Herznote

herznote_bild_21

Vergessen sie die Herznote nicht. Den Bereich zwischen Kopfnote und Basis, zwischen Begrüßung und langanhaltendem Fond – die Mittelnote, das Herz des Duftes. Ein guter Duft braucht ein Bouquet. Es ist natürlich viel einfacher, sich um eine starke Kopfnote zu kümmern, denn gerade im Angeruch liegt häufig der Reiz, den ein Duft spontan auf uns ausübt, der uns zum Kauf verführt. Die Basis ist auch sehr spannend, weil sie zum einen sehr lange auf der Haut verbleibt und zum anderen die Arbeit mit den Basisaromen für den Parfumeur besonders wichtig ist. Gerade wenn man mit den natürlichen Basisaromen arbeitet, die Harze und Resinoide verwendet, beginnt man oft mit dem Fond des Parfums und leicht bleibt die Mitte auf der Strecke. Vergessen sie die Herznote nicht. Sie verleiht einem Parfum Charakter und Ausdruckskraft.

Das Herz eines Parfums wird sehr häufig mit Blumen geschmückt. Rosen – die Blume der Leidenschaft – Jasmin, Lindenblüte, Magnolie, Neroli, Ylang-Ylang, Tuberose, Geranie und Boronia; die meisten Herznoten sind floralen Ursprungs. Dazu kommen die würzigen Aromen von Ingwer, Pfeffer, Gewürznelke, Muskateller Salbei, Zimt und Piment. Einige grün-fruchtige Aromen, wie zum Beispiel die Verbene, Litsea cubeba, die Römische Kamille und natürlich der Lavendel, um nur einige Rohstoffe zu nennen, die man für eine Herznote benutzen könnte.

Natürlich darf man nicht glauben, die Herznote würde nicht mit Kopf und Basis korrespondieren. Die Aromen gehen zum Teil sehr enge Verbindungen ein und leicht strahlt die Frische der Kopfnote bis in das Herz eines Duftes und oft erhebt sich die Basis bis weit in das Herz. Und denken sie nicht, eine Rose wäre ein Rose. Das mag für Hobbymischungen und Freizeitparfumeure (so wie ich einer bin) vielleicht nicht so wichtig sein, doch die Unterschiede zwischen den Rosendüften aus Indien, Marokko, Ägypten, Bulgarien, Frankreich und der Türkei sind gewaltig und kein Profi würde über die Unterschiede einfach so hinwegsehen.

Ich überlege mir, wenn ich an das Herz einer Mischung denke, ob ich eher eine leichte, zarte Nuance benötige, oder vielleicht einen direkten Anschluß an eine sinnliche Basis. Allerdings muß ich zugeben, daß meine Herznoten noch nicht besonders ausgeklügelt sind. Sie bilden zwar schon die Brücke zwischen Kof und Basis, sind aber für sich genommen noch nicht so richtig durchkomponiert. Ihnen fehlt genau die Leidenschaft, die sie eigentlich brauchen. Dabei spiegelt sich in der Mitte des Duftes die ganze Sinnlichkeit eines Parfums. Teure Blütenessenzen mischen sich mit Kräutern und Gewürzen, verleihen den Mischungen Wärme und Fülle – Opulenz. Blumen sind ein Sinnbild für Leidenschaft, Liebe und Erotik – wir verbinden mit den Farben, Formen und Düften von Blüten nicht nur rein botanische Interessen. Zu sehr denken wir dabei an die Körperlichkeit des Menschen, steckt in der Entdeckung der Liebe zugleich eine der wichtigsten Erfahrungen überhaupt –deFLORAtion.

Doch nicht alle Blumen lassen sich ihrer Düfte berauben. Tulpen, Veilchen, Maiglöckchen, Fieder, Orchideen, das Geißblatt und die Lilien können nicht aus natürlichen Stoffen gewonnen werden. Ihr Duft muß synthetisch nachempfunden werden und häufig fehlt den Riechstoffen der Reichtum einer natürlichen Schöpfung. Trotzdem würde ich nicht sagen, daß die Arbeit mit den synthetischen Riechstoffen deshalb weniger spannend und von geringerer Herausforderung ist. In einer guten Mischung müssen sich die Komponenten zu einer Einheit verbinden und erst wenn natürlich und synthetsiche Riechstoffe sich gefunden haben, wird es wirklich spannend, bekommt ein Parfum Tiefe und Leichtigkeit, Fülle und Transparenz.

Ich will Ihnen jetzt keine Mischungen vorschreiben. Empfehlungen gibt es in allen Fachbüchern und das Internet ist voller Angebote, Regeln, Vorschläge und Tipps. Doch aus Erfahrung kann ich sagen, daß folgende Dinge gut zueinander passen:

Rose, Jasmin, Rosenholz und Veilchen

Rose, Muskateller Salbei und Hedion

Jasmin, Liliale und Neroli

Ylang-Ylang, Hedion und Pfeffer

Verbene, Orangenblüte und Lavendel

Ingwer, Pfeffer, Zimtrinde, Linalool und Rose

Veilchen, Jasmin und Rose

Versuchen sie immer auch eine Kombination aus natürlichen Ölen und synthetischen Riechstoffen. Schauen sie, daß sie Hedion, Liliale, Stemone, Linalool und Terpineol für ihre Mischungen verwenden und kippen sie nicht massenhaft gute Dinge zueinander. Probieren sie einen schönen Dreiklang und wenn sie den gefunden haben, dann verrate ich ihnen noch das kleine Geheimnis, welches im Titelbild des Thema verborgen ist.
Ein Hauch Koriander kann einer blumigen Herznote einen ganz besonderen Zauber verleihen.

Immer der Nase nach.

Die Kommentarfunktion ist derzeit geschlossen.