Parfum zwischen Panik & Verbraucherschutz

ACHTUNG SATIRE.

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Ich gebe gern zu, daß ich durchaus recht empfänglich für Verschwörungstheorien bin und so wunderte ich mich eigentlich nicht, als ich zu Anfang der Woche eine Nachricht erhielt, die mit der Bitte verbunden war, auf das folgende Problem aufmerksam zu machen.

Seit einiger Zeit ist das Schreckgespenst eines jeden Parfumliebhabers zum brisanten Thema geworden: Reformulation. Gemeint ist die Neuformulierung altbekannter und oft auch liebgewonnener Düfte.

Bisher hält sich die Anzahl der reformulierten Parfums zum Glück noch in Grenzen, jedoch wird sich das ab Januar 2010 ändern. Bisher wurden die Formel von Parfums aufgrund hoher Rohstoffkosten einzelner Ingredienzien oder Trendanpassungen verändert, nun kommt aber ein weiterer Faktor von außen hinzu: Die International Fragrance Association hat viele natürliche Duftstoffe verboten, da es Menschen gibt die allergisch darauf reagieren. Eine Liste der ab 1.1.2010 verbotenen Inhaltsstoffe können Sie bei der IFRA einsehen. Eine kleine Auswahl der bald verbotenen Substanzen: Vanille, Heliotrop, Jasmin, Zitrusöle, Opoponax, Styrax.

Wieder die IFRA und wieder die EU und natürlich der Verbraucherschutz. Eine für ParfumliebhaberInnen höchst gefährliche Kombination, weil es nun zum wiederholten Male einigen natürlichen Parfumrohstoffen an der Kragen gehen soll. Man muß vielleicht dazuschreiben, daß es hier irgendwie niemanden zu geben scheint, der sich über das Verbot chemischer Substanzen aufregt, weil die vermutlich allein durch ihre Abstammung diskreditiert sind und teure Parfums, die zudem noch selten sind, bestehen ja ohnehin nur aus den guten natürlichen Dingen – so die Meinung zwischen Hoffnung und Einbildung. Hier, das sind unterschiedliche Foren und Blogs im Internet, die sich des Themas angenommen haben und die nun vor dem Hintergrund duftender Leidenschaft auf den drohenden Kahlschlag aufmerksam machen – hier und hier und hier z.B.

Doch nun wird es Zeit, sich mit den einzelnen Meinungen und Befürchtungen einmal näher auseinanderzusetzen, weil es ohne ein Abtauchen in die dunklen Bereiche der Geschichte nicht spannend wird. Also fangen wir an und steigen hinab in die Parfum-Gruft der IFRA, wo naturfeindliche Beamte dem Jasmin und der Vanille ein Grab schaufeln, wo Styrax und Opoponax beerdigt werden und furocoumarinhaltige Zitrusöle längst auf der Folterbank von Bürokraten und Technokraten der EU liegen. Warum stört es eigentlich keinen, daß auch die Verbene (häufig als Eisenkraut bezeichnet) dort zu finden ist? Kümmert sich den niemand um die Verbene? Und was zum Kuckuck macht die IFRA da eigentlich? Nun, die IFRA tut eigentlich nichts anderes als Fakten zu sammeln, diese zu bewerten, auszuwerten und in Form von Empfehlungen, manche sprechen von Richtlinien, an die EU weiterzureichen. An die für Kosmetik zuständigen Stellen der EU. Deshalb stört es mich bis zu diesem Punkte nicht, daß die IFRA eine Liste mit angeblich verbotenen Rohstoffen hat. Die können mich mal mit ihrer Liste, weil diese Liste nur aus Empfehlungen besteht und Empfehlungen interessieren mich nicht. Sie müssen mich gar nicht interessieren, weil für mich das Kosmetikrecht der Bundesrepublik Deutschland bindend ist und wenn ich wissen will welche Stoffe hier wirklich für Kosmetik verboten sind, dann schaue ich auf den Internetseiten des BVL im Bereich Bedarfsgegenstände/ Kosmetik/ Kennzeichnung von Kosmetik/ INCI-Liste nach. Und wenn die IFRA im kommenden Januar ihre Empfehlungen an die zuständigen Stellen der EU weiterreicht, wird man sich dort mit dem Thema befassen (müssen). Denn das Öl der Verbene z.B. wirkt auch fototoxisch und das kann unter ungünstigen Umständen zu starken Sensibilisierungen der Haut führen. Also wird es auch hier zu einer R43 Kennzeichnung kommen (sensibilisierend/ reizend/ nur in bestimmten Höchstmengen einzusetzen). Findet sich in einem der Rohstoffe allerdings eine krebserregende Komponente, wird es schon schwieriger, weil man sich in solchen Fällen häufig zu besonderer Strenge verpflichtet fühlt. Ich kann mir aber nicht vorstellen, daß man zukünftig auch noch Rosenöl verbieten wird, weil darin Methyleugenol enthalten ist. Witzig wäre es aber. Schon vor diesem Hintergrund mache ich mir keine Sorgen um den Jasmin und die Vanille und den Verlust von Opoponax würde vermutlich gar niemand bemerken.

