Parfum mit Ingwer, Limette und Pfeffer

Teil 2

Ich weiß, daß einige Leute mitmischen – mitmischen ist immer gut – und deshalb geht es nun mit dem Ingwer weiter. Wenn sie in den letzten Tagen die Nase in die Dose mit den getränkten Zahnstochern gesteckt haben, dann wird ihnen natürlich aufgefallen sein, daß der Ingwer die Mischung dominiert. Und weil das so ist, weil man diese Erfahrungen einfach sammeln muß, präsentiere ich ihnen hier nicht fertige Ergebnisse, sondern zeige ihnen einfach auf, wie ich mich an einen Duft herantaste. Deshalb geht es heute ein kleines Stück weiter und natürlich können meine Vorschläge auch mit ganz anderen Duftstoffen umgesetzt werden.

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Für den Anfang sind nur folgende Dinge wirklich wichtig.

1. Lernen sie die Eigenschaften ihrer Rohstoffe kennen
2. Arbeiten sie für den Anfang mit kleinen Mengen – tasten sie sich an eine Mischung heran
3. Denken sie nicht, nur weil sie ganz viele, wohlklingende Komponenten haben, es würde automatisch gut riechen.
4. Arbeiten sie doch ruhig erstmal mit ein bis zwei Riechstoffen in der Kopfnote und vielleicht zwei oder drei Komponenten in der Mittelnote.
5. Von wo aus sie anfangen bleibt ihnen überlassen. Die meisten beginnen von der Basis her – das mag vielleicht einfacher erscheinen.
6. Überfrachten sie die Basis nicht. Wer meint, er könne am Ende aus Vetyver, Patchouli, Vanille, Tolu, Benzoe, Weihrauch und Guajak noch alles einzeln erkennen, der irrt. Die Dinge liegen viel zu dicht beieinander, sie harmonieren, verbinden sich und bilden einen einzigen Duftbrei. Vielleicht wohlriechend, aber auf keinen Fall abwechslungsreich.
7. Schauen sie, ob und wie sich die Dinge ergänzen und überlegen sie, ob es mehr um die Einheit des Ganzen oder um die Abgrenzung der Komponenten zueinander geht. Mir ist Letzteres immer lieber und deshalb arbeite ich mit wenigen Rohstoffen und nur deshalb nutze ich auch gern synthetische Riechstoffe (Chemicals). Aber jetzt arbeiten wir erstmal mit ätherischen (natürlichen) Ölen.

Aber zurück zum Ingwer. Der dominiert den Geruch und jetzt wissen wir, bei 3 Teilen Ingwer und 3 Teilen Limette kommt die Limette zu kurz. Also nehmen wir bitte zwei weitere Zahnstocher und tränken diese mit Limette.

Inzwischen haben wir auch begriffen, wie schwer eine Trennung von Petitgrain und Limette in so einer Mischung ist. Genau das meine ich. Was sollte eine Kopfnote aus 4 verschiedenen Zitrusölen, wenn man diese nicht mehr erkennt. Also könnte das Petitgrain später raus. Man könnte es – und so lange man mit getränkten Zahnstochern arbeitet ist eine Kostenexplosion nicht zu erwarten – gleichzeitig schon mal mit Bergamotte versuchen. Sie werden überrascht sein (die Mengen bleiben gleich).

Ebenfalls deutlich zu schwach kommen Pfeffer und Ylang Ylang rüber. Deshalb gibt es nun einmal Pfeffer und einmal Muskateller Salbei dazu und außerdem ein ganzes Holzstäbchen mit Ylang Ylang.

Deckel drauf, Dose schütteln, natürlich gleich noch mal dran riechen und mir glauben! Das entwickelt sich.

Genug für heute. Niemand hat behauptet, es würde schnell gehen. An der Mischung für meinen neuen Duft habe ich ziemlich genau 5 Monate herumgebastelt.

Und hier gleich zum nachlesen Teil 1

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