Styracaeae/ Styraxgewächse/ Benzoe

Mit kleinen Änderungen/ Ergänzungen vom 16. 05.2011

Was macht man nur mit dem Benzoeharz? Eine Frage, die häufig gestellt wird und über die ich auch schon oft nachgedacht habe. Inzwischen bin ich der Meinung, daß man die harzigen Klümpchen eigentlich nur verräuchern kann, weil sich Auszüge in Ethanol nicht wirklich lohnen. Das Zeug bleibt selbst in höchster Verdünnung extrem klebrig und wenn man will, daß der süße, leicht vanillige Geruch deutlich hervortritt, hat man häufig Probleme mit der Viskosität. Benzoe ist so ein Stoff, den man nur in kleinen Mengen in einem Parfum einsetzt, der nur in kleinen Mengen eingesetzt wird. Ich will jetzt nicht behaupten, daß es überhaupt keinen Duft gibt, der deutlich nach Benzoe riecht, wo vielleicht 5 oder 10 Prozent des Riechstoffes zum Einsatz kommen. Doch im Grunde genommen würde eine derartige Konzentration keinen Sinn machen. Benzoe in solch hoher Dosis macht einen Duft regelrecht zu. Es riecht halt vanillig und harzig und wenn man das wollte, dann nimmt man lieber gleich echte Vanille und komponiert eine holzig-harzige Note darum. In Seifen bleibt der Stoff unscheinbar und macht meiner Erfahrung nach keine gute Figur. Fragt sich nur, wie man das Resin vielleicht noch einsetzen könnte. Zehn vielleicht auch fünfzehn Prozent in einem ätherischen Öl lösen sich natürlich gut auf und nachdem man den Ansatz gefiltert hat, bleibt die Mischung nur wenig klebrig. Was für ein Öl? Ja, das ist die Frage. Vanille vielleicht, wenn nur der Preis nicht wäre. Dann würde ich Benzoe gleich weglassen. Orange kommt gut! Aber was ist Benzoe eigentlich für ein Harz? Um hierauf eine Antwort zu finden, blätterte ich ein wenig im Otto Warburg und für ganz eilige LeserInnen gibt es hier schon mal die Fotos. Ich brauche jetzt einen Tee und danach geht es mit dem Artikel weiter. Ohnehin ist es derzeit etwas schwierig mit dem schreiben, weil der neue Laden noch immer viel Arbeit macht (vieles ist nur halbfertig und wartet auf abschließende Handgriffe) und ich so langsam am Ende meiner Kräfte angekommen bin. Ich kann nur immer wieder um Nachsicht bitten. Das aromatische Blog ist nicht vergessen und meine Leidenschaft für Parfum natürlich auch nicht. Geduld.

benzoe_absolue_u_harz

Das Foto zeigt die beiden üblichen Rohstoffe, in denen Benzoe angeboten wird. Links das flüssige Resin und rechts das feste, getrocknete Harz.

benzoe_abbotto_warburg

Die beiden Abb. habe ich Otto Warburg „Die Pflanzenwelt“ (in 3 Bänden) entnommen. Bibliographisches Institut Leipzig, 1926. Links sieht man den Liquidambar orientalis und rechts den Benzoebaum (Styrax benzoin)

benzoebaum_zeichnung-wikipedia

Aber jetzt ist wirklich Teepause. Es geht gleich weiter.

Die Systematik der Storaxbaumgewächse sieht wie folgt aus: Klasse Bedecktsamer/ Magnoliopsida, Ordnung Heidekrautartige, Familie Storaxbaumgewächse, Wissenschaftlicher Name Styracaeae.

Man darf nur nicht auf die Idee kommen, weil die Pflanzensystematik den Gedanken nahelegt, Benzoeharz und Styraxharz gleichzusetzen. Ersteres wird aus den Arten Styrax tonkinensis (Siam Benzoe) und Styrax benzoin (Sumatra Benzoe) gewonnen, während für den als Styrax-Harz bezeichneten Rohstoff die Liquidambar-Arten verantwortlich sind.

Die etwas über 100 Arten umfassende Familie der Styracaeae oder Styraxgewächse besteht aus Bäumen oder Sträuchern, deren abwechselnd stehende, nebenblattlose, ganzrandige oder gesägte, häufig ledrige Blätter gewöhnlich mit weißen oder bräunlichen Sternhaaren, seltener mit Schuppen, bedeckt sind. Die in Trauben, Rispen oder einzeln stehenden, fast stets zwittrigen, vier- bis fünf= (selten mehr) gliedrigen Blüten haben einen glocken= oder röhrenförmigen, meist kurz gezähnten, nach der Blütezeit oft weiterwachsenden Kelch und meist nur am Grunde vereinigte Blumenblätter. (…)

