Schwarzenberg

Text am 3. August um ein Foto erweitert.

waschmaschine_schwarzenberg

Bevor ich in den kommenden Tagen noch ein-zwei weitere Riechstoffe vorstellen möchte und es dann endlich für 2 Wochen nach Italien geht, gibt es hier ein paar Sätze zu einer liebenswerten Maschine, die bei uns im Geschäft steht und über die schon viel spekuliert wurde. Obwohl sie hübsch dekoriert direkt neben der Einkaufstür steht, denken einige Leute, wir würden darin die Seife kochen und deshalb wird sie ziemlich oft als Seifenofen bezeichnet. Andere halten das gute Stück für eine Ölmühle und es gab auch schon jemanden, der gehört hatte, daß Seife aus Knochen gemacht wird und deshalb vermutet hatte, die Maschine wäre für die Knochen da. Alles falsch und bevor die Spekulationen weiter ins Seifenkraut schießen (es gibt Seifenkraut), kläre ich die Geschichte kurz auf. Es ist eine alte Waschmaschine, eine Wellenrad-Waschmaschine und wenn ich richtig informiert bin, dann ist es eine SCHWARZENBERG und damit wäre sie wohl die erste in Serie gefertigte Waschmaschine, die in der DDR produziert wurde (?) Ich hoffe, daß das richtig ist. Wir haben sie einfach so adoptiert. Sie stand vor vielen Jahren einsam und verlassen in Potsdam, in einer abgelegenen Straße im Schnee und irgendwie tat sie uns wohl leid. Diese Maschine hat ein Gesicht. Schauen sie doch mal hin. Augen, Nase, Mund und freundlich guckt sie auch. Wir konnten sie nicht so stehen lasssen und nachdem sie einige Zeit bei uns im Keller stand, haben wir sie zur Dekoration des neuen Geschäfts benutzt.

Aber wie hat diese Waschmaschine funktioniert? Ganz einfach. Deckel auf und 20 oder 30 Liter Wasser in Handarbeit reinfüllen. Deckel runter und Heizung einschalten; es war sogar eine Kochwäsche möglich. Nachdem die gewünschte Temperatur erreicht war, schaltete sich der Thermostat von selber aus und nun wurde über eine Zeitschaltuhr das Wellenrad in Bewegung gesetzt. Es entstand ein kräftiger Strudel, in den man nach dem Waschmittel seine Kleider warf. Diese wurden am Grund der Waschmaschine fest miteinander verschlungen schön im Kreis bewegt, wobei das schnell drehende Wellenrad alle heraushängenden Fäden gleich abfetzte. Und damit man ökonomisch mit dem Wasser umging – schütten sie mal 30 Liter in eine Waschmaschine – wusch man von hell nach dunkel. Im Lauf der Zeit wurden aber alle weißen Sachen etwas dunkler. War die Wäsche beendet, mußte man die 30 Liter entweder wieder herausschöpfen, oder man hatte einen Ablauf im Boden und dann brauchte man nur den Schlach an der Seite der Wellenradwaschmaschine nach unten zu legen und das Abwasser lief von alleine heraus.

Es war ganz einfach eine ganz tolle Maschine und wer endlich das Glück hatte, eine Schwarzenberg oder etwas später eine WM66 zu besitzen, der war mächtig stolz und stellte das gute Stück für ein Familienfoto im Wohnzimmer auf.

waschmaschine-und-familie

Praktisch war, daß man in diesem Typ Waschmaschine wunderbar Bockwürste erwärmen konnte. Machen sie mal 100 Bockwürste am Stück warm. Das geht nur mit einer solchen Waschmaschine. Oder 3 Säcke Kartoffeln. Man konnte auch prima Obst und Gemüse einkochen und weil das Wellenrad recht kräftig war, soll es auch vorgekommen sein, daß die gekochten Kartoffeln anschließend gleich zu Kartoffelbrei verrührt wurden. Wer weiß. Nach der Schwarzenberg kam die WM66 und die hat bis zum Ende der DDR – bereichert um eine Laugenpumpe – genau so funktioniert.

WM66
Waschmaschinengeschichte
Schwarzenberg-blog

3 Kommentare zu “Schwarzenberg”

  1. Andrea

    Ob diese WM aus Schwarzenberg ist, weiß ich nicht, von diesen ganz alten Maschinen, die eher Kocher waren und also nicht schleuderten, sodass man noch eine Wäscheschleuder zusätzlich brauchte, habe ich bloß gehört und eine WM-Expertin bin ich nicht… 😉 Aber hübsch ist sie auf jeden Fall! Viele Grüße aus Schwarzenberg!

  2. erik

    Liebe Andrea, ich wollte im Text nur nicht ganz so viel Waschmaschinen-Kenntnis vermitteln (die ich zudem nicht besitze), doch in diesem falle sind wir uns ziemlich sicher, weil inzwischen schon sogar ehemalige und alte Schwarzenberger das Maschinchen bei uns entdeckten, laut jubelnd zur Tür herinkamen und den guten Zustand lobten. Alles – fast alles – noch so wie früher. Nur die Drehknöpfe für Temperatur und Zeit, die sind leider nicht mehr die ursprünglichen. Und weil es so schön ist, werde ich noch ein weiteres Bild in den Text einfügen.
    Viele Grüße aus bÄrlin

  3. Stephan

    Ich hatte das Modell in weiß. Baujahr 1958 – 10 Jahre älter als ich. Leider hat sie vor 2 Jahren meinen Umzug nicht überlebt. Bis dahin lief sie tadellos und ungeschickten-Junggesellen-freundlich sowieso. Die Drehknöpfe waren ähnlich wie die, die ihr angebaut habt, nur etwas runder. Ab und zu gibt es die auch an alten Elektroherden. Seht Euch doch da mal um.
    Stephan aus Braunschweig