Parfum und Glück Teil 2

Oft wurde und werde ich gefragt, wie ich meine Parfum herstelle. Welche Arbeitsschritte führen bis zum Endprodukt? Wo kaufe ich die Rohstoffe, wie entwickle ich die Rezepte und was muß ich tun, damit ich die Düfte überhaupt verkaufen darf? Wenn ich mir die ganzen Fragen dann so anhöre, wundere ich mich manchmal selber, wie das alles so funktioniert und weil ich aus der Arbeit nie ein großes Geheimnis gemacht habe, möchte ich heute noch einmal genauer darauf eingehen und die neusten Entwicklungen (wenn es die nicht gegeben hätte, wäre es so auch nicht weitergegangen) erläutern. Ganz ohne Hilfe geht es nämlich wirklich nicht. Jedenfalls nicht, wenn man kein Profi ist und versucht alles alleine zu machen. Ohne Edith Schwarz, Herrn Bernhardt, Geza, Marc und Sebastian hätte ich es nie bis hierhin gebracht. Ein Rezept zu entwickeln ist nämlich nicht ganz so einfach.

Das dauert seine Zeit und ich benötige von der Idee, von der reinen Duftvorstellung in meinem Kopf, bis zur letzten endgültigen Mischung fast ein ganzes Jahr. Doch schon bei der Auswahl und Anschaffung der Rohstoffe muß ich darauf achten, zu jedem Rohstoff, egal ob natürlich oder synthetisch, die vorgeschriebenen Datenblätter (MSDS-Paper) zu bekommen. Anschließend schaue ich mir die Riechstoffe an und entscheide, wie ich welchen Stoff einsetze. Muß ich mir davon eine Lösung ansetzen, welches Lösungsmittel etc. Gäbe es die Freunde nicht, wäre es schon vom Start weg eine unbezahlbare Materialschlacht, weil meistens nicht klar ist, welches Lösungsmittel (vielleicht auch bei welcher Temperatur) geeignet ist. Was bei Ethylmaltol prima funktioniert, geht bei Maltol total in die Hose und zugleich ins Geld. Könnte ich mir gar nicht leisten. In Kleinstmengen taste ich mich an meine Duftidee heran, wobei alles schön dokumentiert wird, und ganz zum Schluß setze ich mir eine Minimenge als Eau de Toilette an. Man muß ja schließlich ausprobieren, ob es den Freunden gefällt.

Erst nach all diesen Arbeiten kann ich entscheiden, ob der Duft funktioniert oder nicht. Erst jetzt denke ich mir einen Namen aus, oder ordne den Duft einer Serie zu. Jetzt bestelle ich die Rohstoffe in der notwendigen Menge und mische 1 kg vom Rezept aus. Nun ist es Zeit Jo anzurufen und ein Bild für den Druck zu ordern. Flaschen und Zerstäuber bei Rosa Heinz bestellen, Ethanol bei Brüggemann bestellen und die Druckerei nicht vergessen. Duftöl, Ethanol und Wasser, Eiskasten für 14 Tage, dekantieren, filtern, abfüllen, säubern, verpacken. Papiere zum Gutachter. Geklärt, ob der Duft in dieser Form ok ist, hatte ich bereits Wochen vorher. Jetzt, nach einem Jahr Arbeit, halte ich meine 77 Flaschen in den Händen und kann nur hoffen, daß sich der Duft verkauft. Nur wer kauft ein Parfum, hinter dem keine bekannte Marke steht? Wer interessiert sich für eine Mischung, die nicht nur natürlich klingt, sondern es zu Großteilen auch ist? Wer ist wirklich so unvoreingenommen und neugierig, sich für Parfum zu interessieren, wofür es im Prinzip keine Werbung gibt? Hier muß man sich auf seine eigene Nase, die eigene Sachkenntnis und den eigenen Geschmack verlassen.

