Weihrauch – Teil 3

Mit aktuellen Ergänzungen vom 12. 9. 2012

Der folgende Artikel schafft hoffentlich etwas Klarheit dort, wo sonst Parfumwolken, Rauch- und Nebelschwaden undurchsichtig durch das World Wide Web wabern. Was ist schon Weihrauch und wohin gehört Elemi und aus welchen Pflanzen stammen Labdanum und Myrrhe? Meinen wir mit Elemi-Weihrauch nun Weihrauch oder Elemi? Böse Falle! Boswellia hier, Somalischer Weihrauch dort und am Ende bleibt irgendwie unklar, von welchen Pflanzen eigentlich gesprochen/ geschrieben wird, weil die deutschen Pflanzenbezeichnungen (die dt. Trivialnamen) uns an diesem Punkte einfach nicht mehr weiterhelfen. Schließlich ist die Bezeichnung Hoppelhase (und das meine ich durchaus ernst) nur so lange praktikabel, wie man nicht zwischen Kaninchen und Feldhase unterscheiden muß und niemand fragt, ob man von Haus- oder Wildkaninchen spricht. Alles klar? Nein? Dann sollten sie jetzt in Ruhe weiterlesen – Trivialnamen sind Schall und Rauch und ohne Systematik/ Taxonomie kommt man nicht weit, weil Elemi-Weihrauch zu Boswellia gehört und Elemi selber aus ganz vielen Pflanzen gewonnen wird: Canarium luzonicum und Protium icicariba z.B.. Man muß einfach wissen – wollen – wovon man spricht.

Dabei ist es gar nicht wichtig, die Sache bis auf die Spitze zu treiben – der Urschleim interessiert mich nicht -, aber die Begriffe ORDNUNG, FAMILIE, TRIBUS (Unterfamilie), GATTUNG und ART kann man ruhig mal auseinanderklamüsern. Was überhaupt nicht bedeutet, daß es dann wesentlich einfacher wird; aber das hat ja auch niemand behauptet und außerdem wird vielleicht klar, warum ich an einigen Artikeln so lange herumdenke.

ORDNUNG muß sein. Schon die ORDNUNG macht mir Kopfzerbrechen. Denk ich an Weihrauch in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht. Da sprechen all meine botanischen Bücher im Zusammenhang mit Weihrauch von Rutales/ Rautenartige und Wikipedia nennt aber die Sapindales/ Seifenbaumartige als gemeinsame Ordnung. Eine Erklärung dafür habe ich nicht. Bin mir aber ziemlich sicher, daß beides irgendwie richtig ist und der Wikipediaeintrag einfach nur moderner ist. Warum? Der Grund dürfte die Genetik sein. Früher hat man sich, wenn man Pflanzen miteinander verglich und diese in einer Systematik (Taxonomie) unterbringen wollte, die Blütenmorphologie (den Blütenaufbau) angeschaut. Alle anderen Merkmale einer Pflanze eignen sich nicht für derartige Untersuchungen. Weil gleiche oder ähnliche Umweltbedingungen zu gleichen oder ähnlichen Äußerlichkeiten führen (der Satz ist wichtig!). Da wären wir wieder beim Hoppelhasen. In früher Urzeit war es in Steppengebieten und lockeren Wäldern wohl irgendwie praktisch, wenn man lange Ohren und lange Hinterbeine hatte und so entstanden Hasen und Kaninchen. Beide gehören zur Familie der Leporidae (Hasen), doch das ist auch schon der letzte oder erste Berührungspunkt (wie man will). Gattung und Art unterscheiden sich deutlich und wenn man mal ins Wasser geht, wird noch offensichtlicher was ich meine. Wer im Wasser gut vorankommen will, braucht einen stromlinienförmigen Körper und Flossen. Fische und Wale haben beide diese Merkmale und trotzdem ist Letzterer ein Säugetier. So ist das mit den Äußerlichkeiten und mit den Blüten und der Genetik. Man muß(te) genau hinschauen.
Inzwischen hat auch in der Botanik die Molekularbiologie Einzug gehalten und so ergaben sich bei zahlreichen Pflanzen viel genauere, neue Verwandtschaftsverhältnisse und deshalb werden die Burseracaen nicht mehr den Rutales sondern den Sapindales als Ordnung zuerkannt.

Familien. Da wären wir also. Angekommen im Schoße der Familie würde ich immer empfehlen die Ordnung zu vergessen. Sie haben schon gesehen wohin das führt. Ins Chaos und ich versichere ihnen, selbst eingefleischte Botaniker können sich hierbei prima streiten. Halten sie sich an die Familie. Botanisch gesehen vielleicht wichtiger und haltbarer als im wirklichen Leben. Familie ist gut – BURSERACEAE/ Balsambaumgewächse. Und schon damit hätte man alle Hände voll zu tun. Zu dieser Familie gehören so an die 20 Gattungen und fast 600 Arten. Wenn sie irgendwo ein CEAE hören oder lesen, dann handelt es sich fast immer um eine Familienbezeichnung.

Danach kommen die Unterfamilien – TRIBUS. Kommt vom engl. Tribe und das heißt Stamm. Und obwohl Boswellia (Weihrauch), Commiphora (Myrrhe) und Canarium (Elemi) an dieser Stelle ihren gemeinsamen Ursprung haben, halten wir uns an diesem Punkt gar nicht weiter auf. Die Sache mit dem Tribus ist nämlich kompliziert und ohne gute Literatur fast nicht zu verstehen. So haben z.B. die Arten Protium icicariba und Protium guyanense (links oben) keinen gemeinsamen Tribus mit Boswellia, Commiphora und Canarium und gehören trotzdem zu selben Familie. Die Gattung Tetragastris finde ich irgendwie lustig, weil ich mir grad eine Pflanze mit vier Mägen vorstelle. Wir lassen jetzt einfach das c weg und sagen Bursereae. Aber nun wird es Zeit für eine Grafik. Ich hab mal etwas gebastelt.

