Vom OUD, dem Phloem, dem Seidelbast und

dem Hyphen.

Artikel IV zum Thema OUD/ Adlerholz

Lauter schöne Begriffe, die unheimlich wichtig klingen und dem geneigten Kunden, der erfahrenen Kundin signalisieren, hier wird fachkundig über Parfum gesprochen. Nicht zu vergessen Fusarium trifosfirum. Na alles klar? Man möchte wissend nicken, klingt doch logisch und um die Sache abzurunden, könnte man beiläufig noch erwähnen, daß wohl auch FUSARIUM SPP (geh. zur Gattung der Schimmelpilze) zum Einsatz kommt; natürlich zusammen mit einer Zuckerlösung, weil es sonst nicht so gut funktioniert. Damit beeindruckt man den Verkäufer garantiert, der anschließend mit den verschiedenen OUD-Jahrgängen kontert.

Bitte nehmen Sie mir diese Einleitung nicht krumm, aber ich kann das teilweise hochgestochen pseudowissenschaftliche Gequatsche zum Thema OUD/ Adlerholz – wo einer nur vom anderen abschreibt – irgendwie nicht mehr hören. Als wenn es für den Kunden von Belang (gar kaufentscheident) wäre, zu wissen, was FUSARIUM SPP bedeutet. Um es abzukürzen und auf eine einfache Formel zu bringen: Die Bäume werden, wenn sie nicht auf natürliche Weise von einem Pilz befallen werden, mit einer Zuckerlösung und den darin enthaltenen, verschiedenen Pilzsporen (verschiedene Arten Schimmelpilze kommen dabei zum Einsatz) geimpft. Die Frage, ob das auch für Veganer geeignet ist, lasse ich erstmal unbeantwortet. Gebe aber zu, daß mir dabei neulich der Mund offen stehenblieb.

So, aber nun erstmal Tee und dann geht es der Reihe nach weiter. Nicht das Kernholz ist entscheident, sondern die Rinde, der Bast.

rinde_kernholz_querschnitt

Wobei ich versuchen möchte, einige für OUD wichtige Dinge auf einfache und verständliche Art zu erklären. Und in diesem Falle ist der botanische Ordnungsbegriff Thymelaeales/ Seidelbastartige (Familie Thymelaceae/ Seidelbastgewächse) doch von Bedeutung. Es ist nämlich genau dieser Seidelbast, der die Entstehung des ach so teuren Rohstoffes begünstigt. Nur am Rande sei noch einmal erwähnt: Neben Aquilaria als Hauptlieferant wird auch die Gattung Gyrinops zur Erzeugung von OUD verwendet.

Aber was bedeutet Seidelbast? Ganz einfach. Der Seidelbast ist die Rinde, die Borke, die äußere, lebendige Hülle, der Schutzmantel des Baumes. In dieser lebendigen Schicht des Baumes – das feste Kernholz ist mehr oder weniger totes Holz – finden sich die Leitbündel, die Leitungsbahnen – das PHLOEM. Hier, im Phloem, werden die Nährstoffe zusammen mit dem Wasser aus den Wurzeln (von unten) nach oben aufsteigend in der ganzen Pflanze verteilt und die als Ergebnis der Photosynthese im Blattgrün entstandenen Energieträger Zucker und Proteine, werden von oben nach unten transportiert. Und die Seidelbastgewächse zeichnen sich durch ein sehr ausgeprägtes Phloem aus, weil ihre Rinde eine besondere Eigenschaft hat: Sie ist sehr faserig, fest und man kann die Rinde in langen Bahnen – so wie man sich Bast vorstellt – abziehen und für die Papierherstellung war dieser Bast lange Zeit von großer Bedeutung.

Damit wären die Begriffe Seidelbast und Phloem schon mal erklärt.

Mykose. Der Rest ist eigentlich relativ einfach. OUD als Duftstoff ist das Ergebnis eines Pilzbefalls. Es handelt sich hierbei um eine parasitäre Infektionskrankheit und in Abwehrreaktion auf den Pilzbefall entsteht bei den Gattungen Aquilaria und Gyrinops der begehrte Rohstoff. Solche Infektionen kommen in der Natur häufig vor und es trifft nicht nur Bäume (manchmal auch Füße). Die Namen dieser Pilze halte ich für völlig unwichtig. Im natürlichen Umfeld der Bäume sind das wohl hauptsächlich PHIALOPHORA PARASITICA und PHOMOPSIS AQUILARIAE und weil aus Artenschutzgründen Aquilaria für die OUD-Produktion angebaut wird, bedient man sich heute verschiedener (oben genannter) Schimmelpilzkulturen, die z.B. in einer Zuckerlösung in den Seidelbast (in die Rinde/ in das Phloem) injiziert werden. Der Baum erkrankt.

Warum? Weil der Pilz sich in den Leitungsbahnen ausbreitet und dabei den Transport der Nährstoffe behindert. Wenn wir nämlich einen Pilz betrachten, dann sehen wir immer nur den äußeren Teil und wenn der für den Kochtopf geeignet ist, macht das noch viel mehr Freude. Im Boden aber steckt ein weit verzweigtes Netz, ein Geflecht aus weißlichen Fäden/ fadenförmigen Zellen – dem Hyphen (ist grich. und heißt Gewebe). Und je mehr sich der Pilz im Phloem, im Seidelbast (der Rinde) ausbreitet, um so mehr behindert er den Nährstoffaustausch zwischen Blattwerk und Wurzeln – der Baum stirbt langsam ab. Sicher vegan, trotzdem nicht sehr sympathisch (wenn man es so betrachtet) – sorry, das konnte ich mir grad nicht verkneifen. Ein Vorgang der Jahre dauert und je länger das Gemisch aus Pilz, Seidelbast, Nährstoffen, Flüssigkeiten etc. miteinander reagiert, um so kostbarer das OUD.

Nur woran erkennt man nun, ob es sich um echtes OUD oder um einen oder mehrere synthetische Duftstoffe handelt? Ich weiß es nicht!!! Aber ich verdanke einem freundlichen Kunden eine Parfumerfahrung mit garantiert echtem OUD und deshalb würde ich es mal so formulieren: Wenn ihr Parfum kräftig nach gesunder Landluft schnuppert, dann handelt es sich vermutlich um echtes OUD.

Artikel 1 zum Thema OUD: Roxb. und alles OUD oder wie oder was?
Artikel 2 zum Thema OUD: Von OUD, Adlerholz und Seidelbastgewächsen.
Artikel 3 zum Thema OUD: Adlerholz – OUD – Aquilaria

2 Kommentare zu “Vom OUD, dem Phloem, dem Seidelbast und”

  1. Doktor

    Das nenne ich großartige, qualitative Beitragsarbeit. Klasse!

  2. » Wir sind in OUDstimmung… - ALzD – Dufttagebuch

    […] von Oud, ist also in der Lage, mehr oder weniger gezielt Oud zu „produzieren“ – siehe auch den schönen Artikel bei Erik Kormann in seinem aromatischen Blog. Darüber hinaus gibt es mittlerweile auch diverse synthetische Duftmoleküle, die Oud […]