Doch an dieser Stelle kam vor einiger Zeit Georg Wuchsa mit seinem Onlineshop AUS LIEBE ZUM DUFT ins Spiel. Das meine Düfte gut und überlegt komponiert, handwerklich sauber gefertigt und wenn auch nicht Mainstream, so doch gut und leicht tragbar waren, hatte nie jemanden interessiert. Wo immer ich auch damit ankam um nach Vertriebswegen zu suchen, schlugen mir Hochmut und Dünkel entgegen. Nicht so bei Georg und Aus Liebe zum Duft und ganz plötzlich wurde es nötig, die ersten Rezepte erneut auszumischen und nachzuproduzieren. Eine Aufgabe, mit der ich gar nicht gerechnet hatte und die auch recht aufwendig ist. Produziere ich nun Neues oder kümmere ich mich um die Pflege der vorhandenen Parfums? Um ehrlich zu sein, ich habe schon mehrfach darüber nachgedacht, die ganze Sache wieder hinzuschmeißen und es einfach zu lassen. Wie soll ich einen Duft erneut produzieren, wenn der wichtigste Rohstoff nach einem Jahr nicht mehr zu bestellen ist? Warum sollte ich einen Duft neu ausmischen, wenn selbsternannte Nasen und Kritiker in Onlineforen Äpfel mit Birnen vergleichen und mir ohne den geringsten Sachverstand nahelegen, es mal mit echtem Sandelholz zu versuchen, weil das viel besser wäre als mein geliebtes Javanol.

Warum ich hier und jetzt von Parfum und Glück schreibe ist trotzdem leicht erklärt. Zum einen habe ich mit meinen Düften durchaus so etwas wie Erfolg und zum anderen hatte ich das große Glück Sebastian kennenzulernen. Dr. Sebastian Reuter, der als Parfumeur bei Bell Flavors & Fragrances arbeitet.

Sebastian

Es war und ist nämlich Sebastian, der sich bei BELL um die Zusammenarbeit mit mir kümmert, der meine Rezepte auf den Schreibtisch bekommt und dann erstmal schauen muß, wie man den einen oder anderen Rohstoff gegebenenfalls ersetzen, Konservierung und Lichtschutzfilter hinzufügen und meine ganze Idee so sorgfältig und sinnvoll wie möglich den Anforderungen an einen industrialisierten Herstellungsprozess anpassen kann. Leicht ist das nicht.

“Warum nimmst Du kein Peru sondern Tolu?” lautet die einfache Frage. “Na weil Peru doch verboten ist”, antworte ich etwas unsicher und 10 Sekunden später steht eine Flasche mit Perubalsm-Öl auf dem Tisch. “Verboten ist nur Perubalsam, das Öl ist gar kein Problem.” Noch nie hatte ich die Auswahl an so vielen schönen Moschusriechstoffen. Endlich kann ich ein richtig tolles Iso e Super einsetzen und mit sehr viel Feingefühl und Einfühlungsvermögen erläutert mir Sebastian, warum er die Veilchennote im Steampunk lieber ohne IONON beta machen würde. Mehrfach gehen jetzt Muster mit der Post hin und her und ich erlebe mit großer Freude, wie schön sich meine Ideen entwickeln. Der DEZEMBER wäre nicht der DEZEMBER wenn Sebastian mir nicht gezeigt hätte, wie man sich eine zarte Rosennote selber mischen kann (kann ich jetzt) und mir gesagt hätte, wo die Oberkannte für dieses geniale Rosa-Pfeffer-Öl ist. Diese Gemeinschaftsarbeit, in deren Ergebnis ich mich zu 100% wiedererkenne und die mir am Ende das sichere Gefühl läßt, Herr meiner eigenen Arbeit zu sein …

das ist Glück.

Parfum, Glück und Bell Flavors & Fragrances

Man muß auch mal Glück haben.
Diese einfache Erkenntnis setzte sich im vergangenem Sommer in meinem Kopf fest und während ich so überlegte, wie ich die Sache mit dem Glück etwas befördern könnte, entdeckte ich in der Umgebung von Leipzig die Firma Bell Flavors & Fragrances, Duft und Aroma GmbH. Was für ein Zufall, wo ich doch selbst in Leipzig geboren wurde, einige Freunde dort leben, ich auf dem Cospudener See regelmäßig zum Windsurfen bin und mein Herz noch immer an der Stadt hängt.

