Nassrasur


Beitrag vom 11. Mai 2008

Rasierseifen sind eine noch recht junge Erfindung der industriellen Feinseifenherstellung, die ihren Siegeszug Anfang des 19. Jahrhunderts mit der Mechanisierung der Seifenproduktion und der Standardisierung der dafür notwendigen Rohstoffe begann. Bereits 1818 wurde das für die Rasierseifenproduktion so wichtige Stearin entdeckt. Es ist ein Glycerin/ Ester Gemisch (Octadecansäure) welches sich aus Palmfett oder Rindertalg herstellen läßt und das über einen sehr hohen Schmelzpunkt verfügt. Aus diesem Grund gibt es nur wenige im Kaltprozeß hergestellte handgemachte Rasierseifen, weil die Verarbeitung bei rund 40 Grad den Einsatz von einem hohen Stearinanteil verhindert. Zudem benötigen gute Rasierseifen auch ein sehr reines und hochwertiges Stearin, welches wenigstens über einen Stearinanteil von 80% verfügen sollte. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Voraussetzungen für die Herstellung von Rasierseifen erfüllt und seit dieser Zeit gibt es das Massenprodukt Rasierseife in unzähligen Variationen.

Um den Einsatz in fernen Ländern zu ermöglichen und dem Anspruch der kolonialen Nassrasierer gerecht zu werden, wurden verstärkt weiche Rasierseifen und Rasiercremes gefertigt, welche mit Kaliumhydroxid und unter Zuhilfenahme von Sodium Borat regelrecht tropenfest gemacht wurden. Man mußte das typische Ausschwitzen der Seifen verhindern, eine Wirkung, die durch den Einsatz von Borax ermöglicht wurde. Die Feuchtigkeit blieb in den Produkten und selbst die tropische Hitze konnte den hohen Gebrauchseigenschaften nichts anhaben.

Der pH Wert von Rasierseifen unterscheidet sich eigentlich nicht von den handelsüblichen Feinseifen. pH (potentia hydrogenii) gibt an, wie sauer oder basisch eine Lösung ist, oder ob sie neutral ist. Dabei gilt pH 0 als extrem sauer, pH 7 bedeutet neutral, pH 14 ist extrem basisch. Alle von mir getesteten Rasierseifen und Rasiercremes lagen zwischen pH 9 und pH 12, wobei auch die Rasierseifen mit einem niedrigen pH-Wert ausgesproche guten Rasurergebnissen zeigten. Was die Erfahrung bestätigt, daß ein hoher pH-Wert allein nicht ausschlaggebend für gute Rasureigenschaften ist.

Man erkennt eine echte Rasierseife am Schaum, der sich mit dem Pinsel herstellen läßt. Ein guter Rasierschaum ist dicht und wirkt sahnig. Es dürfen sich keine oder nur wenige, sehr kleine Luftblasen im Schaum zeigen und ein guter Rasierschaum ist fest und druckstabil. Hält man ihn zwischen den Fingern, so sollte ein Widerstand spürbar sein. Natürlich muß er Feuchtigkeit gut speichern, das Barthaar gut einweichen und so eine angenehme Rasur ermöglichen. Zudem sollten Rasierseifen, da sie länger als andere Seifen auf der Haut verbleiben, mild und rückfettend sein. Achten sie beim Kauf einer Rasierseife auf die Deklaration. Stearin, Stearic Acid, Potassium Stearate und/ oder Sodium Stearate sollten gleich zu Anfang der Ingredients aufgeführt sein.


Beitrag vom 14. Mai 2008

Für viele Männer ist die Nassrasur mehr eine Notwendigkeit als ein angenehmes Ritual. Da greift man gleich zum Dosenschaum oder nimmt sich nicht einmal für eine Minute die Zeit, aus Rasierseife oder Rasiercreme und einem Pinsel einen richtig schönen Rasierschaum herzustellen. Dabei könnte das morgentliche Ritual so viel mehr sein als eine lästige Pflicht. Und wenn ich daran denke, wie viele Männer sich bei mir im Geschäft schon über den schlechten Schaum und die ungenügenden Rasureigenschaften ihrer Rasierseifen beklagt haben, dann werde ich den Verdacht nicht los, das es an der Technik liegen könnte, mit der aus Rasierseife und Rasierpinsel der Schaum aufgeschlagen wird. Mit ein wenig Ruhe - es sind oft die letzten stillen Minuten des Tages - kann man die Nassrasur sehr angenehm gestalten.

Anfängern empfehle ich dabei die folgende Technik. Als erstes das Gesicht schön warm abspülen und nicht abtrocken. Besser wäre es, wenn man vorher duscht. Dann nimmt man den Pinsel, spült diesen gut warm ordentlich durch und schüttelt ihn wieder so aus, daß kein Wasser mehr von alleine heraustropft. Als nächstes drückt man sich 1 bis 2 cm Rasiercreme in die Hand.


Ein Klecks Rasiercreme in die feuchte Hand. Der Pinsel ist auch feucht und es kann losgehen.

Kneten sie die Rasiercreme ruhig richtig in den Pinsel hinein. Keine Sorge, ein guter Pinsel hält das locker aus.


Drücken sie den Pinsel richtig in die Handfläche auf die Rasiercreme. Die Hand ist schön griffig und bietet viel Reibefläche.

Sie werden vielleicht das Gefühl haben, es könnte etwas Wasser fehlen. Doch ich empfehle ihnen noch einige Momente zu warten und die Rasiercreme in den Pinsel hineinzuarbeiten. Die Handfläche wird inzwischen wie angestrichen aussehen.


Die Hand sieht aus wie angestrichen. Jetzt könnten sie mit den Pinselspitzen vorsichtig etwas Wasser zusätzlich aufnehmen.


Noch sieht der Rasierschaum etwas grobporig aus. Ein Zustand, der sich unbedingt ändern sollte!

Bis jetzt sollten etwas 20 bis 30 Sekunden Zeit vergangen sein. Sekunden! Niemand hat behauptet, daß ein guter Rasierschaum viel Zeit kostet. Nehmen sie jetzt den Pinsel zwischen Daumen und Zeigefinger der Hand, in der sie aufschäumen und drücken sie vorsichtig den Schaum aus dem Pinsel heraus.

Auch das hält der Pinsel aus und Gewalt ist gar nicht nötig. Schön sanft drücken und den Schaum aus den Haaren herausquetschen. Wenn sie jetzt den Eindruck haben, es wäre viel zu wenig Schaum und überhaupt würde etwas Wasser fehlen, dann nehmen sie jetzt einfach vorsichtig mit dem Pinsel etwas mehr Wasser auf. Einfach die Spitzen noch einmal anfeuchten. Sollte es so aussehen wie auf dem Foto, dann haben sie gleich die richtige Wassermenge im Pinsel gehabt.

rasierschaum-aus-creme_7.jpg
Wichtig ist, das ihnen der Schaum nicht über den Handrücken wegläuft. Aus diesem Grund lieber mit weniger Wasser anfangen.

