Parfum, Glück und Bell Flavors & Fragrances

Man muß auch mal Glück haben.
Diese einfache Erkenntnis setzte sich im vergangenem Sommer in meinem Kopf fest und während ich so überlegte, wie ich die Sache mit dem Glück etwas befördern könnte, entdeckte ich in der Umgebung von Leipzig die Firma Bell Flavors & Fragrances, Duft und Aroma GmbH. Was für ein Zufall, wo ich doch selbst in Leipzig geboren wurde, einige Freunde dort leben, ich auf dem Cospudener See regelmäßig zum Windsurfen bin und mein Herz noch immer an der Stadt hängt.

Der Grund für meine Suche nach dem Glück ist nämlich schnell erklärt und hoffentlich leicht nachvollziehbar. Die von mir in kompletter Handarbeit hergestellten Parfums JULI, AUGUST, SEPTEMBER, EAU DE FROEHLICHE 1, EAU DE FROEHLICHE 2 und der STEAMPUNK verkauften und verkaufen sich so gut, daß ich einfach nicht immer wieder genügend davon neu anmischen konnte, und ich die Zeit, die ich für die Herstellung benötige, doch viel lieber für die Entwicklung neuer Ideen und Rezepte nutzen würde. Nur was soll man tun, wenn man in Kleinstmengen produziert und eine sprunghafte Steigerung des Umsatzes nicht für sofort zu erwarten ist?
Die Arbeit mit Kleinstmengen ist umständlich und bringt nicht viel ein – so die bisherigen Erfahrungen. Doch letztes Jahr im September sollte sich das schlagartig ändern. Nach einer schönen Surf-Session auf dem Cospudener See faßte ich mir ein Herz, rief bei Bell Flavors & Fragrances in Leipzig/ Miltitz einfach an, ließ mich mit der Parfumerieabteilung verbinden und hatte sofort den Parfumeur Dr. Sebastian Reuter am Telefon. Es war ein sehr interessantes Gespräch mit zahlreichen Tips und Empfehlungen und auf die Frage, ob man vielleicht auch eine Kleinstmenge eines Rezepts ausmischen könnte, kam nicht sofort ein Nein, sondern die Gegenfrage, „warum denn nicht, da werde ich mich sofort erkundigen. Wir sollten uns mal treffen.“

Mein Glück hat also einen Namen, sieht aus wie eine Glocke mit Erdbeere und befindet sich in Leipzig/ Miltitz.

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Zwei Wochen später war es dann endlich so weit. Ich nutzte einen Vormittag mit reichlich Wind, um mich auf dem Wasser mal so richtig auszutoben, anschließend packte ich Segel, Board und den ganzen Rest vom Surfzeug ins Auto und fuhr nach Miltitz raus, wo ich am frühen Nachmittag endlich Dr. Sebastian Reuter treffen sollte.

Miltitz ist ein Ortsteil von Leipzig, der Ende der 90er Jahre eingemeindet wurde und in Sachen Parfumerie und Duftstoffherstellung blickt man hier auf eine lange, erfolgreiche Tradition zurück. Die bereits 1829 (im frühen 19. Jahrhundert) von dem Drogisten Ernst Ludwig Spahn und dem Apotheker Gottlob Eduard Büttner gegründete Firma Spahn & Büttner (später Schimmel & Co.) zog 1900 nach Miltitz um, weil eine Vergrößerung der Produktionskapazitäten notwendig geworden war.
Hier, vor den Toren der Stadt, wo man schon seit den 1880er Jahren bereits ölhaltige Pflanzen und sogar Rosen angebaut hatte, entstanden ein neues Werk und eine Wohnsiedlung für Arbeiter und Angestellte, und völlig zu Recht kann Miltitz auch als Wiege der Aroma- und Duftstoffindustrie bezeichnen werden. Bereits 1891 wurden eigene Destillationsanlagen in Betrieb genommen, 1895 erfand man hier das erste, künstliche Neroli und 1906 isolierte Heinrich Walbaum den Moschusriechstoff Muscon.

1948, nach dem 2. Weltkrieg wurde der Betrieb enteignet und als VEB Chemisches Werk Miltitz (Leipzig) bis zur politischen Wende in der DDR fortgeführt. 1993 übernahm Bell Flavors & Fragrances das Werk von der Treuhandanstalt und nachdem viel Geld und Know-how investiert und das alte Werk komplett modernisiert und der Standort deutlich vergrößert wurde, gehört die Fabrik heute zu den Großen der Branche in Europa und die Zahl der MitarbeiterInnen, und das ist wohl eine der wichtigsten Zahlen, stieg von 65 (1993) auf aktuell 250.

Und da war ich nun in Miltiz, wo man schon am Ortseingang hin und wieder auf das Markenzeichen – die Glocke mit der Erdbeere – von Bell aufmerksam gemacht wird. Rechts noch die alten Produktionsstätten aus rotem Backstein und dann das neue, moderne Werk. Ich darf mein mit Surfzeug voll beladenes Auto in Sichtweite des Pförtners parken, bekomme einen Passierschein und 5 Minuten später stehe ich Dr. Sebastian Reuter und Ines Senger (Sales Managerin Fragrances) gegenüber. „Hi, ich bin Sebastian, das Dr. kannste weglassen, und das ist meine Kollegin Ines, die sich mit dazusetzen wird.

Ich erzähle von meinen Parfums, den Plänen für die Zukunft und schildere die Probleme, wenn man so wie ich in Kleinstengen produziert. Teure Rohstoffe, viele Riechstoffe sind gar nicht zu beschaffen (oder man bekommt keine MSDS-Papiere dazu) und die kontinuierliche Fertigung in Serie ist so gut wie nicht möglich. Ständig holt Sebastian neue Riechstoffe mit dazu und gemeinsam einigen wir uns auf ein erstes Projekt, bestehend aus drei Düften: STEAMPUNK, JULI (No. 7) und DEZEMBER (No. 12). Und auf meine vorsichtige Frage hin, was die Geschäftsleitung dazu sagen und ob das Projekt wohl genehmigt werden wird, erläutert Ines mit einem einzigen Satz, warum auch solche Vorhaben hier in Miltitz möglich werden: Exzellenter Service, der einfach viel möglich macht, gehört zu Bells Philosophie. Stimmt.

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Ende Teil 1

Stimmen aus dem WWW

1. STEAMPUNK auf NOW SMELL THIS

2. STEAMPUNK auf CA FLEURE BON

3. STEAMPUNK im DUFT-TAGEBUCH

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