Der Grund für meine Suche nach dem Glück ist nämlich schnell erklärt und hoffentlich leicht nachvollziehbar. Die von mir in kompletter Handarbeit hergestellten Parfums JULI, AUGUST, SEPTEMBER, EAU DE FROEHLICHE 1, EAU DE FROEHLICHE 2 und der STEAMPUNK verkauften und verkaufen sich so gut, daß ich einfach nicht immer wieder genügend davon neu anmischen konnte, und ich die Zeit, die ich für die Herstellung benötige, doch viel lieber für die Entwicklung neuer Ideen und Rezepte nutzen würde. Nur was soll man tun, wenn man in Kleinstmengen produziert und eine sprunghafte Steigerung des Umsatzes nicht für sofort zu erwarten ist?
Die Arbeit mit Kleinstmengen ist umständlich und bringt nicht viel ein – so die bisherigen Erfahrungen. Doch letztes Jahr im September sollte sich das schlagartig ändern. Nach einer schönen Surf-Session auf dem Cospudener See faßte ich mir ein Herz, rief bei Bell Flavors & Fragrances in Leipzig/ Miltitz einfach an, ließ mich mit der Parfumerieabteilung verbinden und hatte sofort den Parfumeur Dr. Sebastian Reuter am Telefon. Es war ein sehr interessantes Gespräch mit zahlreichen Tips und Empfehlungen und auf die Frage, ob man vielleicht auch eine Kleinstmenge eines Rezepts ausmischen könnte, kam nicht sofort ein Nein, sondern die Gegenfrage, „warum denn nicht, da werde ich mich sofort erkundigen. Wir sollten uns mal treffen.“

Mein Glück hat also einen Namen, sieht aus wie eine Glocke mit Erdbeere und befindet sich in Leipzig/ Miltitz.

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Zwei Wochen später war es dann endlich so weit. Ich nutzte einen Vormittag mit reichlich Wind, um mich auf dem Wasser mal so richtig auszutoben, anschließend packte ich Segel, Board und den ganzen Rest vom Surfzeug ins Auto und fuhr nach Miltitz raus, wo ich am frühen Nachmittag endlich Dr. Sebastian Reuter treffen sollte.

Miltitz ist ein Ortsteil von Leipzig, der Ende der 90er Jahre eingemeindet wurde und in Sachen Parfumerie und Duftstoffherstellung blickt man hier auf eine lange, erfolgreiche Tradition zurück. Die bereits 1829 (im frühen 19. Jahrhundert) von dem Drogisten Ernst Ludwig Spahn und dem Apotheker Gottlob Eduard Büttner gegründete Firma Spahn & Büttner (später Schimmel & Co.) zog 1900 nach Miltitz um, weil eine Vergrößerung der Produktionskapazitäten notwendig geworden war.
Hier, vor den Toren der Stadt, wo man schon seit den 1880er Jahren bereits ölhaltige Pflanzen und sogar Rosen angebaut hatte, entstanden ein neues Werk und eine Wohnsiedlung für Arbeiter und Angestellte, und völlig zu Recht kann Miltitz auch als Wiege der Aroma- und Duftstoffindustrie bezeichnen werden. Bereits 1891 wurden eigene Destillationsanlagen in Betrieb genommen, 1895 erfand man hier das erste, künstliche Neroli und 1906 isolierte Heinrich Walbaum den Moschusriechstoff Muscon.

1948, nach dem 2. Weltkrieg wurde der Betrieb enteignet und als VEB Chemisches Werk Miltitz (Leipzig) bis zur politischen Wende in der DDR fortgeführt. 1993 übernahm Bell Flavors & Fragrances das Werk von der Treuhandanstalt und nachdem viel Geld und Know-how investiert und das alte Werk komplett modernisiert und der Standort deutlich vergrößert wurde, gehört die Fabrik heute zu den Großen der Branche in Europa und die Zahl der MitarbeiterInnen, und das ist wohl eine der wichtigsten Zahlen, stieg von 65 (1993) auf aktuell 250.

Und da war ich nun in Miltiz, wo man schon am Ortseingang hin und wieder auf das Markenzeichen – die Glocke mit der Erdbeere – von Bell aufmerksam gemacht wird. Rechts noch die alten Produktionsstätten aus rotem Backstein und dann das neue, moderne Werk. Ich darf mein mit Surfzeug voll beladenes Auto in Sichtweite des Pförtners parken, bekomme einen Passierschein und 5 Minuten später stehe ich Dr. Sebastian Reuter und Ines Senger (Sales Managerin Fragrances) gegenüber. „Hi, ich bin Sebastian, das Dr. kannste weglassen, und das ist meine Kollegin Ines, die sich mit dazusetzen wird.