Jetzt nehmen sie diesen herausgedrückten Schaum mit dem Pinsel wieder auf und gehen damit noch einmal in die Handfläche. Bei Bedarf noch etwas Wasser und alles schön noch einmal durchrühren.


Den Schaum vom Handrücken mit dem Pinsel aufnehmen und in der Handfläche noch einmal aufschlagen.


Jetzt sollten sich nur noch wenige und sehr kleine Luftblasen zeigen.

Schlagen sie den Schaum in der Handfläche gründlich durch. Ich finde die Hand so praktisch, weil man leicht fühlen kann, ob der Schaum die richtige Konsistenz bekommen hat.


Ein guter Rasierschaum ist fest und sahnig. So speichert er gut die Feuchtigkeit und schützt die Haut während der Rasur, weil er die Klinge gut gleiten läßt.

Ziehen sie nun den Pinsel ruhig noch einmal zwischen den Fingern hindurch und holen sie sich den Schaum für die Rasur aus dem Pinsel heraus. Ein kurzer Test zwischen den Fingern, ob der Schaum gut stabil ist. Leicht kann die Festigkeit erfühlt werden und nun, da etwa eine Minute vergangen ist, können sie sich den Schaum entweder mit den Händen oder dem Pinsel im Gesicht verteilen. Massieren sie dabei ruhig mit kreisenden Pinselbewegungen die Haut und lassen sie den Schaum ein bis drei Minuten einwirken.


Ein letzter Test. Ein guter Rasierschaum sollte etwas Druck aushalten und schön sahnig sein.

Ich hoffe, daß die kleine Anleitung mit Bildern ihnen eine Hilfe ist. Für den Anfang ist diese Methode recht praktisch, weil man den Schaum gut zwischen den Fingern spürt. Wichtig ist, daß der Rasierschaum nicht zu wässrig ist, keine Blasen zu sehen sind - die dann im Gesicht zerplatzen -, die Barthaare gut eingeweicht werden und die Klingen auf dem pflegendem druckstabilen Schaum gut gleiten. Auf diese Qualitätsmerkmale sollten sie unbedingt achten. Hautpflege allein ist zu wenig, denn gute Rasierseifen können mehr als nur pflegen. Sie schäumen gut und darauf sollten sie nicht verzichten, weil ein pflegender Rasierschaum die Haut während der Rasur nährt und schützt.


Beitrag vom 25. Mai 2008

Der Unterschied zwischen Rasierseife und Rasiercreme besteht in der Konsistenz. Rasierseifen sind in der Regel feste Stücke, während die Rasiercreme in Tuben oder Tiegeln angeboten wird. Chemisch gesehen handelt es sich um ganz ähnliche Produkte, die nur dem Zweck dienen, eine Nassrasur zu ermöglichen. Eine Nassrasur, für die Mann einen Pinsel braucht, mit dem der Schaum erzeugt wird. Es gibt auch Rasierseifen, die weder ganz hart noch cremig weich sind; sondern leicht knetbar erscheinen und die mehr an eine Art Schmierseife erinnern. Produkte, welche in ihren Rasureigenschaften und den Schaumergebnissen oft die höchsten Ansprüche der klassischen Nassrasur erfüllen. Darüber hinaus gibt es Glycerin-Rasierseifen, also Rasierseifen, die fast durchsichtig erscheinen und viele andere Seifen, wo Rasierseife draufsteht und sich trotzdem kein guter Schaum erzeugen läßt. Und dabei ist es gerade der Schaum, der eine Rasierseife von einer Seife unterscheidet. Wie schon bei der Rasiercreme in Bildern gezeigt wurde, muß auch der Rasierschaum alle Ansprüche des Nassrasierers erfüllen: Barthaare gut einzuweichen, Haut mit Feuchtigkeit versorgen, Klinge gut gleiten lassen, druckstabil sein und die Haut schützen, mild und nicht reizend sein, ein perfektes Rasurergebniss ermöglichen und die Haut pflegen.

Realisiert wird dies auch bei den Rasierseifen über einen hohen und reinen Stearinanteil, wobei inzwischen bei vielen modernen Produkten auch synthetische Tenside zum Einsatz kommen, die beste Schaumqualitäten garantieren. Und einen guten Schaum erkennen sie an mehreren Kriterien. Ein guter Rasierschaum hat nur wenige kleine, oder kaum sichtbare Bläschen. Er sieht eher aus wie Schlagsahne und kann deshalb die Feuchtigkeit gut speichern. Luftblasen neigen dazu im Gesicht zu platzen und dann liegen die zu rasierenden Hautareale frei, die Barthaare werden nicht richtig eingeweicht, die Haut wird nicht richtig geschützt und die Pflege fehlt auch. Alles was für die Rasiercreme gilt, kann man auch von einer Rasierseife verlangen.

Im Umgang, in der Handhabung, muß man sich bei Rasierseife etwas umstellen. Denn während wohl hoffentlich niemand auf die Idee kommt, in einer Dose Rasiercreme so lange mit dem feuchten Pinsel zu rühren, bis genügend Schaum entstanden ist (was nicht lange dauern dürfte), muß man bei einer festen Rasierseife schon deutlich länger mit dem Pinsel auf der Seife bleiben, bzw. den Schaum komplett auf der Rasierseife erzeugen. Also nur einen Klecks in die Hand oder den Pinsel kurz eingetunkt wie bei einer Rasiercreme, das funktioniert bei Seifen nicht. Hier empfiehlt es sich für den Anfang den Schaum direkt auf der Seife zu erzeugen, oder, nachdem man genügend Seife mit dem Pinsel abgetragen hat, z.B. in der Hand weiter aufzuschlagen. Einen guten Überblick über die verschiedenen Rasierseifen, Hersteller und Händler gibt es unter Zunftwissen.


Beitrag vom 29. Juni 2008

Ich habe mal versucht, mit der linken Hand zu fotografieren, während ich mit der rechten Hand eines meiner Rasiermesser hielt. Denn die Frage, wie man ein Rasiermesser richtig hält kommt ziemlich oft und hin und wieder werden die verschiedensten Strichzeichnungen falsch interpretiert.

Links sehen sie den Blick über den Handrücken und rechts können sie die Position der einzelnen Finger erkennen. Ist eigentlich ganz einfach. Manche Nassrasierer finden es praktischer, wenn Zeige- und Mittelfinger das Messer in der Mitte halten - diese Variante soll wohl mehr Griffsicherheit bieten. Wie sie es machen bleibt aber ihnen überlassen. Genaue Vorschriften gibt es nicht.


