Nassrasur – die ganze Halbwahrheit

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Es gibt Tage, an denen habe ich schlichtweg gar keine Lust mich zu rasieren und es stört mich überhaupt nicht, wenn ich mit Dreitagebart den Herren und interessierten Damen im Geschäft erkläre wie man sich ordentlich rasiert. Dann wieder finde ich es sehr angenehm und im Überschwang des Wohlfühlens kaufe ich mir noch eine Rasierseife, obwohl ich zum einen an der Quelle sitze und zum anderen ohnehin rund 12 verschiedene Produkte besitze. Manchmal stört es mich, wenn mir jemand großspurig erklärt, man müsse wenigsten 15 Euro für eine gute Rasierseife ausgeben, weil dies die einzige Möglichkeit sei sich als Gentleman zu fühlen. Das Dumme an dieser Einstellung ist nur, daß damit allen, die nicht so viel Geld übrig haben, scheinbar das Recht auf Nassrasur, Tradition und Wohlfühlen abgesprochen wird. In solchen Fällen greife ich gelegentlich zu einer Tube Palmolive und einem Pinsel mit Synthetikfaser und zaubere diesen Herrschaften einen Schaum vor die Nase, den diese (trotz Anzug und Krawatte) so noch nicht gesehen haben. Im umgekehrten Falle wird es aber höchst komisch, wenn ich merke, wie zörnig Menschen beim Anblick hochwertiger und hochpreisiger Handarbeit werden können. Als wenn es Rasierpinsel jenseits der 80 Euromarke (schon 20 Euro werden als überteuert angesehen) gar nicht geben dürfte. Ja selbst die guten Rasierhobel, Produkte, die ein Menschenleben lang halten, sind einigen zu teuer, wo es doch im Drogeriemarkt was für unter 10 Euro gibt. Diese Herrschaften nehme ich mir gern zur Brust und dann frage ich, was die Jeanshose gekostet hat, die jedes Jahr ausgetauscht werden muß und die vermutlich aus China kommt. Ein Rasierpinsel hält bei guter Pflege locker 10-20 Jahre und ich wüßte nicht, warum wir alle schönen Arbeitsplätze, die ganze Kunst des Handwerks und auch den letzten Rest Luxus noch abschaffen sollte, nur weil es gute Dinge gibt, die nicht als Schnäppchen oder Restposten im Wühltisch zu finden sind.

Ja es ist schwierig mit mir und deshalb will ich in den nächsten Stunden mal versuchen (jetzt brauche ich einen Tee) etwas Licht ins Dunkel der Nassrasur zu bringen. Worin liegt der Reiz, ein scharfes Messer immer wieder zu schärfen? Warum reicht es nicht, wenn man nur einen Pinsel hat und wozu braucht ein Mensch tausende von Rasierklingen, hunderte Messer und After Shave so weit das Auge reicht? Die Antwort ist ganz einfach: Weil es Spaß macht und wenn sie weiterlesen möchten, dann wechseln sie in den Bereich Blog im BlogNassrasur. Klick & scroll down.

Ein Kommentar zu “Nassrasur – die ganze Halbwahrheit”

  1. Klaus Doblmann

    „Es gibt Tage, an denen habe ich schlichtweg gar keine Lust mich zu rasieren und es stört mich überhaupt nicht, wenn ich mit Dreitagebart den Herren und interessierten Damen im Geschäft erkläre wie man sich ordentlich rasiert.“

    Mein lieber Erik, du solltest mich gerade vor dem Rechner schmunzeln sehen. Mir geht es nämlich nicht anders. Ich liebe sie immer noch, die Nassrasur, aber an manchen Tagen habe ich einfach keine Lust – so wie du. Dadurch werden die Tage an denen ich mich rasiere aber auch noch schöner und genussreicher.

    beste Grüße nach Berlin,
    Klaus