Ich erzähle von meinen Parfums, den Plänen für die Zukunft und schildere die Probleme, wenn man so wie ich in Kleinstengen produziert. Teure Rohstoffe, viele Riechstoffe sind gar nicht zu beschaffen (oder man bekommt keine MSDS-Papiere dazu) und die kontinuierliche Fertigung in Serie ist so gut wie nicht möglich. Ständig holt Sebastian neue Riechstoffe mit dazu und gemeinsam einigen wir uns auf ein erstes Projekt, bestehend aus drei Düften: STEAMPUNK, JULI (No. 7) und DEZEMBER (No. 12). Und auf meine vorsichtige Frage hin, was die Geschäftsleitung dazu sagen und ob das Projekt wohl genehmigt werden wird, erläutert Ines mit einem einzigen Satz, warum auch solche Vorhaben hier in Miltitz möglich werden: Exzellenter Service, der einfach viel möglich macht, gehört zu Bells Philosophie. Stimmt.

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Ende Teil 1

Stimmen aus dem WWW

1. STEAMPUNK auf NOW SMELL THIS

2. STEAMPUNK auf CA FLEURE BON

3. STEAMPUNK im DUFT-TAGEBUCH

Schinus molle – Peruanischer Pfefferbaum

Als kleinen Nachtrag zu einigen vorangegangenen Texten (12 Duftstoffe für den 12. Monat im Jahr und Parfum mit Rosa Pfeffer) möchte ich gern einige Ergänzugen anfügen.

Denn der neue, in Kürze erscheinende Duft DEZEMBER wird seine Rosa-Pfeffer-Note nämlich dem Öl von Schinus molle (Peruanischer Pfefferbaum) verdanken. Ich selber hatte, als ich die Rezeptur entwickelte, mit einem CO2-Extrakt von Schinus terebinthifolius (Brasilianischer Pfefferbaum/ CAS.: Nr. 949495-68-5) gearbeitet und da man bei Bell Flavors & Fragrances, wo das Duftöl nun endgültig ausgemischt wurde, mit Schinus molle arbeitet, soll dies natürlich auch erwähnt werden. Um ehrlich zu sein, ich war gar nicht auf Schinus molle gekommen und deshalb möchte ich heute, hier und jetzt auch den Peruanischen Pfefferbaum vorstellen.

Die Systematik ist der von Schinus terebinthifolius sehr ähnlich.

Ordnung: Seifenbaumartige (Sapindales)
Familie: Sumachgewächse (Anacardiaceae)
Gattung: Pfefferbäume (Schinus)
Art: Peruanischer Pfefferbaum
Wiss. Name: Schinus molle L. (Carl von Linné, Erstbeschreibung 1753)
Synonym: Peru Mastix

Es handelt sich dabei um einen immergrünen, ca. 10-15 Meter hoch wachsenden Tropenbaum, dessen Äste teils weit herabhängen. Die Blätter sind gefiedert, die gelben Blüten sollen schön duften (da hab ich leider keine eigenen Erfahrungen vorzuweisen) und die rosafarbenen Früchte schmecken pfefferähnlich. An dieser Stelle sei aber noch einmal erwähnt, daß die bei uns handelsüblichen Beeren, die als Roter/ Rosa Pfeffer in den Gewürzregalen der Supermärkte angeboten werden, von Schinus terebinthifolius stammen. Ursprünglich in Mittelamerika beheimatet, wurde er inzwischen auch in Nordamerika eingebürgert und ist selbst im Mittelmeerraum weit verbreitet. Und da sich das Harz von S. molle auch kauen läßt, ganz ähnlich des Harzes von Pistacia lentiscus/ Mastixbaum, bietet sich hier vielleicht auch eine Erklärung des Namens/ des Synonyms.

Das Öl wird mittels Wasserdampfdest. oder neuerdings per CO2-Extraktion aus den Früchten gewonnen. Bei Dr. J. Lawless findet sich auch ein Hinweis auf auf die Blätter. Man kann daraus wohl auch ein berauschendes Getränk herstellen und als nach dem 2. Weltkrieg Schwarzer Pfeffer Mangelware war, kam Schinus molle auch verstärkt in der Küche zum Einsatz.

In der Aromatherapie wird das Öl auch sehr gerne eingesetzt. Schaut man sich an, was das Öl von Schinus molle alles kann, fragt man sich glatt, wo man ein Fläschelchen für den sofortigen Gebrauch herbekommen könnte und sollte der Winter doch noch hart werden: Es hilft sogar bei Frostbeulen und soll ein gute Grippemittel sein.

