Citronellöle – von duftenden Gräsern

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Stecken Sie Ihre Nase mal in einen Heuhaufen. Riechen Sie an frischen Gräsern und genießen Sie den Duft einer abgemähten Wiese. Was so unscheinbar und gewöhnlich ist, entpuppt sich oft als etwas ganz Wunderbares. Schade eigentlich nur, daß man aus dem einfachen Gras kein ätherisches Öl gewinnen kann. Sicherlich, da ist das cis-3-Hexanol, jene grüne Note, die eigentlich in allem zu finden ist, was auch nur annähernd grün ist. Aber trotzdem ist das Gras völlig uninteressant. Weiter oben in den Alpen sieht die Sache schon ganz anders aus, denn die dort wachsenden Alpengräser – deren Heu – sind für die Parfumerie nicht ganz unwichtig. Mit dem FOIN ABSOLUE (dem Heu Absolue) und dem FLOVE ODORANTE (Rauchgras) gibt es gleich zwei Destillate, die aus heimischen Gräsern gewonnen werden können.

Richtig spannend wird es aber wenn man nach Asien geht (riecht). Da gibt es Citronellöl, Lemongrassöl, Palmarosaöl, Ingwergrassöl und Vetiveröl. Letzteres wird zwar aus den Wurzeln gewonnen. Doch die Pflanze wird zu den Gräsern gezählt.

Von der Untergattung Cymbopogon, bei der immer eine sitzende und eine gestielte Ähre beisammensstehen, finden die meisten Arten in ihrer Heimat als Parfumpflanzen Verwendung, und zwar werden hier besonders aus den Blättern druch Destillation ätherische Öle, die sogenannten Grasöle, hergestellt. Zur Ausfuhr gelangt vor allem das Zitronellöl, welches von dem rot behaarten Zitronellgras oder Narden-Bartgras, A. (Cymbopogon), nardus durch Destillation gewonnen wird; es enthält ein Gemisch von Geraniol und Citral, riecht daher zugleich nach Zitronen und Rosen und ist ein gutes Seifenparfum.

Die Sache mit dem Rosenduft wegen des enthaltenen Geraniols kann ich zwar nicht nachvollziehen – so gern ich auch aus Otto Warburg zitiere – doch wenn Sie auf der Suche nach einer würzigen Kopfnote sind, dann sollten Sie unbedingt auch über Citronellöl oder Lemongrass nachdenken. Ätherische Öle aus Gräsern, die alle zur selber Familie gerechnet werden.

Familie: Süßgräser/ Poaceae, Gattung: Zitronengräser/ Cymbopogon und dann kommt nur noch die jeweilige Art. Die Öle werden oftmals auch als Bartgrasöl bezeichnet, weil die Blütenstände an kleine Bärte erinnern; ein Hinweis, der sich schon im Gattungsnamen findet: (gr.) Kymbe bedeutet Boot und Pogon heißt Bart.

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Das wichtigste Öl ist das Citronellöl/ Cymbopogon nardus
Das Gras wird oft als Lenabatugras oder Mana Gras bezeichnet. Cymbopogon nardus wäre der richtige Artname (nardus) und die Hauptanbaugebiete liegen in Asien und Südamerika.
CAS-Nr: 8029-29-1 (Sri Lanka)
CAS-Nr: 8000-29-1 (Java)
Gewinnung: Wasserdampfdestillation aus frischem und getrocknetem Gras.
Farbe: hellgelb bis leicht bräunlich (Sri Lanka). Fast farblos (Java)
Geruch: herb, etwas zitronig, leicht grasig, erinnert an Kampfer (Sri Lanka). Deutlich blumiger und zitroniger, leicht süß (Java)
Hauptinhaltsstoffe: Geraniol, Citronellal, Limonen, Camphen, Borneol, Farnesol, Citronellol, Nerol.
Im Parfum: Als Kopfnote alleine finde ich es zu langweilig. Zusammen mit Grapefruit und Lemongrass ist es aber wunderbar.

Lemongrassöl Cymbopogon citratus
CAS-Nr: 68916-87-0
Unterschieden wird in der Hauptsache zwischen den beiden Herkunftsorten Westindien und Guatemala.
Einen Vergleich zwischen beiden Ölen habe ich nicht.
Farbe: leicht gelblich bis orange (lichtempfindlich)
Geruch: Stark nach Citral, zitronenähnlich, erinnert mich leicht an Verbene (Eisenkraut).
Hauptinhaltsstoffe: Citral, Linalool, Geraniol, Nerol, Citronellal, Farnesol, Decanal und Myrcen.
Im Parfum: Eigent sich meiner Meinung nach prima als Kopfnote für natürliche Parfums.

Palmarosaöl/ Cymbopogon martinii
Pflanzenfamilie Poaceae (Süßgrasgewächse) Graminaceae.
INCI-Bezeichnung: Cymbopogon martinii
CAS-Nr.: 8014-19-5 (andere Angabe: 68917-55-5)
EINECS Nr.: 283-461-2
Duftbeschreibung: blumig, an Rose und Geranie erinnernd, grün, krautig, einige Öle deutlich fruchtig, süss. Erinnert mich an überreife Äpfel und wirkt dadurch auf mich oft leicht angegangen.
Farbe: hell gelblich
Gewinnung: Wasserdampfdestillation der getrockneten Pflanzenteile (getrocknetes Gras), die kurz vor der Blüte geerntet werden.
Vorkommen: Anbau und Wildwuchs in Indien, Südamerika, Java und den Seychellen.
Hauptinhaltsstoffe: 75 bis über 90 % Geraniol (Geranylester), Citronellal, Nerol, Linalool, Farnesol, Limonen
Allergene: Limonen, Linalool, Geraniol, Geranial, Farnesol
Im Parfum: gute fixierende Eigenschaften und funktioniert sehr gut in Seifen.

Ingwergrasöl/ Gingergrasöl/ auch Cymbopogon martinii
Dieses Öl wird ebenfalls als Palmarosaöl bezeichnet. Es wird durch Wasserdampfdest. aus dem frischen Gras von Cymbopogon martinii gewonnen und häufig als minderwertig (Varietät sofia) bezeichnet. In manchen Gegenden Indiens werden beide Öle aber gemeinsam destilliert.
CAS-Nr: 8023-92-5
Duft: zart blumig, rosig, krautig, würzig

Bitte beachten Sie, daß die häufig ähnlichen Bezeichnungen und leicht irreführenden Trivialnamen/ umgangssprachlichen Bezeichnungen vieler Pflanzen und Rohstoffe, oft dazu führen, das ganz unterschiedliche Pflanzen und ätherische Öle, die nichts miteinander zu tun haben, gedanklich in einen Topf geworfen werden.

So wird die Verbene, die zu den Eisenkrautgewächsen gehört, wegen ihres Geruchs häufig als Zitronenverbene bezeichnet und das Öl wegen seines Geruchs von vielen KundenInnen oft als Lemongrassöl bezeichnet. Dabei gehört die Verbene zu einer ganz anderen Familie, den Verbenaceae und der Gattungsbegriff lautet Verbenen. Bekannt und für die Parfumerie von Interesse sind die Arten: Verbena triphylla (L’Hér.), Verbena citriodora Cav., Aloysia triphylla (L’Hér.) Britton, Aloysia citriodora. Engl.: Lemon verbena, Lemon-scented verbena, franz.: Verveine citronnelle, Verveine odorante. Und auch die Melisse, aromatherapeutisch ganz ähnlich angewendet, wird schnell zu den Citronellölen dazugezählt.

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