Mythos Hautchemie

Ein Gastkommentar, der mir besonders am Herzen (oder in der Nase) liegt.

Ronin von parfumo.de
Dieser Gastbeitrag ist die redigierte Fassung eines Blogartikels, den ich auf der Seite parfumo.de unter dem Namen „Mythos Hautchemie“ veröffentlichte. Er entstand als Replik zu der generellen Verwendung des Terminus „Hautchemie“, der herhalten musste als Erklärung für sämtliche unterschiedlichen Duftwahrnehmungen („Meiner besten Freundin steht der Duft, mir nicht – Hautchemie!“; „Mir gefällt der Duft nicht – Hautchemie!“; „Bei mir riecht der nicht nach Rose, sondern voll nach Jasmin – Hautchemie!“; „Das ist doch ein Chypre, merkst Du das nicht? Muss Deine Hautchemie sein …“).

Nun habe ich eine recht solide naturwissenschaftliche Ausbildung und diese Verwendung des Begriffes „Hautchemie“ wollte ich nicht unwidersprochen stehen lassen.

Die Vorstellung, die Haut könnte mit Duftmolekülen reagieren oder auf der Haut würden chemische Reaktionen stattfinden, ist so nicht richtig. Wir riechen Düfte nicht, weil sie reagieren, sondern weil sie unzersetzt in die Gasphase übergehen (d.h. verdampfen). Sie verdunsten also von der Hautoberfläche und gelangen gasförmig in unsere Nase, wo die Geruchsrezeptoren die Düfte dieser Moleküle entschlüsseln (Übrigens: Wie unser Geruchssinn funktioniert ist hochspannend und durchaus umstritten. Äußerst lesenswert ist Chandler Burrs Annäherung an dieses Thema in „The Emperor of Scent“).

1. Duftentwicklung

Tragen wir ein Parfum auf, so gelangt eine alkoholische Lösung eines Duftmolekülgemisches auf unsere Haut. Der Alkohol verdampft sehr viel leichter als alle anderen Komponenten, so dass er zum Dufteindruck praktisch nicht beiträgt, weil schon in kürzester Zeit zum größten Teil verdampft ist (außerdem riecht reiner Alkohol auch nur sehr schwach im Vergleich zu allen Duftbausteinen). Was wir jetzt riechen, hängt maßgeblich von zwei Faktoren ab: Der Konzentration der Duftmoleküle auf unserer Haut und dem Dampfdruck der Moleküle. Diese beiden Faktoren bestimmen die Konzentration der Duftmoleküle in der Gasphase über der Haut – also dort, wo wir den Duft wahrnehmen. Von Molekülen mit hohem Dampfdruck (d.h. schnell verdampfend) sind in der Gasphase mehr vorhanden als von solchen mit niedrigem bei gleichem Verhältnis auf der Haut. Moleküle mit hohem Dampfdruck bestimmen maßgeblich die Kopfnote von Parfüms, die der Basis haben den geringsten Dampfdruck. Was in der Entwicklung eines Duftes passiert, ist dass die Moleküle, die den höchsten Dampfdruck haben, schneller verdampfen, d.h. irgendwann verarmt der Duft an dieser Komponente. Die Entwicklung ist nun, dass diese Komponente weniger wird und irgendwann fehlt (d.h. die Konzentration in der Gasphase hat die Geruchsschwelle unterschritten). Komponenten, die wir vorher nicht erkennen konnten, weil sie von denen der Kopfnote überdeckt wurden, treten zutage. Entgegen unserem Eindruck „Der Amber kommt jetzt erst“ ist diese Note von Beginn an da, wurde aber z.B. von Bergamotte massiv überdeckt.

