Die Grapefruit-Studie von Dr. Alan B. Hirsch

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Manche Dinge verselbständigen sich, und während eine Information weitererzählt und weitererzählt wird, sich das Internet ihrer bemächtigt und schließlich jeder jeden zitiert, ohne die richtige Quelle zu nennen, durchlaufen die Fakten eine merkwürdige Transformation. Sie verändern sich mit den Begebenheiten und entwickeln im Laufe der Zeit ein durchaus dynamisches Eigenleben. So geschehen mit Grapefruitdüften, die angeblich leichter und jünger machen – Verjüngungskur und Diät in einem. Ich fand es ganz einfach lustig, wie mit Grapefruit parfumierte Damen angeblich auf Männer wirken und machte mir nie Gedanken über den Ursprung der Geschichte, bis ich letzte Woche einfach neugierig wurde und etwas recherchiert habe. Den entscheidenden Tipp verdankte ich am Ende einem sehr freundlichen Prof. Hanns Hatt, der mir die Publikationen von Dr. Alfred B. Hirsch empfahl und inzwischen bin ich mit dem Thema weitergekommen.

2005 startete die Studie von Dr. Alan B. Hirsch bei der Smell and Taste Research Foundation. Dabei wollte man der Frage nachgehen, ob es Aromen gibt, die das Alter nicht nur maskieren sondern den Geruch des Alters umkehren könnten. Zu diesem Zweck wurde eine Testgruppe von 37 Personen zusammengestellt. Allen Testpersonen zeigte man Bilder von Models, wobei die Betrachterinnen und Betrachter parfumierte Atemmasken trugen während sie das Alter der Personen auf den Bildern schätzen sollten. Bei Pink Grapefruit lag die Testgruppe im Durchschnitt um 3 Jahre unter dem tatsächlichen Alter, wobei die männlichen Testpersonen die Models auf den Bildern im Schnitt sogar um 6 Jahre jünger schätzten. Im Vergleich wurde auch immer wieder mit unparfumierten Masken gearbeitet. Damit konnte der Beweis erbracht werden, daß ein einzelner Duft, eine einzelne Note, die Wahrnehmung verändern kann. Die Studie wurde 2005 auf der Jahresversammlung der American Psychiatric Association vorgestellt.

Wie alt die Grapefruitlady auf dem Foto ist kann ich nicht sagen, viel älter wird sie aber nicht und ich befürchte, sie wird den heutigen Abend nicht überleben.

In einem anderen Zusammenhang wird Grapefruit sehr kritisch betrachtet. Zusammen mit Apfelsinen und auch Äpfeln können Grapefruits, die ebenfalls den Bitterstoff Naringenin enthalten, die Wirkung von Medikamenten deutlich herabsetzen. Das gilt ganz sicher für viele andere Lebensmittel auch und ich hoffe, daß der Verbraucherschutz in der EU nicht noch auf Zitrusfrüchte, Tee, Schokolade, Rotwein und Knoblauch ausgeweitet wird.

Immer der Nase nach.

3 Kommentare zu “Die Grapefruit-Studie von Dr. Alan B. Hirsch”

  1. waltraud

    Ja, diese Studie ist sehr interessant. Danke fürs nachlesen.

  2. Eliane Zimmermann

    Ich war kürzlich verwundert, dass in einer bekannten Frauenzeitschrift in diesem Zusammenhang geschrieben wurde, dass GrapefruitSAFT diesen verjüngen Effekt haben soll und stelle mir seitdem vor, wie ich mich mit dem morgendlichen Grapefruitsaft einsprühe und meine Mitmenschen einfach nur noch davon rennen, weil ich so eine bitter-säuerlich-schimmmelige Aura um mich habe! Wir traumhaft ist dagegen so richtig gutes „Grapefruitöl complet“, das bringt wirklich jeden Menschen zum Lächeln. Wenn es dann noch einen „Verjüngungseffekt“ hat, umso besser. By the way: Herr Alan hat am Ende des ersten Absatzes eine Umtaufe erfahren zu Alfred…

  3. erik

    Im Zuge der neuen Kosmetikverordnung, die ich gern auf alle Bereiche des Lebens ausdehen würde, wäre es wünschenswert, wenn auch in Zeitschriften nur noch geschrieben wird, was sich wissenschaftlich beweisen läßt. Sonst ist es Irreführung und das wollen wir doch nicht. Wer also behauptet, Garpefruit wäre gut gegen Dellen am Po und Winkfleisch am Arm, der sollte beweisen können, daß Grapefruit das auch wirklich kann.

    Damit ist endlich Schluß mit der Irreführung von Kundinnen und Kunden. Endlich können nur noch die großen Hersteller von Kosmetik mit den Ergebnissen wissenschaftlich belegbarenr Studien auf ihren Produkten werden, weil alle anderen dafür ohnehin kein Geld haben dürften und so langsam wird klar, wer da für wen Politik gemacht hat. Es lebe das Kosmetikrecht und vielleicht kann die Unsicherheit im Umgang mit den Nanoteilchen auch auf das Nanogedruckte in allen Verträgen ausgedehnt werden.

    Schade nur, daß politische Aussagen und Werbebotschaften von Versicherungen und Banken, Lebensmittelherstellern und Energiekonzernen nicht auch unter den Tatbestand der Irreführung fallen.