Beitrag vom 10. August 2008

Richtige Männer, wenn sie keine Bartträger sind, schlagen ihren Rasierschaum selber auf. Dazu gehört neben Rasierseife oder Rasiercreme und Wasser auch ein Rasierpinsel, mit dem der Schaum hergestellt wird. Mit kreisenden Bewegungen, man kann auch stampfen, drücken, hin und her, in der Hand, im Mug, einer alten Kaffeetasse oder gleich im Gesicht; das ist alles egal und bleibt jedem Mann selber überlassen. Was verbindet ist das gleiche, wunderbare Ritual - einen Rasierpinsel zu schwingen. Natürlich sind auch Dosenschaumbenutzer Nassrasierer, doch über diese Spezies wollen und werden wir hier nicht schreiben. Und dabei sind gerade die Rasierpinsel für manche Männer viel mehr als reine Schaumschläger. Ganze Sammlungen unterschiedlicher Pinsel, Haarqualitäten, Griffe, Hersteller und Größen finden sich in den Badezimmern und natürlich gibt es Pinsel für jeden Tag, Pinsel für Feiertage, Sonntage und andere Festlichkeiten. Rasierpinsel sind eigentlich reine Gebrauchsgegenstände. Doch ganz heimlich betrachtet sind sie mehr und für viele Nassrasierer ist der Besitz eines guten Rasierpinsel so wichtig wie ein neues Auto, teure Weine, gutes Essen und schicke Anzüge. Ich persönlich besitze, außer einigen guten Rotweinen, weder das eine noch das andere. Aber Rasierpinsel habe ich 5 Stück. Alles schönste Silberspitze, mal größer oder kleiner, mit Griffen aus Holz, Plastik oder Edelstahl. Es ist eine nette kleine Sammlung, die ich in schöner Rotation benutze.

Doch welche Haare werden überhaupt verwendet?

Für gute Rasierpinsel wird Dachshaar verwendet (engl. Badger). Es gibt auch Pinsel mit Schweineborsten (engl. Bristle), aber das ist etwas für den Drogeriemarkt und diese Pinsel interessieren mich nicht. Man erkennt die Schweineborsten an den auffällig weißlich/ gelblichen Haaren/ Borsten und um manche ist wie zum Hohn noch so ein dunker Balken gemalt, damit es aussieht wie Silberspitze. Derartige Produktlügen sind in meinen Augen Kitsch - wenn schon Borste dann bitte ehrlich. Aber natürlich soll hier nicht verschwiegen werden, daß man sich natürlich mit einem Borstenpinsel auch einen ordentlichen Rasierschaum herstellen kann.

Rasierpinsel mit Dachshaar sind viel weicher und haben deutlich bessere Gebrauchseigenschaften. Dabei sind die Bezeichnungen für die unterschiedlichen Haarqualitäten manchmal sehr verwirrend und inzwischen höre ich schon gar nicht mehr so genau hin, wenn irgendwo von Winterdachs, Eisdachs, Super-Dachs oder gar Babydachs gesprochen wird. Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale sind die Silberspitze (silver tip) und die einfachen grauen Dachshaare, die man als häufig als reinen Dachszupf oder Graudachs (pure badger) bezeichnet. Dabei ist die Silberspitze die beste Qualität die es gibt (von Hersteller zu Hersteller gibt es zum Teil recht große Unterschiede). So weit mir bekannt ist, wird die Silberspitze ausgekämmt und ausgezupft, von den Haarlieferanten nach Qualität sortiert, hellere Spitzen/ dunklere Spitzen, und anschließend von den Pinselherstellern zumeist von Hand weiterverarbeitet. Die grauen Dachshaare wurden geschnitten. Man bezeichnet diese Haare als Stock-Ware. Ihnen fehlen die hellen Silberspitzen und der dunkle Mittelstreifen. Aus diesem Haar fertigen die Hersteller einfache, gute Gebrauchspinsel. Wem die Silberspitze zu weich ist, wer eine größere Massagewirkung auf der Haut haben möchte, oder wer nicht viel Geld in einen Rasierpinsel investieren will, der wird mit dieser Haarqualität sicher sehr zufrieden sein. Das Haar fällt manchmal etwas dunkler oder heller aus und die Pinsel werden mehrheitlich bestimmt maschinell gefertigt.

Hier sehen sie von links nach rechts die wichtigsten Haarqualitäten. Die hochwertige Silberspitze erkennen sie leicht an der schönen Form des Pinselkopfes, den hellen Spitzen und dem dunklen Band, welches die feinen Haare eines edlen Pinsels schmückt. Rechts daneben sehen sie einen Pinselkopf, der scheinbar über sehr helle Haare verfügt, wo man noch silbrige Spitzen erkennen kann und das dunkle Band andeutungsweise sichtbar ist. Diese Zupfhaare erfüllten nicht die Anforderungen für einen Silberspitz, doch die daraus gefertigten Pinsel sind eine gute Alternative zum Silberspitz. Das Haar ist auch schon wunderbar weich, nimmt sehr gut Wasser auf und speichert die Feuchtigkeit fast wie ein Silberspitz. Als nächste sieht man zwei verschiedene Färbungen des grauen Dachshaares und ganz rechts ist ein Pinselkopf aus synthetischen Pinselhaaren im Bild. Zu diesen Rasierpinseln werde ich später etwas mehr schreiben. Es sei aber schon erwähnt, daß ich diese Pinselhaare allen Männern empfehle, die nicht genügend Zeit, Ehrgeiz, Energie, Lust und Verantwortungsgefühl aufbringen, um einen Rasierpinsel aus Dachshaar richtig zu pflegen. Denn egal für welchen Dachshaarpinsel man sich entscheidet, es handelt sich um ein Naturprodukt, welches bei guter Pflege zehn, fünfzehn und mehr Jahre benutzt werden kann und benutzt werden sollte. Allein schon der Tiere wegen.

Hersteller und Marken von Rasierpinseln, um nur einige zu nennen, sind zum Beispiel MÜHLE, Hans Baier EXCLUSIVE, PILS GmbH, Vulfix, Kent, Simpson, Edwin Jagger, Heinrich L. Thäter, Rooney, Joris & natürlich Plisson. Man könnte die Liste noch endlos weiterführen und natürlich wird der eine oder andere jetzt seine Lieblingsmarke vermissen. Doch wichtig ist, daß man als Nassrasierer den Pinsel schwingt und sei es eine Schweineborste.