2. Hautfaktoren, die die Duftentwicklung beeinflussen könnten

2a) Temperatureinfluss

Der Dampfdruck ist temperaturabhängig, d.h. je wärmer die Haut, desto schneller entwickelt sich der Duft. Das bedeutet aber nicht, dass sich die Zusammensetzung des Duftes in der Gasphase verändert, denn alle Moleküle zeigen ja bei höheren Temperaturen einen höheren Dampfdruck. So als Faustregel verdoppelt sich der Dampfdruck bei 10 °C Temperaturerhöhung. Es gibt Abweichungen von dieser Faustformel, z.B. Wasser, aber Duftmoleküle mit ihren chemischen Strukturen gehorchen dieser sehr gut. Somit ist das Verhältnis der Duftmoleküle in der Gasphase unabhängig von der Temperatur. Zur Verdeutlichung kann jede und jeder Düfte parallel auf Handrücken und -gelenk auftragen. Ich trage Düfte zum Testen gerne auf den Handrücken auf, um mehr Zeit zur Verfolgung der Entwicklung zu haben. Dass die Düfte dann signifikant anders riechen als auf dem Pulsbereich wäre mir bisher entgangen. Nur entwickelt sich der Duft am Handgelenk halt schneller als auf dem Handrücken – die Basis wird etwas schneller erreicht. Die Temperaturdifferenz dieser unterschiedlich stark oberflächendurchbluteten Bereiche ist deutlich größer als der zwischen gleichen Bereichen an unterschiedlichen Menschen. Somit ist der Faktor Hauttemperatur als Begründung von „Hautchemie“ ungeeignet.

Eine gewisse Temperatur (ca. 25 °C oder mehr) wird durchaus benötigt, damit die sehr schwer flüchtigen Duftstoffe der Basis (v.a. Moschus) überhaupt einen Dampfdruck erreichen, der oberhalb der Geruchsschwelle liegt. Nun ist bei keiner und keinem von uns Handrücken, -gelenk, Hals oder Nacken unter 25 °C warm, also hat dies keinen Einfluss auf die Duftentwicklung auf unterschiedlicher Haut. Die Entwicklung auf Papierteststreifen allerdings wird durch diesen Effekt massiv beeinträchtigt, ein Teil der Basis fehlt einfach. Dies ist der Hauptgrund für den Unterschied Papier / Haut.

2b) pH-Wert-Einfluss

Der pH-Wert kann den Dampfdruck von manchen Molekülen beeinflussen: Im stark Sauren ist der Dampfdruck von basischen Molekülen verringert, im stark Basischen von sauren Molekülen. Die allermeisten Duftmoleküle reagieren aber weder sauer noch basisch. Selbst die wenigen leicht sauer oder basisch reagierenden Duftmoleküle zeigen im pH-Wert-Varianzbereich natürlicher Haut keine Änderung des Dampfdrucks.

2c) Trockene oder fettige Haut

Nach dem Aufsprühen eines Parfums verbleibt nur sehr selten (abhängig von der Öl-Konzentration des Parfums) ein öliger Film auf der Haut: Das Parfum zieht in die äußeren Hautschichten ein. Dies ist sehr ähnlich der transdermalen Applikation von pharmazeutischen Wirkstoffen oder der Aromatherapie, wo Wirksubstanzen in die Haut gelangen. Jede Haut – egal ob trocken oder fettig – nimmt so unterschiedliche Flüssigkeiten wie Wasser und Öl auf. Sämtliche Parfuminhaltsstoffe werden ebenfalls aufgenommen. Das Verdampfen findet streng genommen also eher aus der Haut als von der Hautoberfläche statt. Eine gewisse Fettlöslichkeit zeigen die Duftmoleküle, was den Dampfdruck leicht verringern kann. Nun sind Parfuminhaltsstoffe (im Vergleich zu Fett) sehr ähnlich in ihrer Polarität, was zur Folge hat, dass die Löslichkeit auch ähnlich ist. Somit ist der Effekt des verringerten Dampfdruckes bei allen Parfumkomponenten gleich. D.h. dass das Verhältnis der Duftmoleküle nicht davon beeinflusst wird, wie trocken oder fettig unsere Haut ist. Somit kann die Haltbarkeit bei extrem trockener Haut verringert sein, nicht aber der Dufteindruck.

Düfte sind so konzipiert, dass sie aus der Haut verdampfen. Was ja unabhängig vom Hauttyp auch so stattfindet. Es gibt aber eine Ausnahme: Wird Parfum auf einen Schweißfilm aufgetragen, so hat es keine Chance einzudringen. Manche Düfte (hoffentlich keine, auf denen „Sport“ oder „Summer Edition“ steht) mögen das gar nicht – einige Guerlains zum Beispiel, die dann eher bitter riechen. Ich kenne das von „Chamade Homme“. Das wirkt in der Tat bemerkbar bitter auf einem Schweißfilm aufgetragen. Interessanterweise roch es genau so, als ich den Duft nach einem selbst gemischten Ölbad aufgetragen hatte. Für das Ölbad hatte ich mir aus Meersalz, Olivenöl und Milch selbst ein rückfettendes Badeöl gemischt. Das war nun etwas viel des Guten – ich hatte einen glänzenden Fettfilm auf meinem ganzen Körper, was eine unüberwindbare Barriere für Parfums darstellte. Auf diesem Fettfilm roch „Chamade Homme“ exakt so wie auf einem Schweißfilm.

