Parfum selber mischen – Wasser und Kälte

trueb_und_klar

Wozu ist eigentlich der Alkohol da? Welche Menge Wasser kommt in ein Parfum und was passiert im Eiskasten, wenn man die fertige Mischung aus Parfum, Ethanol und Wasser für 10 bis 14 Tage strenger Kälte aussetzt?

Drei ziemlich wichtige Fragen, die man ganz einfach, praktisch und anschaulich beantworten kann. Schauen Sie sich mal in Ruhe die beiden Bilder an. Sie sehen dort links das Parfum Eau de Froehliche vor dem Kälteschlaf und rechts danach, 14 Tage später.

Alkohol (Ethanol/ Weingeist) ist das Lösungsmittel. Nur keinen Ethanol benutzen, bei dem man das Vergällungsmittel riecht – was beim Kosmetischen Basiswasser eigentlich immer der Fall ist. Es sei denn, BITREX (der bitterste Stoff der Welt) kam als Vergällungsmittel zum Einsatz. Ein Parfum besteht aus ätherischen Ölen, zum Teil auch aus Harzen/ Balsamen und natürlich auch synthetischen Riechstoffen/ Chemicals. Die Parfum-Mischung aus diesen Bestandteilen benötigt ein Lösungsmittel, einen Träger, etwas, worin all diese Stoffe aufgehen, worin sie sich entfalten können. Stellen Sie sich mal so eine Mischung ohne Ethanol vor. Das eau de Froehliche mit seinen beiden zägflüssigen, klebrigen Ölen Weihrauch und Tolu. Absolut schrecklich. Erst der Ethanol sorgt für eine brauchbare Viskosität. Ohne geht es leider nicht. Man muß nur aufpassen, daß man genügend davon nimmt. So wenig Alkohol wenig wie nötig.

Im nächsten Schritt kommt Wasser in die Mischung. Wenn Sie ein neues Rezept ausprobieren, dann lassen Sie die Mischung aus Parfum und Ethanol gleich auf der Waage stehen. Drücken Sie die TARE-Taste Ihrer Waage und geben Sie langsam, tropfenweise, Wasser dazu. Dabei kann man vorsichtig rühren, weil sich das Wasser so besser verteilt und man leichter abschätzen kann, wie sich die Dinge entwickeln. Geben Sie so viel Wasser hinzu, bis es zu leichten Eintrübungen kommt. Nicht mehr! Sollte es plötzlich richtig trüb geworden sein, müssen Sie wieder etwas Ethanol zugeben. Auf diese Weise nehmen Sie dem Ethanol seine Verdünnungskraft und der Punkt an dem es trüb wird, ist genau der Moment, wo sich die ersten Stoffe – Wachse, Farbstoffe, Schwebeteilchen – wieder anfangen abzusetzen. Es wird doch nicht trüb, weil Sie Wasser in den Alkohol tröpfeln. Nein, nein. In einen richtig trockenen Alkohol können Sie massenhaft Wasser reinschütten – das braucht man auch nicht zu tröpfeln -, da wird nichts trüb. In Ihren Parfumbestandteilen sind einige Dinge enthalten, die man nicht unbedingt im fertigen Parfum haben möchte. Im hochprozentigen Alkohol waren diese Bestandteile nicht sichtbar, sie waren gelöst. Aber nun, nach der Zugabe eine bestimmten Menge Wasser, wurde der Alkohol – das Lösungsmittel – verdünnt und das erkennen Sie an den beginnenden Eintrübungen. Das ist der Punkt, wo Sie aufhören sollten Wasser reinzutröpfeln, weil sich dabei durchaus auch für den Geruch wichtige Bestandteile absetzen könnten. So viel Wasser wie möglich.

Zusammengefaßt lautet die Formel: So viel Wasser wie möglich & so wenig Alkohol wie nötig.

Notieren Sie sich auch die genaue Menge Wasser. Das zählen von Tropfen bringt Sie nicht weiter. Und wenn Ihr Rezept dann steht, können Sie bei allen weiteren Ansätzen die passende Menge Wasser mit Schwung reinschütten.

An diesem Punkte angekommen muß die Mischung in den Kühlschrank, ins Eisfach. Warum? Ganz einfach, weil sich die für die Eintrübung verantwortlichen Stoffe in der Kälte des Eiskastens besser absetzen. Das ist alles. Auch Wärme ist für die Löslichkeit entscheident und im Eiskasten fallen einfach alle Stoffe aus, die man nicht braucht. Mehr passiert da nicht. Nach 14 Tagen nehmen Sie Ihre Mischung vorsichtig aus dem Kühlschrank – nicht schütteln (sonst können Sie dden Ansatz gleich wieder für einige Tage in den Kühlschrank stecken), dekantieren, bei Bedarf durch einen Kaffeefilter laufen lassen, abfüllen und fertig.

Hier ein älterer Artikel zum Thema: Naturparfum – Wasser einrühren

4 Kommentare zu “Parfum selber mischen – Wasser und Kälte”

  1. Chrisdtof Tannert

    Hi, Xenia & Erik, alles Gute im neuen Heim! Artikel: wieder gut und für jedermann/frau erklärt.
    Verbesserungsvorschläge:
    – Eau du Froehliche. du ist der Plural von de = von
    – Alkohole, denn es gibt außer Äthanol (dt mit Ä !!) viele andere, die man im Prinzip auch als Lösungsvermittler anwenden kann, zumindest Methanol und Butanol

    Schöne Grüße: Christof T.

  2. David

    Was genau benutzt du jetzt alles zum Verdünnen? Nur unvergällten Ethanol/Weingeist, gibt es da einen Unterschied (wenn beides nicht vergällt ist)? Wieviel %igen nimmt man dann am besten, 99%igen oder „schwächeren“?

    In einigen Foren lese ich immer wieder, dass man am besten kosmetisches Wasser benutzen sollte… aber dies ist bereits parfümiert oder? Deshalb rätst du davon ab?

  3. erik

    Lieber David, Du findest bei mir im Blog unter Ethanol (glaube ich jedenfalls) auch genau den Ethanol, den ich verwende. Kosmetisches Basiswasser ist – so mir bekannt – deutlich riechbar vergällt und damit ganz ungeeignet. Wenn ein Weingeist mit BITREX vergällt wurde, dann sollte es gehen. So ein vergällter Ethanol ist natürlich preiswerter und BITREX wäre der einzige Vergällungsstoff, der keinerlei Geruch hat.

  4. David

    Danke für die Antwort. Ich habe mir jetzt unvergällten Weingeist bestellt (96% 1L für 22 Euro), ich finde das für meine Bedürfnisse recht günstig, zumal ich vorerst mit der Menge ganz gut hinkomme denke ich.

    Und ja, den von dir erwähnten Beitrag, habe ich mittlerweile beim durchschauen auch schon entdeckt 😉

    PS: Dein Blog ist echt Klasse! Danke, dass du dir so eine Arbeit machst und so tolle Tipps gibst, gerade für Anfänger richtig klasse.