Frangipani

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Es war einmal vor langer Zeit (im frühen 11. Jahrhundert), daß eine römische Familie sich sehr um politischen Einfluß und Macht bemühte. Eifrig unterstützte man die Päpste, tat sich hervor, wenn Konflikte ausgetragen wurden, verstrickte sich in kirchliche Auseinandersetzungen und stand dem Kaiser Heinrich V. zur Seite; einem recht machthungrigen Kerl, der nicht einmal davor zurückschreckte seinen eigenen Vater in Haft zu nehmen, um diesen zur Abdankung zu zwingen. Mit solchen Leuten haben unsere lieben Frangipani paktiert. Später folgte man Alexander III. (ein wichtiger Papst des Mittelalters), welcher gut zwanzig Jahre lang um die weltliche Vormachstellung der Römisch-Katholischen-Kirche rang und dabei keine geringeren als Kaiser Friedrich Barbarossa und Heinrich II. zu Gegnern hatte. Überall mischten Frangipanis ordentlich mit und durch ihre weitreichenden Kontakte und gute diplomatische Verbindungen schaffte es Ottone Frangipani der Ältere sogar eine byzantinische Prinzessin als Ehefrau zu bekommen. Zu diesem Zeitpunkt stand die Familie, deren ursprüngliche Wurzeln (Familie de Imperatore) gar nicht adlig waren, auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Doch Ottone Frangipani der Jüngere brach mit der Papsthörigkeit seiner Familie und unterstützt lieber Heinrich VI. Und weil man nun nicht mehr die Interessen der päpstlichen Seite vertrat, kam es, daß die Familie wenig später zwischen die Fronten von Papst Gregor IX. und Friedrich II. geriet. Man verlor wichtige Güter in Rom an einflußreiche Gegner und so langsam schwand der politische Einfluß dahin.

Trotzdem muß wenigstens ein Frangipani zwischendurch die Zeit für sinnliche Entdeckungen genutzt haben, weil mit dem Familiennamen auch die Erfindung eines angeblich wunderbar duftenden Puders verbunden ist, welches zur damiligen Zeit der Renner gewesen sein soll. Bei Günther Ohloff (Irdische Düfte Himmlische Lust – Eine Kulturgeschichte der Duftstoffe) findet sich der Hinweis auf Irispulver, Moschus und Zibet. Einige Generationen danach soll es wieder ein Frangipani gewesen sein, der neben den militärischen Dingen etwas Zeit und Muße für die Parfumerie übrig hatte. Ein als Marschall im Dienste Ludwigs XIII. (1601-1643, von 1610 bis zu seinem Tod König von Frankreich) stehender Frangipani erfand wohl die Mode der parfumierten Handschuhe, welche als gants à la frangipani bekannt wurden. Und Patrick Süskind erwähnt einen Frangipani im Zusammenhang mit dem ersten Parfum, welches aus Alkohol und ätherischen Ölen gemischt wurde. Dieser Duft soll so ähnlich gerochen haben wie die Blüten der Plumeria und deshalb wurde das Parfum nach seinem Erfinder benannt.

Und dann ist da noch Charles Plumier (1646 – 1706). Botaniker im Dienste von König Louis XIV. und einer der bedeutendsten Forscher seiner Zeit.

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Im Auftrag des Königs unternahm er ausgedehnte Forschungsreisen nach Südamerika, wo er auf der Insel Santo Domingo eine bis dahin unbekannte Pflanze entdeckte, welche er mit nach Europa brachte und die er zu Ehren des deutschen Mediziners Leonhart Fuchs als Fuchsia tryphilla flore coccinea beschrieb. Somit gilt Plumier, dessen Autorenkürzel Plum lautet, als Entdecker der Fuchsien. Er veröffentlichte wichtige botanische Beiträge, zeichnete unzählige Pflanzen und noch im 18. Jahrhundert soll man mit großer Bewunderung über ihn gesprochen haben und in Erinnerung an Charles Plumier trägt die Gattung der Pflanzenfamilie der Hundsgiftgewächse/ Aposynaceae (zu der auch der Oleander gehört) seinen Namen – Plumeria.

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Frangipani (sprich Franschipani)

Familie Aposynaceae/ Hundsgiftgewächse, Gattung Plumeria/ Frangipani

Die Gattung beinhaltet mehrere Arten, zu denen Plumeria rubra (Foto), Plumeria alba und Plumeria obtusa (Duft-Frangipani) gehören.

Der Baum ist eine Sukkulente und wird häufig als Pagodenbaum/ Tempelbaum bezeichnet

Die in vielen tropischen- und subtropischen Regionen wachsenden Pflanzen waren vermutlich ursprünglich in Mittelamerika, der Karibik und auf Hawaii heimisch, wo man Gäste wohl mit Blütenkränzen begrüßte. Bei den Maya braute man aus den weißen Frangipaniblüten einen Liebestrank, in Asien dienen die prachtvollen, intensiv duftenden Blüten bis heute als Opfergabe und Tempelschmuck und in der chinesischen Medizin finden die Blüten von Plumeria rubra als Bestandteil von Kräutertees Verwendung. Der Beschreibung, daß die Blüten auch eingezuckert gegessen wurden ( ich fand den Hinweis bei Otto Warburg „Die Pflanzenwelt“ 3. Band S. 140), während die Wurzel der Pflanze als sehr giftig gilt, würde ich aber nicht folgen wollen.

Der Duft läßt sich als liebliches, frisches, exotisches Blütenbouquet beschreiben, welches durchaus etwas an Geißblatt, Neroli und Gardenie zu erinnern vermag. Die in geringen Mengen vorkommenden Stoffe Neral und Geranial könnten für die Zitrusnote verantwortlich sein, zudem enthält der Duft recht viel Linalool. Hauptbestandteil ist Phenylacetaldehyd, welches kräftig, süß und blumig riecht.

Das Frangipani-Absolue, gewonnen aus alba und rubra, ist leicht wachsartig, hat eine kräftig bräunlich/ orangene Farbe, wird bei Erwährmung flüssig, haftet unwarscheinlich gut und riecht leicht fettig/ deutlich medizinisch. Zudem ist es ein sehr teurer Rohstoff. Als Hauptproduzent gilt Süd-Indien (Bangalore), wo genügend Bäume wachsen, aus deren Blüten zuerst ein Concrete und anschließend das Absolue hergestellt werden kann.

CAS.-Nr. (Angabe folgt)

Parfumerie – aus Kaufhäusern und heimischen Parfumerien sind mir keine wirklich guten Frangipani-Düfte bekannt. Richtig toll ist der Frangipani von ORMONDE JAYNE.

Frangipani erster Beitrag
Frangipani zweiter Beitrag
Wikipedia

Immer der Nase nach.

Ein Kommentar zu “Frangipani”

  1. aromatisches Blog » 4 Jahre - Die wichtigsten Texte

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