Keine Haut ist so „trocken“ (= wenig fettig) wie die Oberfläche eines Schweißfilms. Keine Haut ist so fettig wie die Oberfläche eines Ölfilms. Wenn nun ein Duft auf diesen beiden Untergründen gleich bitter wirkt, dann deshalb, weil er nicht in die Haut eindringen konnte. Das hat nichts mit trockener oder fettiger Haut zu tun. In beide kann der Duft eindringen, weil die Varianz der Hautfettigkeit nicht dieses Eindringen beeinflusst. Der Duft riecht beide Male gleich.

3. Warum nehmen wir Düfte dennoch so unterschiedlich wahr?

Ja, wir nehmen Düfte unterschiedlich wahr. Wenn ich nun dargelegt habe, dass unsere Haut nicht für diese unterschiedlichen Wahrnehmungen verantwortlich ist, was dann?

Es ist nicht die Haut. Es ist nicht die Nase. Es ist das Hirn.

Das Hirn übersetzt die elektrischen Nervenimpulse der Duftrezeptoren für uns in Dufteindrücke. Es vergleicht das Muster dieser elektrischen Impulse mit Dufterfahrungen. Das können direkte Erfahrungen sein: Wir kennen den Duft von Früchten, Blüten, Hölzern und finden diese in Düften wieder. Wer diese Erfahrung nicht hat, kann die Duftnote entsprechend nicht so einfach zuordnen. Wer eine große Parfumdufterfahrung hat, hat es demnach in der Regel viel leichter, Duftnoten zu erkennen. Abweichend von dieser Regel kann es aber auch genau anders sein: Wer eine lange Erfahrung mit klassischen Colognes hat, für den ist Orangenblüte abgespeichert als Neroli in einem Kontext aus zitrischen und etwas krautigen Noten. Ein Duft wie „APOM pour homme“, in dem die Orangenblütennote wirklich wie blühende Orangenplantangen und nicht wie Pomeranzen riecht, in einem Kontext ohne zitrische oder krautige Noten, sondern Amber und Zeder, ist eine Herausforderung für erfahrene Parfumnasen.

Den Duft von Rosen kennen wir oft nicht durch das Riechen an selbigen (beim Züchten der aktuellen Sorten wurde der Duft wohl irgendwie vergessen), sondern unser Duftbild ist geprägt von Rosenöl – als Komponente von Parfums oder anderen parfümierten Dingen. Nun riecht Rosenöl eben nicht exakt wie blühende Rosen: bei der Destillation können nicht alle Substanzen unzerstört ins Öl überführt werden. Neuere synthetische Duftstoffe oder Absolues kommen der blühenden Rose näher – und riechen für die gleichen ausgefuchsten Parfumonasen wegen der Rosenölerfahrung weniger nach Rose! So ist es nicht verwunderlich, dass die zentrale, dominante und sehr natürlich riechende Rose in „Lumière Noire pour homme“ mit ihrem ungewohnten krautigen Kontrast, bar jeder Aldehyde und fruchtiger Kopfnoten, für Parfumunbedarfte leichter zu erkennen ist als für so manch erfahrene Nase.

Bei Düften ist also die Duftzuordnung sehr stark von Erfahrungen geprägt. Wir alle haben unterschiedliche Dufterfahrungen.

Die Zuordnungsunterschiede beeinflussen auch einen anderen Aspekt der Hirnleistung bei der Verarbeitung von Gerüchen: die Duftwahrnehmung. Düfte, die wir besser zuordnen können, nehmen wir stärker wahr. Unser internes „Ranking“, welche Duftnote dominant ist und welche im Hintergrund, hängt somit auch von unser Dufterfahrung ab. Wer z.B. häufig Iris gerochen hat, dem wird diese Note in einem unbekannten Duft dominanter vorkommen als anderen.