Veilchennote für Parfum mischen

Wie und mit welchen Rohstoffen mischt man sich eine schöne Veilchennote? Die Frage ist nicht ganz so leicht zu beantworten, da der Griff zu einem der teuersten Rohstoffe, der häufig im Zusammenhang mit Veilchen genannt wird – zu Irisbutter/ Veilchenwurzel – zwar viel Geld kostet, geruchlich jedoch vermutlich für Ernüchterung sorgen dürfte. Wer Veilchen will, wird sich nicht mit Möhre zufrieden geben und ich sage gleich dazu: Ohne Chemie wird es nicht gehen.

Veilchen_Komplextabelle

Und weil es hier um die Frage geht, wie man sich eine schöne Veilchennote und im Anschluß daran vielleicht ein fertiges Veilchenparfum selber mischen kann, gebe ich nicht einfach ein fertiges Rezept vor, so gut kann ich es ja selber noch nicht, sondern beschreibe, was ich selber inzwischen gelernt und ausprobiert habe. Diese Arbeit jedenfalls finde ich unglaublich spannend, weil ich es immer für sinnvoller halte, wenn man weiß, wie diese oder jene Note, dieser oder jener Akkord, in einem Parfum zustandegekommen ist. Vorgefertigte Duftmischungen sind zwar ganz nett und manchmal geht es einfach nicht ohne. Aber wer selber gerne kocht, wird bestimmt keine Tütensuppen verwenden.

Und eine schöne Veilchennote ist so schwer nun auch wieder nicht.

Als erstes sollte man sich folgende Rohstoffe unbedingt besorgen: IONON alpha, IONON bete, CETONE alpha, ISORALDEIN 70 oder ISORALDEIN 95, IRALDEIN gamma, NONADIENAL, ORIVONE, METHYLOCTINCARBONAT, SYVERTAL.

Aus diesen Chemicals läßt sich erstmal ein schönes Grundgerüst mischen und damit sie nicht jeden meiner Fehler nachmachen müssen, sollten sie sich z.B. IONON alpha und IONON beta in Form einer 10%igen Lösung ansetzen. Vorsicht ist auch beim METHYLOCTINCARBONAT geboten. Ich würde mir davon ebenfalls eine 10%ige Lösung anfertigen und davon maximal 5g auf 1000g einsetzen. Beim NONADIENAL ist es ganz ähnlich. Sagen wir mal so … wenn sie sich irgendwo 20g kaufen und nicht nur (für den Rest ihres Lebens) Veilchendüfte mischen wollen, dann sind sie damit endversorgt. Machen sie sich eine 0,1%ige Lösung und dann finden sie für sich die optimale Dosierung heraus.

Warum nun aber IONON alpha und IONON beta? Ich bin in dieser Sache noch nicht ganz entschieden. Während das erstere etwas deutlicher blumig/ veilchenartig und zugleich aber auch süßer (für mich auch leicht fettig) erscheint, ist letzteres klarer im Angeruch und dabei deutlich holziger. Nach Veilchen riechen beide Chemicals trotz der feinen Unterschiede gut. Das Problem ist nur, daß viele Menschen auf den einen oder anderen Stoff stark anosmisch reagieren (d.h., sie können den einen oder anderen Stoff gar nicht wahrnehmen) und es deshalb durchaus sinnvoll sein kann, beide IONONe einzusetzen.

CETONE alpha hat für mich das, was ich persönlich mit Veilchen verbinde. Als Synästhetiker spielen Farben für mich eine große Rolle und CETONE alpha bringt für mich den Blauton, den ich mit Veilchen assoziiere.

ISORALDEIN 70 riecht wunderbar grün/ blumig nach Veilchen.

IRALDEIN gamma erscheint ebenfalls zart blumig und bringt dazu eine leichte Fruchtnote mit.

NONADIENAL (trans-cis) wirkt wunderbar wässig. Ganz so, wie die Tautropfen am Morgen und hat eine deutlich Gurkennote. denken sie an die 0,1%ige Lösung. Es sei denn, sie bevorzugen Gurke. Dann nehmen sie es einfach pur.

