Parfum – Geschichte IX

Zur Geschichte des Parfums im alten Ägypten

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Durch einen Zufall war ich auf eine Pressemitteilung der Universität Bonn aufmerksam geworden und nachdem ich mir alle öffentlich zugänglichen Informationen durchgelesen, die Bilder kopiert und mit der Pressestelle telefoniert hatte, war völlig klar, daß ich zu diesem Thema etwas schreiben muß. Wann hat man denn schon mal die Gelegenheit, eine Parfumflasche der ägyptischen Königin Hatschepsut zu bewundern. Einer recht machtbewußten Frau, die um 1479 vor Christus die Regierungsgeschäfte als Pharaonin kommissarisch für ihren damals erst dreijährigen Stiefsohn Thutmosis III. übernahm; eine Interims-Regentschaft, die 20 Jahre andauern sollte.

Sie hat Thutmosis systematisch
von der Macht fern gehalten

erklärt der Kurator des Ägyptischen Museums der Uni Bonn Michael Höveler-Müller.

Die Zuschreibung des Flakons ist deshalb so eindeutig, weil der Schriftzug Maat-ka-Ra der Thronname der Pharaonin ist. Rechts daneben, auf der Computertomographie, erkennt man Reste des ursprünglichen Inhalts, der nun von Dr. H. Wiedenfeld am Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn untersucht werden wird. Zu diesem Zweck wird dem Flakon eine geringe Menge der völlig eingetrockneten Masse entnommen, die anschließend in einer Gaschromatographie mit Massenspektrometrie-Kopplung analysiert werden soll. Mit etwas Glück haben sich organische Substanzen erhalten, die im Vergleich mit alten Rückstellproben noch existierender Parfumhäuser vielleicht Aufschluß über den Inhalt und seine Zusammensetzung geben können. Finden wird man vermutlich genau die Rohstoffe, die zur damiligen Zeit in Ägypten verarbeitet wurden, bzw. mit denen man handelte.

Wichtig ist, daß man bei der Beschreibung eines so alten Parfums nicht die moderen Vorbilder zum Maßstab nimmt. Klare, alkoholische Flüssigkeiten gab es damals natürlich noch nicht. Vielmehr dürfte es sich um parfumierte Öle und Fette gehandelt haben, verdünnte Harze, die garantiert recht klebrig gewesen waren. Allerdings wurden bereits, entsprechen dem Stand handwerklicher Traditionen, mit denen man die einheimischen und importierten aromatischen Rohstoffe zu verarbeiten wußte, duftende Substanzen für den lebendigen Körper hergestellt. Längst hatte man es aufgegeben, nur den Göttern und Toten Wohlgeruch zu opfern, und weil diese Hinwendung zum lebendigen Menschen so wichtig ist, kann man durchaus von Vorläufern des Parfums sprechen. In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal die häufig zitierten parfumierten Fettkügelchen ansprechen, die sich ägyptische Damen der herrschenden Oberschicht angeblich ins Haar gesteckt haben sollen (man findet diese Form früher Parfumierungen in fast allen Schriften zur Geschichte des Parfums). Stellen sie sich mal vor, wie sie sich fühlen würden, wenn sie unter der Gluthitze der Sonne stünden und ihnen langsam schmelzendes Fett übers Gesicht, den Hals und die Schultern, den Nacken und bis in die Gewänder läuft. Die Sachen können sie nur noch wegschmeißen und die kunstvoll aufgetürmte Perücke hätte sich vor den Augen des gaffenden Volkes sehr unvorteilhaft verwandelt.

Mein Dank gilt den freundlichen Mitarbeitern der Universität Bonn für die zahlreichen Informationen und mit etwas Glück kann dieses Thema, fachlich unterstützt (?), noch etwas fortgeschrieben werden.

Zur Zeit ist der Flakon nicht zu besichtigen. Doch wenn die Analyse abgeschlossen ist, wird er wieder in der Ausstellung des Ägyptischen Museums gezeigt werden.

Ägyptisches Museum Bonn
Regina-Pacis-Weg 7
53113 Bonn

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 12-18 Uhr

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2 Kommentare zu “Parfum – Geschichte IX”

  1. Andy

    Grüss Dich Erik
    Ich war schon eine Weile nicht mehr hier, und nun bin ich deinem Link auf meinem live traffic feed gefolgt und sende duftende Grüsse nach Berlin… das immer noch auf meiner zu-besuchen-Liste steht!

    Und nun auf, auf… Flaschen harren meiner.

  2. erik

    Wie jetzt … Du greifst schon am frühen Morgen zur Flasche (Flaschen)?
    Na es wird wohl nur Eistee sein :-)

    Liebe Grüße,
    Erik