der Kulisse des berühmten Hotels LOCANDA SAN VIGILIO einige Stündchen verbringen. Die Tische des Restaurants sind ab der Mittagszeit oft vorbestellt, doch bis dahin ist es kein Problem, wenn sie einen Eiskaffee haben möchten.

Naturfreunden empfehle ich gern die PONTE DI VEJA
Ponte di Veja

Ein Ort, den schon urzeitliche Menschen bewohnten, wo man steinzeitliche Wandbilder entdeckte und der in eine malerische Landschaft eingebettet liegt. Nutzen sie den Schatten des Waldes für einen Spaziergang in Mutter Natur und bestaunen sie die Ponte di Veja. Wer gut kartenlesen kann und selbst mit kleinen Landstraßen vertraut ist, der kann den Weg über Negrar und San Chiriaco wählen, einen der letzten Rückzugsorte des Templer Ordens. Halten sie sich in Richtung Fane und Giare, achten sie auf die typischen Grundstücksbegrenzungen aus unbehandeltem Marmor und vielleicht entdecken sie die herrlichen Strukturen im Gestein. Fahren sie unbedingt nach Giare, schauen sie sich diesen Ort an und sehen sie sich die Dächer an.

Wein. Mein Weintipp bietet zugleich auch etwas Kulturgeschichte. In Gargagnago, gelegen an der Strecke zwischen Affi und Negrar, liegt das Weingut der Nachfahren des berühmten Dichters Durante Alighieri (1265-1321). Der Dichter, der Die göttliche Komödie schrieb, der sich selbst Dante nannte, dessen Familie zu den ältesten florentinischen Geschlechtern gehörte, der in die Verbannung gehen mußte, der als Heimatloser umherirrte, in der Not betteln mußte und der im Zorn verfügte, daß seine sterblichen Überreste nicht an seine undankbare Heimatstadt ausgeliefert werden sollten. Dante Alighieris Nachfahren unterhalten ein traumhaft schönes Weingut und wer nach Italien fährt und sich keinen Amarone geleistet hat, wer nicht weiß wie ein Reciotto schmeckt und wer keinen Ripasso kennt, der interessiert sich vermutlich nicht für Wein. Achten sie in Gargagnago auf die Schilder von MASI und Serego Alighieri.

Mantova
Nach Mantova fahre ich wegen der Tortelli di Zucca im Cento Rampini auf dem Piazza Erbe. Ich esse sie nur dort.
Danach geht es für einen Spaziergang entweder in Richtung Palazzo Te oder gleich ins Palazzo Ducale, wo man in der Camera degli Sposi ein Motiv meiner Reiserinnerungen erkennen wird – die Ponte di Veja. Auf den Wandgemälden dieses unvergleichlichen Palastes ist in der Camera degli Sposi auch eine kleine Frau (La nana) zu erkennen. Eine Frau, die zusammen mit vielen anderen kleinwüchsigen Menschen Teil der wechselvollen Geschichte dieses Hauses ist.

Gabriele d`Annunzio.

Das Haus und den Garten des Dichters muß man einfach gesehen haben, wenn man Urlaub am Gardasee macht. Wo sonst steht schon ein Kriegsschiff auf einem Berg inmitten eines prächtigen Gartens? Fahren sie nach Gardone und achten sie auf die Wegweiser zum Vittoriale. Der Botanische Garten von André Heller liegt auch in der Nähe. Das Städtchen des Gabriele d’Annunzio (Il Vittoriale degli Italiani) liegt direkt am Hang und wenn man an Deck der Puglia steht hat man einen schönen Blick auf die Landschaft und den See.

Ein Bild zum Schluß

Ich habe jetzt auch kein schlechtes Gewissen, weil ich nicht in Parfumerien war und keine Seifenläden besuchte. Doch der Wein, die Stracchino, das Semifreddo und die Tortelli di Zucca sind voller Aromen und damit thematisch absolut passend.

Und in Kürze heißt es wieder Immer der Nase nach. Siehe Foto.

3 Kommentare zu “Italien 2008, Erinnerungen & Tipps”

  1. aromatisches Blog » Urlaub, Italien wir kommen.

    […] Italien im aromatischen-blog 2008 […]

  2. Cilento

    Toller Artikel!Besonders der Teil über den Stracchino gefällt mir.Ich liebe diesen Käse,schade,dass er hier so schwierig zu kriegen ist.

  3. Marco Randon

    Wunderbarer Bericht über das schönste Land der Welt!
    Ich war auch schon oft in Italien und finde der Artikel bringt so richtig das Lebensgefühl rüber, ein DANKE an den Autor.