Ich achte beim Kauf eines Rasierpinsels zuerst auf dessen äußere Erscheinung. Läuft das dunkle Band der Silberspitze gleichmäßig, hat der Kopf eine schöne Form, ist der Griff ordentlich dicht mit Haaren besteckt und hat der Pinsel ein hohes Gewicht. Ich mag es, wenn die Griffe schön schwer sind. Das Ringmaß, also der Durchmesser des Pinsels an der Stelle, wo die Haare mit dem Pinselgriff verbunden sind, ist für mich nicht mehr so entscheident. Bei den besonders dicken Pinseln (25mm am Ring und mehr) achte ich auf genügend Trocknungszeit, während die Größen zwischen 19mm und 23mm meiner Meinung nach für den täglichen Einsatz besser geeignet sind. Manche Pinselköpfe wirken größer als andere, dann wieder scheint es, als wäre das Haar kürzer oder steckte vielleicht nur tiefer im Griff. Lauter Unterschiede, die durchaus von Bedeutung sein können. So wirken die Pinsel mit den sehr langen Haaren oft etwas peitschenartig wenn sie naß werden, während die sehr kurzen Köpfe fester, straffer und etwas weniger weich scheinen. Und es gibt sicherlich Nassrasierer, die bis aufs Rasiermesser darüber streiten können, welche Pinselform, welches Haar und welcher Hersteller am besten geeignet ist. Das ist alles Quark und zum Glück ist die Auswahl so groß wie schwierig. Verlassen sie sich auf einige wichtige Informationen, auf ihr Gefühl, ihren Geschmack und auf ihren Geldbeutel. Ein Griff aus Gold schäumt auch nicht besser und ob sie im Zuge der Erderwärmung noch einen Winterdachs brauchen, müssen sie selber entscheiden. Es gibt auch Männer, die glauben, nur ein Pinsel jenseits der 200 Euro Marke würde den höchsten Ansprüchen genügen. Vergessen sie diesen Unsinn und kaufen sie sich einen Pinsel der ihnen gefällt und den sie sich leisten können.

Die Frage, ob ein Pinsel stehen oder hängen soll, kann ich ihnen nicht beantworten. Im Physikunterricht habe ich gelernt, daß Kapilarkräfte in jede Richtung wirken und deshalb stehen meine Pinsel im Regal. Sie werden nach der Benutzung gründlich ausgespült, ordentlich ausgeschüttelt und manchmal gaz vorsichtig am Handtuch abgestreift.

Von James Joyce stammt der Tipp, den Pinsel einfach in der Seife stecken zu lassen, weil dadurch die Haare noch viel weicher werden würden. Nun, ich verehre zwar den großen Dichter, doch dieser Tipp sei nicht zur Nachahmung empfohlen.

Die vielen schönen Fotos für diesen Artikel verdanke ich dem Fotografen, Produktgestalter und Künstler Jo Zarth.


Beitrag vom 19. Oktober 2008

Als das Erfindungsjahr des Sicherheitsrasierapparates (des Rasierhobels) gilt gemeinhin das Jahr 1895 und als Erfinder dieser Technik wird der Amerikaner King Camp Gillette genannt. Ich weiß nicht, ob die Jahreszahl so stimmt und auch Herr Gillette dürfte der Fairness halber nicht ganz so alleine dastehen; schließlich gab es mit den Barthobeln, welche etwa ab den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts gebräuchlich waren, Sicherheitsrasierapparate die eine einfache Selbstrasur leicht möglich machten und die unseren heutigen Rasierhobeln schon sehr ähnlich waren. Als Hauptunterschied dürfte vielleicht die zweischneidige Klinge ausgemacht werden. Ein Wegwerfprodukt, welches absolut in die Zeit paßte. Aus heutiger Sicht hat sich daran nichts geändert, mit dem Unterschied, daß die altmodischen (klassischen) Rasierhobel zum einen sehr gründliche Rasuren ermöglichen und die erhältlichen Klingen deutlich günstiger sind als die der gängigen Systemrasierer.

Das nächste Bild zeigt einen sehr bekannten Rasierhobel, den 23c von Merkur. Ich habe ihn für das Bild nicht fest zusammengebaut, weil ich wollte, daß man die Lage der im Kopf des Hobels verschraubte Klinge gut erkennt.

23c_ganzbild.jpg

Der 23c ist aus mehreren Gründen sehr beliebt. Manche bezeichnen ihn sogar als Einsteigerhobel in die klassische Nassrasur, weil er einen geschlossenen Kamm hat (im Unterschied zum 25c, der bis auf den offenen Kamm völlig baugleich ist) und sich wegen des fast 10 cm langen Griffs besonders sicher führen läßt.

Hier eine Nahaufnahme vom 23c.
Deutlich erkennt man den zweiteiligen Kopf, die Lage der Klinge und die kurze Verschraubung des Griffs direkt unter der Auflage.

23c_kopf_klinge_schraub_detail.jpg

Wer sich für die Rasierhobel interessiert und ein anspruchsvolles, haltbares Gerät erwerben möchte, dem sei dieser Hobel empfohlen. Er liegt sicher in der Hand, ist robust, die Klingen lassen sich leicht wechseln und für den Anfang würde ich immer nur einen Hobel mit einem geschlossenen Kamm wählen.

Wenn man von Hobeln, deren Klingenspalt sich einstellen läßt (Adjustable), deren Kopf durch drehen einer Stellschraube automatisch geöffnet werden kann (Butterfly) und den Hobeln, wo die Klinge verdreht wird und der ganze Hobelkopf leicht schief gestellt wurde (Torsion) einmal absieht, gibt es nur einen Hauptunterschied, den man beim Kauf eines Rasierhobels beachten sollte. Offener Kamm oder geschlossener Kamm. Alles andere ist durchaus nützlich oder fällt gleich in die Rubrik Jungsspielzeug und Schnickschnack.

Und so sieht dieser Unterschied aus: der Kopf des 25c

25c_kopf.jpg

Glauben sie mir, dies ist nichts für Anfänger. Der offene Kamm verspricht eine zupackende und ausgesprochen gründliche Rasur. Denken sie sich mal die Klinge dazu und stellen sie sich vor, wie der scharfe Stahl an denen Stellen aufliegt, wo ein Spalt ist.

Ansonsten haben beide Rasierhobel die gleichen Abmessungen.

Mit dem nächsten Beitrag werde ich einige andere Hobel vorstellen. Schließlich gibt es noch kurze Griff, dicke Griffe, Hobel mit langer Verschraubung und vieles mehr. Doch am Beispiel der beiden Hobel 23c und 25c konnten für den Anfang leicht ein Einstieg ins Thema der traditionellen Rasierapparate gefunden werden. Und allen Männern, die neben einer anspruchsvollen und traditionellen Naßrasur einen Lebensstil pflegen, der sich nicht an schnellen Verbrauchsgütern und kurzlebigen Werbeversprechen orientiert, sei das STILBLOG empfohlen.