METHYLOCTINCARBONAT ist fruchtig und riecht deutlich nach Birne. Vorsicht mit der Dosierung. Es sei denn, sie wollen Birne.

ORIVONE ist sehr interessant. ORIVONE bringt nämlich genau das, was Irisbutter oder Karottensamenöl (ginge auch) mitbringen. ORIVONE riecht dezent nach Möhre. Keine Sorge, ich weiß, das Thema ist Veilchen.

SYVERTAL riecht leicht bitter und grün. Braucht man unbedingt.

Und wenn sie nun aus diesen 9 Stoffen eine Grundmischung gefunden haben, gibt es natürlich noch einige Dinge mehr, die man schön für eine Veilchennote nutzen kann. In loser Reihenfolge könnten sie auch über folgende Dinge nachdenken. Natürlich funktioniert Irisbutter perfekt (die man mit etwas Karottensamenöl sogar strecken könnte) und jedes Veilchen braucht einen Spitzer Zitrusfrische. Veilchen geht unheimlich gut mit Hydroxicitronellal und Lilial. Die Süße stellen sie mit Heliotropin, Vanillin und/ oder Coumarn ein. Farnesol paßt wunderbar und natürlich können sie auch Nerolidol, Laurylacetat und Lyral ausprobieren. Iso e Super und etwas Moschus sind auch keine Fehlentscheidung. Nur das geliebte Hedione führt doch deutlich in die falsche Richtung. Probieren sie es einfach aus.

Viel Spaß und immer der Nase nach.

Der letzte, kleine Kater

Eau de Froehliche No. 2

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Auf leisen Pfötchen, fast unbemerkt, haben sich in den letzten Wochen die verbliebenen Flaschen vom EAU DE FROEHLICHE No. 2 (The Cat) verkauft und jetzt ist nur noch ein einziger, kleiner, frecher, schwarzer Kater zurückgeblieben. Im Eiskasten schlummert zwar noch ein Rest vom Parfum, aber die bedruckten Flaschen mit Jo`s Grafik, die sind dann alle weg. Wer also wirklich noch ein Kätzchen haben möchte, der sollte sich jetzt melden. Leere Original-Flaschen werden, so lange der Vorrat reicht, für ganz kleines Geld natürlich weiterhin wieder aufgefüllt.

Und an dieser Stelle noch ein kleines Statement zu meinen Mischungen, weil ich es im Laden immer wieder erlebe, daß mir völlig unbekannte Menschen von ihren Lieblingsdüften berichten – häufig genau die Marken, die es überall zu kaufen gibt – und mir dabei freundlich nahelegen, doch mal auch etwas zu mischen, was wie Lolita Lempicka oder Gaultier riecht (natürlich preiswerter). Klare Antwort: Ich denke im Traum nicht daran! Und wer Parfumflaschen in was auch immer für Formen schätzt und gern mal Schleifen und Schmetterlinge als Verschlußkappe sieht, der wird doch hoffentlich von mir nicht Ähnliches erwarten; was zudem bei so kleinen Serien gar nicht machbar ist. Kann und darf alles sein … ich mache es so.

Bei mir wird es auch weiterhin – solange es nicht komplett verboten ist (dann höre ich sofort mit Parfum auf) sehr viele natürliche Bestandteile geben: Rosmarin, Fenchel, Zitrusöle, Peru, Tolu, Weihrauch, Anis und Minze. Wer also ständig nur von der holden Natürlichkeit redet und bei Rosmarin dann das Gesicht verzieht, ist bei mir völlig falsch. Denn witziger Weise werden die Rufe nach natürlichen Düften und natürlichen Bestandteilen darin immer lauter, während im gleichen Atemzug die Parfums selber immer synthetischer/ künstlicher werden, und mir die Industrie zugleich die Gefährlichkeit von echtem Rosenöl erklärt.

Wer meint, hier vergleichen zu müssen, kann das natürlich gerne tun. Aber bitte nicht mir gegenüber im Sinne von besser-als oder schlechter-als. Die Andersartigkeit erkennen und schätzen – um der Vielfalt willen – ist keine Frage des Geschmacks. Mich langweilt die ewige Diskussion, welcher Tee, Kaffee, Rotwein und welche Schokolade nun am besten sind, einfach nur zu Tode. Mir ist Vollmilch ohnehin am liebsten.

PS. Der letzte Kater ist weg! Zu spät.

