Unterschiedliche Duftwahrnehmung

kann vielfältigste Ursachen haben. Manchmal entscheidet schon die Tagesform, oder die Fähigkeit, einen Geruch überhaupt erkennen zu können. Einige kurze Überlegungen zum Thema, einige Beobachtungen und Gedanken, die um Anosmien und Adaption kreisen. Mehr nicht.

Die wirklich an Düften interessierten Menschen erkenne ich oft daran, daß diese nicht das Gesicht verziehen, wenn sie an einem neuen Parfum riechen. Auch dann nicht, wenn es ihnen persönlich einfach nicht so richtig gefällt. Die Unterteilung gutes Parfum, schlechtes Parfum bleibt aus und zwischen Kritik am Duft und den eigenen Vorlieben wird sauber getrennt. Dufteindrücke verarbeiten und diese zu kommunizieren scheint nicht immer ganz einfach zu sein – muß vielleicht erlernt werden. Deshalb steht im Laden ein kleines Schränkchen mit vielen Riechstoffen – natürlichen, ätherischen Ölen, Harzen, Balsamen, Resinoiden und zahlreichen Chemicals – deren Verwendung und Einsatzmöglichkeiten ich durchaus zu erklären vermag. Wenn ich nur das Gefühl habe, auf ehrliches Interesse zu stoßen. Wer glaubt, mit Sicherheit zu wissen, wie Sandelholz riecht und gern Vorträge über Moschus und Moschusochsen in Parfums hält, geht häufig so wieder raus, wie er reingekommen ist – ahnungslos. Kein Problem. Aber ich freue mich immer wieder, wenn Menschen kommen, die mich gezielt ansprechen und die gern mal wissen möchten, wie mein Lieblingsriechstoff riecht und welches z.B. ein sehr weitverbreitetes Moschus-Chemical ist. Galaxolide. Schnell die kleine Flasche herausgeholt und der Kundin/ dem Kunden unter die Nase gehalten und schon schwebt ein großes Fragezeichen über dem Kopf. Erste Erfahrung: Ich rieche da nichts. Glauben sie mir, dies ist kein Witz und auch gar nicht schlimm – zumal sie mit dieser Erfahrung nicht alleine stehen. Gerade die modernen Moschus-Chemicals Galaxolide, Ethylene brassilate oder auch Tonalide werden von vielen Menschen nicht oder nur sehr schwach erkannt, ohne dass diese Menschen das wissen. Ich würde nicht mal von Beeinträchtigung sprechen. Man merkt es erst, wenn man die Möglichkeit bekommt, an den Chemicals selber zu schnuppern. Sicher, unser kleines Geschäft ist keine große, teure Parfumerie. Aber diese Erfahrung können sie bei uns vielleicht machen.

Nur warum merkt man das fast nie selber, wo man doch so viele Parfums kennt, sammelt und täglich von Duft umgeben ist? Ganz einfach deshalb, weil ein Parfum z.B. aus 100 und mehr Einzelkomponenten bestehen kann und es nicht auffällt und stört, wenn eine davon nicht richtig wahrgenommen wird. Ein Zustand, der zudem durchaus von der Tagesform und von vielen anderen Faktoren beeinflusst wird. Ich würde behaupten, daß man es ein Sück weit sogar trainieren und erlernen kann. Trotzdem würde ich mich nicht wundern, wenn die Forschung irgendwann zu dem Ergebnis kommt, daß Menschen in Sachen riechen z.T. sehr unterschiedliche Voraussetzungen haben (bei Augen und Ohren ist uns das längst bekannt) und vielleicht sogar nicht jeder für jeden Geruch die passenden Rezeptoren hat. Wundern würde es mich nicht. Wissen sie wirklich, wie Sandelholz riecht? Sicher?

Dann verrate ich ihnen mal ein Geheimnis. Mit Sandelholz ist es ganz ähnlich wie mit den Moschuschemicals. Das Stoffgemisch aus Sesquiterpenalkoholen, Santalol, Santalylacetat, Santalal und Komponenten wie Santen, Geraniol, Linalool, Eugenol, Isoeugenol und Guajacol (es sind noch viel mehr) wird sehr, sehr häufig nur schwach, manchmal gar nicht und mit Sicherheit nicht von allen Menschen gleich wahrgenommen. Und jetzt machen wir das mal mit einer Rose. Hauptbestandteile sind Citronellol und Geraniol, dazu kommen noch Linalool, Farnesol, Hexenol, Eugenol, Methyleugenol, Citral und Carvon. Für den typischen Duft verantwortlich sind aber Rosenoxid, Rosenfuran, Phenylethylalkohol, Damascenon uvm. Nur was, wenn sie Phenylethylalkohol gar nicht oder nur sehr schwach riechen können – aus was für Gründen auch immer? Dann wird aus einer Rose schnell eine Geranie und aus einem Kommentar zu einem Rosenduft vielleicht etwas vorschnell ein Verriss. Im Gegensatz zu den anderen Sinneseindrücken Sehen und Hören sind wir uns der unterschiedlichen Geruchswahrnehmungen häufig nicht bewußt und wir haben schon gar nicht gelernt, diese richtig zu kommunizieren. Wie wollen sie einen Rosenduft erklären? Erklären sie einem Menschen, der Rose natürlich als blumig empfindet, den Geruch von Phenylethylalkohol! Ein Mensch, der blau als Farbe nicht erkennen kann, wird trotzdem eine Vorstellung davon haben, weil neben dem Himmel und einer oft getragenen Hose, diversen Edelsteinen und der Farbe vieler Augen, ein gewisser, gesellschaftlicher Konsens besteht, was als blau bezeichnet wird/ werden kann. Bei Dufteindrücken ist das ganz anders.

Und jetzt lassen sie sich die Zahl 20 in aller Ruhe auf der Zunge zergehen. Ca. 20% aller Menschen können vermutlich das eine oder andere nicht so riechen wie es riecht. Anosmien sind weiter verbreitet als wir denken – wir merken es nicht, weil es selten den ganzen Bereich des Riechens betrifft, sondern nur kleine Ausschnitte.

Unterschiedliche Duftwahrnehmungen können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Das Thema wird uns weiter beschäftigen und mit der Adaption mache ich morgen weiter. Lustig finde ich jedenfalls nur, daß wir unseren Augen oft nicht trauen, aber Fehleinschätzungen unserer Nase vehement verneinen.

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