34c-und-ich.jpgViel Spaß beim hobeln. Hier gehts zurück ins BLOG.

titel_claus-porto
Beitrag vom 15. januar 2009

claus_porto_2_seifen_classiker

1887, vor einhundertzweiundzwanzig Jahren, gründeten Ferdinand Claus und Georges Schweder die erste Seifenfabrik Portugals - Claus und Schweder und wenige Jahre später wurde die Marke CLAUS PORTO aus der Taufe gehoben. Doch Georges Schweder konnte schon bald aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiter arbeiten und so fand man in Achilles Alves de Brito einen Nachfolger. Mit Willy Thessen, ein Chemiker mit besonders feiner Nase, kam ein weiterer Fachmann in die Manufaktur, der sich speziell um die Produktionsabläufe kümmerte. 1918, als Folge des 1. Weltkriegs, bekam die Fabrik ihren bis heute gültigen Namen - Ach Brito. Man produzierte weiterhin in den alten Räumlichkeiten und behielt die Luxusmarke CLAUS PORTO bei. Bis heute sind diese Seifen ein Begriff für höchste Qualität der Feinseifenproduktion. Liebevollste Verpackungen und eine unglaubliche Produktvielfalt runden das Angebot ab. Das Bild zeigt zwei Seifenklassiker, die in ihren alten, geprägten Verpackungen, wieder erhältlich sind. Das Geheimnis der Qualität liegt aber in den häufigen Pilliervorgängen und den gut abgestimmten Fettzusammensetzungen der Seifen, die wahlweise mit Mangobutter oder Sheabutter angereichert werden. Dazu kommen interessante und dezente Duftmischungen.

Die Marke MUSGO REAL entstand wohl in den 20er Jahren und bis heute erfreut sich besonders die Rasiercreme großer Beliebtheit, wobei es mir genau darum nicht geht. Ich fand die Gestaltung der alten Verpackung soooooo schön und weil dort eine Nassrasurszene zu sehen ist, habe ich diesen kurzen Ausflug zu CLAUS PORTO unter die Überschrift Nassrasur gestellt.

Immer der Nase nach & zurück ins Hauptblog.

titel_torsionshobel

Beitrag vom 16. 06. 2009

torsionshobel_blog

Die Welt der Naßrasur ist eine Welt der Geschichten, Anekdoten und Mythen. Da gibt es scharfe Dinge hier und noch viel schärfere Sachen dort. Was dem einen gefällt ist für den anderen der Staatsfeind Nr. 1 und manchmal ist mir nicht ganz klar, ob die Grenze zwischen Naßrasur und Naßrasur als Hobby nicht zugleich eine schwierige Gratwanderung ist, die man nur besteht, wenn man Rasiermesser sammelt, Seifen hortet und Klingen für mehrere Generationen auf Vorrat im Keller eingelagert hat. Und dann sind da noch die schönen Geschichten. Erzählungen von Männern, die sich noch viel gründlicher als gründlich rasieren wollen, die ihre Rituale pflegen und auf unzählige Tricks und Kniffe schwören und die ganz genau wissen, wie und wo und womit man sich richtig rasiert.

Und richtig rasieren kann man sich natürlich auch mit einem Torsionshobel, dessen verdrehte Kopfgeometrie dafür sorgt, daß die Barthaare nicht nur gekappt sondern gleichzeitg wirklich geschnitten werden, weil die Klinge leicht schräg über die Haut gezogen wird. Und über den Sinn dieser Hobelkopf-Form haben sich schon sehr viele Leute sehr tiefe Gedanken gemacht und dabei sind sie zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen gekommen, was sie jedoch nicht davon abhällt, diese sehr gerne weiterzuerzählen. So soll der Torsionshobel z.B. sehr gut sein, wenn man viele Grübchen im Gesicht hat. Zudem gilt der Torsionshobel als der schärfste Hobel überhaupt, was daran liegt, daß die verdrehte, unter Spannung stehende Klinge regelrecht schärfer wird und damit besser schneidet. Gut ist auch der Hinweis auf die Rasur von Bartkonturen. Denn wer in den Spiegel schaut um sich zu rasieren, der hält sein Rasurgerät automatisch leicht schief und diese Fehlleistung korrigiert der schräge Klingenspalt; was dann eine genauere Rasur der Konturen möglich macht. Außerdem sind zwei Schnittbewegungen (senkrecht und leicht längs) besonders bei dicken Barthaaren wesentlich gründlicher. Aber! … man sollte, bevor man zum Torsionshobel greift, durch eine sehr, sehr gründliche Schule der Naßrasur gegangen sein und wenigstens im ersten Leben als Naßrasierer zahlreiche Erfahrungen gesammelt haben. Merke! Torsionshobel sind nichts für Weicheier.

Doch die Wahrheit ist, daß die Geschichte mit der verdrehten Kopfgeometrie ursprünglich einen sehr praktischen, rein technischen Nutzen hatte und der ist bei den Klingen zu finden. Früher gab es, jedenfalls viel häufiger als heute, deutlich dünnere Klingen. Die heute gebräuchlichen Klingen sind 0,1 mm dick und wer Klingen mit dieser Stärke verwendet, der braucht keinen Torsionshobel, weil diese Klingen stabil genug sind. Es gibt jedoch deutlich dünnere Klingen und wenn man solche feinen Schneidwerkzeuge bevorzugt, dann muß man für genügend Halt und Spannung im Hobelkopf sorgen, weil die Klinge sonst schwingt. Die Blondine auf dem Foto z.B. bringt es auf 0,08 mm und damit ist sie im Torsionshobel besonders gut aufgehoben. Ein Rasierhobel mit Torsion ist für Naßrasierer gedacht, die sehr feine, sehr dünne und damit auch sehr scharfe Klingen bevorzugen und diese dünnen Klingen werden im verdrehten Hobelkopf so versteift, daß die Klinge bei der Rasur keine Eigenbewegung ausführt (sie darf nicht schwingen und sich nicht verziehen). Und natürlich ist die leicht längs ausgeführte Schnittbewegung sehr gründlich und natürlich eignet sich der verdrehte Klingenspalt für Konturen und selbstverständlich kann man auch normale Klingen einlegen und alle Vorteile und Nachteile des Torsionshobels nutzen.

Nachteile? Nun sagen wir mal so, die leicht längs ausgeführte Bewegung hat es in sich.

Rasierhobel auf Wikipedia

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titel_nassrasur_die-ganze-wahheit
Beitrag vom 15. Oktober 2009

nassrasur-die-ganze-wahrheit

5 Pinsel, 5 Messer, einen Hobel, einen Mach3-Rasierer, ca. 12 Rasierseifen und Rasiercremes, After Shave nicht gezählt und dazu noch rund 10 verschiedene Päckchen mit ganz unterschiedlichen Rasierklingen. Manchmal bin ich echt überfordert, wenn es darum geht, ein passendes Werkzeug für die Nassrasur auszuwählen und am Ende greife ich zum elektrischen Barttrimmer, der einen letzten Rest der Stoppeln stehen läßt. Es ist nicht immer leicht, ein Nassrasierer zu sein. Warum ich mich trotzdem gern in aller Ruhe ins Bad zurückziehe, mir ein Messer aussuche, dieses langsam und mit viel Bedacht über den Riemen ziehe, mich für einen Pinsel entscheide und nach langem Schnuppern eine Rasierseife wähle, habe ich vor ziemlich genau einem Jahr unter der Überschrift Ein morgentliches Vergnügen mit Tradition im Stilmagazin erläutert.