Es gibt darüber hinaus geschlechterspezifische Unterschiede bei der Wahrnehmung von Duftnoten und (wenn sie vorhanden sind) von Pheromonen. Auf diesen wichtigen Aspekt mag ich hier nicht weiter eingehen, denn es würde den Rahmen sprengen. Festhalten möchte ich hier nur, dass auch dies ein Unterschied der Wahrnehmung ist, nicht der Haut.

Zuordnungsunterschiede, Wahrnehmungsunterschiede und emotionale Verknüpfung mit Duftnoten sind so gut wie immer die Gründe für unterschiedliche Dufteindrücke. Unsere Haut unterscheidet sich als Träger für Duftstoffe nur marginal. Hautchemie ist ein Mythos.

4. Generelle Anmerkung

Wäre ich ein Parfumeur oder ein Riechstoffchemiker, der neue Duftmoleküle entwickelt, hätte ich in der Regel keinerlei Interesse, dass mein Parfum bzw. mein neu synthetisiertes Molekül auf unterschiedlichen Menschen einen unterschiedlichen Geruch erzeugt: Ich hätte ein Konzept, eine Idee, die ich umsetzen möchte. Mir wären die unter 3. angerissenen Zusammenhänge wohlbekannt. Neben diesem zu berücksichtigenden Faktor würde ich mich doch nicht noch einer weiteren Unwägbarkeit aussetzen wollen.

5. Häufig gelesene Behauptungen oder Fragen:

5a) „OK, unsere Haut reagiert nicht mit den Duftmolekülen. Aber jeder von uns hat doch Bakterien auf der Haut. Können die nicht die Duftmoleküle zersetzen, wie sie es ja auch mit Schweiß machen, und dadurch den Duft verändern?“

Im Prinzip wäre so etwas denkbar. Im Prinzip. Teile der Bakterien unserer Hautflora haben sich über die Evolution darauf spezialisiert, sich von Inhaltsstoffen des Schweißes zu ernähren. Da diese genügend Nahrung auf unserer Haut finden, verbreiten sie sich dort auch entsprechend. Diese Bakterien sind aber auf Schweißinhaltsstoffe spezialisiert. Ein Duftmolekül können sie deswegen noch lange nicht verdauen. Schaut man sich die chemischen Strukturen von Duftmolekülen an, vergleicht diese mit den Bestandteilen des Schweißes und wie diese zersetzt (d.h. verdaut) werden, ist schnell augenfällig, dass praktisch alle Duftmoleküle leidlich unverdaubar sind.

5b) „Auf der Haut meiner besten Freundin riecht der Duft toll, auf meiner nicht! Hautchemie!“

Wer einen Duft aufträgt, ist ihm über lange Zeit in hoher Konzentration ausgesetzt. Erst recht bei Spritzern auf Brust bzw. Dekolleté, wo die Düfte direkt in die Nase steigen. Wer den Duft an anderen erschnuppert, nimmt ihn deutlich verdünnt wahr und auch nicht ununterbrochen über Stunden. Manche Düfte erscheinen uns in hoher Konzentration penetrant, in Verdünnung schön. Mir geht es mit Gourmands so: Ich mag manche gerne an anderen riechen, mir geht es allerdings schnell auf die Nerven, z.B. wie ein Frühstücksbrötchen mit Aprikosenkonfitüre zu duften. Ist es nicht auffällig, dass die gegenteilige Aussage („an mir toll, an meiner Freundin schrecklich“) fast nie zu hören ist?

5c) „Auf der Haut meiner Mutter riecht Chanel No. 5 toll, auf meiner nicht! Hautchemie!“

Es könnte der gleiche Grund wie unter 5b) sein. Hier kommt aber noch die Dufterfahrung hinzu: Wir verknüpfen Düfte mit Personen, wir kennen Chanel No. 5 aus unserem Umfeld und haben daraus ein Bild entwickelt „zu wem der Duft passt“ (d‘accord), „zu welcher Haut der Duft passt“ (Widerspruch meinerseits). Ich kann Herrenklassiker der 60/70er Jahre nicht schätzen; die soll mein Vater tragen. Denn an ihm habe ich diese Düfte kennen gelernt. Sie riechen gleich auf seiner und meiner Haut, trotzdem passen die für mich nicht zu mir, weshalb mein Hirn dafür sorgt, dass ich sie anders wahrnehme.

