Von grünen und goldenen Äpfeln

Das Apfeldrama in der DDR begann meiner Erinnerung nach Mitte der 80er Jahre, weil grüner Apfel plötzlich irgendwie allgegenwärtig war. Zuerst roch der Pulli der Freundin danach, dann ihre Haut, später ihr Haar und nach einer Weile begriff ich, auch ich selber roch wie ein frischer, grüner Äpfel. Nicht, daß ich etwas gegen grüne Äpfel haben würde, aber wenn es in der DDR mal Dinge gab, dann gab es sie richtig und grüner Apfel war so eine Sache.

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Die Schuldfrage ist im Prinzip leicht geklärt. VERDOX heißt der Riechstoff, der für den Duft von grünen Äpfeln verantwortlich ist und entwickelt wurde das Zeug von der IFF. Beschweren sie sich bei Bedarf also bei den Amis. Da ich grad keine Zeit hab, verzichte ich darauf, all die notwendigen Daten wie CAS. und EINECS-Nr. herauszusuchen. Nehmen sie einfach noch etwas Hexylacetat und Diethylmalonat, Damascone und Methyloctincarbonat, vielleicht auch Stemone, Minze und etwas Muskateller Salbei, ein Spritzer Säure (Citral) und natürlich nicht das VERDOX vergessen und so nach und nach werden sie einen schönen, grünen Apfel erhalten. Ich sage nur gleich dazu, mit grünem Apfel bin ich durch.

Doch da wäre ja noch die Sache mit dem goldenen Apfel. Kennen sie die Geschichte? Spannend kann ich nur sagen und viel besser als grüner Apfel. Goldener Apfel ist voller Schönheit und Dramatik, wahrhaftig eine göttliche Geschichte.
Stellen sie sich mal eine rauschende Hochzeitsfeier vor. Ein Hochzeitsfeier für alle Götter, weil Peleus (der später der Vater des Achill werden sollte) die Nymphe Thetis heiratete. Doch halt, nicht alle Götter waren geladen. Eris, die Göttin des Streits, hatte man nicht ganz zufällig bei der Einladung übersehen. Wer will den schon Streit während der Hochzeit. Ganz böser Fehler, denn Eris wäre nicht die Göttin des Streits, wenn es dafür keine passende Rache gegeben hätte. Die findige Göttin nahm einen goldenen Apfel, schrieb darauf „Der Schönsten“ und warf diesen Apfel zwischen die versammelten Hochzeitsgäste. Glauben sie mir, die Party war sofort im Eimer. Schließlich waren alle der zur Feier geladenen Damen nicht gerade häßlich und von sich eingenommen waren sie auf jeden Fall. Drei dieser Göttinnen galten dabei als besonders schön: Hera, Athene und Aphrodite. Nur welche sollte den goldenen Apfel mit der Aufschrift „Der Schönsten“ denn nun bekommen? Zeus, der Göttervater, war klug genug, sich nicht mit derlei Fragen zu beschäftigen. Das konnte nur Ärger geben, weil ja zwei der Göttinnen als Verliererinnen vom Platze gehen würden und von zänkischen, launischen Weibern hatte Zeus genug. Nö nö, solche heiklen Aufgaben delegiert man besser. Gesagt getan und schon sollte sich der Schönste unter den Sterblichen, der trojanische Königssohn Paris (Sohn des Priamos und der Hekabe) damit befassen. Der stattliche Jüngling, von einer Bärin aufgezogen, ruhte sich auf einer Wiese, im Schatten eines Baumes am Berge Ida aus, als plötzlich die drei Grazien vor ihm standen, damit er sein Urteil sprechen konnte. Wer ist die Schönste von uns?, werden sie wohl gefragt haben und etwas Bestechung war natürlich auch mit im Spiel. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Hera versprach dem Jüngling die Herrschaft über große Reiche, die kriegerische Athene den Sieg in jeder Schlacht und Aphrodithe – an Stelle für sie selbst – die Schönste der sterblichen Frauen: Helena, die junge, schöne Frau des König Menelaos von Sparta. Hätte ich auch so gemacht. Was soll man schon mit Herrschaft und großen Siegen, wenn man die Schönste bekommen kann. Paris sprach den goldenen Apfel (den Zankapfel) also ohne lange zu überlegen der Aphrodite zu, Hera und Athene waren stinksauer (was sonst?) und mit Aphrodites Hilfe war Helena alsbald aus Sparta entführt. Natürlich nach Troja, was dann bekanntlich dem Erdboden gleichgemacht wurde. Vorsicht vor goldenen Äpfeln sag ich da nur. Wegen eines einzigen Apfels wurde Troja niedergebrannt.

Und wie macht man aus einem grünen Apfel nun einen goldenen Apfel? Ganz einfach.

Nehmen sie weiterhin VERDOX und geben sie mal etwas Maltol, Vanillin, Undecalacton, Paradisamide (Passionfruit), Alylhexanoat, Magnolan und etwas Citral dazu. Damascone kann übrigens auch hier nicht schaden.

Viel Spaß beim Mischen.

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Hmmm, lecker so ein goldener Apfel.

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