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So male ich mir immer etwas auf, wenn ich wissen will, welche Pflanzen an welcher Stelle miteinander in Beziehung stehen und welche Ursprünge hier verbindend sind. Folgen sie einfach den roten Linien und suchen sie mal die Verbindung zu Myrrhe (Commiphora) und Elemi (Canarium). Aber endlich sind wir bei Boswellia und der GATTUNG angekommen.
Man muß sich nur noch ganz viele Knotenpunkte und Verbindungslinien dazudenken. Dort, wo ich jetzt bei GATTUNG nur 5 Knotenpunkte gemalt habe, gehören eigentlich 20 Knotenpunkte hin und ganz oben bei den Arten wären es fast 600 schwarze Pünktchen. Die alle zu kennen ist absolut nicht notwendig. Den Zusammenhang – die Taxonomie – verstehen bringt deutlich mehr. Es ist einfach viel sinnvoller, wenn man weiß, das z.B. Boswellia sacra und Boswellia serrata zur selben Gattung (Boswellia/ Weihrauch) gehören und deshalb eng miteinander verwandt sind und die Myrrhe (z.B.) Commiphora molmol und Elemi/ Canarium luzonicum noch zum selben Tribus gehören und Labdanum damit gar nichts zu tun hat (selbst wenn man bis zur Ordnung zurückgeht). Eine Gattung ist einfach nur eine bestimmte Rangstufe und der Rang sagt nichts darüber aus, wie viele Arten zu einer Gattung gehören. Es gibt auch Gattungen mit nur einer Art. Aber sie können sich ja mal die Gattung Commiphora auf meiner Zeichnung anschauen. Innerhalb der Familie Burseraceae ist Commiphora eine von vielen Gattungen und innerhalb dieser Gattung habe ich 3 Arten aufgelistet: abyssinica, molmol und opobalsamum. Die dazugehörigen Trivialnamen (die dt. Bezeichnungen) lauten Arabische Myrrhe, Somalische Myrrhe und Mekkabalsam. Und genau daran können sie erkennen, warum uns diese Trivialnamen nicht weiterhelfen. Mekkabalsam kann alles mögliche sein und niemand kann garantieren, daß sich nicht viele Leute darunter etwas ganz anderes vorstellen. Zumal Myrrhe häufig in Räuchermischungen enthalten ist, die gern als Weihrauch angeboten werden. Erst Commiphora opobalsamum macht zweifelsfrei klar, von welcher Pflanze gesprochen wird.

Wichtig zu wissen! Der Artname (die korrekte, wiss. Bezeichnung), setzt sich immer aus der Gattungsbezeichnung und dem Artbegriff zusammen. Man spricht in der Nomenklatur auch vom Epitheton (gr.), was so viel wie hinzugeordnet und hinzugefügt bedeutet. Bsp. Boswllia carterii Birdw. Boswellia = Gattung, carterii = Art, Birdw. = Autorenkürzel. Das ist die genaue wissenschaftliche Bezeichnung.

Und jetzt können sie das ja mal mit dem Weihrauch durchspielen. Ich habe mir dazu nur die sieben von Wikipedia aufgeführten Arten herausgesucht, weil ich nicht davon ausgehen kann, daß meine Nachschlagewerke jedem zugänglich sind.

Dazu noch ein kleiner Blick auf das Labdanum? Nicht gefunden? Dann ist alles richtig. Denn die Art Cistus ladaniferus, Familie Cistaceae (Zistrosen) gehört nicht mal zur selben Ordnung. Es gibt überhaupt gar keine sinnvollen Berührungspunkte und trotzdem produzieren auch einige der Malvenartigen (Malvales, das wäre die richtige Ordnung) Harze.

Mit Galbanum Ferula gummosa/ syn. galbaniflua (gehört wie z.B. die Petersilie und der Koriander zur Familie der Doldenblütler/ Apiaceae – da haben wir wieder unser CEAE in der Familienbezeichnung) verhält es sich ganz ähnlich. Der eingetrocknete Saft wird als Gummiresina, Muttersaft und Galbenharz bezeichnet, sieht aus, wie kleine Harzklumpen so aussehen und wird garantiert auch verräuchert. Nur darf man nicht auf die Idee kommen, aus der Beschaffenheit des Rohstoffes Rückschlüsse auf botanische Verwandtschaftsbeziehungen zu schließen. Ferula gummosa ist eben kein Mitglied der Familie Burseraceae.

Zum Schluß noch eine kurze Erklärung zu Kürzeln, die man häufig hinter botanischen Bezeichnungen findet und die oft für Verwirrung sorgen. Da steht z.B. Boswellia bhaw-dajiana Birdw. Klar sind die Gattungsbezeichnung Boswellia, der Artname Bhaw-dajiana und unter dem Trivialnamen Somalischer Weihrauch können sich jedenfalls viele Deutsche etwas vorstellen. Nur was bedeutet Birdw.? Wenn da ein L. stünde wäre es vielleicht einfacher, doch Lenné war es in diesem falle nun mal nicht. Sondern Sir George Christopher Molesworth Birdwood (1832 – 1917), kurz Birdw.


Weihrauch – Teil 2

Weihrauch – Teil 1

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