Richtig spannend wird es, wenn Parfumfreaks sich ihrer Sache sicher sind und selbst die leichteste Veränderung in einem Duft – als Reformulierung kenntlich gemacht oder auch nicht – auf die knapper werdenden natürlichen Ressourcen der Parfumindustrie zurückführen; wobei natürlich die Hersteller seltener Nischendüften besonders betroffen sind, weil gerade sie nur die richtig teuren, guten und natürlichen Rohstoffe verwenden und jetzt von den großen der Branche mittels IFRA-Lobby an die Wand gedrückt werden. Merke! Synthetische Riechstoffe gleich billig und schlecht, natürliche Duftstoffe qua Herkunft gut und teuer. Ein Unterschied, den jede Fachnase sofort erkennt und ich mache es mir gerade in den nächsten Verschwörungstheorien gemütlich. Da könnte was dran sein und mal schaun, was als nächstes kommt.

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Manchmal ist es überhaupt nicht schwer in diesem Land/ der EU ein Hellseher zu sein, weil fast immer alles zutrifft was man befürchtet und nun ist es an der Zeit, die Sache mit etwas mehr Ernst zu betrachten. Ich halte zwar den Rummel der um die IFRA und ihre Empfehlungen gemacht wird für überzogen, in der Stoßrichtung für falsch und ich sehe auch keinen Zusammenhang zwischen der Reformulierung bekannter Parfums und dem angeblich drohenden Verbot einiger natürlicher Rohstoffe. Doch die Sache stört auch mich gewaltig, weil man mir diesen Unsinn als Verbraucherschutz verkaufen möchte. Da ich diese Form der Politik unerträglich finde, habe ich mich entschlossen, den Aufruf gegen die Reformulierung von Düften zu unterstützen. Es wäre mir einfach lieber, man hätte mich vor der Gier meines Vermieters beschützt und überhaupt ist es höchst peinlich, wenn wieder über Kinderarmut in Deutschland geredet wird und irgendwie nur das Verbot von Schokoladenzigaretten zum Schutze von Minderjährigen zügig in die Praxis umgesetzt wurde. Danke dafür, doch gesunde und preiswerte Schulspeisung hätte die schädlichen Folgen des Genusses von Schokoladenzigaretten ganz sicher gemindert. Das Leben vieler Menschen in der EU wird nicht von Jasmin und Vanille bedroht, sondern von steigender Armut, von Ungerechtigkeit und politischer Gleichgültigkeit. Wer mir erzählt, es wäre Vollbeschäftigung möglich und gleichzeitig meint, man könne von Stundenlöhnen unter 7 Euro leben, der wird von mir nicht gewählt und da hilft es ihm auch nicht, wenn er meint, mich vor Styrax beschützen zu müssen. Radikal mit den Mieten runter wäre praktischer Verbraucherschutz und zudem würde es den Staatshaushalt radikal entlasten, weil weniger Mietzuschüsse gezahlt werden müßten. In diesem Zusammenhang fällt mir gerade auf, daß ich die Begriffe Arbeitnehmer und Arbeitgeber vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise gern umtauschen würde. Denn vielen, die ihre Arbeitskraft gern geben, wird diese häufig genommen. Das wären sinnvolle Themen für den Verbraucherschutz und aus diesem Grund rufe ich alle Leserinnen und Leser auf, die Petition gegen die Reformulation von Parfums zu unterstützen

Gegen die Reformulation von Parfums

Trotzdem möchte ich noch einmal darauf hinweisen, wie wichtig es ist, die richtigen Stellen zu treffen und den Protest in Form von Briefen, E-Mails und Telefonaten möglichst zielgerichtet zu koordinieren. So wäre es wichtig, herauszufinden, wer bei der EU für Kosmetik wirklich zuständig ist. Welche Stellen/ Behörden/ Gremien der EU werden die Empfehlungsliste der IFRA erhalten, aufgreifen und in geltendes Recht umsetzen? Welche Beamte von CDU/ CSU, FDP, SPD, Grüne und LinksPartei sind daran beteiligt? In Deutschland und für Deutschland zuständig ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und wer sich hier beschwert, der trifft immer den Richtigen.

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2 Kommentare zu “Parfum zwischen Panik & Verbraucherschutz”

  1. Ein Schelm

    Ja, ich denke böses. Denn als Nebeneffekt dessen, die armen, unmündigen Verbraucher vor den ach so bösen Allergenen zu schützen werden auch gleich mal kleine Hersteller, die sich kein Labor leisten können (und auch keine Lobby) vom Markt entfernt.

  2. 1311

    Wer Flugangst hat, fliegt nicht!
    Es gibt aber noch Flugzeuge…
    Wer allergisch gegen Nüsse ist, isst keine!
    Es gibt aber noch Nüsse…
    Wer kein Alkohol verträgt, trinkt keinen!
    Es gibt aber noch Alkohol…
    Wer keine Rauscherlunge haben möchte, raucht nicht!
    Es gibt aber noch Zigaretten…

    Und jetzt der Hammer!

    Wer Parfüm nicht verträgt, benutzt keines!
    Es wird daher geändert…

    …für die NICHT-NUTZENDEN

    EINE SCHANDE FÜR DIE FREIEN BÜRGER!