Mich so rasieren zu können, ist für mich eine Art von Wellness. Nennen sie es grooming oder cocooning (Daheim ist es doch am schönsten), rasieren sie sich am Abend oder früh am Morgen, es ist ganz egal mit welchen Mitteln und Geld spielt hierbei schon gar keine Rolle. Gönnen sie sich einen der wenigen freien und ruhigen Momente. Treiben mich Hast und Eile verzichte ich lieber ganz und konzentriere mich auf die Dinge, die gerade wichtig erscheinen. Die Stoppeln im Gesicht können warten und ich bin auch mit Dreitagebart kein anderer Mensch, ich bin trotzdem fast immer freundlich, lustig und hoffentlich bei Verstand.

Doch warum gibt es die ganzen Nassrasurforen (Nassrasur.com, Gut-rasiert.de, The Shave Den und Badger & Blade), warum schaffen sich Männer unzählige Pinsel, Rasiermesser und Rasierseifen an? Was treibt manche Herren dazu, sich mehrere Schleifsteine zu kaufen, über rote- und grüne Pasten zu philosophieren, sich Signaturen zu geben, für die es wie im Falle von Schopenhauer (Alles Behaartsein ist tierisch, die Rasur ist das Abzeichen höherer Zivilisation) gar keine gesicherte Quelle gibt und Messer zu schärfen, welche schon scharf sind? Warum sollte es etwas bringen, eine Rasierklinge, welche nur wenige Cent kostet, über Nacht auf einen Magneten zu legen und warum ist es besser, die verschiedenen Messer im Wechsel zu benutzen? Ist es gut, wenn der Rasierschaum warm oder heiß, kühl oder kalt, mehr trocken oder leicht flüssiger ist? Kann man Rasierseifen lange lagern, sollte man sie nach der Benutzung abspülen, trocknen und verschließen, was besagt der pH-Wert und dann wäre noch die Frage, ob Kernseife auch gut und reiner Alkohol zum desinfizieren notwendig ist. Da wird darüber gestritten, ob Dosenschaumbenutzer Nassrasierer sind und wehe dem, der einen Rasenmäher schwingt. Nassrasierer sind Traditionalisten, die ihre Rituale pflegen. Da wird heißes Wasser in Rasierschalen gefüllt (damit diese sich aufheizen), da werden warme und feuchte Tücher umgelegt, kommt vorab eine Preshave-Flüssigkeit zum Einsatz und es wird Rasierschaum erzeugt, mit dem man eine Kompanie enthaaren könnte (am ganzen Körper). Anschließend wird mit dem Strich, dann queer zum Strich und gegen den Strich rasiert, bevor kaltes Wasser die Haut abschrecken und die Poren verschließen soll. Vorsichtig das Gesicht abtupfen und hernach ein pflegendes After Shave auftragen. Fertig? Na weit gefehlt. Jetzt geht es darum, in welcher Reihenfolge und wie man die Jungsspielzeuge für den nächsten Einsatz reinigt und zurück ins Regal stellt. Pinsel gründlich auswaschen - hängen oder stellen - Rasiermesser abwischen und fertig? Nein, immer noch nicht. Denn schließlich gibt es noch Gesichtspuder, verschiedene Duftwässerchen und überhaupt. Was für ein Zirkus. Nassrasur besteht im Extremfall aus einer Vielzahl von Handgriffen und Arbeitsabläufen, die allesamt der Verschönerung des Mannes dienen.

Eine Aussage, der ich nur bedingt folgen möchte. Der wahre Grund für dieses Ritual, für diese zahlreichen Handgriffe, Produktsammlungen und ständigen Neuanschaffungen (die natürlich alle nur der Ersparnis teurer Systemrasierer dienen), liegt in der wunderbaren Verlängerung eines Rituals, welches einfach Spaß macht und Freude bringt/ bringen kann. Es geht nur darum, diesen schönen Moment noch etwas länger auskosten zu können und wenn ich so daran denke, wie Mausi hinter mir auf der Heizung sitzt und schnurrend zuschaut, muß ich mal darüber nachdenken, ob ich mir nicht auch noch etwas mehr Rasierschaum aufschlage. Trotzdem gefalle ich mir mit einem Dreitagebart fast noch etwas besser und wenn ich so ein mein Surfbrett denke, den Wind und das Neopren auf der Haut, unter dem sich die Muskeln so schön abzeichnen, dann muß ich lächelnd feststellen, daß Nassrasur wirklich besser ist als gar kein Hobby und da ich in den kommenden 5 Monaten kaum surfen gehen werde, schwinge ich einfach den Pinsel.

Weiterhin viel Spaß und Freude bei der Naßrasur & hier geht es zurück ins aromatische blog.

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Beitrag vom 20. 12. 2009

Allgemeine Informationen zu AS-Pflegeprodukten
Nach der Rasur, und das muß nicht ausschließlich die Nassrasur sein, benötigt die Haut vieler Männer Pflege und für diesen Zweck werden die unterschiedlichsten After Shave Produkte angeboten. In jedem Falle geht es um die Wiederherstellung des biologischen Gleichgewichts der Haut/ um die Wiederherstellung des Säureschutzmantels. Da gibt es klare, alkoholische Wässerchen, die sich von einem Eau de Toilette eigentlich nur durch die etwas geringere Duftkonzentration unterscheiden und denen einige wenige Pflegezusätze beigegeben werden, welche die Flüssigkeit nicht wesentlich eintrüben. Auszüge und Tinkturen von Hamamelis, Eichenrinde, Salbei (wirken adstringierend/ zusammenziehend) und Aloe Vera z.B. finden recht häufig Verwendung. Zur Kühlung und Erfrischung werden Kampfer und Menthol eingesetzt. So ein After Shave Cologne ist besonders für Männer geeignet, deren Haut nicht viel Pflege benötigt, bzw. wenn die Haut eher fettig ist oder ohnehin ein Eau de Toilette mit dem gleichen Duft benutzt wird. Hier hat man etwas Pflege und Duft gleichermaßen. Die Hauptbestandteile dieser Rasierwässer sind destilliertes Wasser und reiner Alkohol. Für viele Männer ist die Pflege der Haut nach der Rasur aber besonders wichtig, weil sich die mechanisch und chemisch angegriffene Haut trocken und gespannt anfühlt, kleine Schnitte und Risse behandelt und verschlossen werden müssen, und die Haut eines zusätzlichen Schutzes bedarf. Diesem Anspruch genügt häufig nur ein rückfettender Balsam/ eine Creme. Die Haut wird weich und geschmeidig gehalten, es wird viel Feuchtigkeit zugeführt und die nachwachsenden Barthaare stoßen sich weniger an der trockenen/ oft leicht schuppigen Haut ab, sie wachsen weniger ein. Welches Produkt hier im speziellen benötig wird muß jeder Mann für sich herausfinden; zumal gerade einige pflanzliche Fette und Öle zwar pflegen, doch sich zugleich Hautunreinheiten mehren können. Mit der AS-Lotion und dem AS-Gel gibt es jedoch zwei Produktgruppen, die zwischen den beiden Extremen (alkoholisches AS & AS Balsam) liegen. Entscheidend für die Verwendung ist immer das individuelle Bedürfnis, das eigene Empfinden und der jeweilige Geschmack, da sich fremde Erfahrungen nur bedingt übertragen lassen. Wenn die Haut nach 15 bis 20 Minuten immer noch fettig glänzt, das gewählte AS Produkt noch immer nicht richtig eingezogen ist und man ein leicht klebriges Gefühl an den Fingern verspührt, hat man entweder überdosiert oder die gewählten Pflegeeigenschaften übersteigen den tatsächlichen Bedarf.

