Über Parfum sprechen und schreiben – 2

Parfumbewertungen zwischen Kritik und Selbstinszenierung – Diese Gedanken bleiben aktuell.

Ich (nur ich persönlich, ich, ich, ich) mag keine Ledernoten, mit typischen Chypredüften stehe ich auf Kriegsfuß, richtig rauchige Vetyverdüfte sind nicht mein Ding, Zibet und so Drüsenkram mog i net und wenn Parfums medizinisch riechen (also mich und nur mich daran erinnern), dann zucke ich oft spontan zurück. Na und, trotzdem rieche ich dran, warum denn nicht? Ich interessiere mich für Düfte und deshalb bin ich neugierig und ich käme niemals auf die Idee, nur weil mir persönlich ein Duft nicht gefällt, eine Wertung abzugeben, die über die persönliche Vorliebe hinausgeht. Zwischen eigener Vorliebe, Kritik, Überheblichkeit und Abwertung eines fremden Geschmacks verläuft oft nur ein sehr schmaler Grat.

Neulich war ein Parfumfreund (ein echter Parfumkenner) bei uns im Geschäft, der einen sehr seltenen und sicher auch kostbaren OUD-Duft aus seiner Tasche zauberte: „Vorsicht! Riecht etwas nach gesunder Landluft.“ Lachend hielt er mir den frisch eingesprühten Papierstreifen hin und wirklich, das roch sehr gesund. Landluft, mit allem was dazugehört, ohne jeden Zweifel, echtes OUD. Und wenn ich hier auf eine Schnupperprobe verzichtet hätte, wäre mir ein großartiges Dufterlebnis entgangen. Bleiben sie neugierig – auch wenn es nicht ihr Geschmack ist.

Es ist wirklich nicht immer leicht, ein Parfum zu beschreiben. Manchmal fehlen mir die Worte, oft verstehe ich die Intention nicht und was sollte ich schon sagen, wenn mir die Komposition nicht gefällt? Trotzdem vermeide ich gewöhnliche Vergleiche und Assoziationen, die deutlich unter der Gürtellinie angesiedelt sind oder in der Toilettenschüssel eine sinnvolle Aufgabe haben, weil mir das Thema viel zu wichtig ist und ich Düfte einfach liebe. Verwundert stelle ich deshalb recht häufig fest, mit wie viel Energie und zahlreichen um Originalität bemühten Wörtern genau die Sache in den Dreck gezogen wird, welche die großen Kritiker vorgeben zu lieben. Sicher, oft verbirgt sich hinter vielen Sätzen die totale Leere und vielleicht fällt es schwer, auf die Selbstdarstellung als KritikerIn zu verzichten.

Und weil Leidenschaft für mich oft anders klingt und ich mich immer freue, wenn sich Menschen für einen Duft begeistern können (auch wenn es nicht der meine ist) habe ich hier einige Links aus meinem Blog zusammengetragen, die sich mit diesem Thema befassen. Seien sie großzügig, gerade ihren Freundinnen und Freunden gegenüber und rümpfen sie nicht gleich empört die Nase, nur weil jemand nach Veilchen duftet (was sie an ihre Oma erinnert) und ihnen Moschus lieber ist.

Stinkt wie Klostein, riecht nach Oma

Über Parfum sprechen und schreiben

Riechen lernen

Nischendüfte – von großen Meeren und kleinen Fischen

Alles echt, die reine Natur

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