Paris – mein Fest fürs Leben

Ein kleiner Urlaubsrückblick.
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Paris war mein erstes Ausflugsziel nach dem Mauerfall und bis heute zieht es mich in unregelmäßigen Abständen immer wieder in diese wunderbare Stadt. Paris- ein Fest fürs Leben schrieb schon Ernest Hemingway 1965 über seine Zeit in der Stadt, wo er von 1921 bis 1926 lebte. Paris ist traumhaft. Ein kleiner Ausflug durch den Montmartre, durch die Rue Lepic, vorbei an richtigen Bäckern und Konditoren, wo es noch Fischgeschäfte und Läden für Milchprodukte gibt. Da eine Fleischerei und dort ein Handwerker, mitten zwischen alten Läden, die ich schon seit Jahren kenne, das pralle Leben und Abwechslungsreichtum von Haus zu Haus. Hier noch ein Gemüsehändler und an der Ecke gegenüber die Werkstatt für alte Möbel und barocke Bilderrahmen. Gleich werd ich sentimental. Natürlich steht bei diesen Bäckern nicht dran, was das kg vom Kuchen kostet und es kann schon sein, daß die Katze aus der Backstube kommt. Doch wie mir scheint, tut dies der Qualität keinen Abbruch – ganz im Gegenteil. So müssen die Törtchen aussehen.

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Doch bevor sie sich nun wieder einen Pappbecher mit Kaffee kaufen und glauben, die Puddingschnecke von … wäre der Hochgenuß der Backkunst, folgen sie mir für einen kleinen Spaziergang durch die Stadt meiner Träume. Kommen sie mit durch kleine Straßen, wo berühmte Dichter lebten und starben, setzen sie sich mal kurz ins Café des Deux Moulins, wo Amélie so freundlich von der Wand lächelt und schlendern sie mit mir scheinbar ziellos durch die Gegend. Nur so entdeckt man die Besonderheiten einer Stadt, in der sogar stilisierte Möhren an den Häuserwänden hängen. Möhren?

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Auch in Paris gab es mal eine Zeit, in der Zigarrenraucher ihrer Leidenschaft ohne großes Brimborium und ohne Humidore nachgingen. Da kamen die gekauften Zigarren in eine kleine Holzkiste und damit das Klima in der Kiste stimmt, legte man einfach eine Möhre mit zu den Zigarren hinein. Ein einfacher Trick, der bestimmt funktionierte und an den die stilisierten Möhren über wohl fast jedem Tabak- & Lottogeschäft heute erinnern. Und natürlich ist es Pflicht, den einen oder anderen Weg von Amélie Poulain nachzulaufen, denn Amélies Welt ist wahrlich fabelhaft. Wobei ich den Goldfisch vielleicht doch nicht in dem kleinen Kanal in die Freiheit entlassen hätte.

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Direkt am Faubourg du Temple nimmt der Kanal Saint Martin seinen Lauf und es ist ein schöner Spaziergang, der sich wirklich lohnt. Vorbei oder über neun zum Teil recht pittoreske Hebebrücken und Schleusen führt dieser Weg entlang am Wasser und die nächste Pause kann man seinen müden Füßen in einem der zahlreichen Straßencafes gönnen. Doch Crème brulée esse ich nur im Café des Deux Moulins. Hier sind die Schälchen schön flach und breit, denn die Tiefe ist nicht so entscheident – geht es doch um die knackende Zuckerschicht.

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Überhaupt kann man in Paris sehr gut in Kneipen, Bars und Restaurants sitzen. Selbst in solchen, die es schon seit Jahrzehnten gibt, die Tradition haben und noch heute viel vom Glanz und dem Charme längst vergangener Zeiten versprühen. Henry Miller (Stille Tage in Clichy) saß im Wepler 14 (Place de Clichy), einer ehrwürdigen Brasserie und mit Freude stelle ich fest, daß der alte Kellner – der auch Henry heißt – noch in Amt und Würden ist.

Bleibt festzustellen, daß es in Paris nur so vor Literaten gewimmelt haben muß. Viele lebten hier für einige Jahre, andere blieben für immer, während andere starben. Der stockschwule Oskar Wilde (1854 bis 1900) trat hier mit einer grandiosen Bemerkung von der Bühne des Lebens ab. Messerscharf bemerkte er: „Entweder geht die scheußliche Tapete, oder ich.“ Das Ende der Geschichte ist hinlänglich bekannt und weil man solche Ankündigungen nicht auf die lange Bank schieben soll, ging Oskar Wilde und die Tapete blieb. Sie können sein Grab auf dem Friedhof Père Lachaise besuchen und den Ort, wo der Zweikampf zwischen dem an Hirnhautentzündung erkrankten Dichter und der Tapete tobte, finden sie in der Rue des Beaux-Arts Nr. 13, dem heutigen L`Hotel 21.

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Nicht viel weiter weg sollten sie in der Rue Jacob ( einer Querstraße der Bonaparte) unbedingt dem Cafe Le Comptoire des Sts-Pères einen Besuch abstatten. Als Hemingway von draußen bei Joyce auf den Teller schaute, konnte er noch nicht wissen, daß er wenig später selber in dem Restaurant speisen und F. Scott Fitzgerald (1896 – 1940) ihm auf der Herrentoilette seinen Schwanz zeigen würde. „Es kommt dabei nicht so sehr auf die Größe im Ruhezustand an …“ soll Hemingway fachmännisch geurteilt haben. Was für eine Lüge und trotzdem eine gute Geschichte. Und nur ein paar Türen weiter, im früheren Hotel d`York, trafen sich D. Hartley, Benjamin Franklin, J. Adams und John Hay, um den Vertrag zu unterzeichnen, mit dem die Unabhängigkeit Amerikas anerkannt wurde.

Trotzdem sind es manchmal gerade die kleinen Dinge die Freude machen. Zwerge zum Bsp. sieht man jetzt häufiger im Straßenbild

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und die kleinen Bildchen, die unzählige Künstler oben bei Sacré Cœur den Touristen anbieten, sind ganz zauberhafte Mitbringsel, Geschenke und Erinnerungen.

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Bei Nacht leuchtet Paris in ganz romantischen Farben
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& der Eifelturm ist gerade aus der Nähe sehr interessant.
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Und wenn wir nächste Woche aus Frankfurt am Main zurück sind, die Seifenproduktion so richtig losgeht und wie unheimlich viel Rasierseife und Schokobade herstellen müssen, dann werde ich mich auch wieder mit den duftenden Themen befassen und das für mich schönste Parfumgeschäft von Paris vorstellen. Parfum und Paris das sind für mich nämlich zwei ganz verschiedene Dinge.

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