Informationen zum After Shave Gel TABULA RASA
Vor diesem Hintergrund habe ich ein After Shave Gel entwickelt, was zum einen reichlich Feuchtigkeit spendet und nährt, trotzdem schnell einzieht und bereits nach wenigen Sekunden ein trockenes Hautgefühl vermittelt.

as-gel_beide-flaschen_info

Am Anfang der Produktion stand das EASHAVE von Pentapharm, welches jetzt durch IRICALMIN abgelößt wird. Wirksame Pflegekomponenten moderner Kosmetik, die darauf abzielen, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erfüllen und die sich zudem wunderbar weiterverarbeiten lassen, weil sie für den ganz speziellen Einsatz hergestellt wurden. In der Deklaration/ den INGREDI>ENTS erscheint IRICALMIN als: TRITICUM VULGARE GERM EXTRACT, SACCHAROMYCES CEREVISAE EXTRACT, SODIUM HYALURONATE. Grundlage sollte jedoch ein schnell einziehendes und auf keinen Fall auf der Hautoberfläche nachfettendes Gel sein. Deshalb wählte ich als Basis den teuren und hochwertigen Ethanol FORTIOR (von Brüggemann Alcohol), welcher aus Zuckerrübenmelasse, Getreide (Korn) oder Obst für die Spirituosen-, Lebensmittel- und Aromenindustrie einen fantastischen Trinkalkohol (96%) abgibt und der natürlich nicht vergällt ist. Als Gelbildner kam für mich nur der Carbomer Carbopol 940 in Frage. Ein fantastischer synthetischer Gelbildner, zu dem es meines Wissens keine negativen Erfahrungsberichte gibt. Weil der Stoff sauer reagiert muß mit NaOH abgebunden werden. PEG-7 Glyceryl Cocoate ist ein rückfettendes Emolliens/ ein Emulgator, den ich wesentlich angenehmer finde als fettende Öle. SCUTELLARIA AO (Scutellaria Alpina Extract) ist ein weiterer Pentapharm Wirkstoff, der in die gleiche Kategorie wie das STIMUTEX-AS fällt (was wir in einigen Pflege- und Duschseifen und der Rasierseife einsetzen); Barrier Regulation & Functional Support. Der Rest ist Menthol zur Erfrischung, reizlinderndes/ beruhigendes Allantoin (das auch die Fähigkeit zur Feuchtigkeitsspeicherung der Haut verbessert), Duft- und Farbstoff. Wobei der Farbstoff ganz absichtlich eine deutliche Signalwirkung ausstrahlen soll; schließlich hoffe ich damit alle abschrecken zu können, die der Meinung sind, alle synthetischen- und chemischen Rohstoffe wären schlecht und alle natürlichen Rohstoffe qua Herkunft automatisch gut.

INGREDIENTS: ALCOHOL, AQUA, TRITICUM VULGARE GERM EXTRACT, SACCHAROMYCES CEREVISAE EXTRACT, SODIUM HYALURONATE, PEG-7 GLYCERYL COCOATE, SCUTELLARIA ALPINA FLOWER /LEAF / STEM EXTRACT, Carbopol 940 , SODIUM HYDROXIDE, PARFUM, LIMONENE, LINALOOL, MENTHOL, ALLANTOIN, GLYCERIN, CI 77891, CI 74260.

Neben der parfumierten und gefärbten blue & cool Variante mußte es aber für den Anfang natürlich auch ein unparfumiertes und ungefärbtes AS-Gel ohne Menthol mit den gleichen Eigenschaften geben.

INGREDIENTS: ALCOHOL, AQUA, TRITICUM VULGARE GERM EXTRACT, SACCHAROMYCES CEREVISAE EXTRACT, SODIUM HYALURONATE, PEG-7 GLYCERYL COCOATE, SCUTELLARIA ALPINA FLOWER /LEAF / STEM EXTRACT, Carbopol 940 , SODIUM HYDROXIDE, ALLANTOIN.

Im ersten Stadium der Produktion habe ich die unparfumierte Gel-Variante etwas fester gemacht, während das cool & blue Gel etwas flüssiger wirkt. Hier werde ich den Rücklauf an Meinungen und Erfahrungsberichten abwarten, bevor ich zu einem abschließenden Ergebnis komme.


PS. Nassrasierern, die sich im Anschluß an eine Bestellung bei 1000 & 1 Seife als registriertes Mitglied in einem der Nassrasurforen www.gut-rasiert.de, www.theshaveden.com, www.badgerandblade.com oder www.nassrasur.com vorstellen, werden geringere Transportkosten berechnet. Nutzen Sie für diesen Hinweis das Kommentarfeld während der Bestellung.

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titel_gedicht
Eintrag vom 28. März 2010

Ein Gedicht zur Nassrasur

Der rechte Barbier

„Und soll ich nach Philisterart
mir Kinn und Wange putzen,
so will ich meinen langen Bart
den letzten Tag noch nutzen.
Ja, ärgerlich, wie ich nun bin,
vor meinem Groll, vor meinem Kinn,
soll mancher noch erzittern.

Holla! Herr Wirt, mein Pferd! Macht fort!
Ihm wird der Hafer frommen.
Habt ihr Barbiere hier im Ort?
Laßt gleich den rechten kommen.
Waldaus, waldein, verfluchtes Land!
Ich ritt die Kreuz und Quer und fand
doch nirgends noch den rechten.

Tritt her, Bartputzer, aufgeschaut!
Du sollst den Bart mir kratzen;
doch kitzlig sehr ist meine Haut,
ich biete hundert Batzen;
nur, machst du nicht die Sache gut,
und fließt ein einz’ges Tröpfchen Blut,
fährt dir mein Dolch ins Herze.“

Das spitze kalte Eisen sah
man auf dem Tische blitzen,
und dem verwünschten Ding gar nah
auf seinem Schemel sitzen
den grimm’gen, schwarzbehaarten Mann
im schwarzen, kurzen Wams, woran
noch schwärz’re Troddeln hingen.