Zwölf Duftstoffe für den 12. Monat im Jahr

Schööön scharf.

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Als kleine Vorankündigung, für alle die denken, ich würde die Düfte meiner Monatsserie nie termingerecht fertiggestellt bekommen. Stimmt eigentlich auch, aber diesmal bin ich fast pünktlich und wenn der neue Duft dann im Januar bei Georg Wuchsa von Aus Liebe zum Duft zu haben sein wird, könnte ich ja auch behaupten, meiner Zeit endlich mal weit voraus zu sein – nach dem Dezember ist vor dem Dezember.

Das Thema des neuen Duftes ist auf jeden Fall Rosa Pfeffer (Schinus terebinthifolius) oder auch Weihnachtsbeere und von mir aus auch Brasilianischer Pfefferbaum. Satte 8% eines wundervollen CO2-Extraktes sind an dem Duft, dazu noch Kardamom und Limette in der Kopfnote, bevor es im Herz des Duftes etwas blumig und im Fond deutlich nach Fixolide und Patchouli schnuppern wird.

Das neue Design von Jo Zarth natürlich auch hier.

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Wann wird es den Dezember (No. 12) geben? Bald! Parfum ist fertig und schlummert schon im Eiskasten. Design von Jo und die Druckvorlage ist ebenfalls da, Flaschen stehen schon bereit und wenn die Druckerei Rahn im neuen Jahr wieder auf vollen Touren druckt, geht es bestimmt ganz fix.

Und was man sonst noch so über Rosa Pfeffer wissen darf, wenn man sich für Parfum interessiert steht hier: Parfum mit Rosa Pfeffer.

Parfum mit Rosa Pfeffer – Dezember

und auch wenn es mit dem Dezember (der No. 12) im Dezember nichts mehr wird, und schon gar nicht zu Weihnachten … Rosa Pfeffer/ Schinus terebinthifolius vom Brasilianischen Pfefferbaum paßt in der kalten Jahreszeit perfekt, die Früchte, auch Weihnachtsbeeren genannt, lassen sich nämlich auch für die Parfumerie ganz wunderbar nutzen und das aus ihnen gewonnene, ätherische Öl gehört zu den interessanten Riechstoffen die ich kenne. Und zu den teuersten. Das merken und wissen zwar die wenigsten Kunden. Mir egal, auch mein geliebtes Javanol ist nicht gerade preiswert.

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Rosa Pfeffer und Schwarzer Pfeffer sind zwar beides Gewürzpflanzen, doch die Systematik könnte unterschiedlicher kaum sein. Schon beim Ordnungsbegriff wird dies sofort deutlich. Während der Brasilianische Pfefferbaum mit seinem Rosa Pfeffer zur Ordnung der Seifenbaumartigen/ Sapindales gehört, wird der Pfefferstrauch (Schwarzer Pfeffer) den Pfefferartigen/ Piperales zugeordnet. Der Brasilianische Pfefferbaum, der Rosa Pfeffer, gehört zur Familie der Sumachgewächse/ Anacardiaceae (dessen wohl berühmtester Vertreter Mangifera indica/ der Mangobaum ist), und der Pfefferstrauch mit seinem Schwarzen Pfeffer zur Familie der Pfeffergewächse/ Piperaceae. Bei der Gattung wird zwischen Pfefferbäumen/ Schinus (Rosa Pfeffer) und Pfeffer/ Piper (Schwarzer Pfeffer) unterschieden. Die Artnamen lauten: Brasilianischer Pfefferbaum, Wiss. Name Schinus terebinthifolius, Namenskürzel Raddi, nach Giuseppe Raddi, und Pfeffer, wiss. Name Piper nigrum, Namenskürzel L für Carl von Linné.

SYSTEMATIK IM ÜBERBLICK

Brasilianischen Pfefferbaum

Ordnung: Seifenbaumartige/ Sapindales
Familie: Sumachgewächse/ Anacardiaceae
Gattung: Pfefferbäume/ Schinus
Art: Brasilianischer Pfeffer
Wissenschaftlicher Name: Schinus terebinthifolius

Pfefferstrauch

Pfefferstrauch

Ordnung: Pfefferartige/ Piperales
Familie: Pfeffergewächse/ Piperaceae
Gattung: Pfeffer/ Piper
Art: Pfeffer
Wissenschaftlicher Name: Piper nigrum

