Krankheit und Geruchsempfindungen

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Hin und wieder kommen Ärztinnen und Ärzte zu uns ins Geschäft, die gezielt nach Parfums suchen und dabei ganz dezidiert nach den Rohstoffen fragen, aus denen die verschiedenen Düfte komponiert wurden. Oft hole ich dann meine eigenen Rohstoffmuster nach vorn und es baut sich ein Sammelsurium aus den verschiedensten Riechstoffen auf dem Ladentisch auf. Da wird verglichen und getestet, nach Übereinstimmungen und Unterschiedenen gesucht. Der Grund für dieses Fachinteresse ist die Arbeit mit kranken Menschen, in den meisten Fällen mit KrebspatientInnen.

Ich habe zu diesem Thema leider noch keine Literatur gefunden. Doch wenn ich die Aussagen all dieser Ärztinnen und Ärzte vergleiche, stelle ich fest, daß es hier große Gemeinsamkeiten in den Beobachtungen auf den verschiedenen onkologischen Stationen geben muß. KrebspatientInnen reagieren oft spontan und intensiv auf starke Gerüche. Viele der Geruchswahrnehmungen verstärken das Gefühl von Übelkeit während der Chemotherapie und selbst in den Erholungsphasen zwischen den Anwendungen kommt es zu Reaktionen der Überempfindlichkeit bei bestimmten Düften und Gerüchen. Bemerkt wurden heftige Reaktionen auf Raumdüfte, welche eigentlich die Atmosphäre auf den Staionen verbessern sollten, deutliche Abneigungen gegen viele Parfums des Personals und der Stationsgäste und selbst die Wasch- und Reinigungsmittel sind von Bedeutung. Gerade der Geruchssinn spielt in Verbindung mit krankheitsbedingter Übelkeit eine große Rolle.

Einige der Ärztinnen waren nun gezielt auf der Suche nach Parfums, die sie selber während der Arbeit tragen konnten, ohne das es zu negativen Reaktionen der Patientinnen und Patienten kommt. Und zugleich sollte (konnte) auf diesem Wege ausprobiert werden, ob es signifikante Gemeinsamkeiten für Zustimmung oder Ablehnung bestimmter Inhaltsstoffe gibt.

Als positiv und sogar stimmungsaufhellend wurden übereinstimmend alle leicht flüchtigen, zarten, frischen und leicht blumigen Aromen beschrieben. Alle ätherischen Rohstoffe und Parfumkompositionen erscheinen als wenig störend und belastend. Während hingegen orientalischen Mischungen, lieblichen Düfte und süßliche Rohstoffe das Gefühl der Übelkeit häufiger hervorrufen oder verstärken. Problematisch sind wohl auch Parfums, welche deutlich rauchig, erdig, teerig und schwer blumig riechen.

Ein schwieriges Thema, welches leider noch keine Quellen aus der Forschung bietet. Doch vielleicht kann in Zukunft mehr berichten werden.

Ein Kommentar zu “Krankheit und Geruchsempfindungen”

  1. Blume

    Hallo Herr Kormann, die Urlaubsbilder machen neidisch, die Tipps sind eine Verführung und der aktuelle Beitrag macht nachdenklich. Ein Blog mit Spaß und Kultur(Geschichte), viel Liebe und Tiefgang. Machen Sie bitte weiter.
    Familie Blume

    PS. Wir haben uns einen Riechstreifen vom August ergattert und sind fasziniert.