Parfum mit Ingwer, Limette und Pfeffer

TEIL 1

Die Frage, wie ich anfange ein neues Parfum zu entwickeln, wird oft gestellt und auch wenn das schon alles hier irgendwo in den Untiefen des Blogs geschrieben steht, wird es sicher nicht langweilig werden, wenn ich verrate, was ich heute so gemacht habe. Das neue Eau de Fröhliche ist fertig, die Flaschen sollen am Montag ankommen und bis dahin gilt es die Zeit sinnvoll zu nutzen. Vielleicht ein neuer Duft für die Monats-Serie? Juli, August und September sind schon da, wie wäre es also mit dem Oktober oder dem Juni? Mal was mit Ingwer, das wäre gut. So ähnlich geht es meistens los, nein ganz im Ernst, die Ingweridee trage ich schon eine Weile mit mir herum und heute war der Tag.

Das Ergebnis sieht derzeit so aus.

zahnstocher-2013

Frischer Ingwer enthält sehr viel Citral und reichlich Limonen, zwei Allergene, die ich später – wenn es was wird – auch deklarieren muß. Nur leider fehlt den meisten Ingwerölen genau diese frische, zitrische Kopfnote. Kein Grund zur Panik, man hilft hier mit Limette (oder gleich Citral), Petitgrain und/ oder Grapufruit etwas nach. Die pfeffrige Basis fehlt den Ölen auch recht häufig und da ich nicht Krösus (letzter König von Lydien und dazu recht wohlhabend) bin, muß ich bei meinem Ingweröl auch mit Pfeffer etwas nachhelfen. Ein kleiner Trick von mir! Muskateller Salbei ist hier eine perfekte Ergänzung.

Sie können also schon mal Ingwer, Limette, Petitgrain, Pfeffer und Muskateller Salbei hervorkramen. Lauter schöne, ätherische Öle und ein erster Schritt zum eigenen Parfum und dazu noch rein natürlich. Für später auch etwas Ylang Ylang.

1. Schritt: Richtig wäre es, wenn sie jetzt als allerersten Schritt von jedem Öl einen Tropfen auf einen Riechstreifen geben und sich mal notieren, was ihnen so auffällt – Kopfnote des Öl, Duftverlauf und Haftung.

Danach suchen sie sich eine leere, saubere Dose und wie sie sehen, sind Zahnstocher auch wirklich zu etwas nützlich. Ich habe nichts gegen Zahnstocher, solange sich die Leute bei Tisch (im Beisein anderer) damit nicht im Mund herumspielen – ekelhaft. Also Zahnstocher sind für das, was ich ihnen empfehle, wirklich perfekt.

2. Schritt: Jetzt nehmen sie mal drei Zahnstocher und diese tauchen sie in ihr Ingweröl, drei weitere tauchen sie in ihr Limettenöl, zwei kommen ins Petitgrain, zwei in den Pfeffer und ein Stäbchen für den Muskateller Salbei. Anschließend sperren sie die bedufteten Hölzchen in der Dose ein (Deckel drauf!) und dann heißt es Geduld haben. Wie lange? Na Geduld. Niemand wird ihnen verbieten, nach 10 Minuten dran zu schnuppern, aber Veränderungen würde ich erst nach 2-3 Tagen vornehmen. Deshalb die Geduld. Wenn sie nach 2 Tagen der Meinung sind, da fehlt noch Pfeffer, dann und erst dann fehlt da Pfeffer und sie würzen einfach nach.

Wo bleibt die Basis? Ich höre schon die Rufe und antworte frech: Was interessiert mich die Basis, wenn ich grad mit dem Kopf im Herzen herummische. Wir haben mit Petitgrain und Limette eine wunderbar frische, zitrische Kopfnote (die später mit etwas Grapefruit sogar noch aufgehübsch werden kann – SPÄTER!) und Ingwer, Pfeffer und Muskateller Salbei bewegen sich zwischen Kopf- und Herznote. Von wo aus sie anfangen bleibt ihre Sache. Für solche Dinge gibt es keine Vorschriften. Die meisten HobbymischerInnen beginnen mit der Basis (je mehr, desto besser – Vetyver, Benzoe, Tolu, Peru, Guajak, Galbanum. Der größte Fehler den man machen kann. Die Basis als harziger Duftbrei – vergessen sie`s). Arbeiten sie erstmal mit einer überschaubaren Rohstoffmenge und von welcher Seite sie anfangen ist allein ihre Entscheidung. Lassen sie sich ruhig von Limette, Petitgrain, Ingwer, Pfeffer und Muskateller Salbei überraschen.

3. Schritt: Jetzt wird ihnen klar, daß die vorhandene Mischung ausgebaut werden muß. Logisch. Ich hab nicht behauptet, es würde sich bereits um eine vollendete Komposition handeln. Im Herzen eines Duftes haben Blumen und Blüten einen schönen Platz. Sie sind der Hingucker für die Nase im Zentrum des Parfums (wenn die Nase gucken könnte). Also dann nehmen sie mal einen Zahnstocher und den tauchen sie zur Hälfte (oder etwas mehr) in YLANG YLANG und dann kommt der mit in die Dose. Und wieder heißt es Geduld haben.

So taste ich mich an meine Parfums langsam heran. Genau so.

Zum Thema Ingwer hier etwas mehr.

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