Nischendüfte – große Meere & kleine Fische

Vielleicht gelingt es mir ja noch, im Laufe der kommenden Tage, diesem kurzen Artikel ein Foto zur Seite zu stellen. Doch im Moment weiß ich einfach nicht, wie ich eine Nische mit einem Parfum drin fotografisch ablichten soll. Fragt sich überhaupt, was eine Nische ist. Eine Nische (franz. niche) bezeichnet die Vertiefung in einer Wand, man kann auch Mauerrücksprung sagen, wo später zum Bsp. ein Heizkörper angeschlossen wird, damit dieser nicht störend in den Raum hineinsteht. Das ist also eine Nische aus architektonischer Sicht. Die Verbindung zu Parfum finde ich in diesem Zusammenhang nun doch etwas sehr weit hergeholt. Oder stellt man Nischendüfte in Nischen damit diese im Raum nicht stören? Kaum zu glauben. Schauen wir mal, ob es noch weitere Nischen mit einer gedanklichen Verbindung zu Parfum gibt. Da sind z.B. die ökologischen Nischen. Kleine Schutzräume – natürlich entstanden oder künstlich eingerichtet – in denen sich eine ganz bestimmte Art innerhalb eines Ökosystems behaupten kann. Parfumistisch übersetzt, kann man sich vielleicht Douglas als großes Ökosystem vorstellen, wo ein kleiner Nischenduft – einem Seepferdchen gleich – unter lauter Haifischen keine Chance hat. Und weil es viele Menschen gibt, die Seepferdchen lieber als Haifische haben, hat man viele kleine Aquarien eingerichtet, wo nun duftende Seepferdchen und Seenadeln ihre Nische gefunden haben. Ein kleines, freundliches Ökosytem, wo es nur liebe, kleine und seltene Tierchen gibt, die sonst keine Chance hätten. Tolle Vorstellung und ich versuche mir gerade all die Nischenparfumerien ins Gedächtnis zu rufen, die ich schon gesehen habe. Was für ein Ozean.

Und dann sind da noch die Nasen-Biologen, die von außen ins Wasser schauen und denen der große Ozean mit seinen Raubfischen unsympathisch ist. Wohin man auch schaut, Raubfische, Raubfische, Raubfische. In jedem Becken das gleiche Bild. Egal ob in Deutschland, Frankreich und den USA. Die Nasen-Biologin, der Nasen-Biologe erkennt auf einen Blick, daß hier nur wohlbekannte Arten ihr Unwesen treiben und mit der Klassifizierung längst bekannter Spezies muß man seine Zeit nicht vertrödeln. Wer interessiert sich den schon für große Haie oder langweilige Schwarmfische, wenn man seltene Grundeln beobachten kann? Genau, biologisch interessant ist die Nische, weil nur dort Neues zu entdecken ist. Schade und traurig finde ich nur, daß mit dem Interesse für das eine – die Nische – oft eine Abwertung des anderen – des großen Ozeans – einhergeht. Ganz so, als würde es sich um ein totes Meer handeln. Aber darüber schreibe ich später, weil ich für den Augenblick froh bin, den Begriff Nische richtig verstanden zu haben.

Warum ich das schreibe? Nun, ich erlebe es recht häufig, daß man mir erklärt, im weiten Ozean der Parfumerie würde es keine Schätze geben. Das große, weite Meer sei ausgeplündert, tot und völlig langweilig. Eigentlich nur noch Schrott, den ein Mensch von gehobenem Geschmack gar nicht tragen könne. Und genau an diesem Punkt schaltet sich bei mir das Gehirn aus (oder ein) und ich frage mich, was diese Einstellung noch mit Interesse zu tun hat. Zumal ich der Meinung bin, daß die Düfte, die man selber liebt und schätzt, nicht besser werden, wenn man andere Parfums und fremde Vorlieben schlechtredet. Der breite Massengeschmack muß ja nicht der eigene sein, doch wenn meinem Nachbarn die Haifische gefallen, dann ist das sein Geschmack und ich bin nicht gleich der Nasenguru, nur weil ich Seepferdchen mag.

Zudem hoffe ich doch sehr, daß alle Leserinnen und Leser dieses Textes mein Schmunzeln und Augenzwinkern zwischen den Zeilen erkennen konnten.

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2 Kommentare zu “Nischendüfte – große Meere & kleine Fische”

  1. céline

    herrlich, dieser blog. seit drei stunden lese ich nun ihre erfrischenden, betörenden texte und kann nicht aufhören. und alles nur, weil ich gern ein vetiver-pflänzchen für unseren garten gesucht habe, welches ich später, wenn es gross ist, gern bis in die wurzeln nutzen würde…

    vielen dank und auf sehr bald

    aus basel
    céline

  2. erik

    Liebe Céline, vielen Dank für die freundlichen Worte und ich wünsche natürlich viel Freude mit dem Vetiver und ich kann mir vorstellen, daß er bei unserem Klima nicht gleich nach der Weltherrschaft im Garten greift. Aber es gilt: Einmal richtig angewachsen ist angewachsen, weil die Wurzel später bis zu 4/5 Meter tief in die Erde hineinreichen können. Ich wünsche schon mal viel Spaß. Herzliche Grüße aus Berlin, Erik