Von Gin und Rauch und Leder

Manchmal stelle ich mir einfach vor, wie etwas riecht, was ich gerne mag, schön oder interessant finde, was mich reizt und mir vielleicht ein Wohlgefühl gibt. So ist z.B. ein richtiger Barbershop durchaus ein Ort, den ich mit Neugier und Freude betrachte, auch wenn ich um meine Haare (ein Bart ist gar nicht vorhanden) nicht so viel Aufhebens mache. Egal, es ist die Atmosphäre. Ledersessel, Colognes, Seifen, Shampoos, Kaffee, manchmal Whisky oder vielleicht Gin. Barbershop ist Musik – A Capella – und bei mir natürlich mit Saxophon. Vielleicht sollte ich jetzt auf dem Klavier „I don’t mean a thing“ von Duke Ellington spielen und irgendwer raucht ein Pfeifchen dazu … Tabak. Das alles paßt und ist mit Geruchseindrücken verbunden.

Saxophon

Gut, Whisky mag ich nicht, aber ein Gläschen Gin …

Das Foto wurde bei Wikipedia entnommen.

Das Foto wurde bei Wikipedia entnommen.

Womit wir schon mal die Kopfnote hätten. Ich sage nur gleich dazu, daß kein geruchlicher Zusammenhang zwischen Kopfnote und der zu kopfe steigenden Wirkung des Alkohls besteht. Also Kopfnote GIN ist immer gut und reicht für so manche Verzückung. Doch wer gerne selber mischt oder sich wirklich für Inhalte interessiert, der nimmt mal lieber Wacholderbeer-Ol. Und ich koch mir zwischendurch einen Tee. Gleich geht es weiter.

Wo war ich stehengeblieben? Bei Wacholder, Juniperus communis.

Juniperus communis, die Zeichnung wurde Wikipedia entnommen.

Juniperus communis, die Zeichnung wurde Wikipedia entnommen.

Der Wacholder gehört zur Ordnung der Koniferen (Coniferales), seine Familie sind die Zypressengewächse (Cupressaceae) und der Gattungsbegriff ist der Wacholder, während das L. im Anhang an die wissenschaftliche Bezeichnung Juniperus auf Carl von Linné verweist.

Wacholderbeeren, Abb. Wikipedia entnommen.

Wacholderbeeren, Abb. Wikipedia entnommen.

Das Öl, welches durch Wasserdampfdest. aus den getrockneten Beeren gewonnen wird, ist recht dünnflüssig, sieht manchmal etwas grünlich aus/ oft farblos und duftet stark nach Rauch und Leder und grünen Koniferen. Toller Stoff, der natürlich in die Kopfnote gehört. Auch wenn man den ganzen Duft in Wacholderbeere ersäufen würde, hätte man keine starke Haftung, man hätte nur einen starken Geruch. Aber in Verdünnung, in Mischung mit Limette, Tetrahydrolinalool oder etwas Koriander, vielleicht auch Orange, wird es ganz wunderbar und erinnert natürlich an GIN, weil der mit Wacholder gemacht wird.

Und für so richtig schön Leder fehlen natürlich noch Labdanum Öl und Isobutylchinolin (riecht eher nach Spargel, aber kommt in 5%iger Verdünnung gut in und als Ledernote). Die stelle ich dann mal gesondert vor. Und für eine richtig gute Ledernote sollte man sich unbedingt noch Osmanthus besorgen. Osmanthus ist so richt edel … und teuer.

Rauch. Ach ja, die Clubatmo – denn so richtige Gentlemen rauchen natürlich – und da hängt Qualm in der Luft. Ist zwar nicht mehr erlaubt, aber der Geruch kann schon schön sein. Deshalb kann man auch das Holz von Juniperus destillieren und man erhält das berühmte Cade-Öl. Dieses Öl riecht pur nicht besonders gut. Unheimlich stark, rauchig, verbrannt und der Duft macht mir immer eine Assoziation an Teer und schwarze Farbe. Klar, es gehen auch Birkenteer und oder Styrax pyrogen (beim Birkenteer auf die Beschränkungen achtgeben!). Aber wer Cadeöl einsetzt, in Lösung und auch die nur sehr knapp bemessen, erhält eine tolle, rauchige Basis. Dazu noch etwas Weihrauch und alles wird gut.

Fertig für heute. Ich muß noch Saxophon üben und möchte Charleston tanzen gehen. Lauter schlne Sachen, die mit dazugehören.

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