Duftöl, Ethanol, Wasser – Parfum mischen

Oft sind es die ganz praktischen Handgriffe, die eher notwendigen Arbeitsschritte, an denen viele Menschen scheiten, wenn sie sich ein eigenes Parfum aus Duftstoffen, Ethanol und Wasser mischen möchten. Ich habe zwar schon öfters die einzelnen Stationen auf dem Weg zum eigenen Parfum beschrieben, doch eine der Ideen für dieses Blog war ja auch, gerade die praktische Seite näher zu beleuchten und deshalb verrate ich an dieser Stelle gern, was ich heute alles getan habe, damit das nächste Eau de Fröhliche Parfum bald abgefüllt werden kann.

Schritt 1:
Bereits vor einiger Zeit hatte ich das Öl angemischt. Also den eigentlichen Duft zusammengestellt. Der wird, das ist kein Geheimnis, aus Weihrauch, Iso e Super, viel Galaxolide, Hedion, Rosenbutter, Guajak concr., Bergamotte und Anis bestehen. Einige Kleinigkeiten verrate ich bei diesen Mischungen nicht. Aber für die Hauptrichtung ist wirklich alles da. Für diese Mischung habe ich mir natürlich einige Rohstoffe aufbereitet. So muß z.B. mein zähflüssiges Weihrauchöl in DPG (1:1) aufgelößt werden – sonst könnte man gar nicht damit arbeiten und auch das Guajak concr. habe ich mir in dieser Form erstmal vorbereitet. Sie müssen einfach überlegen, ob sie einen Rohstoff (egal ob natürlich oder synthetisch) so einsetzen wollen und können, wie sie ihn bekommen haben, oder ob es nicht sinnvoll/ notwendig ist, eine Stammlösung herzustellen, mit der sie dann weiterarbeiten. Musk Keton z.B. ist ein ziemlich schwer lösliches, weißes Pulver, was unbedingt erst in DPG (unter kräftiger Hitze) aufgehen muß. Oft sind einige Stoffe auch sehr intensiv und dann fällt es, gerade bei der Arbeit mit kleinen Mengen, recht schwer, diese genau zu dosieren. Kein Problem, verdünnen sie den Stoff, machen sie sich eine 5, 10 oder 20%ige Stammlösung. Dafür gibt es keine Vorschriften. Sie müssen sich nur alles schön aufschreiben, damit das Rezept wiederholbar ist. Wichtig ist: Gerechnet wird mit 1000g. Was nicht heißt, daß nicht auch 100g gehen würden. Zum testen natürlich auch 10. Ich habe/ hatte mir also 1000g Duftöl angemischt. Jetzt fehlten noch Ethanol und Wasser.

Also diesen ersten Teil, den hatte ich schon vor einigen Wochen abgeschlossen und damit die Zeit des Wartens, die Flaschen sind noch in der Druckerei, nicht so endlos erscheint, habe ich heute weitergemacht.

2. Schritt:
Ethanol – Alkohol oder Weingeist. Jedenfalls unvergällt und auf gar keinen Fall Kosmetisches Basiswasser oder noch schlimmer Isopropyl alkohol (Isopropanol/das geht mal gar nicht). Ein richtig guter Weingeist aus der Apotheke – damit hätte Oma früher lecker Eierlikör selber gemacht – ist das Beste und wenn sie den erstmal bezahlt haben, werden sie verstehen, warum an der Theorie, daß Parfum nichts kostet und man nur die blöde Werbung bezahlt, irgendwie irgendwas nicht stimmen kann. Guter, unvergällter Ethanol ist einfach teuer. Es gibt allerdings wirklich eine einzige Ausnahme. Das Vergällungsmittel BITREX (Denatoniumbenzoat – der bitterste Stoff der Welt) hat wirklich keinen störenden Eigengeruch. Wenn man ihnen einen preiswerten, mit BITREX vergällten Alkohol anbietet, dann können sie unbesorgt sein. Das geht!

Ich habe also heute die 1000g Duftöl genommen, diese in einen großen Glasmeßbecher umgefüllt und genau 3000g Ethanol draufgeschüttet, weil ich ein Eau de Parfum herstellen möchte. Ich hätte auch gut 5000 oder 6000g Ethanol nehmen können. Aber dann wäre es ja nur noch ein EdT. Aus Erfahrung weiß ich, daß ich mit dieser Menge hinkomme. Schließlich ist der Ethanol ja auch das Lösungsmittel für das Duftölgemisch und viel weniger Ethanol hätte es gar nicht sein dürfen, weil es sonst durchaus Probleme mit der Viskosität geben könnte – das Parfum könnte klebrig bleiben. Also 1000g Duftöl und 3000g Ethanol. Fehlt noch Wasser.

3. Schritt:
Wasser ist oft das große Geheimnis. Ich weiß zwar auch nicht warum. Aber es ist so. Die Angst aller Hobbymischer lautet EINTRÜBUNGEN, weil man angeblich kein Wasser in Ethanol kippen kann. Der Trick heißt deshalb – tröpfchenweise. man gibt Wasser nur tröpfchenweise zu. Gut, daß kann man tun. Aber das Problem besteht nicht zwischen Ethanol und Wasser, sondern zwischen den im Ethanol gelösten Duftstoffen und dem Wasser. Ohne die Duftstoffe könnten sie so viel Wasser wie sie wollen in einen trockenen Ethanol kippen. Da würde nichts trüb werden. Es kommt erst zu Eintrübungen, wenn unter langsamer Zugabe von Wasser sich die Lösungsfähigkeit des Ethanols verringert und an diesen Punkt muß man sich herantasten. Im aktuellen Falle war dieser Moment bei genau 542g Wasser erreicht. Wenn ich das Parfum vielleicht noch einmal anmische, werde ich die 542g Wasser auf einen Schlag reinkippen und dann umrühren. Das Ergebnis wird das Gleiche sein. So viel Ethanol wie nötig, so viel Wasser wie möglich.

4. Schritt:
Kälteschlaf im Eiskasten. Jetzt setzen sich unter Kälte unlösliche Kleinstpartikel – im Prinzip genau die Stoffe, die für die ersten Anzeichen von Eintrübungen zuständig sind (z.B. Wachse und Farbstoffe) – am Boden der Flasche ab. Dauert etwa 10-14 Tage. Danach wird über dem Bodengrund abgesaugt oder dekantiert. Filtern ist gar nicht notwendig.

Fertig.

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