Weihrauch – Teil 1

Weihrauch und blogschreiben live. Ich sitze hier über Büchern und Zeitschriften und sortiere die Gedanken. Doch bevor ich mit Weihrauch und Parfum anfange, muß erstmal geklärt werden, was Weihrauch wirklich ist – von welcher Pflanze er stammt, wie er aussieht, wie er riecht und überhaupt. So einfach ist das nämlich alles nicht. Denn das, was häufig unter dem Begriff Weihrauch in der Kirche verräuchert wird, muß nicht unbedingt der reine Stoff, das reine Harz sein. Sehr häufig handelt es sich hierbei um wohlriechende Mischungen (mit Weihrauch) die einem bestimmten Zweck zu dienen haben – geweihten Rauch zu erzeugen. Und auch nicht jede Mischung, die dem Namen nach an Könige und den Orient erinnert, die vielleicht orientalischen Ursprungs ist, beinhaltet feinste, reinste Qualität. Ich sah schon Königsweihrauch (mit kleinen bunten Glas- und Plastikperlen versetzt, was bestimmt ein interessantes Dufterlebnis ist), Goldweihrauch (lackierte Harzkügelchen undefinierbaren Ursprungs) und ausgesprochen sinnliche Duftmischungen aus echtem Weihrauch und Benzoe (sehr angenehm). Natürlich alles echt und dem Namen nach selbstverständlich Weihrauch. Der Zweck heiligt alle Mittel, Hauptsache der Rauch ist geweiht. Weihrauch ist ein dehnbarer Begriff.

Doch wenn wir über Weihrauch reden, dann meinen wir den Weihrauch. Den einen und unverwechselbaren Weihrauch und keine als Weihrauch angebotene Räuchermischung oder ein orientalische Parfumöl gleichen Namens (was ja nicht schlecht sein muß). Wenn wir von Weihrauch reden/ oder darüber nachdenken wollen, meinen wir eine ganz bestimmte Sache, eine ganz bestimmte Pflanze, einen ganz bestimmten Duft. Wir meinen z.B. Boswellia sacra.
Boswellia ist die Gattung und sacra z.B. eine spezielle Art, von denen es bei Bosewellia einfach mehrere gibt.

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Die mir bekannte Pflanzen-Systematik sieht dabei folgendermaßen aus: Ordnung: (ältere Quellen) Rutales/ Rautenartige, aktuelle Taxonomie Sapindales/ Seifenbaumartige. Familie: Burseraceae/ Balsambaumartige, Tribus/ Unterfamilie: Bursereae, Gattung: Boswellia, Art(en): z.B. sacra/ syn. carterii Birdw.

Meinen Leserinnen und Lesern wird nicht entgangen sein, daß ich mich in botanischen Fragen entweder auf das geringe Fachwissen verlasse, welches ich als Biologenkind von Hause aus mitbringe, oder gern OTTO WARBURG DIE PFLANZEN WELT zitiere. In diesem Falle zuerst natürlich Otto Warburg (Band II). Empfehlenswert ist auch das URANIA Pflanzenreich/ Höhere Pflanzen/ Band 2 (Seite 48).

Das Problem mit den Balsamgewächsen ist nämlich deren Artenreichtum (fast 600 Arten rechnet man zur Familie der Burseraceae) und die zum Teil recht ähnliche Verwendung der aus dem Harz gewonnenen Rohstoffe. So werden z.B. Elemi Canarium luzonicum und auch Benzoe (obwohl botanisch zu den Storaxbaumgewächsen/ Styracaceae zu zählen) häufig als Weihrauch bezeichnet (um nur einige zu nennen). Die beiden wichtigsten Harze sind jedoch die von Commiphora (Myrrhe/ Commiphora ist der Gattungsname) und unser Boswellia, deren natürliches Verbreitungsgebiet um das Horn von Afrika (Ost-Afrika) herum zu finden ist. Boswellia wächst im Sudan, in Äthiopien, in Somalia, in Puntland (dorthin schickten die Pharaonen ihre Händler), in Eritrea, im Oman. Man findet Boswellia aber auch in Arabien und im Jemen.

Und die kulturelle Bedeutung besonders dieser beiden Arten (ihre Verwendung als Medizinalpflanzen, als Aromaspender und als Teil religiöser Zeremonien) war mit Sicherheit eine der wichtigsten Triebkräfte für ausgedehnte Handelsbewegungen und Eroberungen. Schon für die Pharaonen dürften die Harze dieser beiden Bäume zu den wichtigsten Importgütern gezählt haben. Ohne den Balsam war keinem Pharao ein Übergang ins Jenseits möglich. Man versuchte sogar die Bäume zu importieren.

Es wird noch heute eine Stück weitergehen. Doch nun muß ich mal Abendbrot machen (es gibt Gulasch mit echten Knedliky und dazu einen wunderbaren ALLES VERLOREN von 2006. Den Namen hat sich vermutlich ein sehr frustrierter Bure ausgedacht. Aber der Wein ist spitze!) Einen Tee brauche ich auch. Nur Geduld, es gibt noch mehr auf die Nase.

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