Duftmoleküle zerquetschen

Eine Szene, die sich so fast täglich ereignet.

Die zwei Damen sind vom Fach, das merkelt der geschulte Verkäufer sofort. Hilfe wird nicht benötigt, Riechstreifen verfälschen nur den Duft – weil die trainierten Nasen ein gutes Paföng natürlich am Verschluß erkennen – und wenn wir testen, dann nur auf dem Handgelenk, dort wo der Puls des Lebens den Duft aufnimmt und ihn mit dem Selbst zu etwas ganz Eigenem macht. Überhaupt muß das Handgelenk ganz schön viel aushalten, denn da wird gerubbelt und getupft, gerieben und gepreßt – „halt“ sagt da die Freundin, „das darfst Du nicht machen, wenn Du die Duftmoleküle nicht zerstören willst. Nur ganz vorsichtig aneinanderhalten, nicht drücken und reiben, sonst geht der Duft kaputt – also die Moleküle„.

Logisch. Kann man zwar mit dem Auge nicht erkennen, doch die geschulte Nase weiß, aneinandergestoßene und heftig -geriebene Handgelenke sind der Friedhof aller Duftmoleküle. Zwar spürt man es nicht – merke: Duftmoleküle sind sehr klein – und sehen kann man die auch nicht. Doch riechen kann man es sofort. Einmal gerieben und schon ist der Duft im Hintern. Kaputtgemacht und Schluß. Zumal ein weiterer Test gar nicht mehr möglich ist, weil der Duft nun auf beiden Handgelenken verteilt wurde. Schade eigentlich, wo man doch zwei Hände und Arme hat. Zwei Düfte hätte man ausprobieren können; was nun nicht mehr geht. Beide Handgelenke sind beduftet mit den zerquetschten Molekülen eines einzigen Parfums. Ein duftmolekulares Massengrab am Handgelenk und mir fällt gerade ein, daß drei Arme und Handgelenke für den echten Parfumkenner, die wahre Parfumkennerin ein wirklich evolutionärer Gewinn gewesen wären. Drei wäre gut, weil mehr als drei ohnehin nicht geht. Auch das weiß ein Profi zu berichten – nach drei Düften macht die Nase schlapp.

Nur warum verändert sich der Duft oft deulich stärker wenn man die Handgelenke aneinanderreibt? Ist es die entstehende Wärme? NEIN! Ist es der Druck? NEIN (totaler Blödsinn) Ist es der pH-Wert, die Chemie unserer Haut? JEIN. Die Verbindung aus Eigengeruch und Parfum verändert natürlich einen Duft (keine Frage) und wenn man reibt und rubbelt, dann geht das einfach schneller. Aber der Druck und die Wärme und der leicht saure pH-Wert unsrer Hautoberfläche zerstören kein Duftmolekül. Keine Sorge, rubbeln sie ruhig, wenn es ihnen Spaß macht. Um ein Duftmolekül zu zerstören braucht man etwas mehr. Doch man sollte sich immer ein Handgelenk freihalten.

Eine Illustration folgt heute Abend.

2 Kommentare zu “Duftmoleküle zerquetschen”

  1. Gasper

    (Kommentar bearbeitet! Webadresse entfernt)

    Ach so – also wenn man wenn die Handgelenke aneinanderreibt oder nicht gibt es kein unterschied? Danke für die Aufklärung 🙂

    Grüss,
    Gasper

  2. erik

    Lieber Gasper, ich weiß nicht ganz ob ich richtig liege, aber zum einen klingt Dein Kommentar leicht ironisch (?) und zum anderen verband er in der ursprünglichen Form zwei recht kurze Sätze mit einer ziemlich langen Webadresse, wo man Parfum günstig kaufen sollte. Gut, damit es nicht so aussieht, als hättest Du den Kommentar nur wegen der Webadresse geschrieben, habe ich den Link entfernt – zumal mir Schnäppchenparadiese nicht so wichtig sind -, und als Antwort auf Deinen Beitrag kann ich nur auf den Artikel selbst verweisen, wo ich erklärt habe, warum sich der Duft beim reiben verändert. Klar tut er das. Nur Moleküle werden dabei nicht zerquetscht.
    Viele Grüße, Erik