Theophrast – De Odoribus – Teil II

Zur Entstehung und Wirkung von Gerüchen auf Mensch und Tier, hier nennt Theophrast die künstlichen Geruchsstoffe, welche aus den Pflanzen und Pflanzenteilen entstehen, schreibt Theophrast:

§4 „Alle Tiere aber, Pflanzen und unbeseelte Dinge, besitzen, insofern sie riechbar sind, einen spezifischen Geruch; vielfach wird uns dies nicht deutlich, weil dieser Sinn bei uns sozusagen sehr schlecht ist. Denn, was uns als überhaupt geruchlos erscheint, vermittelt anderen Lebewesen einen bestimmten Geruch wie die Gerste aus Kedropolis den Zugtieren, die sie wegen des schlechten Geruchs nicht essen. Uns bleiben aber auch Gerüche derjenigen Tiere verborgen, die Gerüche zu haben scheinen. Kein Tier also scheint sozusagen an einem guten Geruch an sich Freude zu haben, sondern nur am Geruch von Dingen, die der Ernährung und dem Genuß dienen. Einige Tiere aber scheinen auch an Gerüchen, sogar an guten Gerüchen zu leiden, wenn wahr ist, was man von den Geiern und Käfern berichtet. Dies ist, um es kurz zu sagen, offensichtlich so wegen des Gegensatzes ihrer gegensätzlichen Natur.(…)

§5 „Es finden sich einige Wohlgerüche auch bei den Nahrungsmitteln, wie z.Bsp. bei Baumfrüchten Birnen und Quitten; denn diese riechen, ohne daß man sie ißt, süß, sozusagen noch süßer. Indes, um es kurz zu definieren, die einen Gerüche existieren für sich, die anderen nur nebenbei. Bei den Säften und bei der Nahrung existieren sie nur nebenbei, andere beim Einatmen aber für sich. (…)

Zur Wirkung von Geruch auf Mensch und Tier geht Theophrast im Od nur kurz ein. Das liegt zum einen daran, daß bereits im De Sensibus hierzu einiges erläutert worden war und zum anderen bauen seine eigenen Anschauungen auf denen des Aristoteles auf. Wie schon bei Aristoteles werden die Unterschiede der Fähigkeit zur Geruchswahrnehmung bei Mensch und Tier mit einer gewissen Inkompetenz des Menschen erklärt. Allerdings können wir, anders als die Tiere, für die der Geruch enger an den Geschmack gebunden ist, auch Gerüche als angenehm empfinden, wenn diese nicht gleich der Nahrungsaufnahme dienen. Geruch selber kommt bei Theophrast, wie auch schon bei Aristoteles, durch Mischungen zustande. Ein Thema, welches im Od nur kurz im §1 anklingt: „Die Gerüche entstehen im Ganzen aus Mischung wie die Geschmäcke; denn alles, was ungemischt ist, hat keinen Geruch wie auch keinen Geschmack, weswegen auch die einfachen Substanzen keinen Geruch haben wie Wasser, Luft und Feuer. Allein die Erde besitzt meistens Geruch, weil sie meistens gemischt ist. (…)

Wenn man an dieser Stelle etwas über die Ursachen der Geruchsentstehung erfahren möchte, muß man im Sensibus 90 nachlesen. Hier kommt Theophrast nicht umhin, die Entstehung von Geruch durch eine Art von Teilchenbewegung, also einem Abfluß von riechenden Teilchen, zu erklären. Teilchen, die sich vom riechenden Objekt wegbewegen und die erst dadurch eine Geruchswahrnehmung ermöglichen. Doch von größter Bedeutung ist und bleibt die Mischung, denn nur so kann Theophrast erklären, warum es durch die Abflußtheorie nicht zu einem Substanzverlust kommt (Sens. 20). Die Dinge haben für Theophrast nur deshalb Geruch, weil sie gemischt sind, weil sie aus spezifischen Zusammensetzungen bestehen. Ob dies nun natürliche Fügung oder durch den Menschen künstlich herbeigeführt wurde ist dabei nicht von Bedeutung. Einzig die Erde – ganz anders als Luft und Wasser -, weil meistens mit anderen Dingen gemischt, hat auch Geruch.

Ulrich Eigler und Georg Wöhrle, “Theophrast De Odoribus”, Edition, Übersetzung, Kommentar, Mit einem botanischen Anhang von Bernhard Herzhoff, B.G. Teubner, Stuttgart 1993

(Standort für Berliner. Humboldt Universität, Unter den Linden 6, Bibliothek Raum 2096, FH 35013/ E34)

Zitation vom 23. April 2008
Der griechische Naturforscher und Philosoph (Schüler des Aristoteles) wurde vermutlich 371 v. Chr. auf Lesbos geboren und starb 287 v. Chr. in Athen. Als weitere Namen werden Tyrtamos und Theophrastos zu Eresos genannt. Seine Verdienste um die Botanik kann man allein schon daran erkennen, daß ihm zu Ehren eine Pflanzengattung von Carl von Linné in Theophrasta umbenannt wurde. Gewächse, die zur Familie der Theophrastaceae (Schneckensamengewächse) gehören. Überliefert sind neben einigen anderen Schriften eine wunderbare und häufig zitierte Naturgeschichte der Gewächse, eine Metaphysik und De Odoribus (Über die Gerüche).“ Mehr …

Immer der Nase nach.

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