Der Nutzen der Familie ist sehr gering; nur die wohlriechenden Harze, die sich nach Verwundungen als pathologisches Produkt der Rinde bilden, sind von wirtschaftlicher Bedeutung. (…)

Styrax besitzt oberständige Fruchtknoten und ungeflügelte, häufig klappig aufspringende Früchte. Der echte Styraxstrauch, S. officinalis (Abb. 66 B, rechte s/w Grafik, rechter Teil und siehe auch die farbige Abb.), ist ein im Mittelmeergebiet, namentlich in dessen östlichem Teil, heimischer, 4-7 m hoher, hübscher laubabwerfender Strauch mit unterseits weißfilzigen Blättern und sehr wohlriechenden, traubig stehenden Blüten.

Der Styrax oder Storax der Alten, sein wohlriechendes hauptsächlich in Wundlöchern durch Wurmfraß sich bildendes Harz, das noch gegen das 18. Jahrhundert gewonnen wurde und früher viel beu Räucherungen Verwendung fand, gehört schon zu dem von Moses vorgeschriebenen heiligen Räucherwerk. Das jetzt als Storax in den Handel gelangende Produkt stammt wohl ausschließlich von Liquidambar orientalis (Otto Warburg, Bd. II, S. 114/ linke s/w Abb.).

So weit Otto Warburg, der jedoch nicht unerwähnt läßt, daß der Benzoebaum S. benzoin (z.B. Farbtafel) weit wichtiger für die Produktion der duftenden Harze ist. Dieser immergrüne Baum, mit seinen auf der Unterseite weißhaarigen Blättern – beheimatet im Malaiischen Archipel und in Hinterindien – gibt das vanilleartig duftende Harz, welches viel häufiger in den Handel gelangt; zumeist von Sumatra oder Siam. Gewonnen wird es durch tiefe Einschnitte in die Rinde des Baumes. An der Luft trocknet es rasch ab und härtet schnell aus. An dieser Stelle muß man etwas aufpassen, weil Otto Warburg keine Unterscheidung zwischen Sumatra und Siam – den verschiedenen, für die Parfumerie wichtigen Qualitäten des Harzes – macht.

In Bd. II, S. 114 finden sich bei O. Warburg dann die Erläuterungen zu den Storxbäumen (Hamamelidaceae/ Zaubernußgewächse), von denen gerade der Orientalische Amberbaum (L. orientalis) als Storxbaum bezeichnet wird. Der 10-14 m hohe Baum, beheimatet in Kleinasien, liefert den flüssigen Storax, welcher als Mittel zur Anregung und bei Brustwickeln Verwendung findet. Das Holz des Baumes, selber stark balsamisch duftend, wird als Rhodiumholz gleichfalls geschätzt, so Otto Warburg. Dabei gelangte (gelangt?) Cortex Thymiamatis unter dem Namen Christholz auch als Räucherwerk in griechische Kirchen.

Im Grunde genommen macht sich Otto Warburg in Sachen Styrax/ Storax/ festes Harz/ flüssiges Harz/ Amberbaum und Storaxbaum nur wenig Gedanken, ob seine Ausführungen im Detaile verständlich sind. Zum einen kann es durchaus sein, daß die Systematik inzwischen dem Stand der Forschung entsprechend verändert wurde und die Abschnitte zu den Pflanzenrohstoffen selber – zur Wirtschaftlichkeit, zu Handel und Verwendung – dürften bei Warbung zu einem Großteil aus anderen Berichten entnommen worden sein, die er selber kaum überprüft haben konnte. Und weil zahlreiche Bäume und Sträucher Harz als Rohstoff für die Parfumerie liefern – Rohstoffe, die häufig als Storax, Styrax, Gummi …, oder als Styrax Amber bezeichnet werden. Manche sogar als Weihrauch, weil schon die Verwendung als Räucherwerk diesen Namen oft rechtfertigt – muß man beim Kauf auf die Herkunft und die Form des Produkts achten. Benzoe sollte immer Benzoe heißen und wer es etwas genauer nehmen möchte, der sollte sich die beiden Qualitäten Siam und Sumatra anschaffen.

2 Kommentare zu “Styracaeae/ Styraxgewächse/ Benzoe”

  1. Eliane

    und ich hatte gehofft, dass ein profi wie du eine lösung für diese wohlduftende klebrigkeit hättest…. hab derzeit auch kaum zeit zum bloggen, mein viertes buch ist dafür seit heute auf dem weg in die herstellung. allerdings nur für blutige laien konzipiert, wellnessartig. gruß aus irland, eliane

  2. erik

    Liebe Eliane, da warst Du zu schnell. Jetzt ist der Artikel fertig! Hast Du inzwischen mein Blog bei Dir verlinkt? Da war doch noch was? Liebe Grüße, Erik 🙂