Dem Meister wird’s zu grausig fast;
er will die Messer wetzen;
er sieht den Dolch, er sieht den Gast;
es packt ihn das Entsetzen;
er zittert wie das Espenlaub,
er macht sich plötzlich aus dem Staub
und sendet den Gesellen.

„Einhundert Batzen mein Gebot,
falls du die Kunst besitzest;
doch, merk es dir, ich stech dich tot,
so du die Haut mir ritzest.“
Und der Gesell: „Den Teufel auch!
Das ist des Landes nicht der Brauch.“
Er läuft und schickt den Jungen.

„Bist du der Rechte, kleiner Molch?
Frisch auf! Fang an zu schaben;
Hier ist das Geld, hier ist der Dolch,
das beides ist zu haben!
Und schneidest, ritzest du mich bloß,
so geb ich dir den Gnadenstoß;
du wärest nicht der erste.“

Der Junge denkt der Batzen, druckst
nicht lang und ruft verwegen:
„Nur still gesessen! Nicht gemuckst!
Gott geb Euch seinen Segen!“
Er seift ihn ein ganz unverdutzt,
er wetzt, er stutzt, er kratzt, er putzt:
„Gottlob! Nun seid ihr fertig.“

„Nimm, kleiner Knirps, dein Geld nur hin;
du bist ein wahrer Teufel!
Kein andrer mochte den Gewinn,
du hegtest keinen Zweifel;
es kam das Zittern dich nicht an,
und wenn ein Tröpflein Blutes rann,
so stach ich dich doch nieder!“

„Ei! Guter Herr, so stand es nicht,
ich hielt Euch an der Kehle;
verzucktet Ihr nur das Gesicht
und ging der Schnitt mir fehle,
so ließ ich Euch dazu nicht Zeit;
entschlossen war ich und bereit,
die Kehl’ Euch abzuschneiden.“ -

„So, so! Ein ganz verwünschter Spaß!“
Dem Herrn ward’s unbehäglich;
er wurd auf einmal leichenblaß
und zitterte nachträglich:
„So, so! Das hatt ich nicht bedacht,
doch hat es Gott noch gut gemacht;
ich will’s mir aber merken.“

Adalbert von Chamisso

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titel_synthetikfasern

Beitrag vom 5. Juli 2010

synthetikpinsel_2_textteil
Fotos: Jo Zarth

Als ich neulich in Leipzig war um mir die Ausstellung SMALL BUSINESS RECONSTRUCTED des Künstlers Jo Zarth anzuschauen, stand da ein mir unbekannter Rasierpinsel auf dem Schreibtisch. Eindeutig eine Silberspitze. Ich bilde mir ein, die Unterschiede zu kennen/ sofort zu erkennen. Doch Jo schüttelt lächelnd den Kopf und sagt kein Wort; mir bleibt nichts weiter übrig als zu raten. Synthetikfaser frage ich vorsichtig. Jo nickt und ungläubig halte ich den Pinsel in den Händen. Die Spitzen sind zart und weich, gleichmäßig verläuft der Spiegel und am Ring ist das Haar - sind die synthetischren Fasern - dicht gebunden. Es sieht aus, als würden sich einige der Haare leicht kräuseln, sie sind nicht glatt und gerade und vorsichtshalber frage ich noch einmal nach. “Echt? Kein Silberspitz?” Ein Prototyp, den es noch nicht gibt. Aber selbst die aktuellen Fasern können einem Silberspitz locker das Wasser reichen und unter bestimmten Bedingungen funktionieren sie sogar etwas besser. Ich will kurz erklären, warum ich dieser Meinung bin.

Und dabei ist die Verwendung von synthetischen Fasern in Rasierpinseln noch eine recht junge Erfindung. Es gibt diesen Werkstoff natürlich schon eine ganze Weile - zum Einsatz kommt hauptsächlich eine PET (Polyethylenterephthalat) Faser -, doch in Rasierpinseln sind es erst ca. 10 Jahre. Etwas weniger würde ich schätzen und inzwischen hat wohl fast jede bekannte Pinselmarke eine brauchbare Synthetikfaser im Sortiment. Glauben sie mir, das ist mehr als ein kurzfristiger Trend.

Zuerst muß es recht schwierig gewesen sein, weil die glatte Oberfläche der synthetischen Fasern nicht in der Lage war das Wasser zu speichern wie natürliches Dachshaar. Das Wasser lief, nachdem man den Pinsel durchgespült hatte, einfach so wieder heraus. Auf diese komplizierte Wasseraufnahme mußte man sich einstellen und in den Anfangszeiten der Entwicklung gab es natürlich spürbare Unterschiede zum Dachs. Die synthetsichen Fasern fühlten sich ganz anders an und selbst die Verarbeitung ist bis heute nicht ganz ohne. Selbst die Maschinen hatten und haben mit dem Kunstoff so ihre Probleme. Fast immer ist es Handarbeit und es steckt jede Menge Entwicklung in dem Werkstoff, der ähnlich teuer wie Silberspitzen ist (sein kann). Sie legen Wert auf gute Handarbeit? Dann sollten sie über einen Rasierpinsel mit synthetischen Fasern nachdenken.

Ich nutze einen Synthetikpinsel der Firma MÜHLE seit 3 Jahren im Geschäft für Vorführungen, wenn ich den Leuten erkläre, wie man ordentlichen Rasierschaum aufschlägt. Oft muß der Pinsel mehrmals täglich zeigen was in ihm steckt und ich kann in der Hektik des Tages oft nicht auf die richtige Pflege achten, die bei einem Silberspitz dringend geboten wäre. Synthetikfasern sind viel robuster und brauchen deutlich weniger Pflege, was ich für einen großen Vorteil halte. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, daß sich die Synthetikfasern gerade auf sehr harten Rasierseifen besonders gut machen, weil die Seifenaufnahme durch den Pinsel leichter gelingt. Viele Männer, die einen Silberspitz schwingen, haben beim Aufschäumen Angst um die wertvollen Spitzen und getrauen sich nicht den Pinsel fest auf die Seife zu drücken. Vor einem Rasierpinsel mit Synthetikfasern braucht man nicht so viel Respekt zu haben. Keine Sorge, der hält das aus und zwar lange.

Die mir bekannten Synthetikpinsel der Firma MÜHLE sind meiner Meinung so gut wie ein Silberspitz. Sie fühlen sich schön weich an und neben ihrer Unverwüstlichkeit, und dem Vorteil bei der Seifenaufnahme, brauche ich mir keine Gedanken um den Artenschutz zu machen. Ich bin zwar kein Vegetarier, doch wenn es ohne tote Tiere geht ist es mir persönlich lieber und dem Dachs vermutlich auch.

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