5d) „Auf dem Papierstreifen riecht der Duft komplett anders als auf meiner Haut. Also gibt es Hautchemie!“

Unter 2a) habe ich etwas dazu geschrieben. Parfumeurinnen/Parfumeuren und ihren Auftraggebern ist sehr bewusst, dass die Kaufentscheidung gerade bei Designerdüften maßgeblich von dem Papierstreifeneindruck abhängt. Die meisten synthetischen Moschussorten, das Zibeton des Zibets und wichtige Komponenten der Harze wie Labdanum oder Amber aber sind kaum auf dem Papierstreifen riechbar. Möglicherweise ist das der Grund, warum Amberdüfte eher im Nischenbereich populär sind und warum im Designduftbereich die Moschuskonzentrationen immer höher werden (20 % Dihydromyrcenol in „Cool Water“; „Le Mâle“ besteht fast nur aus Moschus) – so hoch, dass sie selbst auf dem kalten Papierstreifen erkennbar sind.

Vanillin hat übrigens eine so geringe Geruchsschwelle, dass es auch auf dem Papierstreifen leicht zu riechen ist, obwohl es eine typische Basisnote ist.

Die Beschaffenheit von Papier (z.B. Oberflächenstruktur, das nicht so umfänglich mögliche Eindringen wie unter 2c beschrieben) begründet noch einige andere Unterschiede zur Haut als Duftträger. Diese haben vielleicht auch Auswirkungen auf unterschiedliche Wahrnehmung, die ich aber zu wenig kenne, um sie zu erläutern, weshalb ich sie hier nur kurz erwähne.

5e) „Jeder Mensch riecht doch anders, hat einen anderen Eigengeruch. Der überlagert sich doch mit dem Parfum, also kommt in der Mischung etwas ganz anderes heraus. Hautchemie!“

Menschen riechen unterschiedlich. Und der/die Partner/in riecht am allerschönsten. Gegenfrage: Auf welche Entfernung sind andere Menschen wirklich zu riechen (Knoblauch u.ä. mal ausgenommen)? Wie stark? Sicher überlagern sich natürlicher Duft und Parfum. Aber wie viel intensiver duftet letzteres! Mehr als eine Nuancenverschiebung – wenn überhaupt – dürfte nicht möglich sein.

Menschen reagieren teilweise stark auf den zum großen Teil unbewusst wahrgenommenen Duft anderer Menschen. Das Geschlecht und damit Pheromoninformationen sowie eine große Mischung anderer unterschiedlicher Umstände sorgen dafür, ob „die Chemie“ stimmt. Das alles sind aber Wahrnehmungsfaktoren – Unterschiede, die von unserer Genetik via Hirn und Psyche gemacht werden. Nicht via Haut.

5f) „Dieser Duft steht nur einer blonden Frau. Da es eine Korrelation zwischen Haut- und Haartyp gibt: Hautchemie!“

Ähm, ja. „Tabac Blond“ passt meiner Meinung nach in der Tat am besten zu einer großen, blonden, begehrenswerten, eher extrovertierten, rauchenden Frau. Aber nicht aufgrund des Hauttyps (es gibt blonde Frauen mit trockener, fettiger oder Mischhaut). Sondern weil ich der Meinung bin, dass ein Parfum mit ausgeprägter Sillage eher zu besagtem Typ Frau passt. Es geht also um persönliche Meinung und Assoziation, die hier auf einen Typ (und damit auf einen Hauttyp) übertragen werden. Der Unterschied geht also vom Riechenden aus – nicht von der gerochenen Haut und ihrer „Chemie“. Außerdem ist „Tabac Blond“ für mich so eng mit meiner Freundin verknüpft, dass ich mir gar nicht vorstellen mag, dass jemand anderes den Duft trägt.

Quellen bzw. weitergehende Lesetipps
Jean-Claude Ellena: „Perfume – The Alchemy of Scent“, 2011, Arcade, S. 13 ff.
Der Artikel MYTHOS HAUTCHEMIE auf Parfumo
INTERVIEW MIT PROF. HUMMEL – FORSCHUNGSZENTRUM GERUCH
DIE WAHRNEHMUNG DER WAHRNEHMUNG

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