Und obwohl es mit dem Peruanischen Pfeffer/ Schinus molle (gehört zur Familie der Sumachgewächse) noch einen weiteren Vertreter aus der Gattung der Pfefferbäume/ Schinus gibt, interessiert mich im Moment nur der Rosa Pfeffer des Brasilianischen Pfefferbaumes Schinus terebinthifolius. Die genaue Unterscheidung ist deshalb so wichtig, weil der populäre Begriff Rosa Pfeffer leider keine genaue, botanische Herkunftsangabe-/bezeichnung ist. Rosa Pfeffer gibt es nämlich auch beim Schwarzen Pfeffer, nur daß dessen rosafarbenen Früchte leicht verderblich sind und deshalb den bunten Pfeffermischungen Schinus terebinthifolius zugesetzt wird, weil es so hübsch bunt aussieht, weiß kaum jemand und was für den Geschmack vielleicht wirklich nicht weiter von Belang ist, darf bei ätherischen Ölen niemals über einen Kamm (eine Nase) geschoren werden. Wie Pfefferöl riecht, kann man sich mit etwas Phantasie vielleicht noch vorstellen. Rosa Pfefferöl dagegen hat ein Strahlen und Leuchten, dazu eine zitrische Note und jede Menge weitere Gewürzfacetten, das es eine helle Freude ist. Da findet sich neben Monoterpenen, Limonen und alpha-Pinen (Weihrauch) auch jede Menge Myrcen (z.B. enthalten in Kiefer, Ingwer, Minze, Dill, Kümmel, Salbei, Fenchel etc.) und sogar Carvacrol (was ich am Bohnenkraut so sehr mag).

Bei so viel Inhalt und Duftreichtum war eigentlich klar, das ätherische Öl der Weihnachtsbeere (Schinus terebinthifolius/ Rosa Pfeffer) muß in die No. 12 mit hinein, muß in meinen Dezember.

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Hier ein erster Entwurf von meinem Freund Jo Zarth. Bliebe die Frage nach den restlichen elf weiteren Inhaltsstoffen. Schließlich heißt der Dezember ja Dezember weil er aus 12 unterschiedlichen Riechstoffen besteht. Ich werde zwar wieder nicht alles verraten, aber die Hauptrichtung aus 8 Stoffen ist einfach und schnell erzählt. Besorgen sie sich zum nach- und mitmischen unbedingt Rosa Pfeffer und etwas Kardamomöl für die Kopfnote, die zusätzlich mit etwas Zitrus garniert wird. Für das blumige Herz des Duftes auf jeden Fall Trichlorrosenkörper, Magnolan und Damascone (welche verrate ich nicht) und für die Basis braucht es eine gehörige Portion Fixolide und ganz wenig Patchouli. Den Rest überlasse ich ihnen.

Parfum JULI im neuen Gewand

Von wegen Dezember, daß ich nicht lache. Es ist JULI! Der JULI ist einfach viel schöner, als diese grautrübe Wetterfrechheit, die mir seit Jahren schon als Erderwärmung verkauft wird. Ich mach mir die Monate so wie ich es für richtig halte und deshalb ist ab heute JULI. Noch Fragen? Grapefruit&Vetyver. Und weil ab jetzt die Monatsdüfte in Serie gehen, habe ich Jo Zarth gebeten, ein neues, einheitlich anwendbares Design zu entwerfen.

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Und wonach riecht der JULI? Es ist natürlich bei der Grundidee geblieben. Grapefruit, mit etwas Phantasie auch Feigenblatt, und ein schöner Moschusfond mit viel Vetyver. 7 für den Duft verantwortliche Riechstoffe (teils kombiniert) und deshalb heißt der JULI Juli.

Kopfnote: Petitgrain und Grapefruit (Grapefruit wurde und wird dabei natürlich mit Methylpampelmouse gemischt 3:1)
Herznote: Feigenblatt (Stemone/ vorsichtig einsetzen! Max. 1-2g auf 1000!!) reichlich Hedione und Magnolan
Basis: Ein tolles Vetyveröl aus Haiti, kombiniert mit Vetiverylacetat (1:10), fett Iso e Super und natürlich etwas Timberol (sehr sexy).

Glasflasche 50ml, Vapo, Plastikschachtel

Nachmachen natürlich erlaubt, erwünscht und empfohlen. Parfummischen macht Spaß.