Frühlingserwachen auf zarten Flügeln

Ich weiß nicht, ob meine Leser jetzt enttäuscht sind und nach so langer Pause vielleicht etwas anderes erhofft hatten. Doch für mich machen gerade solche Themen den Reiz an der Beschäftigung mit Duftstoffen aus. Also folgen Sie mir nach draußen, kommen Sie mit in den Frühling, atmen Sie tief durch und schauen Sie, ob Sie nicht irgendwo einen ersten Schmetterling entdecken können. Vielleicht einen hellgelben Zitronenfalter oder einen Kleinen Fuchs, die von den ersten Sonnenstrahlen erwärmt plötzlich herumflattern, nachdem sie versteckt vor der Kälte überwintert haben. Denn nicht alle Schmetterlinge tun dies in verpuppter Form und so haben wir das Glück, neben den pflanzlichen Frühlingsboten auch erste Schmetterlinge begrüßen zu können.

Die Idee zu diesem Artikel verdanke ich meinem Vater, auf dessen herrlichem Eßtisch sich immer wieder Fotos, Postkarten, Briefe und Bücher stapeln und genau hier entdeckte ich ein altes Kinderbuch über Schmetterlinge.

Papas Eßtisch 1

Papas Eßtisch 2

Also gab es Tee und Kekse, Fotos und jede Menge Ideen und Information für mich. Ist doch die scheinbare Unordnung, die er immer wieder beklagt, für mich eine schier unerschöpfliche Quelle biologischer und botanischer Informationen. Und so ganz langsam dringe ich zum eigentlichen Grund dieses Blogeintrags vor. Nur noch ein ganz kleiner Umweg, ein Ausstellungsbesuch im Kuperstichkabinett in Berlin (10785 Berlin, Matthäikirchplatz, am Kulturforum), wo man zur Zeit eine kleine, wunderbare Ausstellung über Maria Sibylla Merian (1647-1717) anschauen kann, welche die Tradition der Blumenmalerei/ des Blumenbildes mitbegründet hat.

Ausstellung S.Merian 1

Die kleine Schau spannt einen interessanten Bogen von der floralen Buchmalerei und Ornamentik hin zu realistischen und wissenschaftlichen Naturstudien.

Blumenbild 1

Die Pflanzenbilder wurden schnell mit Käfern und Schmetterlingen ergänzt, aus der Malerin wurde zugleich eine Forscherin und Entdeckerin und mit etwas Phantasie kann man sich vielleicht vorstellen, was es im Jahre 1699 bedeutete, wenn man eine weite Reise mit dem Segelschiff bis nach Surinam antrat. Maria Sibylla Merian erlebte ein unvergleichliches Abenteuer – „Tropenland ist Wunderland. Nichts von dem, was der Blick erschaut, erinnert an die Bilder der Heimat. Nicht der Tag, nicht die Nacht“. Und nun sitze ich hier, blättere in dem kleinen Büchlein der Tropenwunder, was selbst mich gut 300 Jahre später noch fasziniert (welchen Zauber übten die Bilder wohl auf den Betrachter von damals aus?) und irgendwie ist es, als könnte man selbst auf diesem Wege in die Ferne reisen.

Buch, Merian

So hat Papas Eßtisch wieder jede Menge Anregung beschert – alles hat seinen Sinn und seinen Reiz und dies hoffentlich noch lange Zeit – und ich muß jetzt nur noch die Kurve zu den Duftstoffen kriegen. Jenen Lock- und Botenstoffen, den Insektenpheromonen, mit welchen sich auch Schmetterlinge chemisch unterhalten. Insekten produzieren nämlich in bestimmten Drüsen verschiedene Pheromone, die sie an die Umgebung abgeben und die lösen selbst in geringsten Konzentrationen bei den Empfängern einen Nervenreiz aus, der natürlich umgehend beantwortet wird. Auf diese Art finden die Tiere einen Geschlechtspartner, organisieren sich in Kolonien und sorgen gar für Harmonie untereinander – man muß den anderen gut riechen können -, markieren Territorien und finden Nahrungsquellen. Es war Ende der fünfziger Jahre, als ein deutscher Chemiker als Erster den Lockstoff/ ein Pheromon eines weibl. Falters erkannte und synthetisierte. Bombykol, der Sexuallockstoff einiger Schmetterlingsarten (entdeckt beim weibl. Seidenspinner) wird in den Abdominaldrüsen der Weibchen produziert um die Männchen anzulocken. Erkannt werden die Pheromone bei den Männchen mit den Antennen, also den kleinen Härchen – den Sensillen – die sich daran befinden und man hat herusgefunden, daß die Tiere den Botenstoff sogar dann erkennen, wenn nur ein einziges Molekül vorhanden ist. Wahnsinn, ein einziges Molekühl reicht beim Schmetterling aus und wir hingegen sprühen uns von oben bis unten mit Deo und Parfum ein.

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